TERMINATOR: DARK FATE

„I won’t be back.“

Terminator: Dark Fate ~ USA/E/HU/CN 2019
Directed By: Tim Miller

Nachdem Sarah Connor (Linda Hamilton) vor einigen Jahren das Schicksal der Menschheit ändern und den „Tag des Jüngsten Gerichts“ zunächst abwenden konnte, verlor sie ihren Sohn John durch einen abermals aus der Zukunft zurückgeschickten T-800 (Arnold Schwarzenegger). Seit jenem schicksalhaften Tag erhält sie verschlüsselte Nachrichten auf ihrem Handy, wann und wo als nächstes eine Maschine aus der Zukunft auftauchen wird und widmet ihre ganze Existenz der gezielten Vernichtung der Terminators. 2020 erscheinen erneut zwei zeitreisende Missionsträger in Mexiko: Der weibliche Cyborg Grace (Mackenzie Davis), eine umfunktionierte Widerstandskämpferin, sowie ein technologisch hochenentwickelter Terminator, der REV-9 (Gabriel Luna). Letzterer hat die Aufgabe, die zukünftige Resistance-Anführerin Dani Ramos (Natalie Reyes) zu töten, Grace indes soll sie beschützen. Natürlich ahnt die noch jugendliche Dani nichts von ihrem Schicksal und wird wie weiland die ebenfalls bald auftauchende Sarah Connor in den Strudel der schwer fassbaren Ereignisse gerissen. Es stellt sich heraus, dass Sarah ihre Messages von jenem T-800 erhält, der einst John ermordete. Dieser hat seitdem eine menschliche Persönlichkeit und ein Gewissen eintwickelt, nennt sich nunmehr „Carl“ und lebt in der Nähe der texanischen Grenze. Zum Quartett angewachsen, stellen sich die Helden gegen den unbesiegtbar scheinenden REV-900.

A bright fate. Dass innerhalb eigentlich auch inhaltlich etablierter Filmreihen Storylines ignoriert und bei geradezu ostentativem Selbstverständnis rebootet werden, ist de facto schon lange nichts Neues mehr. Bereits die „Highlander“-Fortsetzungen ignorierten in den Neunzigern regelmäßig ihre unmittelbaren Vorgänger, innerhalb der „Spider-Man“- und „Halloween“-Serials wurden bereits jeweils zweimal komplette Neuanknüpfungspunkte gesetzt. Dies erweist sich weitaus seltener als sinnstiftender Fan-Service denn als bloße kommerzielle Notwendigkeit, um sich zwecks Komplexitätsreduktion wahlweise intradiegetischen Ballasts zu entledigen oder um neue Zuschauergenerationen zu rekrutieren. Da mit „Dark Fate“ erstmals seit dem von ihm noch selbstinszenierten Erstsequel James Cameron wieder seine Signatur als Produzent zur Verfügung stellte und in diesem Zusammenhang auch Linda Hamilton zurück an Bord kam, wurden beginnend mit „Terminator 3: Rise Of The Machines“ sämtliche Fotsetzungen nebst ihrer Storys beiseite geschoben, um unmittelbar an die in „Terminator 2: Judgment Day“ geschilderten Ereignisse anknüpfen zu können. Die Qualität des weitestgehend belanglosen Resultats profitiert davon nicht in nennenswertem Maße. Der Film verharrt einiger netter Actionsequenzen zum Trotz im vorhersehbar mediokren Genresektor, also im Grunde dort, wo der höchst publikumsverwöhnte Cameron das von ihm selbst zum Multi-Millionen-Dollar-Franchise aufgeblähte, einmalige und unerreichbare Original vor knapp drei Dekaden höchstselbst hinführte. Die „Erfolgsprämisse“, jene schwarze, technophobische Quasi-Dystopie aus der Ära des Kalten Krieges in ein mit unangebrachtem Positivismus, familienfreundlichem Humor und den immergleichen, weil mit garantiertem Wiederekennungwsert selbst für Laien und somit hinlaänglich etablierten Floskeln „angereichertes“ Mainstream-Spektakel zu überführen, greift auch heuer noch. Oder zumindest rechnet man damit, dass siew greift. Daran ändern auch die ins Script eingepflegten, zwar zeitgemäßen, aber natürlich eiskalt kalkulierten Seitenhiebe auf die gegenwärtige Regierungspolitik der USA oder die zwangsläufig immer gläserner werdende Unfreiheit des Individuums kaum etwas. Aus „Skynet“ wird „Legion“, eine K.I. zur Cyber-Kriegsführung, die dereinst auf Knopfdruck alle Lichter ausgehen lassen wird. Der äußerlich gealterte Terminator Arnold ist jetzt noch liebenswerter, sympathischer und humaner als je zuvor und Linda Hamilton eine graubekoppte, zynische alte powerbitch. Die hero(in)e’s four bilden ein Paradebeispiel für zeitgenössische Diversifikation: zu drei Vierteln weiblich, zur Hälfte überreif, mitsamt Latina und körperbehindertem (aber nichtsdestotrotz augenschmeichelndem) Supergirl würden die drei Damen vom Stahlgrill vermutlich auch ohne den letztlich wie immer als Obendrein-Bonus beigesteuerten Schwarzenegger am Ende siegreich reüssiert haben. Der von Gabriel Luna gespielte böse Terminator REV-9 schließlich kann ales, was seine Vorgänger auch konnten und natürlich noch mehr, er ist nämlich in der Lage sein metallenes, schwarzes (!) Endoskelett von seiner Flüssigummantelung zu trennen und damit von zwei Seiten zugleich angreifen zu können. Ansonsten kann er, wie alle anderen Nachfolger auch, dem originalen 84er-Killer hinsichtlich seiner bedrohlichen Unbeiirbarkeit nicht das Wasser reichen. Es bleibt also alles beim Alten beim traditionsreichen Blick in unsere Schredderzukunft und dies ist auch der einzige Grund, sich neue „Terminator“-Filme überhaupt noch anzusehen- die liebgewonnene Sicherheit purer Mittelmäßigkeit und die kaum minder garantierte Gewissheit, sich ohnehin als Teil einer gläsernen Zuschauerschaft zu wähnen.

5/10

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