THE IPCRESS FILE

„Do you always wear your glasses?“

The Ipcress File (Ipcress – Streng geheim) ~ UK 1965
Directed By: Sidney J. Furie

Um einen zuvor ermordeten Berufsgenossen zu ersetzen, wird der für den britischen Geheimdienst arbeitende Harry Palmer (Michael Caine), ein seiner Arbeit zwar pflichtbewusst, aber doch vergleichsweise lässig nachgehender Zeitgenosse, von seinem Vorgesetzten Ross (Guy Doleman) zu einer Observationsabteilung versetzt, der der reichlich verkniffene Major Dalby (Nigel Green) vorsteht. Palmer und seine neuen Kollegen erhalten den Auftrag, den zwielichtigen Grantby (Frank Gatliff) und seine rechte Hand Housemartin (Oliver MacGreevy) zu beschatten, die vermutlich in direktem Zusammenhang stehen mit der Entführung eines hochrangigen Atomphysikers (Aubrey Richards). Im Laufe seiner Ermittlungen stößt Palmer auf ein Tonband mit dem Begriff „Ipcress“. Auch der US-Geheimdienst schaltet sich ein und heftet sich an die Spuren Palmers, der bald selbst im Verdacht steht, mit dem Feind zu paktieren. Mehrere Männer aus Palmers Umfeld werden ermordet u d auch er selbst steht offenbar auf der Abschussliste. Schließlich wird Palmer persönlich entführt und begreift, was tatsächlich hinter „Ipcress“ steht – eine radikale Methode zur Gehirnwäsche, die von einer gegnerischen Macht eingesetzt wird, um westliche Wissenschaftler ihres Wissens zu entledigen…

Die Figur des Harry Palmer, ein Gegentwurf zum schillernden britischen Superspion James Bond, spielte Michael Caine zunächst in drei Filmen unterschiedlicher Regisseure und dann in der Mitte der neunziger Jahre nochmal in zwei TV-Fortsetzungen. Der Initialschuss „The Ipcress File“, die Adaption eines Romans von Len Deighton, versprach vor allem dem damals 32-jährigen Hauptdarsteller seinen Durchbruch als Filmstar zu verschaffen. Als eines der wenigen wirklich ernstzunehmenden Bond-spoofs (wobei jener Terminus an dieser Stelle eigentlich beträchtlich wackelt) hielt der Part des Harry Palmer tatsächlich einiges an mehrkanaligem Potenzial bereit – die Spionage-Arbeit wird hier als vornehmlich unglamouröses, dröges und oftmals bürokratielastiges Geschäft dargestellt, das sich zwar mitunter gefährlich ausnimmt, von den schillernden Jet-Settereien eines sich im Luxus nahezu sämtlicher maskuliner und weltlicher Verlockungen suhlenden 007 jedoch denkbar weit entfernt ist. Palmer ist ein Allerweltstyp von durchschnittlicher Intelligenz und Körperkraft, er hat ein stinknormales Appartement, kocht gern für sich selbst und kennt sich mit Dosen-Champignons aus. Um sich ausgiebig promiskuitiv zu verhalten, erhält er erst gar nicht die Gelegenheit und Brillenträger ist er außerdem – ein Held für den alltäglichen Gebrauch. Dennoch gibt es weiterreichende Verbindungen zumindest zum um diese Zeit bereits vier Filme starken Kino-Universum James Bonds; Harry Saltzman coproduzierte, Ken Adam designte die Sets, Peter Hunt besorgte den Schnitt und John Barry die Musik. Vor allem anhand der – wie gewohnt sagenhaften – Arbeit des Letzteren lassen sich allerdings gleichfalls sehr schön die Differenzen herauslesen. Während Barrys 007-Partituren häufig laut und bombastisch daherkommen, würde sein Palmer-Hauptthema in einem Bond-Film bestenfalls als Untermalung für eine Nebensequenz fungieren, in der der Protagonist irgendein Bürogebäude betritt. Auch Sidney J. Furies Inszenierung strotzt vor Vitalität und kunstvollen kleinen Arrangements, die ihre Entstehungsära wunderhübsch unterstreichen. Der nach wie vor aktive Kanadier Furie, um diese Zeit gewiss noch als hoffnungsvoller und durchweg anerkennenswerter Filmemacher zu bezeichnen, teilte ab den Achtzigern das Schickal anderer namhafter Kollegen seiner (und der Vorgänger-)Generation wie John Frankenheimer, Michael Winner, Richard Fleischer oder J. Lee Thompson – über den Umweg vergleichsweise niedrig budgetierter Genrefilme landete er als maßgeblicher Mitverursacher des kläglichen dritten „Superman“-Sequels irgendwann bei Cannon. In der Folge gab es dann noch vornehmlich wenig enthusiastisch beleumundete DTV-Produktionen, darunter zwei mit Dolph Lundgren, die ich just einmal rasch auf meine Watch-List gesetzt habe.

8/10

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s