PUPPET MASTER: THE LITTLEST REICH

„Do you have a Menorah here?“

Puppet Master: The Littlest Reich ~ USA/UK 2018
Directed By: Sonny Laguna/Tommy Wiklund

Exakt dreißig Jahre nach einem mysteriösen Massaker, hinter dem der in Sachen Okkultismus bewanderte Puppenmacher und hingebungsvolle Altnazi André Toulon (Udo Kier) steckte, findet eine Fan-Convention statt, die diverse Besitzer der makabren Puppen aus aller Welt zu einer großen Auktion und einschlägig Interessierte zu Toulons mittlerweile als Museum fungierender Villa in Texas locken. Auch den kürzlich geschiedenen Comicautoren Edgar (Thomas Lennon), seine neue Freundin Ashley (Jenny Pellicer) sowie seinen Arbeitgeber und besten Kumpel Markowitz (Nelson Franklin) zieht es zu dem Event, nicht zuletzt, da Edgars eigene Vergangenheit direkt mit einer von Toulons Puppen verknüpft ist. Als die kleinen Kerle allesamt zeitgleich zu neuem, unheiligen Eigenleben erwachen, richten sie sogleich ein derbes Blutbad unter ihren gemeinsam in einem Hotel residierenden Besitzern an. Ist Toulon selbst am Ende gar nicht tot und zieht weiterhin die Fäden aus dem Hintergrund…?

David Schmoellers für Charles Bands Spielzeughorrorstudio Full Moon inszenierter „Puppet Master“ hat nunmehr genau drei Jahrzehnte auf dem Buckel. Dem Original wurde unterdessen viel liebevolles Expertenlob zuteil, derweil in den Folgejahren ganze zehn Sequels plus einem Crossover entstanden und das buchstäblich kleine Franchise damit zu einem der beständigsten Serials im Genre machten. Während die Horrorwurzeln zugunsten der den Thema ebenfalls inhärenten Fantasyelemente gelegentlich etwas in den Hintergrund gedrängt wurden, bildet die vorliegende, ganz postmodern als „Reboot“ zu kategorisierende, von Fangoria produzierte Neuinterpretation wohl die blutrünstigste der bisherigen Installationen.
Für die beiden schwedischen Genre-Aficionados und Regisseure Tommy Wiklund und Sonny Laguna bot sich mit „The Littlest Reich“ analog dazu die willkommene Gelegenheit, ein kleines event movie mit ein paar Gaststars und deutlich höherem Budget als bislang gewohnt zu inszenieren, dessen Script zudem vom derzeit selbst als Filmemacher reüssierenden S. Craig Zahler stammt. Wer Zahlers eigene Regiearbeit kennt, weiß, dass er von pointierter, heftig-metanaturalistischer Effektarbeit geradezu angezogen wird, eine Tatsache, die sich auch in „The Littlest Reich“ niederschlägt. So sind nicht allein die oftmals in groteske Gefilde abdriftenden, handgemachten Goresequenzen eklatante Merkmale seines Stils, sondern auch die gleichsam stark ironisierte wie bitterböse konnotierte Verwendung von Naziploitation als gattungsprägendem Merkmal – ein Kunstgriff, der nicht jedem Rezipienten umweglos munden dürfte, obschon Zahler ja höchstselbst jüdischstämmig ist.
Aus dem ehedem von William Hickey und später von Guy Rolfe gespielten, von den Nazis verfolgten André Toulon wurde in der modernisierten Variation unter dem unverwüstlichen Udo Kier selbst ein bösartiger Handlanger Hitlers und Befürworter der Herrenrassentheorie, dem nach Kriegsende die Flucht nach Amerika gelang und der alles, was vom nordischen Ideal des arischen Übermenschen abweicht (und sei es bereits durch die sexuelle Ausrichtung), gnadenlos durch seine dämonischen Helfershelfer auslöschen lässt (die gezeichnete Titelsequenz fasst dies in famoser Weise zusammen). Von den manchmal geradezu putzigen Sympathieträgern der früheren „Puppet Master“-Filme könnten die aktuellen Horrorpüppchen also kaum weiter entfernt sein. Die Voraussetzungen passen also, dennoch wirkt „The Littlest Reich“ für die meisten Minuten seiner kurzen Erzählzeit eher unbeteiligt-unterkühlt und infolge dessen zuweilen zynischer, als es ihm guttut. Möglicherweise ist es den Regisseuren anzulasten, dass der Film keine echte Homogenität entwickeln will; dass selbst die als Sympathieträger veräußerten Heldinnen und Helden und ihre Schicksale einem weitgehend gleichgültig bleiben und die biestigen Effekte ein wenig den Eindruck von gesetzten Häkchen auf einer minutiös vorausgeplanten Checkliste hinterlassen.
Ob die vielen losen inhaltlichen Enden und unbeantworteten Fragen dereinst nochmals aufgegriffen werden oder das bereits angedrohte Sequel das Potenzial dieser Neuausrichtung gewinnender zu nutzen vermag, wird die Zeit erweisen. Fürs Erste ist jetzt gut.

6/10

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