IT CHAPTER TWO

„Time to sink.“

It Chapter Two (Es – Kapitel 2) ~ USA 2019
Directed By: Andy Muschietti

Aus Kindern werden Leute und auch der einstige „Club der Verlierer“ hat seine horrible Vergangenheit in Derry, Maine lange hinter sich gelassen. 27 Jahre nachdem die Kids seinerzeit „Es“ in Gestalt des Clowns Pennywise (Bill Skarsgård) den Garaus gemacht haben, fängt das Morden wieder an. Für Mike Hanlon (Isaiah Mustafa), der als einziger der damaligen Clique in Derry geblieben ist und sich als Bibliothekar und Chronist seither eingehend mit jenem namenlosen Schrecken befasst hat, der Anlass, seine früheren Freunde zu mobilisieren und zurückzubeordern, um das Grauen diesmal ein für allemal zu beenden.

Als designiertes Sequel setzt „It Chapter Two“ Andy Muschiettis Initialschuss der Zweitadaption von Stephen Kings 1986 erschienenem Wälzer fort. Darin widmet man sich den mittlerweile erwachsen gewordenen Kindern von einst, die, über die USA verstreut, als Frühvierziger nunmehr allesamt erfolgreiche Karrieren als Drehbuchautor, Entertainer, Manager oder Modedesignerin eingeschlagen haben, sich kaum mehr an die Geschehnisse von einst erinnern können, ihre jeweiligen Neurosen und Traumata jedoch nicht wirklich besiegt, sondern sie lediglich verdrängt und weggesperrt haben. Mit Mikes Anrufen brechen zugleich auch die alten, nur oberflächlich vernarbten Wunden wieder auf – für Stanley Uris (Andy Bean) in besonders markanter Weise: er wählt den umgehenden Suizid anstatt sich abermals dem inkarnierten Schrecken stellen zu müssen. Die übrigen Fünf kehren indes zurück nach Derry, wo Pennywise ihnen ohne großes Federlesens verdeutlicht, dass er diesmal nicht so klein beigeben wird wie noch vor 27 Jahren.
Muschietti nimmt sich alle Zeit der Welt für seine Fortsetzung, die es für sich auf stattliche 169 Minuten und damit fast allein auf die komplette Erzählzeit von Tommy Lee Wallaces TV-Fassung bringt. Das gesamte, neuverfilmte Opus, das insgesamt betrachtet dann auch Wallaces Version locker in den Sack steckt, erstreckt sich somit summa summarum auf runde fünf Stunden, wie man meinen möchte also hinreichend Zeit, um Kings Roman selbst in Details weithin gerecht werden zu können. Tatsächlich wächst der zweite Teil gegenüber dem ersten, da er die Bürde des Achtziger-Kids-Retro-Abenteuers nunmehr getrost ad acta legen und klassisches Genrekino präservieren darf. Dieses wahrt nunmehr noch immer den liebenswerten, manchmal etwas campigen Charme früherer King-Adaptionen, scheut sich nicht, hier und da zur Auflockerung kleine Humorsprenkler zu setzen und begreift sich ganz als lustvoller Ausflug in eine gewaltige Geisterbahn mit allen nur möglichen Registern. Zwischendurch scheint „It Chapter Two“ zwar ein wenig an Geschlossenheit einzubüßen, wenn er seine Protagonisten sich in aller narrativen Ruhe nacheinander ihren inneren Dämonen stellen lässt, die Pennywise natürlich allerbestens kennt und sie entsprechend lustvoll drangsaliert, andererseits verzeiht man Muschietti die entsprechend genommenen Freiheiten gern – man muss einfach honorieren, dass einem Filmemacher hier offensichtlich die Chance eingeräumt wurde, dem Publikum seine Vision halbwegs unberührt darbieten zu dürfen und sich im Gegenzug nicht hat mäßigen oder einschränken müssen. Sowas stellt ja, zumal im Vergleich zu früher, nunmehr eine Rarität im Kino dar.

7/10

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