THE EVIL

„YOU did all that?“

The Evil ~ USA 1978
Directed By: Gus Trikonis

Der Psychiater C.J. Arnold (Richard Crenna) hat den ehrgeizigen Plan, ein noch aus Bürgerkriegszzeiten stammendes, leerstehendes Landhaus, das er erworben hat, in ein Therapiezentrum für Suchtkranke umzufunktionieren. Bei der anstehenden Renovierung unterstützen ihn an einem ersten Wochende seine Frau Caroline (Joanna Pettet), ein paar Freunde und Stammpatienten. Das Haus jedoch birgt ein schreckliches Geheimnis: Sein einstiger Erbauer Emilio Vargas (Galen Thomson), der Caroline immer wieder als Geist erscheint, hat den Bau zu dem einen Zwecke errichtet, ein unter ihm befindliches Höllentor zu sichern und vor der Außenwelt zu verbergen. Im Keller befindet sich jene ominös versiegelte Falltür, unter der es heftig rumort. Als der strenge Rationalist C.J. die Luke öffnet, entweicht erwartungsgemäß das höllische Böse und knöpft sich einen nach dem anderen der unversehens im Hause gefangenen Besucher vor…

Für einen Film, der sich großspurig ankündigend selbst „The Evil“ tituliert, gibt Gus Trikonis‘ kleiner Teufelshausschocker ein eher possierliches Unterfangen ab. Was zunächst keine besondere Rolle spielt: Die Prämisse ist diesmal etwas fabulierfreudiger als in populäreren Repräsentanten des Subgenres, es geht nämlich weder um eine Gruppe unverdrossener Parapsychologen, die ausziehen, das wahre Fürchten zu lernen, noch um ein unbedarftes Ehepaar nebst optionaler Familie, dem bald das durch die Neuankömmlinge herausgeförderte Böse tüchtig die Wände erzittern lässt. Stattdessen haben wir einen erklärten Atheisten mitsamt achtköpfigem Anhang (auch ein Hund ist dabei, der als erster zum Bessenen wird). Hinreichend Futter und Gelegenheit also für die bereits in den Startlöchern befindlichen, infernalischen Kräfte, ihr schwefelsaures Wirken zu demonstrieren und sich, nach hermetischer Verriegelung aller Wege aus dem Bau hinaus, einen nach dem anderen der hilflosen Probanden auf illustre Weise vorzuknöpfen. Es slashert also auch ein bisschen, eine Methodik, die anno 78 im Genre des haunted house noch nicht wirklich großflächig etabliert und somit recht neu war. Die nicht immer als HerrInnen ihrer Sinne wild und unorganisiert durch die Räume rennenden Leute zerlegt es dann auch auf teils hübsche Art und Weise, was der ansonsten nicht immer zugkräftigen Dramaturgie einige willkommene Wachmacherschläge auf den Hinterkopf versetzt.
Der immer sehr seriös wirkende Richard Crenna bürgt dann auch dafür, dass es niemals allzu albern wird, bis zum Schluss, der mir auch mit gebührendem Abstand nicht ganz in den Kopf hineinwill und von dem ich nicht recht weiß, ob er vielleicht einer der bizarrsten Fälle von vorsätzlicher Selbstdemontage der gesamten Filmgeschichte darstellt: Unterhalb des Hauses begegnet C.J. Arnold nämlich niemand Geringerem als Satan persönlich. Dieser sitzt in Gestalt des wohlbeleibten Victor Buono lustig feixend und ganz in Weiß (aber ohne Blumenstrauß) auf einem Thron und konfrontiert den Mann des Geistes mit seinem steten Glaubensverzicht. Dieser obskure Aufzug erschien mir weder bedrohlich noch sonstwie unheimlich, sondern eben nur eines: grotesk. Ob Gus Trikonis mit jenem Antifinale nun seinen Sinn für Situationskomik unter Beweis stellen, Genremechanismen aushebeln oder seinem Publikum schlicht einen Tritt in den Arsch versetzen wollte, weiß ich nicht – ich für meinen Teil nehme es einfach, wie es sich wohl am Besten nimmt: mit Humor.

6/10

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