AIR FORCE ONE

„Get off my plane!“

Air Force One ~ USA/D 1997
Directed By: Wolfgang Petersen

Als der kasachische Despot Radek (Jürgen Prochnow), der am liebsten wieder die Sowjetunion nebst allen kommunistischen Schikanen einführen würde, mithilfe der CIA hopp genommen und eingekerkert wird, ist der wackere US-Präsident James Marshall (Harrison Ford) nicht fern. Seinen offiziellen Staatsbesuch in Moskau nutzt er darüberhinaus gleich noch, um den Völkern in aller Welt drohend zu bedeuten, dass Amerika künftig als Weltpolizist noch wesentlich härter durchgreifen werde. Der Heimflug verläuft dann alles andere als angenehm: Einem Sympathisanten Radeks, dem nicht minder fanatischen Ivan Korshunov (Gary Oldman), und seinen Gefolgsleuten gelingt es, die Air Force One nebst Präsident zu hijacken. Korshunovs Ziel ist natürlich die Freipressung Radeks, was die sich umgehend zu kebbeln beginnenden Vizepräsidentin (Glenn Close) und Verteidigungsminister (Dean Stockwell) im Sinne des Nichterpressbarkeits-Kodex nur überaus ungern zuließen. Also muss der Präsi, seines Zeichens Vietnam-Veteran, höchstpersönlich ran…

Man sehnt sich förmlich zurück nach dem sogenannten „erzreaktionären“ Actionfilm der Vorgängerdekade, als die muskelbepackten, waffenstarrenden und/oder in martial arts versierten Fantasyhelden in den Resttagen des Kalten Krieges ihre majestätischen Naivmentalitäten in die Köpfe der kommunistischen Widersacher ebenso vehement hineindroschen wie -ballerten, nachdem man dieser auf Hochglanz polierten Klosettbürste angesichtig ward. Ironischerweise brüsten ausgerechnet die amerikanischen Neunziger-Filme „unserer“ beiden Hollywood-Exporte Petersen und Emmerich sich mit oftmals so ekelerregenden Pentagon-Arschkriechereien, dass es einem sich die Zehnägel aufrollt. Schlimmstes und gleichermaßen albernstes Beispiel: „Air Force One“. All die Friedensaktivisten, die noch fünfzehn bis fünf Jahre zuvor gegen die Pershings, Reagan, den Golfkrieg oder gegen „Rambo: First Blood Part II“ auf die Straße gegangen waren, hätten sich im Zuge der Premiere von Petersens sechstem anglophonen Film eigentlich kollektiv an den Kinosälen mindestens dieser Republik festketten müssen – denn was hier an ekelevozierender, hymnischer Lobhudelei über den US-Präsidenten als Ikone der westlichen Welt ausgeschüttet wird, das sucht wahrhaftig seinesgleichen. Worin unterscheidet sich ein Film wie „Air Force One“ von vermeintlichen Aggressionstreibern wie Milius „Red Dawn“ oder Zitos „Invasion U.S.A.“? Nun, wo diese noch auf exakt definierter Genreebene mit nachvollziehbaren Gemeinschaftsängsten spielten, sie aber in letzten Endes phantastische und somit goutierbare, dystopische Fiktionsszenarien setzten, macht Petersen abendfüllendes, teures, technisch exzellentes und von Disney coproduziertes Hochglanzkino für jedermann und -frau. Sein Held ist nicht nur kein jeansbewesteter Prolet oder Ninjakämpfer, auch kein Bodybuilder oder schwersttraumatisierter Kriegsheimkehrer – sein Held ist niemand Geringerer als der stolz geschwelte, jedweder Selbstreflexion abholde Präsident der USA, mit dem respektierten, beliebten, sympathischen Antlitz von Harrison Ford. Han Solo, Indiana Jones, Dr. Kimble, Jack Ryan und all die anderen liebenswerten Heroen mindestens einer ganzen Generation treten hier qua im Kombinat als liebenswerter Familienvater, Ehe- und Ehrenmann und eben als Führer der „Freien Welt“ an, einer von „Mütterchen Russland“ faselnden Mischpoke aus ewiggestrigen Kommiträumern gewaltig in den Arsch zu treten. Flankiert wird Ford darüber hinaus von einer darstellerischen crème de la crème der first acting class: ein aus weltformatigen Gary Oldman, Glenn Close, Dean Stockwell, William H. Macy, KaLeu Jürgen Prochnow (ohne EINE EINZIGE Dialogzeile) und anderen Hochkarätern bestehendes Ensemble, von dem man vieles erwartet hätte, nur nicht gerade, vereint in einem solch unsubtilen Rotzventilator anzutreten, macht Petersen und seiner hanebüchenen Geschichte seine Aufwartung. Davon hätten Sly, Arnie, Chuck oder Dudikoff dereinst nur träumen mögen.
Natürlich ist die Agenda jenes Präsidenten James Marshall vor allem eine ganz private – immerhin befinden sich dessen Gattin (Wendy Crewson) und Töchterchen (Liesel Matthews) an Bord des mirnichts dirnichts entführten Superfliegers und nicht zuletzt diese gilt es, zu beschützen und herauszuhauen. Die Art, wie „Air Force One“ moralische Integrität und Wehrhaftigkeit, aber auch Charme und Weisheit des höchsten Mannes der USA präserviert, dürfte nicht zuletzt dem fleischgewordenen running gag Donald Trump als willkommene Wichsvorlage dienen: „Look, that’s me up there! Only I’m even greater!“
Aber wisst ihr was? Wir verbuchen das Ganze rückblickend einfach trotzdem als Science Fiction. Genau wie Trump in hoffentlich spätestens einem halben Jahr.

