HUMONGOUS

„What are you doing? What do you have in mind?“

Humongous ~ CAN 1982
Directed By: Paul Lynch

Eric (David Wysocki), Nick (John Wildman) und Carla (Janit Baldwin), drei jugendliche Kinder wohlhabender Eltern, und ihre Freundinnen Sandy (Janet Julian) und Donna (Joy Boushel) unternehmen mit der Familienyacht einen Törn auf dem Lake Michigan. Der ältere, vernünftige Eric und der aufbrausende Nick sind sich nicht wirklich grün. An einem nebligen Abend nehmen sie den schiffbrüchigen Angler Bert (Layne Colman) an Bord, der ihnen von der auf einer Insel im See hausenden Ida Parsons (Shay Garner) berichtet, die dort mit ihren Hunden das Dasein einer verschrobenen, ältlichen Einsiedlerin führen soll. Ein handfester Streit von Eric und Nick sorgt dafür, dass die Yacht in der Nähe jener „Hundeinsel“ kentert. Das Sextett kann sich an Land retten und macht alsbald die unangenehme Bekanntschaft eines ungeschlachten Gesellen, der sich als geistig wie physisch deformierter Sohn (Garry Robbins) der längst verstorbenen Ida Parsons herausstellt und der nie zuvor mit anderen Menschen in Berührung geraten ist…

Paul Lynchs kostengünstig hergestellter Slasher „Humongous“ teilt sich mit dem etwa ein Jahr zuvor gestarteten „The Unseen“ von Danny Steinmann den vergleichsweise unbepflügten Topos des „Kaspar-Hauser-Monsters“, eines fernab jedweder zivilisatorischen Einflussnahme aufgewachsenen und obendrein einer bestialischen Vergewaltigung entstammenden Kindes also, das sich zu einer Art hünenhaftem Mutanten ohne moralische Bremsen entwickelt hat und dessen urwüchsig-animalisches Naturell sich im jungfräulichen Kontakt mit unvorbereiteten Großstädtern umgehend als todbringend erweist. Auch deutliche Anklänge an Joe D’Amatos berüchtigten „Anthropophagus“ und dessen Motiv der entvölkerten Insel, auf der das Grauen im Verborgenen lauert, lassen sich bei Lynch ziehen. Mit Ausnahme des diesmal aus naheliegenden Gründen also kaum psychologisch unterfütterten Killers und des vergleichsweise ungewohnten Schauplatzes des einsamen Eilands hält sich „Humongous“ allerdings weitgehend an die Spielregeln des just fröhlich aufploppenden Subgenres; von den jugendlichen, fast gänzlich unsympathischen Protagonisten über die das Grauen vorbereitende und prologisierende campfire tale, den trägen Spannungsaufbau sowie die sich in rascher Folge abspielende Dezimierung der Gruppe bis hin zum final girl (Janet Julian, eine sehr nette Aktrice, die man später noch zweimal bei Abel Ferrara bewundern konnte) und dessen diverse nur scheinbar erfolgreiche Versuche, dem widerborstigen Unhold endgültig den Garaus zu machen, wurde die Grundrezeptur bald sklavisch eingehalten. Was Lynchs Film dann zumindest noch einen kleinen Exklusivitätsbonus beschert, ist seine oftmals über das gewohnte Maß hinaus reichende, abseitig wirkende und – das darf und muss man wohlwollend konstatieren – gekonnt evozierte Grundstimmung, die recht geschickt die eine oder andere Urangst des WASP-Amerikaners vor brutaler Archaik und unberechenbaren Atavismen widerspiegelt, wie sie üblicherweise dem Backwood-Sektor zu eigen ist.

5/10

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