VACANZE PER UN MASSACRO

Zitat entfällt.

Vacanze Per Un Massacro (Toy) ~ I 1980
Directed By: Fernando Di Leo

Der Bankräuber Joe Brezzi (Joe Dallesandro) flieht aus dem Knast um seine sorgsam versteckte Millionenbeute einzusacken und damit um die Welt zu tuckern. Die Lire befinden sich, eingemauert unterhalb eines Kamins, in einer kleinen Jagdhütte nördlich von Rom, die mittlerweile dem Ehepaar Sergio (Gianni Macchia) und Liliana (Patrizia Behn) gehört. Ausgerechnet als Joe vor Ort eintrifft, kommen auch Sergio und Liliana nebst deren verluderter Schwester Paola (Lorraine De Selle) an, um ihr Wochenende dort zu verbringen. Was die treue Liliana nicht weiß, hat der sich anfangs versteckt haltende Joe bereits nach wenigen Stunden spitz: Sergio und Paola setzen der Ahnungslosen Hörner auf, wie und wo es nur geht. Als Sergio zu einem Jagdausflug aufbricht, nutzt Joe die Gunst der Stunde und überwältigt die zurückgebliebenen Frauen nicht nur mit seinem räudigen Charme. Mit Sergios Rückkehr erhält die mittlerweile transparent gewordene Beziehungskonstellation nochmals eine weitere Brisanz. Wer überlebt den mörderischen Ringelreihen?

Joe Dallesandro, genannt „Little Joe“, ist schon eine Marke. Das als ausnehmend maskulin und viril gefeierte, kernige Idol der Warhol-Factory führte seine frühe Biographie als familiär entwurzelten, kriminellen jungen Mann von Florida nach New York und durch diverse Besserungsanstalten und Erziehungsheime, bis Andy Warhol und Paul Morrissey ihn zufällig entdeckten und kurz darauf bereits zum Star einer eigenen Filmtrilogie machten. Danach ging es nach Europa, wo Dallesandro zunächst weiter mit Morrissey arbeitete und dann, ganz ähnlich wie sein zweimaliger Partner Udo Kier oder Helmut Berger eine wechselvolle Karriere zwischen erbittertem Sleaze und hehrer Filmkunst beging, die ihn in die Arme kleiner Schundproduzenten ebenso trieb wie in die von ein paar der anerkanntesten Regisseure des letzten Jahrhunderts. Der 1980 entstande „Vacanze Per Un Massacro“ fällt natürlich in erstere Kategorie. Als „Terror“- und/oder „Home Invasion“-Film reiht sich Di Leos böses, kleines Schmierpsychogramm relativ nahtlos ein in eine kleine, zeitgenössische Phalanx ganz ähnlich gefärbter Werke wie Franco Prosperis „La Settima Donna“, Ferdinando Baldis „La Ragazza Del Vagone Letto“ oder Ruggero Deodatos „La Casa Sperduta Nel Parco“. All diesen Arbeiten ist neben ihrer grundsätzlichen atmosphärischen Nähe zum großen Vorbild „The Last House On The Left“ gemein, dass sie ein sehr pessimistisches, misanthropisches Bild eines funktionalen Zusammenlebens der Geschlechter entwerfen, harmonische Zweisamkeit vielleicht sogar als unerreichbare Utopie beschwören. So geht es auch in „Vacanze Per Un Massacro“ hauptsächlich um die Verlogenheit eines scheinbaren Eheidylls, das erst durch die Intervention eines primär instinktgesteuerten Gewaltverbrechers offengelegt und geradegerückt werden werden kann. Einzig die verblendete, brave Liliana geht in all ihrer vormaligen Naivität als unschuldiges Viertel des Quartetts durch, zumindest bis Joe ihr mit aller Härte einbläut, in welchem Vipernnest sie sich lange Zeit gut aufgehoben glaubte: Ihre Schwester Paola ist ein moralisch zutiefst verdorbenes, nymphomanes Früchtchen, das selbst seine (bewusst ausgestellte) Vergewaltigung durch Joe als beiläufigen, sogar gefälligen Akt abtut und den später wiederum durch Joe erzwungenen, öffentlichen Koitus mit ihrem Schwager wie dieser auch offenbar sehr genießt. Der armen Liliana offenbart sich dadurch, auf forciertem Wege und vermutlich nicht unbedingt zu ihrem psychischen Benefizium, binnen weniger Stunden die ganze Niedertracht des Menschengeschlechts, wofür auch sie am Ende ihre Rache einfordert. Wie es danach mit ihr weitergeht, lässt sich nur mutmaßen, aber es wäre wenig verwunderlich, wenn auch sie sich auf den verlockenden Pfad der Verlotterung begäbe, mit der Kohle durchbrennt und selbst zum Arschloch wird. Di Leo, der vor allem in späteren Karrierejahren die dem Gesellschaftsleben inhärente Schwärze abbildete, setzt hinsichtlich seiner Dramaturgie dabei weniger auf Gewalt denn auf Sexploitation. Behaglicher macht dies seinen rotzigen Film keineswegs.

