ESCORT WEST

„The war is over.“

Escort West (Patrouille westwärts) ~ USA 1959
Directed By: Francis D. Lyon

Kurz nach dem Sezessionskrieg ist der vormalige Konföderierten-Captain Ben Lassiter (Victor Mature) mit seiner kleinen Tochter Abbey (Reba Waters) quer durch Nevada unterwegs gen Westen. Man begegnet einem Kavalleristenregiment, das Beth (Elaine Stewart) und Martha Drury (Faith Domergue), zwei Schwestern von der Ostküste, in die selbe Richtung eskortiert. Beth ist mit dem Offizier Poole (William Ching) verlobt, zu dem sie gebracht werden soll. Zeitgleich treibt eine Gruppe marodierender Modocs unter dem Renegaten Tago (X Brands) ihr Unwesen in der Region. Während Poole und seine Leute bereits von den Indianern eingekesselt sind, werden auch die die Schwestern geleitenden Soldaten überfallen und aufgerieben. Lassiter nimmt sich der beiden überlebenden Frauen und des alten Scouts Walker (Rex Ingram) an. Während Beth sogleich Sympathien für den Ex-Rebellen entwickelt, lässt Martha, die ihren Mann während des Krieges verloren hat, ihn ihren ganzen Hass spüren. Zwei weitere überlebende Kavalleristen (Leo Gordon, Ken Curtis) interessieren sich derweil vornehmlich für die ebenfalls in Sicherheit gebrachte Regimentskasse…

Ein sehr schöner, wenngleich sehr kurz geratener Scope-Western ist dem vornehmlich im B-Film-Sektor tätigen Regisseur Francis D. Lyon mit „Escort West“ geglückt. Das Script schützt ein klassisches Genreszenario mit nicht mit minder klassisch angelegten Genrefiguren vor, das ganz bewusst gegen einige mehr oder weniger etablierte Klischees angeht: Im Mittelpunkt steht der mit allen Wassern gewaschene Südstaatler Lassiter, dem die ganze Sympathie der Geschichte gehört. Lassiter ist natürlich ein mit allen Wassern gewaschener Profi, der sich rührend-liebevoll um seine zehnjährige Tochter kümmert. Ihre Frau und Mutter ist offenbar ein Opfer des Krieges geworden, weshalb man die verbrannte Erde im Osten gemeinsam verlässt. Dennoch hat Lassiter jedweden (berechtigten) Hass gegen die Menschheit abgelegt – im Gegensatz zu den Unionisten, die ihm mit weiterhin Aggression und Häme begegnen. Seinen eigentlichen Konterpart findet Lassiter allerdings in der ebenfalls verwitweten Nordstaatlerin Martha Drury, einer hasserfüllten, verhärmten Frau, die auf Lassiter ihren gesamten (Über-)Lebenszorn projiziert. Überhaupt genießt „Escort West“ seine Aushebelungen und ironischen Verkehrungen – während Lassiter alles daran setzt, den wiederum alles Vergangene vergebenden, ihm freundschaftlich zugetanen, farbigen Walker zu retten, besteht Martha darauf, den verletzten Scout zurückzulassen, da dieser sie nur aufhalte. Selbst die natives stehen in keinem grundsätzlich negativen Licht da: Tago und seine Leute sind lediglich ordinäre Verbrecher, die ihrem Stamm entsagt haben und auf eigene Faust morden und brandschatzen. In eigentlich anachronistischen, dafür umso eindrucksvoller genutzten Schwarzweißbildern lässt Lyon seine vorzügliches Ensemble – neben Victor Mature (mit jedem weiteren Film, den ich mit ihm genießen darf, ohnehin zunehmend einer meiner Lieblingsschauspieler) sind auch einige Ford-Usuals darunter, durch seine Außensets. Auch die biestige Faith Domergue ist toll, während Elaine Stewart und ihr Verhältnis zu Mature eher blass bleiben. Hier wäre ein wenig mehr Schürung emotionaler Brandentfachung sicher nützlich gewesen, doch der Film, dem ein paar Minuten mehr durchaus gut getan hätten, begnügt sich eben mit seiner wie knapp bemessenen Erzählzeit, in der er dann doch alles Wesentliche berichten kann.

8/10

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