JOHN WICK: CHAPTER 3 – PARABELLUM

„I still have time.“

John Wick: Chapter 3 – Parabellum ~ USA 2019
Directed By: Chad Stahelski

John Wick (Keanu Reeves), innerhalb der „Hohen Kammer“ der internationalen Killer-Gemeinschaft zur persona non grata erklärt und exkommuniziert, findet bekanntlich immer noch ein letztes Schlupfloch. Diesmal ist ihm eine alte Bekannte (Anjelica Huston) aus Weißrussland behilflich, die ihm noch einen Gefallen schuldet. Mit ihrer symbolischen Unterstützung gelangt Wick nach Casablanca, wo ihm wiederum Sofia (Halle Berry), die Managerin des hiesigen „Continental“, widerwillig zunächst Tür und Tor zum Attentäter Berrada (Jerome Flynn) öffnet, den die beiden im Anschluss mitsamt seinem Gefolge niedermähen, nachdem er einen von Sofias geliebten Hunden erschießt. Via die gewünschte und erhaltene Information begibt sich Wick in die Sahara und trifft dort, kurz vorm Erschöpfungstod, auf einen der obersten Chefs der Hohen Kammer, den „Ältesten“ (Saïd Taghmaoui), vor dessen Augen Wick Tribut ablegt und seinen Treueschwur erneuert. In New York zeigen sich eine Wick verfolgende „Richterin“ (Asia Kate Dillon) und ihr Helfershelfer Zero (Mark Dacascos) derweil unbeeindruckt von Wicks Bemühungen und nehmen das hiesige Continental unter Manager Winston (Ian McShane) ins Visier. Der unterdessen dorthin zurückgekehrte Wick kann Zero mit Winstons Hilfe im Duell besiegen, wird aber schließlich im Austausch für dessen Managerrechte doch noch von ihm verraten. Schwer verletzte flüchtet sich Wick zu dem nicht minder angeschlagenen Bowery King (Laurence Fishburne), um die nächsten Schritte zu planen.

Kaum zu glauben, aber die zur Trilogie angewachsene Saga um den „Schwarzen Mann, den man anheuert, um den Schwarzen Mann zu töten“, geht in der dritten Runde noch mehr in die Vollen als der schon höchst aufgedrehte Vorgänger. Ein unfassbares, ausuferndes Tötungsgewitter ist das Resultat, mit einer rekordverdächtigen Zahl hinweggeraffter Opfer, die sich mit Stich- und Feuerwaffen, bloßen Händen und unter teils tatkräftiger Beteiligung von Pferden und Hunden rigoros in die Profikillerhölle geschickt finden. Wierum im Höchstmaß begeisternd nimmt sich vor allem die visuelle Perfektion aus, die Stuntprofi Stahelski mit jedem Film in noch vollendetere choreographische Sphären zu treiben scheint; nahezu surreale set pieces und ausgesucht erlesene Kulissen dienen als prachtvolle Hintergründe für Wicks diverse Liquidierungsabenteuer, derweil Stahelski ganz bewusst auf exorbitante Schnittgewitter oder verschleiernde Montageakte verzichtet und an deren Statt die reine Aktion für sich sprechen lässt. Was hier an Kämpfen ausgetragen wird, das ist zumindest zum Großteil echte kinetische Kunst, die die begleitende Technik bravourös geplant unterstützt. Der ausgesprochenen formalen Erstklassigkeit setzt das Script derweil ein die Gewaltakte relativierendes Comic-Moment entgegen, das mich stark an die Schelmereien eines Mark Millar erinnerte.
Mit dem vorliegenden Teil löst sich der Wick-Zyklus inhaltlich somit noch mehr als zuvor von Erdboden und realistischer Gravitas und begibt sich stattdessen tiefer in die weiterfabulierte Parallelwelt der Profikiller und Attentäter, deren globales Netzwerk nicht zuletzt infolge des Nordafrika-Kernakts einen beinahe mythologischen Überbau erhält – wenn im nächsten Teil auch noch Geister, Vampire oder Zombies auftauchten, wäre das im Prinzip kaum weiter verwunderlich. Erfreuliche Gaststars geleiten Keanu Reeves‘ Pfade, der vor allem dadurch, dass er prononciert stoisch bleibt und mimisch kaum gefordert wird, vielleicht die Rolle seines Lebens gefunden hat: Die Huston und die Berry etwa und ganz besonders natürlich Mark Dacascos, dessen Endfight gegen Wick, zumal nachdem Stallones „Expendables“-Franchise den stets sympathischen Hawaiianer bis dato unverständlicherweise beständig verschmähte, ein feines Zugeständnis an das bereits klassisch zu nennende Actionfach der Neunziger markiert.
Das Gesetz der Steigerung jedenfalls haben Stahelski und Reeves auf bewundernswerte Art verinnerlicht und mit „Parabellum“ einen wirlich großartigen Genrevertreter fabriziert. Ob dieser nochmals getoppt werden kann, darf mit Spannung antizipiert werden.

8/10

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