DARK WATERS

„Is our mother here?“

Dark Waters ~ I/UK/RU 1993
Directed By: Mariano Baino

Nach dem Tode ihres Vaters findet die Engländerin Elizabeth (Louise Salter) heraus, dass der Verblichene über viele Jahre hinweg ein entlegenes Nonnenkloster auf einer kleinen Schwarzmeerinsel finanziert hat. Um sich vor Ort ein Bild von den Gegebenheiten zu machen, reist Elizabeth persönlich zu dem Eiland. Dort angekommen, muss sie feststellen, dass ihre bereits vorgefahrene Freundin Theresa (Anna Rose Phipps) unter mysteriösen Umständen verschwunden ist und sämtliche Einwohner des Klosters und der umliegenden Strandhütten sich überaus seltsam benehmen. Auch Elizabeth selbst empfängt merkwürdige Visionen und Flashbacks aus Kindheitstagen, die sie, wie sich herausstellt, bereits auf der Insel verlebt hat und die hinter omimösen Erinnerungsschleiern verborgen sind. Offenbar steckt hinter all den Mysterien ein heidnischer Kult um eine uralte, dem Meer entstiegene Wesenheit…

„Dark Waters“ gilt als einer der letzten nennenswerten Beiträge zum italienischen Horrorkino, den der neapolitanische Filmemacher Mariano Baiano als seinen ersten und bisher einzigen Langfilm als kostengünstige Produktion mit englischen Hauptdarstellerinnen in Russland und der Ukraine fertigte. Baiano liebäugelt dabei mit zahlreichen Einflüssen aus der phantastischen Literatur und der jüngeren, landeseigenen Kinohistorie, denen er seine offenkundige Ehrerbietung erweist; unübersehbar in erster Instanz die Einflüsse von Grimms Märchen ebenso wie die lovecraftscher Mythenbildung (insbesondere „Dagon“) um unfassliche Entitäten aus den Tiefen des Anderswo und der ihnen zugehörigen, äonenalten Kulte, die ihre verborgene Präsenz und/oder geplante Wiederkehr beschwören. Auch Bram Stokers „Dracula“, oder zumindest dessen erste Hälfte um den in Transsylvanien ankommenden Jonathan Harker findet sich vehement referiert, ebenso wie (auf inhaltlicher Ebene) Robin Hardys „The Wicker Man“. Auf filmästhetischer Ebene orientiert sich Baiano derweil eher an den in den Jahren zuvor entstandenen Filmen von Michele Soavi, insbesondere „La Chiesa“ und „La Setta“, denen es weniger um die Beschwörung inhaltlicher oder narrativer Stringenz geht, sondern wesentlich vordringlicher um die Erschaffung einer unheiligen, mit den Mitteln der Ratio kaum fassbaren Atmosphäre des Abseitigen, um paganistische Glaubenssätze und Anbetungen des Abgöttischen. Man möge sich für den befreiten Genuss von „Dark Waters“ also weniger auf die Suche begeben nach logischen Kausalitätsschemata, da sich Baianos Werk in solchem Falle als undankbar erweisen könnte. Unter Berücksichtigung seiner Gestaltung als freie, genießerische und dabei immens eigenwillige Vision eines Künstlers, der seinem persönlichen popkulturellen Lern- und Reifeprozess ein Denkmal setzte, sollte man sich in den nassforschen, faulig-fischigen Windungen von „Dark Waters“ indes bestens aufgehoben finden.

7/10

DIE JÄGER

„Ein herzliches Waidmanns Dank.“

Die Jäger ~ BRD 1982
Directed By: Károly Makk

Der wohlhabende Diplomat Stephan Mathiesen (Mel Ferrer) reist mit seiner jungen Frau Daniela (Barbara Sukowa) auf ein kleines Jagdschloss jenseits des Eisernen Vorhangs in der herbstlichen Tatra, um dort ein paar Tage lang der waidmännischen Passion osteuropäischer Jagdtradition zu frönen. Besonders Bären haben es dem arrivierten Mathiesen als nervenkitzelnde Beute angetan. Erst nach und nach bemerkt Mathiesen, dass Daniela und der Jagdführer Boris (Helmut Berger) sich offensichtlich von früher kennen und ein unheiliges Geheimnis teilen, das auch den Verwaltern des Chalais (Karin Baal, Jozef Kroner) nachhaltiges Kopfzerbrechen bereitet…

Produziert von Dieter Geissler und inszeniert und geschrieben von dem ungarischen Filmemacher Károly Makk kam 1982 dieses behäbige Äquivalent zu einem Kitschroman in die bundesdeutschen Kinos. Zu bieder für ein ausgesprochenes Stück Kolportage reizt nunmehr lediglich die illustre Besetzung zu einer revisionistischen Beschau des zwischen Wildromanze und konsalikscher Dramaturgie eingerichteten Stücks, in dem, offensichtlich im Zuge einer echten Jagdsaison vor Ort, etliche kleine und größere Tiere abgeknallt werden in Bildern, die dem passionierten westdeutschen Nimrod anno dunnemals vermutlich die Freudentränen kullern ließen – und nicht nur diese.
Die zur Aufpeppung der gleichförmig-trägen Narration immer wieder bemühte On/Off-Affäre zwischen Berger und Sukowa, zu der standesgemäß auch ein lauwarmes  Techtelmechtel inmitten weißer Felle in einer abgelegenen Hütte gehört, lockt da wenig, zumal dem Zuschauer recht bald egal ist, wie das Dreieck der unseligen Lüste nun enden mag. Um meinen Beitrag auf Länge zu bringen, verrate ich’s trotzdem: Die Sukowa dreht durch, nachdem Berger sie mit ihrem gemeinsamen, alten Geheimnis (er hat sie einst per Meineid vor Gericht gedeckt, nachdem sie ihren grobschlächtigen, ersten Ehemann im Zuge eines angeblichen „Jagdunfalls“ erschossen hatte) erpresst, damit sie wieder zu ihm zurückkehrt und knallt nunmehr auch ihn ab. Danach ist sie reif für die Klappse und der sich über den gesamten Film ignorant gebende Ferrer steht mit einem Nervenwrack da. Hätte er nur zuvor auf sie gehört und wäre flugs wieder mit ihr abgereist – die ganze Unbill wäre ihm und ihr erspart geblieben. Gisela Hahn ist noch toll als versoffene, Ketten rauchende und um koitale Gefälligkeiten bettelnde Establishment-Schlampe und eigentlich das Beste am ganzen Film. Roland Baumgartners Musik wäre derweil dazu angetan, eine zeitgenössische „Traumschiff“-Folge zu veredeln, sonst gibt’s wie gesagt nicht viel zu holen. Für Komplettisten und Masochisten.

4/10