THE PRIDE AND THE PASSION

„How these Spanish love their moment of truth – to drench the ground with their blood – to die. Why?“ – „I guess, it’s beacause it’s their fatherland they’re bleeding on.“

The Pride And The Passion (Stolz und Leidenschaft) ~ USA 1957
Directed By: Stanley Kramer

Spanien, 1810. Die napoleonischen Truppen rücken ins Land vor und drängen die einheimische Armee immer weiter zurück. Auf der Flucht hinterlassen die Spanier eine gigantische, gusseiserne Kanone. Von deren Existenz erfahren auch die Briten, die den Navy-Captain Trumbull (Cary Grant) schicken, um den Transport des Geschützes nach Andalusien zu organisieren, bevor sie den Franzosen in die Hände fallen kann. Vor Ort angelangt, trifft Trumbull auf den Partisanen Miguel (Frank Sinatra) und dessen Männer, die wild entschlossen sind, die Kanone zunächst nach dem befestigten Ávila zu bringen, aus dem die Franzosen unter dem grausamen Genral Jouvet (Theodore Bikel) eine Garnison gemacht haben. Da Trumbull unweigerlich auf Miguels Hilfe angewiesen ist, lässt er sich widerwillig auf den gewaltigen Umweg ein. Der Marsch gen Ávila erweist sich als höchst beschwerlich, zudem geraten die beiden sehr unterschiedlichen Männer immer wieder aneinander – nicht zuletzt wegen Miguels Freundin Juana (Sophia Loren), die längst ein Auge auf den schneidigen englischen Offizier geworfen hat…

Stanley Kramer, vor allem wegen seiner drei Filme mit Spencer Tracy einer meiner Lieblingsregisseure, ordnete die Arbeit an dem monumentalen „The Pride And The Passion“ nachträglich als sehr unbefriedigend ein. Dafür hatte er diverse, gute Gründe: Das auf C.S. Foresters Roman „The Gun“ basierende Script des just in Scheidung befindlichen Ehepaars Anhalt erwies sich als stellenweise als sehr inkonsistent und leidenschaftslos, weswegen der ursprünglich für die Besetzung des Miguel angedachte Marlon Brando auf seine Beteiligung verzichtete. Sein Ersatz Frank Sinatra hasste im Gegenzug Spanien und seinen dort erzwungenen Aufenthalt, weshalb er den Dreh frühzeitig abbrach und Kramer zu ungeplanten Nachdrehs im Atelier zwang. Cary Grant, als völlig humorloser, stets akurat uniformierter und immens sachlicher britischer Offizier fraglos sehr gegen seinen Typ besetzt, befand sich selbst als unpassend für den Part des Captain Trumbull und war stattdessen sehr viel intensiver mit seiner frisch entflammten Leidenschaft für Sophia Loren beschäftigt, die zwar eine stürmische Affäre mit dem verheirateten Grant einging, sich vor dessen Zudringlichkeiten jedoch in die Arme ihres Agenten Carlo Ponti flüchtete, was nebenbei die Dreharbeiten zu dem in Kürze nachfolgenden „Houseboat“ für das noch immer elektrisierte Ex-Paar zu einem wahren Spießrutenlauf machte. Die Loren ihrerseits sprach zum Zeitpunkt der Vertragsschließung so gut wie kein Englisch und musste ihre Dialogzeilen sehr überstürzt einüben.
All diese kleinen Reibereien schlugen und schlagen sich nachhaltig auf die Rezeption des Films nieder. Tatsächlich wirken Sinatra und Grant häufig über die Maßen angespannt, befremdet und unbeteiligt in Bezug auf das, was sie, zumal um dem pompösen Titel gerecht zu werden, da zu interpretieren hatten. Die wahre Hauptrolle spielt tatsächlich die Kanone, ein riesiges Ding von (so behauptet es der Film) fünf Tonnen Gewicht, das von spanischen Guerrilleros und Mulis quer durchs Land gezogen wird, durch Flüsse und über Berge und dabei trotz mancher Blessur doch unverwüstlich bleibt. Rund um diesen imposanten MacGuffin entspinnt sich also der gesamte Rest des Geschehens, das viele spürbar aufwändige und spannende Szenen enthält, jedoch stark ins Episodische zerfasert und im Prinzip nichts anderes ist als ein Road Movie per pedes. Am Ende steht dann, quasi als Klimax des Ganzen, noch die riesige, verlustreiche Erstürmung von Ávila, die Miguel und Juana trotz des Sieges auf spanischer Seite nicht überleben.
„The Pride And The Passion“ macht es einem somit wirklich nicht eben leicht. Und doch, er glänzt, auch heute noch. Wer ein Faible für monumentales, komparsenreiches Hollywoodkino des silver age besitzt, die Vorzüge des kristallinen Aufnahmeverfahrens VistaVision zu schätzen weiß und die zu sehenden Stars mag, der wird Kramers fettem, schwarzen Schaf Hinreichendes abzugewinnen vermögen. Einzelne, wunderbare Sequenzen wie die um eine ereigniseiche Rast unter Windmühlen entwickeln zudem eine ganz spezifische Schönheit und beweisen, dass unter der oberflächlichen Patina der megalomanischen Vergänglichkeit doch noch die untadelige Kunst eines großen Filmemachers verborgen liegt.

