GHOST STORIES

„We have to be very careful what we choose to believe.“

Ghost Stories ~ UK 2017
Directed By: Jeremy Dyson/Andy Nyman

Der aus strenggläubigem jüdischen Elternhause stammende Professor Goodman (Andy Nyman) widmet sein Lebenswerk der Aufdeckung angeblicher Hellseher, Medien und anderer pseudoparpsychologischer Neppereien. Als er eines Tages eine Einladung seines großen Vorbilds Charles Cameron erhält, der mittlerweile ein desolates Leben als Einsiedler in einem Wohnwagen führt, erhält Goodmans stabiles Weltbild einen empfindlichen Dämpfer. Cameron konfrontiert ihn nämlich mit drei Fällen, die ihn selbst in die Verzweiflung trieben: Der Nachtwächter Tony Matthews (Paul Whitehouse) hatte einst eine erschütternde Begegnung mit einem Geistermädchen; der verschrobene Teenager Simon Rifkind (Alex Lawther) ist nachts im Wald einem Dämon begegnet und der superreiche, zynische Unternehmer Mike Priddle (Martin Freeman) musste gleichzeitig mit einem Poltergeist und mit dem Kindbetttod seiner Frau fertigwerden. Bevor Godman, der sich unterdessen selbst von einer finsteren Gestalt verfolgt wähnt, all diese Geschehnisse weiterleugnen kann, wird er selbst sich einer furchtbaren Wahrheit bewusst…

Dieser hübsche britische Genrebeitrag erfindet die Linsensuppe nicht neu, kann als kleine Reminszenz an die alten Amicus-Episodenfilme, der einen stilistischen Schulterschluss mit den jüngeren Blumhouse-Franchises sucht, jedoch recht gut bestehen. Es gibt eine ganze Stange mehr oder weniger wirksamer jump scares, die der ansonsten gediegenen Inszenierung regelmäßige Antriebsschübe verschaffen und die auf einen sich letzten Endes als relativ hausbackene Auflösung erweisenden, sich als nachhaltig von „Jacob’s Ladder“, „The Usual Suspects“ und „Shutter Island“ beeinflusst zeigenden twist der sonderbaren Ereignisse hinarbeiten. Wie die allermeisten Omnibus-Horrorfilme unterliegt dabei freilich auch „Ghost Stories“ dem unweigerlichen Gesetz der sukzessiven Steigerung seiner Einzelgeschichten, gestattet dem Zuschauer jedoch parallel dazu, sein persönliches Lieblingssegment zu küren. Mir gefiel am besten die mittlere Episode, da diese nicht nur mit einem veritablen Höllenbewohner (einige Inhaltsangaben sprechen gar vom Gehörnten persönlich, wofür ich jedoch keinen hundertprozentig verifizierbaren Anhaltspunkt ausmachen konnte) kokettiert, sondern zudem noch schön mysteriös, rätselhaft und mit aufreizend losen Enden aufwartet. Im Vergleich dazu fällt der nachfolgende Fall mit und um Martin Freeman, dem als prominentestem der besetzten Darsteller für den Rest des Films eine Art „Host“-Funktion zugedacht wird, in meiner Wahrnehmung wieder etwas ab. Ein wenig nachlässig in ihrem Aufbau erschien mir zudem die Psychologisierung des Protagonisten, über dessen persönliche Disposition und Motivationslage trotz emsiger, narrativer Bemühungen keine wirkliche Klarheit entstehen mochte. Vielleicht ist die Rahmenhandlung auch ganz einfach genau das eine, letztlich redundante Gran Zuviel des Guten. Eine grundsolide, altmodische Spukweise um einen Rationalisten, der das Fürchten lernt, scheint heutzutage scheint’s einfach nicht mehr ausreichend inhaltliche Erdung abzuwerfen. Schade drum, eigentlich.

7/10

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