CADILLAC MAN

„God, I love to sell!“

Cadillac Man ~ USA 1990
Directed By: Roger Donaldson

Auf den windigen Brooklyner Autoverkäufer Joey O’Brian (Robin Williams) wartet ein enervierendes Sommerwochenende – sein Chef Big Jack Turgeon (Bill Nelson) visiert einen neuen Verkaufsstandort an, der ihn dazu veranlasst, einige Stellen wegzurationalisieren – wer am verkaufsoffenen Sonntag einen schlechten Schnitt macht, ist raus. Hinzu kommen: eine unterhaltsintensive Ex-Frau (Pamela Reed), eine pubertierende, ihren eigenen Kopf durchzusetzen versuchende Tochter (Tristine Skyler), zwei parallel gehaltene (voneinander freilich nichts ahnende) Betthäschen (Fran Drescher, Lori Petty), die von Joey kostspielig bei Laune gehalten werden wollen, ein daraus resultierender Berg Schulden bei Gangsterboss Tony Dipino (Paul Herman) und, nicht zuletzt, die hohen Außentemperaturen. Der Gipfel jedoch wartet erst noch in Form von Larry (Tim Robbins), dem durchgeknallten Ehemann von Joeys Kollegin Donna (Annabella Sciorra), der aus pathologischer Eifersucht kurzerhand ein Geisel-„Drama“ bei Turgeon Auto entfesselt…

Warum „Cadillac Man“, eine der klugsten Komödien der ausgehenden Achtziger, ein ewiges Schattendasein führt, war und ist mir ein Rätsel. Wie sehr ich den Film eigentlich schon damals geliebt und wie oft ich ihn geschaut haben muss, wurde mir vor ein paar Tagen klar, als ich ihn anlässlich der just erfolgten BR-Veröffentlichung nach bestimmt 25 Jahren zum ersten Mal wieder gesehen habe und noch so ziemlich jede Dialogzeile hätte mitsprechen können. Die immer wieder berückende Erkentnis, dass alte Liebe zudem, zumindest, so sie denn wahr ist, nicht rostet, stellte sich fürderhin ein: „Cadillac Man“ dürfte einer der schönsten Filme des ansonsten im Comedy-Fach eher unbehauenen Australiers Roger Donaldson sein. Er zeigt einen Robin Williams auf dem Zenit seines komödiantischen Könnens, einen, der noch nicht als der liebenswürdige Kindskopf, der ihm im Folgejahrzehnt so unnachgiebig aufgestempelt wurde, anzutreten hat, sondern der seine Rolle als schmieriger, promisker Autoverkäufer, der im Verlauf einer Grenzsituation seine verloren geglaubte Philanthropie wiederentdeckt und immer wieder die vierte Wand durchbricht, indem er direkt zum Publikum spricht, nichts weniger als brilliert. Donaldson, respektive sein in Höchstform befindlicher Autor Ken Friedman, liebäugeln mit dem klassischen Screwball-Format der dreißiger und vierziger Jahre und legen daraus resultierend ein irrwitziges Tempo vor, indem sie ein kaum mehr überschaubares Figurenensemble, bestehend aus zig grell überzeichneten Nebencharakteren vorlegen; von einem alternden russischen Ehepaar (Boris Lyoskin, Elzbieta Czyzewska), über chinesische Restaurantbetreiber (u.a. Lauren Tom, Ben Lin) und einen lakonischen Police Captain (Anthony Powers) bis hin zu Fran Dreschers ewig keifendem Spitz Chester – um nur einige wenige zu nennen – und sie auf unnachahmliche Weise von Williams und dem kaum minder komischen Robbins orchestrieren lassen. Auch sonst steckt ganz viel an bunten Querverweisen in „Cadillac Man“, bzw. antizipiert er sogar Etliches an noch kommenden, filmischen Facetten, was populärere „Nachfolger“ in der Folge noch konkreter ausformulieren sollten – ein wenig „Falling Down“ steckt in ihm und sogar ein wenig „Glengarry Glen Ross“; er überzeichnet liebevoll das italoamerikanische Milieu und ist zudem einer der schönsten Brooklyn-Filme, die ich kenne. Chapeau!, aber sowas von.

9/10

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