TERROR IN A TEXAS TOWN

„What are you talking about take it easy? Didn’t we agree to stick together?“

Terror In A Texas Town (Sturm über Texas) ~ USA 1958
Directed By: Joseph H. Lewis

Als der Walharpunier George Hansen (Sterling Hayden), Sohn des schwedischen Einwanderers Sven Hansen (Ted Stanhope), nach 19 Jahren auf See zurück nach Prairie City, Texas kommt, muss er sogleich die erschütternde Nachricht über den gewaltsamen Tod seines Vaters erfahren. Es dauert auch nicht lange, bis Hansen sich einen Überblick über die relativ klaren Verhältnisse vor Ort verschafft hat: Der reiche Großgrundbesitzer McNeil (Sebastian Cabot) reißt sämtliche Grundstücke der hiesigen Kleinfarmer an sich, da er ahnt, dass darunter Ölvorkommen lagern. Wer nicht freiwillig verkauft und verschwindet, wird von dem gedungenen Mörder Johnny Crale (Nedrick Young) und seiner Gang kurzerhand erschossen, so auch Georges Dad. Der Sheriff (Tyler McVey) steht ebenfalls auf McNeils Lohnliste. Dieser muss rasch erkennen, dass Hansen sich nicht mit ein paar schnellen Dollars abspeisen lässt und hetzt Crale auf ihn. Hansen jedoch lässt nicht locker. Schließlich erschießt Crale noch Georges einzigen Freund, den mexikanischen Einwanderer Mirada (Victor Millan), der seinerseits Zeuge vom Mord Sven Hansen war. Während die übrigen Farmer weiter kuschen, greift George greift zur Harpune…

Joseph H. Lewis, zu seiner Schaffens-Blütezeit vornehmlich Schöpfer von films noirs und Western, zählt zu den weithin unbesungenen, für kleines Geld arbeitenden Hollywoodregisseuren, die Ende der fünfziger, Anfang der sechziger Jahre zu Studienobjekten der französischen Filmkritik und somit auch der damals florierenden Auteur-Theorie avancierten. „Terror In A Texas Town“ bildete Lewis‘ letztes Engagement als Filmemacher, bevor er sich ausschließlich auf unkomplizierte Routinejobs beim Fernsehen kaprizierte. Das Script zum Film stammt vom damals noch auf der Blacklist befindlichen und daraus resultierend unkreditierten Dalton Trumbo (offiziell wurde Ben Perry genannt). Ebenso war Nedrick Young, selbst Drehbuchautor und Darsteller des schwarzgewandeten Todesengels Johnny Crale, vom HUAC geschasst worden, derweil Hauptdarsteller Hayden noch darunter litt, Jahre zuvor vor McCartyhs Komitee ausgesagt zu haben. „Terror“ steht also – nicht nur personell – ganz im Zeichen der „Red Scare“-Phase, die gerade in Hollywood tiefe Furchen hinterließ. Lewis scherte sich wenig um dieses Faktum, da seine Retirierung vom Film eben bereits feststand. Interessanterweise ist sein Finalwerk nicht der einzige Western jener Ära, der ein dezidiert linkes Timbre präserviert, eindeutig antikapitalistisch und auf den Status des einzelnen, aufrechten Dissidenten als treibende Kraft setzt. Man denke etwa an Zinnemanns „High Noon“, der gewissermaßen den Vorreiter dieses besonders verdienten Subgenres darstellte, oder Allan Dwans phantastischen „Silver Lode“, der sich mit „Terror“ nicht nur seinen ebenso intellektuellen wie subtil formulierten Furor teilt. Wie Dwans kleines großes Meisterwerk ist auch „Terror“ von besonders knapper Erzählzeit (er bleibt unter 80 Minuten), infolge dessen inhaltlich wie dramaturgisch extrem verdichtet, dabei von einer psychologisch beispielhaft sorgfältig ausgearbeiteten Figurenzeichnung beseelt und vor allem absolut klar in seiner mutigen Intention. Der 1,96-Mann Sterling Hayden, der über die Jahre sowieso einer meiner vordersten Lieblingsschauspieler wurde, walzt sich zunächst noch sanft und schließlich dann doch einer entfesselten und nunmehr unbeirrbaren Naturgewalt gleich durch das bittere Geschehen, greift jedoch im finalen Duell nicht zur üblichen Schusswaffe, sondern zu seinem wohlfeil beherrschten Arbeitsinstrument, der Harpune. Dass Trumbo dabei – und gewiss nicht allein dabei – Herman Melville im Kopf gehabt haben wird, scheint mir nicht allein aufgrund dessen mehr denn eklatant.

9/10

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