4/10

6 Gedanken zu “AIR FORCE ONE

  1. Erstaunlich, wie Trump-Hasser in ihrer eindimensionalen Wahrnehmung völlig ausblenden können wem die Welt die Hotspots der letzten Dekaden verdankt. Das toppt sogar die tumbe Einseitigkeit der Machwerke unserer opportunistischen Exportschlager.

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    1. Dann erkläre ich es mal detaillierter. Bei Ihnen, wie bei den meisten Bloggern, Medienschaffenden sowieso herrscht ein permanentes Trump-Bashing vor. Dabei wird aber die soziale Wirklichkeit in den USA ebenso ignoriert wie historische Fakten. Weite Teile der amerikanischen Bevölkerung (nicht nur Weiße) bewerten Trump bei weitem nicht so schlecht wie es in den ebenfalls linken amerikanischen Medien und hierzulande meist dargestellt wird. Die Ablehnung in den amerikanischen Medien fußt in der Tat vor allem auf der Tatsache, daß Trump eben nicht Teil des politischen Establishments ist. Es grenzt an Ironie, daß ausgerechnet ein eher halbseidener Milliardär die ewiggleichen Forderungen bestimmter Finanzkreise nach immer größerer Marktöffnung, mehr Interventionen etc. zuwiderhandelt. Es war nicht Trump, der den arabischen Frühling mit all seinen Folgen inszeniert hat, es ist auch nicht Trump der ausländische Wahlkampfhilfe in Anspruch genommen hat, sondern es ist die Familie Biden die in der Ukraine in Bestechungsskandale verwickelt ist. Es war aber auch nicht Trump, der die EU zu Sanktionen gegen Rußland gezwungen hat, die nur Porzellan zerschlagen haben und vor allem einen schädigen, nämlich uns, unserer Wirtschaft. Und wenn Trump nun beim Frackinggas zu retten versucht was noch zu retten ist, so ist dies ebenfalls ein politisches Erbe. Die Liste ließe sich lange fortsetzen, über die großen Krieg in welche die USA von Demokraten geführt worden, die Bilanzen bezüglich Gewalt, Diskriminierung, jetzt gerade Corona in demokratisch regierten Staaten bis hin zu den Verstrickungen der Familie Clinton und würde auch bei der desaströsen Bilanz des Säulenheiligen Obama nicht enden.
      Letztlich wäre das aber sinnlos, ich habe nun genug gelangweilt. Danke für die Geduld, falls Sie bis hierhin gekommen sind. Jeder meint oder glaubt eben was er will. Trump jedenfalls hat sicher nicht alles richtig gemacht, aber bei weitem nicht so viel falsch wie uns bestimmte Medien aus nicht ganz so ehrlichen Gründen weismachen wollen.

      Mit den opportunistischen Exportschlagern meinte ich Petersen und vor allem Emmerich. Gerade letztgenannter ist für mich der Prototyp des Zeitgeistheuchlers.

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  2. Eine gewisse Ausführlichkeit in der Argumentation gehört für mich ebenfalls zu einer Debattenkultur wie auch die Fähigkeit andere Sichtweisen zuzulassen. Daß wir aber in einer Zeit leben, in der dies kaum noch möglich ist und jeder lieber in seiner eigenen Filterblase lebt wie es sich für gute NPC gehört überrascht mich nicht. Daher hatte ich auch keine Diskussion erwartet. Aber wie ein vulkanisches Sprichwort besagt „Nur Nixon konnte nach China gehen.“ 😷

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  3. Gut, mein lieber NPC Mr.Majestyk: Ich schlage vor, Sie lesen dann künftig lieber Ihren Shakespeare im klingonischen Original und lauschen wahlweise Ken Jebsens oder Attila Hildmanns fachkundigen Analysen der kommunistischen Weltbankverschwörung mitsamt Coronalüge -dort wird Ihnen zumindest weder Spott noch Ignoranz zuteil. Vielleicht bauen Sie in ihrem Garten auch eine Schutzmauer Richtung Mexiko.
    Hier wird jedenfalls nicht weiterkommuniziert, denn Trump-Apologeten haben in der Kommentarsektion meines Blogs weder etwas verloren noch zu suchen.
    Ciao & so long.

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