THE PLEDGE

„You’re out of position!“

The Pledge (Das Versprechen) ~ USA 2001
Directed By: Sean Penn

Just am Abend seiner von den Kollegen überraschend geschmissenen Ruhestandsparty entschließt sich Detective Jerry Black (Jack Nicholson) wider den Rat seines Vorgesetzten (Sam Shepard), den Mord an einem kleinen Mädchen (Taryn Knowles) zu untersuchen. Den verzweifelten Eltern, den Geflügelfarmern Larsen (Patricia Clarkson, Michael O’Keefe), denen er die Todesnachricht überbringt, verspricht Jerry feierlich, den Schuldigen zu finden. Zunächst deuten sämtlichen Täterindizien auf den geistig behinderten native Toby Wadenah (Benicio Del Toro), der als Hausierer durch die Gegend streift und unter dem Druck des sich anschließenden Verhörs sogar das Verbrechen gesteht, sich dann jedoch das Leben nimmt. Für Jerry ist es nahezu eindeutig, dass Toby nicht der Mörder sein kann. Wiederum ohne Rückendeckung beginnt Jerry, privat zu ermitteln, zumal sich erweist, dass es sich bei dem Killer offenbar um einen Serientäter handelt, der schon bald wieder zuschlagen könnte. Als Jerry die alleinerziehende Lori (Robin Wright) und ihre kleine Tochter Chrissy (Pauline Roberts) kennenlernt, nimmt er sich der beiden zunächst liebevoll an, kann sein Versprechen gegenüber den Larsens jedoch nicht vergessen…

Seine dritte Regiearbeit führte Sean Penn an Friedrich Dürrenmatts gleichnamige Novelle „Das Versprechen“, die der schweizer Autor 1958 als Variation seines eigenen, zuvor geschriebenen Drehbuchs zu Ladislao Vajdas „Es geschah am hellichten Tag“ verfasste. Darin ging es innerhalb weitgehend konventioneller narrativer Bahnen um die Jagd eines Polizisten nach einem Kinder- und Serienmörder, bevor dieser ein weiteres Verbrechen ausführen kann. Am Ende geriert sich der Ermittler dann selbst zum Übertreter moralischer Grenzen, indem er die vertrauensvolle Zuneigung einer Mutter und ihres Töchterchens ausnutzt und letzteres bewusst als Köder für den Mörder missbraucht. Zwar kann jener auf diese Weise dingfest gemacht werden, die schwere Schuld des Polizisten sowie die Gewissheit, auch sein privates Glück verspielt zu haben, jedoch bleiben. In „Das Versprechen“ widmete sich Dürrenmatt dann genau diesem Aspekt, der bereits durch seinen im Drehbuch verhandelten Ansatz einen ganz wesentlichen Pfeiler der Kriminalliteratur ansägt: Die gattungsübliche Konvention, die stets dergestalt konkludiert, dass der Detektiv am Ende mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zum Erfolg gelangen und seinen Antagonisten zu Fall bringen kann, nämlich. Wurde zuvor neben dem Kriminalen Matthäi auch sein Jagdziel, der Mörder Schrott, noch recht nachvollziehbar psychologisch skizziert, spielt selbiger in „Das Versprechen“ eine nurmehr untergeordnete, wenngleich kaum weniger schwerwiegende Rolle – Matthäi/Jerry Black und das eigens angeforderte Polizei-Großaufgebot können (den ihnen persönlich unbekannten) Schrott gar nicht fassen, weil er auf dem Weg zum jenem finalen Mord selbst einem tödlichen Verkehrsunfall anheim fällt. Eine simple Schicksalsfügung ändert alles.
Penns Film nun zentriert den Polizisten sogar noch mehr und liefert das tiefschwarze, desaströs endende Psychogramm seines einsamen, pathologisch-berufsdedizierten Charakters. Nicht nur verlaufen Jerry Blacks über einen gewaltigen Zeitraum emsig vorbereitete, ermittlerische Bestrebungen infolge einer simplen Durchkreuzung des Schicksals erfolglos, verspielt er auch die letzte Chance einer privaten Erlösung, als Lori gewahr wird, wozu er Chrissy benutzt. Der erzählerische Rahmen schließlich zeigt einen offenbar stark alkoholisierten, ins Nichts dahinmurmelnden, desolaten Jerry Black, dem nichts mehr geblieben ist, weder die Erfüllung eines von vornherein vage abgegebenen Versprechens, noch der letzte Faden der Zwischenmenschlichkeit.
Dieser bitterböse Abstieg eines alten Mannes, der seinem Publikum auf leisem Wege mancherlei abverlangt, bildet auch für Jack Nicholson einen späten, schauspielerischen Triumph. Ungewohnt zurückgenommen und still muss der für sein breitzähniges Grinsen, seine rollenden Augen und die entgleisende Mimik so berühmte Darsteller einen unglamourösen Provinzpolizisten mit Bürstenhaarschnitt und Schnurrbart sein Gesicht auf dem Stolperpfad ins Nichts leihen – und bewerkstelligt erwartungsgemäß auch dies mit konkurrenzloser Brillanz. Ein Nicholson-Vehikel ist „The Pledge“ also (auch), in dem eine ganze Reihe weiterer, großartiger Aktricen und Akteure den Weg noch zusätzlich edel pflastern.

9/10