ZARAK

„Take my son and flog him to death!“

Zarak (Zarak Khan) ~ UK/USA 1956
Directed By: Terence Young

Um die vorletzte Jahrhundertwende, im Grenzgebiet zwischen Indien und Afghanistan: Hier treibt der gefürchtete Bandit Zarak Khan (Victor Mature) sein Unwesen mitsamt seiner wilden Horde aus Galgenstricken. Einst von seinem Vater wegen seiner Liebe zu dessen schöner Nebenfrau Salma (Anita Ekberg) verstoßen, lebt Zarak seither als Outlaw, der durchziehende Karawanen oder Viehhirten ausraubt, mit Vorliebe jedoch die britischen Kolonialisten. Mit dem englischen Offizier Ingram (Michael Wilding) erhält Zarak einen erbitterten Gegner. Immer wieder kommt es zu Zusammenstößen der beiden Widersacher, die Zarak meist mit der ihm eigenen List und Tücke für sich entscheidet. Mit dem Plan, den machthungrigen Ahmad Khan (Peter Illing) gegen Ingrams Garnison auszuspielen, verhebt sich Zarak aber schlussendlich.

Ein Gangsterepos am Hindukusch inszenierte Terence Young als zweiten Abenteuerfilm mit dem zu jener Zeit vornehmlich in England arbeitenden Victor Mature in der Hauptrolle gleich nach „Safari“ und wiederum für die Warwick Film. Diesmal ging es also in das krisengeplagte Ostindien; als Protagonisten wählte man eine authentische Figur, versetzte diese jedoch in ein alternatives historisches Setting und ging mit deren Biographie auch sonst überaus freigiebig um. Der echte Zarak Khan war zwischen den 1920ern und 1940ern aktiv, zog ebenfalls vornehmlich gegen die westlichen Besatzer ins Feld und kämpfte im Zweiten Weltkrieg, nachdem er sich der Krone ergeben hatte, sogar für die Briten und gegen die Japaner in Burma. Soviel Komplexität mochte man Youngs hübsch campigem Anderthalb-Stunden-Eskapismus dann doch nicht zumuten und beschränkte sich stattdessen auf eine lose zusammenhängende, episodische Schilderung von Zaraks Streichhöhepunkten, die sich immer wieder von kleinen Schäferstündchen zwischen Mature und der als wollüstige Tänzerin besetzten Anita Ekberg unterbrochen finden. Die teils durchaus beeindruckenden Massen- und Kampfszenen können ebensowenig darüber hinwegtäuschen, dass sich „Zarak Khan“ en gros alles andere als perfektionistisch aufstellt: Die Zeichnung der muslimischgläubigen Einheimischen als ebenso zurückgebliebene wie verschlagene Barbaren im Schatten des zivilisierten Commonwealth gibt sich offen rassistisch; Matures Stuntdouble ist mehrmals unverschämt groß im Kamerafokus und als solches problemlos erkennbar; die Unentschlossenheit zwischen Schelmenstück und pathetisch-religiös verbrämtem Heldenepos schließlich spiegelt die ganze Ambivalenz des Projekts wieder. Einige spätere Verantwortliche der Bond-Serie arbeiteten daran übrigens bereits zusammen: Neben Regisseur Young waren das Albert R. Broccoli als Produzent und Richard Maibaum als Autor.
Dass „Zarak Khan“ aller berechtigten Kritik zum Trotz mancherlei Vergnügen bereitet, liegt vorenehmlich an der unbeirrten Flamboyanz, mit der Produktionen wie diese in den Fünfzigern ihre im Grunde zutiefst sleazige Agenda dem Publikum anzudienen pflegten; so naiv und intellektuell schwachbrüstig jene aufwendig gefertigten Filme dastanden, so unerschütterlich war ihr Glaube an sich selbst und die Treue des Publikums.

6/10

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