TAKEN 2

„We will have our revenge.“

Taken 2 (96 Hours – Taken 2) ~ F/USA/TR 2012
Directed By: Olivier Megaton

Dafür, dass der retirierte Superagent Bryan Mills (Liam Neeson) die Albaner-Mafia in Paris aufgemischt hat, schwört ihm der Patriarch Murad Hoxha (Rade Serbedzija) mit seinem Clan blutige Rache. Ein Engagement, das Mills nach Istanbul führt, bietet Hoxha die willkommene Chance, seine Vendetta quasi gleich vor Ort durchzuführen. Mit einem ganzen Tross seiner Männer wartet der Alte auf Mills, der gleich noch Ex-Gattin Lenore (Famke Janssen) und Tochter Kim (Maggie Grace) zwecks idyllisch geplanten Familienurlaubs im Schlepptau hat, in der Bosporus-Metropole auf den Amerikaner. Nachdem es den Albanern gelungen ist, Mills zu überrumpeln und mitsamt Lenore in ihre Gewalt zu bringen, ist die noch freie Kim ihre letzte Chance. Mills kann sich mit Kims Hilfe befreien und beschert Hoxha einen weiteren veritablen Albtraum…

Rache für Rache – dass Blutfehde und Vergeltung nie Einbahnstraßen sind, lässt Bryan Mills seine Widersacher in diesem Erstsequel zu Pierre Morels „Taken“ (den ich zuvor gleich noch einmal einer persönlichen, durchaus befriedigend verlaufenen Revision unterzogen habe) auf äußerst intensive Weise spüren. Wer das Original gesehen hat, dessen Erfolg Hauptdarsteller Neeson einen zweiten Karrierefrühling als Actionthriller-Star bescherte, weiß, dass mit Bryan Mills nicht gut Kirschen ist, zumal, wenn es um seine Familie geht. Mit Rade Serbedzija, einem kroatischen Charakterdarsteller, der bereits seit den Neunzigern in Hollywood einer der bemühtesten Akteure für südosteuropäisches type casting ist, steht ihm diesmal sogar ein echter villain mit einigermaßen verständlicher Agenda gegenüber – immerhin hatte Mills im Vorgänger Hoxhas Sohn Marko mittels Stromstößen auf ziemlich üble Weise zu Tode gefoltert. Dass dieser sein gewalttätiges Ableben allerdings gewissermaßen „forciert“ hatte, indem er ausgerechnet die Tochter einer unerbittlichen, menschlichen (amerikanischen!) Zeitbombe kidnappte, bildete vordringlich das aus dem Walde zurückschallende Echo seiner niederträchtigen Menschenhandelsaktionen. Markos Altem ist das jedoch herzlich egal, er weiß nur, dass Mills „Söhne, Ehemänner und Väter“ auf dem Gewissen hat, und das lässt man im traditionsbewussten, ruralen Albanien nunmal nicht so ohne Weiteres auf sich sitzen. Fürderhin geht es also in Istanbul zur Sache, wo die anfängliche Siegesgewissheit Murad Hoxhas sich bald ins bittere Gegeteil verkehren soll.
Was die „Taken“-Trilogie und insbesondere die Charakterisierung des Protagonisten von den vielen ähnlichen gelagerten Film(reih)en und ihren Hauptfiguren unterscheidet, ist die seltsam aufreizend dargelegte Ambivalenz ihrer Persönlichkeit: Dass man mit Bryan Mills einen moralisch unbeflissenen Vollblutkiller präsentiert bekommt, der gegebenenfalls auch durchaus sadistische Tendenzen zur Schau stellt, erweist sich in Anbetracht all der anderen Vigilanten der (jüngeren) Kinogeschichte als nicht sonderlich ungewöhnlich; dass man ihm auf der anderen Seite den liebevollen und besorgten Familienvater und Freund, dessen empathisches, ganz selten einmal brummbäriges Wesen kaum mehr von dieser Welt zu sein scheint, abnehmen soll, als dafür umso lachhafter. Vor allem die letzteren beiden „Taken“-Filme, die von Olivier Megaton anstelle Pierre Morels inszeniert wurden, kokettieren förmlich mit dieser beinahe schon absurden Prämisse, die beim Betrachter die stillschweigende Akzeptanz eines willkürlich zwischen John Rambo und Charles Ingalls oszillierenden Helden blind voraussetzt. Vor allem in dieser, mit Fug und Recht als schizophren zu bezeichnenden Hinsicht scheint mir der eingeforderte good will des dargebotenen Handlungsuniversums annäherend grenzphantastisch, um nicht zu sagen albern, zumal „Taken 2“ nach dem diesbezüglich noch sehr viel ausdifferenzierterem Original nochmals forciert. Megaton liefert am Ende [das mit der per allgemeinem Gelächter quittierten, vorsichtigen Bitte Kims, ihr Dad möge den just kennengelernten boyfriend Jamie (Luke Grimes) doch bitte nicht sofort abknallen, mehr über den gesamten Film aussagt als tausend abgeknallte Albaner] also kaum mehr einen ernstzunehmenden Genrebeitrag, sondern recht oberflächliches Fortsetzungsmaterial, das mir zudem etwas unter einer allzu gut gemeinten, unübersichtlichen, seine Actionsequenzen oftmals verzerrenden Montage leidet.

5/10

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