UNHINGED

„All I have is violence and retribution… because that’s all I’ve got left.“

Unhinged ~ USA/UK 2020
Directed By: Derrick Borte

Als die in mehrerlei Hinsicht gestresste Rachel (Caren Pistorius) sich mit einem übellaunigen, voluminösen Pick-Up-Fahrer (Rusell Crowe) im morgendlichen Straßenverkehr anlegt, kann sie nicht ahnen, dass der Unbekannte nächtens zuvor seine geschiedene Frau sowie deren neuen Partner erschlagen und außerdem einen massiven Cocktail aus diversen Psychopharmaka intus hat. Der Fremde kürt Rachel zu seinem Opfer und macht ihr und ihrem Sozialumfeld die kommenden Stunden zur Hölle.

Und wieder eine terrorfilmische Variation von Altbekanntem, diesmal eine frisch aufgebrühte Melange aus „Cape Fear“ (neu und alt), Schumachers „Falling Down“ und – in Ansätzen – Roger Michells „Changing Lanes“. Dass es Derrick Borte gelingt, die zumindest den etwas älteren und „beseheneren“ Filmsemestern hinlänglich geläufigen Motive der erwähnten Werke aufs Neue schmackhaft zu machen und spannend aubzuliefern, würde ich vornehmlich seiner Gelassenheit zuschreiben. Borte versucht gar nicht erst, etwas bahnbrechend Neues vorzustellen, sondern konzentriert sich in aller Ruhe auf sein kleines, gemeines Straßenduell und dessen berserkernden Fortlauf. Ein absoluter Garant für dessen Funktionieren ist der um sein Dreifaches angewachsene Russell Crowe, dessen physische Ausmaße insbesondere im Vergleich zu früher an einen Marlon Brando erinnern. Mit seiner Körpermasse scheint auch eine ganze Menge schwitzendes Wutpotential Einzug gehalten zu haben, jedenfalls spielt er den namenlosen Entgleisten mit einer tatsächlich beängstigenden, bedrohlichen Wucht, die Crowes Darbietung zu einer seiner denkwürdigsten und besten macht. Gut, das gemeine Logiktierchen ist bei Szenarien wie dem vorliegenden niemals fern und man fragt sich schon, wieso der bullige rampage man, abgesehen davon, dass ihm ohnehin alles scheißegal ist und er sowieso frontal auf ein gewaltsames Ende seiner Ein-Mann-Stampede zusteuert, überhaupt soviel Unheil anrichten kann, ohne dass ihn jemand (z.B. die Polizei?) rechtzeitig ausbremst. Aber die moderne Kommunikastionstechnik mit Smartphones, Tablets, GPS und sonstigem Pipapo erlaubt diverse mehr oder weniger erwartbare Wendungen und Zufälle bis zum erwartbar bösen, freilich aber happyendenden Showdown.
Und letzten Endes will man ja auch gar nicht Drehbuchdetektiv spielen, sondern sich reichhaltig daran ergötzen, welche Kollateralschäden der mithin ungebremste Amoklauf eines irrlichternden Russell Crowe denn so mit sich bringt. Und in dieser Beziehung bekommt man bei „Unhinged“ einiges an Holz.

7/10

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