HER MIT DEN KLEINEN SCHWEINCHEN

„Früher hatte er einen Porschefimmel – jetzt hat er einen forschen Pimmel.“

Her mit den kleinen Schweinchen ~ BRD 1984
Directed By: Otto W. Retzer

Die Flucht von einem prekären Tête-à-Tête führt den splitternackten Freddy (Alexander Gittinger) geradewegs in die Villa eines betuchten Ehepaars, dessen weibliche Hälfte (Bea Fiedler) just dabei ist, ihrem Gatten Waldemar (Alexander Grill) Hörner aufzusetzen. Gemeinsam mit dem wiederum gestörten Galan (Franco Schick) muss Freddy schließlich die abrupte, feierliche Heimkehr Waldemars unter dem Bett harrend ertragen. Der irreversible Schock eines späteren Verhörs bei der Gendarmerie (Freddy ist immer noch komplett klamottenlos) sorgt dafür, dass der Gebeutelte nunmehr unaufhörlich stottert. Abhilfe dafür weiß Dr. Wiesinger (Franz Marischka), der eine Methode entwickelt hat, ebenjene logopädische Unebenheit durch eine chirurgische Verkürzung der Penislänge beim betroffenen Patienten einzugrenzen. Das von Freddy amputierte, gute Stück näht sich der Doktor kurzum selbst an – und erlangt somit die ersehnte, stotternde Omnipotenz. Seine Suche nach begattungswilligen Damen führt ihn zum Au-pair-Mädchen Evi (Susanne Bonneik), die mit ihren Verführungskünsten soeben die gesamte Familie Harting aus den trauten Angeln gehoben hat und sich jetzt als Callgirl selbstständig machen will. Einer ihrer ersten Jobs sorgt prompt für Verwirrung in der Nachbarschaft: Anstelle des angekündigten, um Beischlaf buhlenden Muttersöhnchens (Wolfgang Jansen) landet ein Laienschauspieler (n.n.) in ihrem Haus und der jungfräuliche Schwerenöter an dessen Statt in der gegenüber liegenden Immobilie der Heuers. Eva (Julia Kent), die Dame des Hauses, plant nämlich, ihre Rolle für ein neues Stück zu proben.
Wolfgang (Wolfgang Fierek) und sein bester Freund Egon (Günther Mayer) schließlich genießen den durch Egons neue, aber nicht eben hübsche Gattin Olga (Ellen Umlauf) in ihr Lotterleben Einzug haltenden Luxus. Eine ausgedehnte Faschingsfeier der beiden Stelzböcke sorgt jedoch für allerlei Verwirrung und Irrung, wobei besonders Evas gehörnter Mann (Peter Settgast) ziemlich ins Schwitzen gerät.

Otto W. Retzers dritte Regiearbeit für die Lisa ist als Episodenfilm mit vier inhaltlich lose verknüpften Kurzgeschichten angelegt, aus denen jeweils eine oder zwei Figuren stets ins nächste Segment überleiten. Erhellend-kommentierende Off-Erläuterungen im Stil des spitzfindigen, oben angeführten Zitats liefert allenthalben der Schauspieler und Synchronsprecher Reinhard Glemnitz. Ansonsten lässt sich „Her mit den kleinen Schweinchen“, der auf Video auch (und einmal mehr völlig unpassend) als „Dirndljagd am Wörthersee“ veröffentlicht wurde, wohl am Treffendsten als ein kleines „Worst Of…“ der jüngeren Lisa-Geschichte bezeichnen; dass Retzer, der hier selbst zwei kleine Auftritte als versoffener Pennbruder absolviert, durchaus mal etwas sleaziger zur Sache zu gehen wusste als seine Kollegen F.J. Gottlieb oder Sigi Rothemund, dürfte hinlänglich bekannt sein. Dementsprechend deftiger denn dorten seine Liebäugeleien mit zumeist nichtsdestotrotz klamaukig konnotierter Softsex-Erotik, sprich, der Spielzeitanteil nackter Tatsachen. Typen wie Bea Fiedler (bereits etwas moppeliger als gewohnt), die beiden Alexander(s) Gittinger und Grill, Wolfgang Fierek oder Peter Settgast und nicht zu vergessen der unvergessliche Werner Röglin, hier in seinem letzten Filmauftritt überhaupt in üblichem Parademaß als erzschwuler Streifenpolizist zu bewundern, den natürlich jede sich bietende Gelegenheit gleich zum Diebe macht, bieten in diesem Zusammenhang zudem den unverzichtbaren, personellen Kitt vor der Kamera, dem Retzer und sein Coautor Erich Tomek durch ein gewohnt letztklassiges Konsortium an lustvoll dargebotenen Scheißwitzen das obligatorische Finish verabreichen. Retzer machte dann erstmal vier Jahre Pause als Regisseur, bevor er mit dem sehr ähnlich konzipierten (aber familienkompatibleren) „Starke Zeiten“, der gewissermaßen den Schwanengesang der Lisa-Kino-Periode einläutete, zugleich auch sein eigenes Leinwandengagement abschloss. Mit „Ein Schloss am Wörthersee“ folgte dann der beinahe kongeniale Sprung ins TV. 

4/10     

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