THE PROUD ONES

„Pride can kill a man faster than a bullet.“

The Proud Ones (Die Furchtlosen) ~ USA 1956
Directed By: Robert D. Webb

Mit den ruhigen Tagen ist es vorerst vorbei in der Kansas frontier town, in der Cass Silver (Robert Ryan) als Marshal tätig ist. Die ersten Viehtriebe erreichen die Stadt und auch die Eisenbahn wird nicht mehr lang auf sich warten lassen. Für die Stadtverwaltung und die kleinen Geschäftsleute verspricht diese Entwicklung eine Menge Geriebenes, Silver aber weiß aus Erfahrung, dass viele Menschen immer auch viel Ärger bedeuten. Unter anderem taucht mit dem jungen Cowboy Thad Anderson (Jeffrey Hunter) ein Bursche auf, der Silver für die Ermordung seines Vaters verantwortlich macht. Silver betont dem aufgebrachten, aber grundsympathischen Jungspund gegenüber jedoch mehrfach, dass dessen alter Herr, anders als die Leute behaupten, bei dem fraglichen Ereignis sehr wohl bewaffnet gewesen war und Silver somit in Notwehr habe handeln müssen. Und es naht noch weitaus größerer Ärger – mit dem Spielbankier John Barrett (Robert Middleton) eröffnet ein alter Intimfeind Silvers ein Casino in der Stadt. Es dauert nicht lang, bis sich darin der erste betrügerische Croupier (I. Stanford Jolley) hervortut. Als dann die ersten von Barretts Männer in Silvers Gefängnis landen, holt dieser sich zwei gunslinger (Rodolfo Acosta, Ken Clark) zur Unterstützung. Thad lässt sich derweil als Hilfssheriff einstellen. Doch kann Silver ihm wirklich vertrauen…?

Aus dem Super-Westernjahr 1956 stammt diese Fox-Produktion, die der hauseigene Vertragsregisseur und Handwerker Robert D. Webb ferigte und vom großen Lucien Ballard in schickem CinemaScope ablichten ließ. „The Proud Ones“ feierte im Mai des Jahres und damit in etwa zeitgleich mit John Fords „The Searchers“ Premiere, was dem Kinopublikum die Gelegenheit offerierte, Jeffey Hunter abermals in der tragenden Coming-of-Age-Rolle eines rebellischen, aber umso aufrechteren Nachwüchslers zu sehen, der seinem alternden, langsam aus der Zeit fallenden Mentor die im Grunde längst überfällige Nachfolge abnimmt. Nun entbehrt andererseits Cass Silver gewiss der psychologischen Komplexität eines Ethan Edwards, wenngleich Webb mit Robert Ryan zwar nicht der ikonischere Star, aber doch der bessere Schauspieler in der Hauptrolle zur Verfügung stand. Silver repräsentiert zwar ebenfalls ein tradiertes Männerbild, jedoch (noch) kein überkommenes. Einen gewissen beruflichen Fanatismus, einen Hang zur Selbsträson, auch einen sich bisweilen im Übermaß äußernden, dem originalen Filmtitel zupass kommenden Stolz und wiederum in Verbindung damit vielleicht auch eine Tendenz zur emotionalen Abschottung mag man ihm nicht absprechen, dafür ist er kein Rassist und seine prinzipielle Agenda, die Wahrung von Recht und Ordnung im Angesicht sich verändernder Zeiten nämlich, eine durchweg ehrenvolle. Dass Silver auch ein sehr moralischer Zeitgenosse ist, wird spätestens anhand eines hübschen kleinen Monologs deutlich, den das Script Ryan gegen Ende gestattet und in dem er die Gier und Bigotterie der first citizens, die ihn, von Barrett beeinflusst, zu schassen versuchen, mit deutlichem Vokabular aufs Korn nimmt. Immerhin fungiert diese Ansprache auch als unbewusstes, letztes notwendiges Mittel Silvers, um den unschlüssigen Thad Anderson von seiner Integrität zu überzeugen. Der Film findet dann einen ziemlich gelungenen Abschluss, wenn er den jungen Anderson zunächst zur unverzichtbaren, strategischen und kombattanten Flanke des sehbehinderten Silver erwachsen lässt, um ihn dann endgültig Silvers „Erbe“ als Gesetzeshüter antreten zu lassen. Dabei wird Anderson gewissermaßen noch zusätzlich in jener neuen Funktion defloriert, indem er sich just derselben Situation gewachsen zeigen muss, die einst zum Tode seines Vaters geführt hat. Nun ist „The Proud Ones“ nicht ganz frei von Unebenheiten. Das gepfiffene Titelthema (Lionel Newman) etwa wirkt, zumal infolge seiner manchmal albernen dramaturgischen Einsätze, etwas dick aufgetragen, tolle Nebenfiguren wie der von Walter Brennan gespielte Hilfssheriff Jake werden beinahe leichtfertig verschenkt und auch Virginia Mayo als Verlobte des Helden bietet wenig mehr denn Staffage. Hier wäre etwas Mut zum erzählerischen Ausschmücken und zur Profilschärfe, kurzum: etwas mehr, ausnahmsweise tatsächlich einmal auch mehr gewesen.

7/10

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