EXTRACTION

„You drown not by falling into the river, but by staying submerged in it.“

Extraction ~ USA 2020
Directed By: Sam Hargrave

Der Privatkrieg zwischen dem einsitzenden indischen Drogenbaron Ovi Mahajan (Pankaj Tripathi) und seinem in Dhaka wirkenden Intimfeind Amir Asif (Priyanshu Painyuli) erklimmt eine neue Stufe, als Asif Mahajans Sohn Ovi Jr. (Rudhraksh Jaiswal) kidnappen lässt. Da Mahajan Sr. die Verantwortung für die Geiselaffäre vornehmlich Ovis Leibwächter Saju Rav (Randepp Hooda) anlastet und nun seinerseits dessen Familie bedroht, muss sich Saju etwas einfallen lassen: Er lässt den Söldner Tyler Rake (Chris Hemsworth) rekrutieren, ohne ihn bezahlen zu können. In Dhaka angelangt, gelingt Rake zwar Ovis Befreiung, mit der massiven Gegenwehr Asifs, der den gesamten, korrupten Polizeiapparat in der Tasche hat, rechnet Rake allerdings nicht. Nachdem Rake sich mit seinem Schützling angefreundet und mit Saju verbündet hat, steht ihm ein letzter, gewaltiger Kampf bevor.

High Octane Action bietet das Regiedebüt des vormalig als stunt coordinator tätigen Sam Hargrave, der sein Können insbesondere für diverse Marvel-Produktionen unter Beweis stellen konnte. Die Hauptfigur des Films, Tyler Rake, sowie die Grundzüge der Story verdankt Hargrave der 2014 erschienenen Graphic Novel „Ciudad“, die neben Ande Parks auch die Russo-Brüder Joe und Anthony ersonnen haben. Darin muss Rake ein junges Mädchen aus der paraguayischen Ciudad del Este heraushauen. Den Reviews zum Comic lässt sich entnehmen, dass sich darin bereits diverse klare Bezüge und Avancen zu respektive für eine(r) mögliche(n) Filmadaption auftun, die ja nun tatsächlich existiert. Rake gesellt sich in typologischer Hinsicht zu den schießenden und prügelnden Kino-Killersupermännern der jüngeren Zeit, von Robert McCall über Jack Reacher und Christian Wolff bis hin zu John Wick, die die Genicke ihrer multipel einfallenden Gegnerschaften quasi im Vorbeigehen brechen und jede Feuerwaffe als naturgegebene Armprothese zu nutzen wissen. Chris Hemsworths beeindruckende Physis gemahnt wiederum stark an die körperbetonten Action-Heroen der Achtziger. Eine vielversprechende Mixtur, die sich dann auch tatsächlich als höchst funktional erweist. Anders als in der Vorlage die bezüglich der Beziehung der beiden Hauptcharaktere zueinander dem Vernehmen nach wiederum von Luc Bessons „Léon“ und insbesondere den beiden „Man On Fire“-Verfilmungen zehrt wurde nun aus dem Mädchen ein teenage boy und aus Südamerika Südasien, im Speziellen Bangladeschs Hauptstadt Dhaka. Dieser im Hinblick auf einen westlich produzierten Genrefilm doch recht ungewohnte Schauplatz erweist sich immer wieder als grandiose Kulisse für die brillant choreographierten Sequenzen in „Extraction“, in deren Zentrum neben dem bleihaltigen Finale auf einer der Brücken über den die Metropole flankierenden Dhaleshwari-Mündungsarm eine atemlos montierte Plansequenz von elfeinhalb Minuten Länge steht, die so geschickt geschnitten ist, dass selbst die wenigen cuts kaum auffallen, unter anderem eine Verfolgungsjagd im Auto und per pedes beinhaltet und die andererseits wesentlich bodenständiger inszeniert ist als die mich grundsätzlich enervierenden Zirkusnummern asiatischer Produktionen.
Man darf annehmen, dass dies trotz einiger physiologischer Entbehrungen seitens unseres neuen Helden nicht Tyler Rakes letzter Filmauftritt gewesen sein dürfte; darauf lässt einerseits die letzte, sich ein wenig eingmatisch ausnehmende aber doch erwartungsgemäße Einstellung schließen und andererseits die sich a priori seriell gestaltende Einführung und Kultivierung Rakes, der als „zeitgenössischer Rambo“ (auch dies ist hier und da immer mal wieder nachlesbar) für ein solitäres Abenteuer viel zu schade wäre. Ich bin jetzt schon bereit für alles, was da in der development pipeline liegen mag…

8/10

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