ÉG MAN ÞIG

Zitat entfällt.

Ég Man Þig (I Remember You) ~ IS 2017
Directed By: Óskar Thór Axelsson

Der isländische Mediziner Freyr (Jóhannes Haukur Jóhannesson) vermisst schon seit längerem seinen kleinen, spurlos verschwundenen Sohn Benni (Gudni Geir Jóhanneson), dessen ungeklärter Verbleib Freyr schwer zusetzt. Aktuell unterstützt er die lokale Polizei bei der Untersuchung einer weiblichen Leiche. Die alte, in einer Kirche erhängte Frau weist kreuzförmige Narben mysteriösen Ursprungs auf dem Rücken auf. Weitere Recherchen ergeben, dass es in den Jahren zuvor noch fünf weitere Tote gab, die unter ähnlich seltsamen Umständen und mit ebensolchen Wundmalen aufgefunden wurden. Und noch etwas haben die Opfer gemeinsam: Sie alle besuchten als Kinder dieselbe Schule und haben offenbar mit Vorliebe einen Klassenkameraden namens Bernódus (Arnar Páll Harðarson) gequält, der zudem unter einem fundamentalistischen Vater zu leiden hatte. Während Freyr im Zuge seiner nunmehr parallel laufenden Recherchen selbst von geisterhaften Visionen heimgesucht wird, ist das Ehepaar Katrin (Anna Gunndís Guðmundsdóttir) und Garðar (Thor Kristjansson) nebst Freundin Líf (Ágústa Eva Erlendsdóttir) damit beschäftigt, in einem kleinen, verlassenen Küstenort einen Altbau in ein Hotel umzubauen. Seltsame Erscheinungen überzeugen Katrin bald, dass hier ein Geist umgehen muss…

Von erlösten und unerlösten Gespenstern: Die Regel, dass nicht nur aus dem Kontinentalskandinavischen, sondern vor allem auch aus dem kleinen Island in regelmäßigen Abständen überaus sehenswertes Genrekino kommt, bestätigt „Ég Man Þig“ aktuell wieder eindrucksvoll. Im Groben eine relativ ordinäre Geisterstory um ein ebenso vergeltungs- wie gerechtigkeitsbedürftiges Wesen aus dem Zwischenreich, ist das inhaltliche Grundgerüst dabei wenig innovativ. Was Axelssons Film indes schön und interessant gestaltet, sind zum Einen ein beeindruckend sicheres Regiehändchen und zum anderen die bewusst komplex aufbereitete Dramaturgie, die den Rezipienten mittels verschachtelter Narration unweigerlich zu hoher Aufmerksamkeit sowie zu angeregtem Mitentschlüsseln herausfordert. Tatsächlich verweben sich sukzessive nicht weniger als drei eigentlich voneinander unabhängige Subplots, deren Zusammenhang sich erst spät erschließt, zu einem homogenen Ganzen.
Die urwüchsig-karge Topographie des nordatlantischen Inselstaats liefert darüberhinaus bereits ein solch geballtes Kontingent an atmosphärischer Unterstützung, dass das übrige Zutun sich beinahe spielerisch-ungezwungen ausnimmt. Nichtsdestotrotz fesselt der für einen Horrorfilm regelrecht kontemplativ gehaltene „Ég Man Þig“ mit unablässig forcierter Intensität, nimmt für seine Figuren ein und überzeugt besonders in den emotional straff gespanten Szenen um die drei Möchtergern-Gastronomen, die jede(r) für sich in der Abgeschiedenheit seine/ihre ganz private, kleine Höllenfahrten erlebt. Die ganz große Katharsis bleibt dann am Ende auch aus. Für traurige Gespenster ist nur die Unendlichkeit.

8/10

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