HOLIDAY

Zitat entfällt.

Holiday ~ DK/NL/S 2018
Directed By: Isabella Eklöf

Sascha (Victoria Carmen Sonne) begeht mit ihrem Galan Michael (Lai Yde) und dessen Freundestross einen mondänen Sommerurlaub im türkischen Bodrum. Für Michael, der sein beträchtliches Vermögen mit Drogenhandel und Rücksichtslosigkeit erworben hat, ist die junge Frau nicht mehr als ein Vorzeigeobjekt, das mit kostbaren Geschenken bei Laune gehalten wird, sich ansonsten jedoch zur allzeitigen, sexuellen Verfügbarkeit zu halten hat. Entsprechend harsch beschnitten nimmt Saschas individuelle Freiheit aus; weder darf sie selbst über Geld verfügen, noch den Mund zu weit auftun und sich schon gar nicht zu weit aus Michaels Beobachtungsradius entfernen. Als sie den Holländer Thomas (Thijs Römer) kennenlernt, fühlt sie sich zu dem sanften Aussteiger hingezogen. Michael bekommt bald Wind  davon und schiebt der drohenden Liaison mit den ihm eigenen Druckmitteln einen beiderseitigen Riegel vor.

Sommer, Sonne, Strand, und Helligkeit markieren in Isabella Eklöfs „Holiday“ zwar einen allgegenwärtigen visuellen Geleitdienst, erweisen sich jedoch als bloße, vergängliche Konsumgüter und reflektieren vielmehr das diametrale Gegenteil der psychischen Befindlichkeit der Protagonistin. Die Welt, die ihr Michael offeriert, ist zugleich barbarischer Albtraum und chiques Gefängnis. Hinter Michaels sonnenbebrillter Fassade des charmanten Bonvivant verbirgt sich nämlich nichts anderes als ein ordinärer Gangster der unangenehmsten Sorte. Statt Freunden besitzt er einen devoten Hofstaat, in dem, wer nicht vernünftig spurt, härteste Konsequenzen zu spüren bekommt. Anstelle einer ihn aufrichtig liebenden Frau hält sich Michael mit Sascha eine hilflose Mätresse, die irgendwann in der Vergangenheit naiv genug gewesen muss, auf Michaels Geldscheinwedeleien hereingefallen zu sein und heuer immer wieder aufs Neue zu lernen hat, dass jedes weitere Bestreben des Aufbegehrens in nur noch schlimmeren Erniedrigungen mündet.
Die schwedische Regiedebütantin Isabella Eklöf präsentiert mit „Holiday“ einen starken feministischen Film , der im Rahmen seiner eindeutigen ideologischen Gesinnung gewissermaßen eine ganz private Apokalypse zeigt, ein psychologisches Armageddon, vielleicht auch, reduziert auf seinen dramaturgischgen Mikrokosmos, ein minimiertes Abbild des ewig gestrigen, nordwestlichen Zivilisationspatriarchats. In Michaels misogyner Welt aus despotischer Gewalt lernen bereits Kinder alles über Hierarchien und angemessene Folgsamkeit, während Sascha in einer der einprägsamsten und unbequemsten Szenen des Films (aus der mittleren Distanz gefilmt, aber erschreckend unsimuliert und von Sonne und Yde extrem mutig gespielt) mittels einer sexuellen Attacke von Michael auf die denkbar schlimmste Weise erniedrigt wird.
Zärtlichkeit, Aufrichtigkeit, Liebe und vor allem Wertschätzung erweisen sich für die materiell so verwöhnte Sascha als die wirklichen, wahrhaft unerreichbaren Luxusgüter. Als ihr (augenscheinlich) letzter Versuch des Ausbruchs aus Michaels Tretmühle von selbigem mit dem vielleicht höhnischsten aller möglichen Paukenschläge schal grinsend und sozusagen im Keim erstickt wird, entlädt sich all ihre Verzweiflung in einem kurzen Akt der Aggression, einem unerwarteten, finalen blutigen Aufschrei, dem nurmehr die endgültige Resignation zu folgen scheint.
Sommer, Sonne, Strand und Helligkeit sind bloße Lügen. Die Hölle ist genau hier. Und vielleicht in uns allen.

8/10

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