7/10

YOURS, MINE AND OURS

„It’s giving life that counts.“

Yours, Mine And Ours (Deine, meine, unsere) ~ USA 1968
Directed By: Melville Shavelson

Sowohl der Navy-Offizier Frank Beardsley (Henry Fonda) als auch die Militär-Krankenschwester Helen North (Lucille Ball) sind verwitwet und stehen jeweils mit ganzen zehn bzw. acht Kindern unterschiedlicher Altersklassen da. Als sie sich eines Tages per Zufall kennenlernen und zu einem ersten Date verabreden, ist rasch wahre Liebe im Spiel, die Vernunft angesichts der jeweiligen Beichte ihrer monströsen Anhänge obsiegt jedoch und man trennt sich gütlich. Franks Freund Darrel (Van Johnson) hat jedoch längst registriert, dass die beiden (nebst ihren Familien) füreinander bestimmt sind und verkuppelt sie dann doch erfolgreich mit anschließender Heirat. Jetzt heißt es, die Riesenbagage erfolgreich unter einen Hut zu bringen. Als sich schließlich ein erstes gemeinsames Baby ankündigt, wird das vorprogrammierte Chaos nicht kleiner…

Melville Shavelson schrieb und inszenierte gern und zuverlässig familientaugliches Studiokino auf der sicheren, oder, bös formuliert, biederen Seite. „Yours, Mine And Ours“ ist ür Shavelsons Arbeitsweise ein Vorzeigeexempel; eine liebenswerte, mit drei sympathischen Stars besetzte Komödie mit ein paar gelungeneren und ein paar ziemlich farblosen Situationsgags sowie wenigen dramatischen Kerben, die, dessen ist man sich sehr bald gewiss, jedoch nie das frohe Gesamtbild ins Taumeln bringen. An „Yours, Mine And Ours“ ist alles hübsche Routine. Er zeigt sich beeinflusst von den damals noch recht frischen TV-Sitcom-Formaten rund um herzliche, bourgeoise Familien und deren unaufgeregt gewöhnliche Alltagsexistenzen, wobei selbst die Regie höchstens einmal stellenweise und dann unwesentlich bis kaum spürbar von jenen bombensicheren Gewöhnlichkeitspfaden abweicht. Ähnlich wie James Stewart (der ohne Schwierigkeiten auch Fondas Rolle hätte spielen können) in seinen drei ebenfalls um diese Zeit entstandenen Koster-Filmen bildet auch „Yours, Mine And Ours“ einen jener spießig kolorierten, dabei völlig hilflosen Altstar-Versuche, gegen die immer stärker grollenden New-Hollywood-Umtriebe Front zu machen. Während in Südostasien der mit Napalm bombardierte Dschungel lichterloh brannte, mühte man sich unter anderem auch in massenkompatiblen Filmen wie diesen verzweifelt, das US-Militär in gerade Lichtverhältnisse zurückzurücken und ihren Entscheidungsträgern aufrichtige humane Grundgesinnungen angedeihen zu lassen: Ein sympathischer Offizier wie Frank Beardsley, der für ganze 19 Kinder verantwortlich ist und dessen Ältester (Tim Matheson) am Ende stolz erhobenen Hauptes zu den Marines geht kann ja faktisch nur ein erklärter Philanthrop sein. Dass die Chancen indes gut standen, dass die Beardsleys schon bald um einen Sprössling erleichtert werden würden, behielten Shavelson und sein Film derweil lieber für sich.

6/10