MURDEROCK – UCCIDE A PASSO DI DANZA

Zitat entfällt.

Murderock – Uccide A Passo Di Danza ~ I 1984
Directed By: Lucio Fulci

Unter den Elevinnen einer Manhattaner Tanzschule geht die blanke Angst um: Nicht nur, dass sie sich mit enormem Leistungsdruck konfrontiert sehen, weil nur drei von ihnen für eine in Kürze geplante geplante Show in Frage kommen, wird zudem auch noch eines der Mädchen (Angela Lemerman) nach dem Untericht chloroformiert und dann mittels einer Hutnadel ermordet. Bei der einen Untat bleibt es nicht und so sieht sich der ermittelnde Lieutenant Borges (Cosimo Cinieri) mit einem Serienkiller konfrontiert. Die Spuren führen in alle möglichen Richtungen, während die Lehrerin Candice Norman (Olga Karlatos) ihrer ganz persönlichen Intuition nachgeht…

Nach seinem berühmten Splatterzyklus linste Lucio Fulci in alle möglichen Richtungen, die das multipel orientierte italienische Plagiats- und Genrekino jener Jahre so vorgab, bis er mit „Murderock – Uccide A Passo Di Danza“ wieder bei einem bewährten Leisten landete – beim Giallo nämlich. Dennoch nimmt sich der Film nicht allein seines New Yorker Settings wegen eher untypisch für diese in den Mittachtzigern zunehmend unprägnant werdende Thrillergattung aus; es fehlen ferner die breite, ehedem auch von Fulci selbst stark umschmeichelten Stilisierungstendenzen sowie ganz allgemein die oftmals in halluzinogene Sphären abdriftende Ästhetik der an Gialli reichen spätsechziger und siebziger Jahre. Stattdessen auch hier die Ausrichtung an amerikanischen Erfolgsformeln – Alan Parkers „Fame“ und Adrian Lynes „Flashdance“ als Repräsentanten der damals besonders bei Teenagern beliebten Popmusicals und Tanzfilme boten die sphärische Basis für das unter anderem von Gianfranco Clerici und Fulci ersonnene Script . Berühmte Szenen aus beiden Vorbildern finden sich jeweils mehr oder weniger sinnstiftend in den wild mäandernden Plot kopiert und eingeflochten. Cosimo Cinieri, der zuvor bereits dreimal mit Fulci gearbeitet hatte, ist als überaus cooler, durch nichts aus der Ruhe zu bringender Bulle zu sehen, der sich, ebenso wie das bewusst im Vagen belassene Publikum, zunächst mit diversen Verdächtigen herumzuplagen hat, wobei selbstverständlich sämtliche offensichtliche Fährten im Sande verlaufen, um am Ende einen (zumindest für halbwegs aufmerksame ZuschauerInnen nicht ganz unerwarteten) Twist präsentieren zu können. Dieser sich nach einiger Zeit etwas etwas ermüdend gestaltende Whodunit-Spießrutenlauf – und darin nähert sich „Murderock“ zumindest auf struktureller Ebene dann doch wieder dem klassischen Giallo an – besitzt wenig mehr Funktion denn die des Schindens von Erzählzeit, die freilich in keinem qualitativen Verhältnis zu der Arbeit des Regisseurs und dessen Mise-en-scène steht. Selbige offeriert sich nämlich wie bei Fulci gewohnt von weitgehend tadelloser Könnerschaft und Tiefenschärfe geprägt und sorgt neben den guten Darstellern dafür, dass der Film innerhalb seines selbstgesteckten Rahmens trotz der bisweilen dull erscheinenden Oberfläche stets interessant und involvierend bleibt.

7/10

5 Gedanken zu “MURDEROCK – UCCIDE A PASSO DI DANZA

  1. Den finde ich persönlich ja eher schrecklich. Fulci dreht sich immer wieder um die Träume der Protagonistin und bleibt einen spannungsfördernden Story-Aufbau schuldig. Die Optik finde ich zumeist langweilig und die Tanz-Einschübe unfreiwillig komisch. Die doofen Dialoge jenseits der Fremdscham-Grenze (jedenfalls in der deutschen und der englischen Sprachfassung) setzen dem Ganzen noch die Krone auf. Und dabei würde ich den Film so gerne mögen, alleine wegen der Besetzung mit Karlatos, Lovelock und Cassinelli, dem amerikanischen Setting und der Verbindung zum Tanzfilm-Boom.

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    1. Ich weiß ja nicht, wann du den zuletzt gesehen hast, aber es gibt nur genau eine (wie ich finde recht hübsch arrangierte) Traumsequenz, die für die – zugegebenermaßen dünne – Auflösung dann auch von Relevanz ist. Die Karlatos kommt zwar noch ein paarmal darauf zu sprechen, mehr ist dann aber auch nicht.
      Ein wenig zitiert Fulci sich bzw seinen „The Psychic“ damit wohl auch selbst.
      Der Rest ist wie so häufig eine Frage der persönlichen Einschätzung bzw der individuellen Erträglichkeits-/Toleranzschwelle.
      Fremdscham kommt da jdfalls bei mir noch lang nicht auf…

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      1. Eigentlich wollte ich warten, bis ich auch das Upgrade auf BD vollzogen habe, aber da ich am Wochenende erst DER NEW YORK RIPPER auf großer Leinwand genießen durfte, dachte ich mir, kannst ja doch mal schauen, ob du dem Film unrecht tust. Ja, ich mag die Location New York, auch wenn man hier nicht so viel davon zu sehen bekommt. Die Kamera-Arbeit ist gut, auch die Ausleuchtung. Du hast recht, die Traum-Sequenz kommt nur einmal, und es wird zweimal darauf zurückgekommen. Zum Fremdschämen waren die Dialoge (meist) nicht. Was mir es mit dem Film verhagelt, ist vor allem die Musik, die teils unerträglich vor sich hindüdelt. Dabei habe ich normalerweise nichts gegen Italo-Disco, aber was Emerson hier fabriziert hat, verursacht mir an manchen Stellen Kopfschmerzen. Dagegen sind seine Dissonanzen im Score immer wieder reine Erholung. Die Synchro geht in den Hauptrollen in Ordnung, aber bei einigen der Damen ist sie vollkommen unpassend. Halt Video-Durchschnitt. Insgesamt fand ich ihn dann doch eher mäßig, auch wenn mir Lovelock und Karlatos gut gefallen. Die BD kommt trotzdem in die Sammlung, schaue ich ihn mir in zwei Jahren nochmal auf Italienisch an…

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