CRISIS

„Doctor, I’m sick!“

Crisis (Hexenkessel) ~ USA 1950
Directed By: Richard Brooks

Der geplante Erholungsurlaub in Lateinamerika wird für den renommierten Gehirnchirurgen Dr. Ferguson (Cary Grant) und seine Frau Helen (Paula Raymond) zu einem unerwarteten Spießrutenlauf: Der an einem Hirntumor leidende Juntachef und Diktator Raoul Farrago (José Ferrer) lädt das überrumpelte Ehepaar unfreiwillig zu sich ein, um Ferguson möglichst rasch die lebensnotwendige Operation durchführen zu lassen. Während Ferguson sich nur höchst widerwillig auf den komplizierten Eingriff vorbereitet, lässt der Konterrevolutionär Gonzales (Gilbert Roland) Helen kidnappen, um ihren Gatten dazu zu zwingen, den Despoten während der OP sterben zu lassen…

Nach einem bereits längeren Werdegang als Scriptautor legte Richard Brooks mit der MGM-Produktion „Crisis“ sein Regiedebüt vor, einen ersten Meilenstein in seiner fortan 35 Jahre und 24 Filme umfassenden Karriere als auteur. Nicht allein die Besetzung der Hauptrolle mit Cary Grant schlägt eine unverkennbare Brücke zum bisherigen Œuvre Alfred Hitchcocks, auch das Handlungsmotiv des unbescholtenen, unfreiwillig in ein mörderisches Komplott involvierten Bürgers erinnert sehr an die bevorzugten Topoi des Briten, so etwa an seinen „The Man Who Knew Too Much“. „Crisis“ bemüht allerdings noch eine zusätzliche moralische Dimension: Als Arzt ist Ferguson an den Hippokratischen Eid gebunden und somit an die berufliche Verpflichtung, jedes Leben ungleich anderweitiger Ressentiments zu beschützen und zu retten. Seine zu Recht erboste Reaktion auf die erzwungene Behandlung des zudem als Menschenschlächter berüchtigten Tyrannen steht demzufolge gleich von Beginn an im Widerstreit mit seinem professionellen Ethos. Alle Versuche, es Farrago und seinen Untergebenen möglichst schwer zu machen, erweisen sich als nutzlos, so dass Ferguson nach einigem Hin und Her schließlich doch die Atemmaske anlegen muss. Doch ist Brooks, auch wenn es zwischenzeitlich den entsprechenden Anschein macht, keinesfalls so naiv, sich eine tendenziöse Position zu gestatten; Farragos politische Widersacher, allen voran der sich liberal gebende Gonzales, entpuppen sich als um keinen Deut ehrbarer denn er selbst, sie bilden lediglich eine weitere Erbfolge in einer von vielen hoffnungslos instabilen Regionen des Kontinents. Eine überaus interessante Figurenzeichnung gelingt Brooks  in Bezug auf Isabel, die von Signe Hasso beeindruckend interpretierte Gattin Farragos, eine zu allem entschlossene, mutige und starke Frau, in der der längst mit autokratischem Größenwahn schwanger gehende Diktator seine vermutlich loyalste Weggefährtin anheim gestellt bekommt.

8/10

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