FLASHBACK – MÖRDERISCHE FERIEN

„Mensch, das war doch bloß ein Scherz!“

Flashback – Mörderische Ferien ~ D 2000
Directed By: Michael Karen

Die seit früher Kindheit (Nicola Etzelstorfer) traumatisierte, mittlerweile erwachsene Jeanette (Valerie Niehaus) – ein irrer Mörder hatte ehedem ihre Eltern (Michael Greiling, Allegra Curtis) hingemetzelt – hat seither ihr ganzes Leben in psychiatrischer Obhut verbracht. Ihr Therapeut Dr. Martin (Erich Schleyer) glaubt nun, dass es an der Zeit ist, dass die intelligente, junge Frau wieder ein selbstbestimmtes Leben führt. Sie soll als Nachhilfelehrerin die drei verwöhnten Schroeder-Geschwister Leon (Xaver Hutter), Melissa (Alexandra Neldel) und Lissy (Simone Hanselmann) im Französischen fitmachen. Das Trio verbringt die Sommerferien ohne Eltern in der luxuriösen Alpen-Villa der Familie, ansonsten nur betreut von der knatschigen Haushälterin Frau Lust (Elke Sommer). Während sich Jeanette zu dem charmanten Leon hingezogen fühlt, scheint besonders Lissy, die Jüngste der Drei, ein gehörig durchtriebenes Früchtchen zu sein. Bald kommt es zu merkwürdigen Vorkommnissen, die rasch blutige Gewaltakte nach sich ziehen. Jeanette glaubt sich mit der eigenen Vergangenheit konfrontiert…

Kein Geringerer als der berühmte Hammer-Autor Jimmy Sangster, der seinerzeit als Neuinterpret der klassischen gothic horror novels um Dracula und Frankenstein erst den maßgeblichen Ruf des Studios mitbegründet hatte, zeichnete sich für das Originalscript zu „Flashback – Mörderische Ferien“ verantwortlich – sein letztes im Übrigen. Die Parallelen erweisen sich dann doch recht rasch als offenkundig: Sangster hatte für sein Hausunternehmen unter anderem bereits diverse Drehbücher (z.B. die zur schwarzweißen Madness-Trilogie 63/64) verfasst, die erzählen, wie ein labiles, in der Regel psychisch stark vorbelastetes Individuum aus Profitgier, Rache oder bloß aus fehlverstandenem Jux in den Wahnsinn getrieben wird. Auch der italienische Giallo besonders der frühen Siebziger bediente sich immer wieder gern bei dieser Thematik, die dann schließlich wiederum einen dankbaren Motivlieferanten für die US-Slasher-Welle der Achtziger bildete. Ein traditionsverpflichteter Topos also, gewissermaßen vom rechten Experten neu aufpoliert. Dass die oberflächlich informierte Presse den Film damals als deutsche Antwort auf das durch Wes Cravens „Scream“ losgetretene, das Subgenre ja von Fall zu Fall mal mehr, mal weniger treffend transzendierende Slasher-Revival abzuhandeln geneigt war, zeugt indes von nicht viel mehr denn von vorbildlicher Halbkenntnis.
Gewiss ist „Flashback“, das teils mit heute schon wieder verblühten Daily-Soap-Sternchen besetzte Kinodebüt des Düsseldorfer Regisseurs Michael Karen, der mittlerweile ausschließlich Fernsehen macht, zu großen Teilen als heftigst ironisierte Hommage zu verstehen – nicht jedoch als bloßes Anhängsel an das damals revitalisierte Hollywood-Geschlitze. Vielmehr setzt Sangster sich selbst und einem wesentlichen Anteil seines Schaffens ein kleines, teils ganz bewusst ordinäres Denkmal, das mit überzogen grellem grand guignol hausiert und schon insofern sehr viel mehr mit den bunten, mediterranen Genreausläufern der Frühsiebziger gemein hat, denn mit dem, als dessen Epigone er so häufig fälschlicherweise gewertet wurde und wird. Im deutschen Kino, das für so innige Connaisseursspitzen schlicht und einfach keine kommerziell tragfähige Nische bereithält, nach wie vor eine Ausnahmeerscheinung und somit ein durchaus lobenswert angesetztes Projekt.

7/10

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