THE DECEIVERS

„I won’t kill for Kali.“

The Deceivers (Die Täuscher) ~ UK/IN 1988
Directed By: Nicholas Meyer

Indien, 1825. Kurz nach seiner Hochzeit mit der Offizierstochter Sarah Wilson (Helena Michell) besucht der im Dienste der East India Company stehende Captain William Savage (Pierce Brosnan) den Radscha Chandra Singh (Shashi Kapoor) in seinem Palast. Rein zufällig entdeckt er des Nachts, wie ein Gruppe Reisender von Meuchelmördern überfallen und grausam aufgerieben wird. Der Tatort entpuppt sich als Massengrab. Savage kann Hussein (Saeed Jaffrey), einen der mutmaßlichen Mörder gefangnehmen und mit Mühe und Not zum Reden bringen. Hussein berichtet ihm von den Thugs, einer seit Jahrhunderten umtriebigen Sekte von Kali-Anbetern, deren Tagesgeschäft die Ermordung Ungläubiger ist. Da Savage nicht auf die Unterstützung seines skeptischen Schwiegervaters (Keith Michell) hoffen kann, entschließt er sich, gemeinsam mit Hussein die Thugs als Inder verkleidet auf eigene Faust zu infiltrieren. Im Laufe der Zeit verfällt er schließlich selbst beinahe dem dunklen Zauber der Sekte.

Nicholas Meyer erwies sich im Laufe seiner Karriere immer wieder als ein eher biederer Regisseur, der zumindest mit einigen Beiträgen zum Science-Fiction-Genre, darunter zwei „Star Trek“-Filmen, entsprechend geneigte Zuschauer zufriedenstellen konnte. „The Deceivers“ indes, eine Merchant-Ivory-Produktion, präsentiert sich als geflissentlich aus der Zeit gefallen. Wo die arrogante Kolonialpolitik der Briten längst große Teile ihrer filmischen Romantisierung eingebüßt und sich spätestens mit Attenboroughs „Gandhi“ auch beim Mainstreampublikum deren alten Abenteuerkino-Meriten weitgehend  in Wohlgefallen aufgelöst hatten, pflegt „The Deceivers“ stoisch einen höchst obsoleten Umgang mit dem Thema. Er basiert vornehmlich auf einem bereits 1959 erschienen Roman, der wiederum Bestandteil eines ganzen Raj-Zyklus war. Als sympathischer, jedoch vom Taumeln bedrohter Held gibt Pierce Brosnan einen vortrefflichen englischen Gentleman ab, der bei der Aufdeckung und Zerschlagung des Thug-Kultes eine wesentliche Rolle spielt. Diese Geschichte ist keineswegs uninteressant, mag sich der eher auf Fernseh-Niveau befindlichen Inszenierung Meyers jedoch kaum unterordnen. „The Deceivers“ hätte auf rein thematischer Ebene hinreichend Gelegenheit für einen hübsch sleazigen oder campigen, lustvoll aus dem geradlinigen Ruder laufenden Parforceritt geboten, hinreichend Ansätze, das zeigt der Film häufig, wären zur Genüge vorhanden gewesen. Doch Meyer wählt den ebenso bequemen wie mediokren Pfad der Überraschungsarmut und weithin grassierenden Spannungslosigkeit zugunsten einer bewussten Andienung an eine gesetzte Rezipientenschaft. Da holen selbst die grandiosen Originalschauplätze kaum noch etwas heraus.
In jeder Hinsicht sehr viel spaßiger und, wenn auch nicht so pittoresk grundiert, mit dem notwendigen Sinn für Kolportage angereichert, wäre da die exaltierte Hammer-Produktion „The Stranglers Of Bombay“, die ich „The Deceivers“ gegenüber jederzeit klar den Vorzug gäbe.

5/10

Werbeanzeigen