SANDS OF THE KALAHARI

„The gun makes the king, and the king gets the girl.“

Sands Of The Kalahari (Die Verdammten der Kalahari) ~ UK/USA 1965
Directed By: Cy Endfield

Weil ihr Anschlussflug von Windhoek nach Johannesburg ausfällt, nimmt eine kleine Gruppe von Passagieren eine Chartermaschine. Diese gerät während der Wüstenüberquerung in einen Heuschreckenschwarm und stürzt ab. Die sechs Überlebenden – der Pilot Sturdevant (Nigel Davenport), der Säufer Bain (Stanley Baker), die junge Engländerin Grace Monckton (Susannah York), der freundliche Dr. Bondarahkai (Theodore Bikel), der alternde Veteran Grimmelman (Harry Andrews) sowie der knapp vorm Start zugestiegene Jäger O’Brien (Stuart Whitman) – machen sich auf den beschwerlichen Weg durch die Ödnis. Zunächst finden sie ein kleines Felsmassiv, in dem es eine Quelle und Früchte, aber auch eine Horde Paviane gibt. Nachdem Sturdevant sich Grace unsittlich und erfolglos nähert, zieht er es vor, weiterzuziehen um Hilfe zu holen. Die übrigen Fünf richten sich so gut es geht ein, entwickeln in Anbetracht ihrer desolaten Situation jedoch ganz eigene Überlebensstrategien. Vor allem O’Brien, in dem zunehmend unkontrollierte Aggressionen keimen, verfolgt ein regelrecht darwinistisches Konzept…

Gleich nach seinem spannenden Kriegs- und Belagerungsepos „Zulu“ zog es Cy Endfield abermals nach Afrika, um diesmal ein Survival-Drama vor staubiger Wüstenkulisse zu inszenieren. Die ebenso involvierende wie enervierende Plotprämisse teilt sich „Sands Of The Kalahari“ mit Robert Aldrichs nahezu zeitgleich hergestelltem „The Flight Of The Phoenix“, folgt dann aber rasch gänzlich anders gelagerten Topoi. Während es in „Phoenix“ primär darum geht, wie sich die (ausschließlich aus Männern bestehende) Gruppe gemeinsam aus ihrer misslichen Lage befreit, beleuchtet „Sands“ mittels wesentlich psychologischeren Werkzeugs die vorübergehende Funktionalität eines praktisch hermetischen, abgeschnittenen und zudem konfliktanfällig besetzten Mikrokosmos. Ein zusätzlich pikantes Element ergibt sich durch die „Dreingabe“ einer weiblichen Protagonistin, deren Rolle fünfündfünzig Jahre später allerdings sehr kritisch eingeordnet werden muss. Aus dem eingeschränkten Pool verfügbarer Sexualpartner wählt Grace – quasi wie auf Bestellung – den zum Überleben am besten ausgestatteten O’Brien, verfügt jener doch über allerlei überzeugende Attribute: ein Jagdgewehr und Muskeln, er bleckt stolz seinen imposanten, nackten Oberkörper und beginnt alsbald ebenso brutal wie sadistisch, die zunächst friedlichen Paviane zu dezimieren. Dass aus der archaischen Degeneration O’Briens alsbald eine handfeste Psychose erwächst, kann Grace freilich nicht voraussehen: Der evolutionär bestimmte Darwinismus greift in Anbetracht zivilisierter Gesellschaftsmitglieder nicht mehr. O’Brien wird zum Mörder, dessen man sich notgedrungen erwehren muss. Mit der Schlussszene, in der sich die äonenalte Natur dann gewissermaßen selbst wieder zurechtrückt, schafft Endfield ein wunderbar symbolträchtiges Finalbild.
„Sands Of Kalahari“, der schon im zeitgenössischen Kontext Schiffbruch bei der Kritik und an der Kasse erlitt, lohnt bei aller zurecht zu bemängelnden Misogynie unbedingt die Wiederentdeckung, denn ebenso wie er es versäumt, der einzigen Frau des Films eine differenziertere Charakterisierung zu verschaffen, nimmt er maskuline Rollenklischees und blinden Machismo aufs Korn. Dass die Besetzung schlussendlich die wurde, die sie nun ist, verdankt der Film gewissermaßen manch schicksalhafter, im Nachinein glücklich zu nennender Fügung: Man stelle sich vor, Susannah Yorks Part wäre wirklich von Elizabeth Taylor und O’Brien von den ursprünglich designierten Richard Burton oder George Peppard gespielt worden – das Resultat hätte sich vermutlich selbst der Lächerlickeit preisgegeben.

8/10

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