SNATCH

„You should never underestimate the predictability of stupidity.“

Snatch ~ UK/USA 2000
Directed By: Guy Ritchie

Die Londoner Unterwelt gerät in ein heilloses Durcheinander, das um einen gestohlenen Diamanten, getürkte Boxkämpfe und einen gefräßigen Hund kreist.

Mit dem famosen, bis zur Schmerzgrenze stilisierten „Lock, Stock & Two Smoking Barrels“, der in der Post-„Pulp-Fiction“-Ära auf fruchtbaren Publikumsboden stieß, holte Guy Ritchie das ultracoole Gangsterkino zurück auf sein diebezüglich traditionsbeflissenes Londoner Terrain. Irgendwo im Niemandsland zwischen bekiffter Entspanntheit und montagebedingter Hektik entwarf Ritchie darin ein quietschfideles, launiges Panoptikum ebenso komischer wie brutal zu Werke gehender Ganoven, die allesamt um einen MacGuffin in Form zweier wertvoller, antiker Gewehre herumtänzelten und sich dabei beinahe durch die Bank die nervösen Pfoten verbrannten.
Der zwei Jahre später unter US-Beteiligung entstandene „Snatch“ ist zunächst rein strukturell betrachtet ein nochmals gepimptes Rip-off derselben Geschichte, mit einem nochmals unübersichtlicherem Sammelsurium an unterschiedlichen Interessensgruppen, motivischen Gemengelagen und inhaltlichen Wendungen, das das oberflächlich chaotische, in Wahrheit aber natürlich höchst ausgefuchste Resultat dicht an die klassische screwball comedy rückt. Wieder gibt es, der zumindest halbwegs geordneten Übersicht geschuldet, einen Off-Erzähler, den diesmal der aus dem Vorgänger übernommene Jason Statham (in einer im Prinzip analog gestalteten Rolle) mimt, zugleich einer der Protagonisten des Tohuwabohus. In „Lock, Stock“ hatte diese Funktion noch Alan Ford als eher im Hintergrund agierender Kneipier inne, der wiederum diesmal eine weitaus größere und schöne Rolle als ebenso bärbeißiger wie (zu Recht) gefürchteter Unterweltboss „Brick Top“ abbekommt. Auch Jason Flemyng (als sehr anders geartete Figur) und Vinnie Jones (wiederum in nahezu identischem Part) leisten abermals ihre Aufwartung. Eine höhere internationale und kommerzielle Reichweite sichert sich „Snatch“ allerdings durch die Beteiligung mehrer US-Stars, allen voran der seine prompt legendär gewordene „Fight-Club“-Beteiligung persiflierende Brad Pitt. Dennoch möchte die alte „The bigger, the better“-Weise sich am Ende nicht so gänzlich bezahlt machen – sein Wegbereiter ist und bleibt gegenüber „Snatch“ schon allein infolge seines frischen Originalitätsstatus der etwas schönere Film.
Szenenwechsel, Erzähltempo und Montage sind hier ferner von nochmals erhöhter, manchmal beinahe enervierender Frequenz, die Songzusammenstellung wiederum toll, wenngleich nicht mehr ganz so exquisit. Die ebenso logische wie zwingende Konsequenz war, dass Guy Ritchie sein nunmehr zweifach bedientes Konzept restlos ausgereizt hatte und, nach der unglückseligen Heirat mit Madonna, das gänzlich anders geartete Lina-Wertmüller-Remake „Swept Away“ (das ich allerdings nicht kenne und ebensowenig vorhabe, diesen scheinbar zuvorkommenden Zustand zu ändern) dem allgemeinen Vernehmen nach gnadenlos vor die Wand setzte. Sein jüngerer Weg als Filmemacher ist dann vor allem angedenk jener ersten beiden, durchaus signifikanten Werke eher uninteressant bis beklagenswert.

8/10

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