EUROVISION SONG CONTEST: THE STORY OF FIRE SAGA

„Play ‚Jaja Ding Dong‘!“

Eurovision Song Contest: The Story Of Fire Saga ~ USA 2020
Directed By: David Dobkin

Seit frühester Kindheit träumen die in einem isländischen Küstenstädtchen beheimateten Freunde Lars Erickssong (Will Ferrell) und Sigrit Ericksdottir (Rachel McAdams), als Duo „Fire Saga“ einmal am Eurovision Song Contest teilnehmen zu können und – natürlich – zu gewinnen. Während Sigrit seit eh und je in Lars verliebt ist, steht für diesen jedoch die Musik mit Abstand an erster Stelle. Eines Tages eröffnet sich ihnen dann tatsächlich die Chance, zunächst auf Landesebene in die Endsausscheidung zu kommen. Da sämtliche Mitbewerber einer Schiffsexplosion zum Opfer fallen, dürfen Lars und Sigrit trotz eines katastrophal verlaufenden ersten Auftritts Island als letzte verbliebene Musiker in Edinburgh repräsentieren. Hier warten jedoch nicht nur die oftmals professionelleren übrigen Finalisten, sondern auch die bösen Irrungen und Wirrungen des internationalen Showgeschäfts – ebenso wie Lars‘ letzte Möglichkeit, sich zu seinen wahren Gefühlen zu bekennen…

Irgendwann landen sie alle bei Netflix – nun auch Will Ferrell, der bei seinen Anhängern (zu denen auch ich mich ohne Umschweife zähle), nie ganz in der Versenkung verschwand, dessen wirklich ikonische, in der Regel von Adam McKay inszenierte Komödien-Highlights, und da beißt die Maus keinen Faden ab, nunmehr jedoch bereits Jahre zurückliegen. Filme wie „The House“ oder „Holmes & Watson“ luden zwar nach wie vor zum Schmunzeln ein, der brachiale anarchistische Witz früherer Comedy-Großtaten mochte sich jedoch nicht mehr einstellen. Auch „Eurovision Song Contest: The Story Of Fire Saga“ bildet diesbezüglich keine zäsurische Ausnahme. Einmal mehr präsentiert sich darin die Story des ewigen Kindmannes, dessen kosmopolitischer Horizont sich auf ein höchst überschaubares, nerdiges Mikrouniversum beschränkt, dessen emotionale Entwicklung seit dem Alter von sieben oder acht Jahren stagniert und der sich ganz seinem Lebenstraum als Sieger eines albernen Wetbewerbs verschrieben hat. Vor allem „Blades Of Glory“ kommt einem in den Sinn, wenn Ferrell mit Langhaarperücke und albernen Kostümen seine Trashpop-Songs performt. Überhaupt dieser den Film überschattende Eurovision Song Contest: in meiner Welt kommt dieses musikalische Großevent eigentlich gar nicht vor, weder auf ernstem noch ironischem Wege konnte ich dem Ganzen je etwas abgewinnen noch habe ich, mit Ausnahme weniger historischer Marksteine überhaupt etwas davon mitbekommen. Erst Wikipedia lehrte mich, dass die diesjährige Gastgeberstadt Rotterdam wegen Covid-19 leer ausgehen und sich ein Jahr Aufschub gefallen lassen muss – wie schön, dass Dobkins Film nun Ersatz bietet. Inwieweit parodistische Bestrebungen und semiernst gemeinte Hommage an den ESC sich darin letzten Endes die Waagschale halten, vermag ich in Ermangelung eigener Erfahrungen nicht zu beurteilen. Die hier dargebotene Musik, witzig gemeint oder auch nicht, finde ich ausnahmslos und durch die Bank grauenhaft und das ganze sie umwabernde, tuckige It-Getue, das sich selbst Albtraumgestalten wie Conchita Wurst auszusparen versagt, nicht minder. But that’s just the way it is, I guess.
Will Ferrell liefert (s)eine gewohnt professionelle Standard-Performance und macht sich auf seine ihm unnachahmliche Art zum Affen, obschon man als Kenner nicht umhin kommt, zu registrieren, dass er durch feine, fast unmerklich in sein Spiel eingewobene Nuancen doch immer wieder probiert, nicht mehr ganz der formvollendete Vollidiot zu sein, den seine ikonischen Rollen als Ron Burgundy, Ricky Bobby oder Brennan Huff ihm abverlangten. Ich schiebe das auf eine gewisse, sich möglicherweise analog zur Altersmüdigkeit einstellende „Räson“. Was wiederum tadellos funktioniert und en Film letzten Endes schön und sehenswert macht, ist die Chemie zwischen ihm und Rachel McAdams, die tatsächlich bezaubernd ist als elfengläubige Islandfee und, sorry Will, trotz nachvertonter Gesangsstimme das eigentliche Highlight von „Eurovision Song Contest: The Story Of Fire Saga“ darstellt. Tolle Frau.

7/10

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