7/10

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SAFARI

„Memsahib be careful! Bwana no longer dumbhead!“

Safari (König der Safari) ~ UK/USA 1956
Directed By: Terence Young

Kenia, während der Mau-Mau-Aufstände: Der landeskundige Amerikaner Ken Duffield (Victor Mature) leitet trotz der Unruhen weiterhin Safaris für reiche Weiße. Während einer seiner Touren ins Landesinnere wird Duffields Farm überfallen. Sein Hausangestellter Jeroge (Earl Cameron) entpuppt sich als Mau-Mau-Offizier und ermordet kaltblütig Duffields kleinen Sohn Kenny (Christopher Warbey). Als Duffield davon erfährt, schwört er blutige Rache an Jeroge, wird jedoch von der Polizei in seinem aufgebrachten Tatendurst gebremst. Da kommt ihm der Zufall zuhilfe: Der reiche Engländer Sir Vincent Brampton (Roland Culver) will Duffield unbedingt als Führer für eine Löwenjagd, was diesem wiederum die Chance eröffnet, näher an den sich versteckenden Jeroge heranzukommen. Begleitet wird Brampton von seinem Faktotum Sinden (John Justin) und seiner Verlobten, dem Showgirl Linda (Janet Leigh), die bald ein Auge auf Duffield wirft…

66 Jahre nach seiner Entstehung lässt sich Terence Youngs „Safari“ nurmehr als einen Film „mit G’schmäckle“ konsumieren. Gewiss, er verfügt über all die Attribute, die man am klassischen Abenteuerkino so sehr schätzt: Zwei liebenswerte Hollywood-Stars in Hochform, ausladende, bunte CinemaScope-Bilder, schickes on-location-shooting nebst allerlei exotischem Wildgetier, wilde Romantik, sorglosen Umgang mit Alkohol und einen stark angefilzten Humor. Gleich die Anfangssequenz weist jedoch die ideologische Richtung des Films: Ein prächtiger Elefantenbulle wird per Kopfschuss erlegt. Kolonialistische Arroganz und Sorglosigkeit setzen sich dann stetig fort, sei es im Transport der stereotypen Rollenbilder oder im nicht minder latenten Rassismus. Janet Leigh verfällt als dralles, amerikanisches Blondchen natürlich umgehend dem kernigen Testosteroncharme Victor Matures (in den Fünfzigern mehrfach unter Young im Einsatz), der wiederum als Amerikaner vor Ort eine heroisch-imperialistische Exklusivposition einnimmt. Die beiden beteiligten Briten sind ein dekadenter, eitler Fatzke (Culver), der der Ortsfremdheit insgeheim mit unmäßigem Pillenkonsum beizukommen versucht und sein unterfuchtelter, duckmäuseriger Adlatus (Justin), dem es zum Glück mit Duffields Hilfe gelingt, sich mehr und mehr zu emanzipieren. Dem stets gern gesehenen John Justin ist es dann auch vergönnt, den interessantesten Charakter des Films darzubieten. Die Eingeborenen derweil sind wahlweise, im sympathischen Falle, lustige, laute, herzensgute Gesellen, die gern singen, Musik machen, ihre Unbildung zur Schau stellen und den Weißen den Arsch nachtragen, oder, in der Rolle als antiimperialistische Rebellen, blutrünstige Kindermörder und Fanatiker, die berechtigterweise in hoher Quantität als Kanonenfutter enden dürfen. Dazu gibt es als comic relief den debil lachenden, sansibarischen Knaben Odongo (Juma), der am Ende immerhin den Tag retten darf. Käme noch ein schlecht als Gorilla kostümierter Statist vor, könnte man „Safari“ als Exploiter insgesamt weniger ernst nehmen, so jedoch muss er sich als formal patent gestaltete, gelackte A-Produktion die gewiss nicht allein revisionistisch zu formulierende Kritik gefallen lassen, ein unangenehm tradiertes Weltbild zu transportieren.
Dennoch muss ichletzten Endes zugeben, mich aufgrund eingangs genannter Attribute trotz aller Unbill nett unterhalten zu haben. Gut, dass man das Ding heuer wohlwollend als gesinnungsbezogen unseriöses Zeitdokument ablegen kann.

6/10