THE MAN WHO KILLED HITLER AND THEN THE BIGFOOT

„I feel… old. And I know, I am.“

The Man Who Killed Hitler And Then The Bigfoot ~ USA 2018
Directed By: Robert D. Krzykowski

Calvin Barr (Sam Elliott) ist ein unscheinbarer, älterer Herr, dessen einziger wirklicher Freund sein Hund ist und der seine einsamen Tage zwischen Medikation und Bar fristet. Niemand weiß, wer Calvin wirklich ist bzw. war: Eine Art Superspion des Zweiten Weltkriegs, der einst die geheime Sondermission, Adolf Hitler zu ermorden, erfolgreich ausgeführt hatte – eine Aktion, die nie publik werden durfte und Calvin in der Folge zu einem Leben in strenger Anonymität verdammte. Einzig zu seinem Bruder Ed (Larry Miller) pflegt er noch Kontakt. Nun kommt Calvin, betagt wie er ist, als einziger Proband in Frage, einen weiteren Spezialauftrag zu erfüllen: Ausgerechnet der Bigfoot überträgt in den Wäldern an der kanadischen Grenze ein hochansteckendes und tödliches Virus, das die gesamte US-Bevölkerung gefährdet. Calvin, dessen Organismus gegen das Virus immun ist, soll die geheimnsivolle Kreatur aufspüren und töten. Nach anfänglicher Weigerung entschließt er sich dann doch, der Staatsräson ein letztes Mal Genüge zu tun…

Ein schönes Altersgeschenk an den ohnehin viel zu unbesungen Sam Elliott ist dieses charmante, sich vor allem im Hinblick auf seine absurde Prämisse glücklicherweise erstaunlich ernst nehmendes Fantasydrama, das sich vielleicht am Ehesten als fabulierfreudige Transponierung bzw. Interpretation des uramerikanischen Mythos des „unknown soldier“ umschreiben lässt. Ein wenig erinnerte mich Calvin Barrs Geschichte auch an den Marvel-Helden „Captain America“ Steve Rogers, minus die origin um das Supersoldatenserum, die bunte Uniform und natürlich den Eisblock. Ansonsten scheint Barr jedoch eine ganze Menge mit Rogers zu verbinden – er tauscht das private, zivile Glück gegen den wichtigsten Attentatsauftrag des Zwanzigsten Jahrhunderts und somit auch gegen die forciert aufzuerlegende Selbstisolation. Dass selbige dereinst nicht nur Calvins Beziehung zu der hübschen Lehrerin Maxine (Caitlin Fitzgerald) zwangsbeendete, sondern ihn darüberhinaus zu einem müden, depressiven Mann werden ließ, ist der Preis des heimlichen Heldentums, zumal die Geschichtsschreibung von Calvins einstiger Heldentat nichts mitbekam (oder mitbekommen durfte). Die von ihm überaus wehmütig angegangene Jagd auf den Bigfoot, ein sich selbst behütendes Naturgeheimnis, das das schicksalhafte Pech hat, zum Virusüberträger geworden zu sein, wird ihm ebensowenige Meriten bescheren.
Was ich zu Beginn und ohne Informationen als ironische bis pulpige Kinokrudität antizipierte, erwies sich zu meiner positiven Überraschung als stilles, tatsächlich sehr unaufgeregt arrangiertes Drama um einen halben Helden ohne Triumphmarsch und Siegesfeier, einen, der zur Stelle war und ist, einfach, weil er es sein muss. Der binnen seiner nunmehr rund fünfzig Jahre umfassenden Karriere mit nur sehr wenigen nachhallenden Hauptrollen gesegnete, wunderbare Elliott füllt jene Rolle aus, wie man es von ihm kennt und erwartet: stets körperpräsent und dabei von der altbekannten, stoischen Coolness beseelt, die ihm nunmehr, im gehobenen Alter, zugleich eine wohlnuancierte Wehmut verleiht. Der Langfilmdebütant Krykowski weiß daraus eine würdevolle Hommage zu weben, die mit ihrer widerborstigen Tempodrosselung und ihrem recht ungewöhnlichen Dualismus aus comicesker Fabulierfreude und Melancholie eine Empfehlung für diesen Film und auch für künftige Projekte abgibt.

8/10

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