C.H.U.D.

„They have the power to shut the sky…“

C.H.U.D. ~ USA 1984
Directed By: Douglas Cheek

Auf den Straßen von Manhattan beginnen Menschen zu verschwinden, vornehmlich aus dem Obdachlosenmilieu. Für drei Männer gestaltet sich die ganz unterschiedlich motivierte Suche nach der Ursache dieser Ereignisse zusehends schwierig: Der gerade umgezogene Fotograf George Cooper (John Heard) plant eine Serie über das urbane Prekariat, AJ Shepherd (Daniel Stern), genannt „The Reverend“, leitet eine Suppenküche für die Ärmsten der Armen und Police Captain Bosch (Christopher Curry) vermisst seine Frau (Laure Mattos), die nach einem späten Hundespaziergang nicht zurückgekehrt ist. Ihre Rechecherchen führen das Trio zu einem hochbrisanten Umweltskandal: Der gewissenlose Unternehmer Wilson (George Martin) entsorgt schon seit Jahren nuklearen Müll unter den Straßen der Stadt, wo die dort hausenden Stadtstreicher zu verstrahlten Monstern mutieren. Jene so genannten C.H.U.Ds (Cannibalistic Humanoid Underground Dwellers) machen Jagd auf Menschen und sind für Wilson und seine Leute offenbar ein hinlänglich bekanntes Problem, dessen man mittlerweile jedoch nicht mehr Herr werden kann…

Douglas Cheeks einzige Filmregiearbeit „C.H.U.D.“ lässt sich als legitimes Bindeglied zwischen dem New Yorker 42nd-Street-/Underground-Kino der späten siebziger und frühen achtziger Jahre, das durch Namen wie Ferrara, Henenlotter, Glickenhaus oder Lustig repräsentiert wird und dessen späteren Nachzüglern wie Jim Muros „Street Trash“ bezeichnen. Dabei ist Cheek ein sehr charmanter, spitzfindiger und durchaus gescheiter Indie-Monsterfilm geglückt, der sich im Laufe der Jahrzehnte ein verdientes Renommee erarbeiten konnte. Dem Werk zur Seite steht eine vor allem rückblickend ansehnliche Besetzung (neben den erwähnten Hauptdarstellern finden sich im Cast Namen wie Kim Greist, J.C. Quinn oder Eddie Jones und in kleineren Auftritten Graham Beckel, Frankie Faison und John Goodman) deren jeweils gut aufgelegtes Spiel die sorgfältigen Charakterzeichnung des Scripts nochmals bonifiziert. Ganz weit im atmosphärischen Vordergrund von „C.H.U.D.“ steht allerdings die von der vermüllten Asphaltrealität ihrer Zeit strotzende Photographie, die nur ausgesucht schäbige Facetten der Großstadt herzeigt; dampfende Gullys, bewölkte Dunkelheit, beengte Appartements, verfallende Innenräume und natürlich die subterranen Heimstätten der angsterfüllten Obdachlosen, die sich mitunter verwandeln und dann selbst zu dezimieren beginnen. Als galliger Kommentar zur New Yorker Prä-Gentrifizierungs-Ära lässt sich das mit ein wenig Phantasie ebenso trefflich lesen wie als Hommage an das wahre humane Fundament der Metropole, das eben nicht aus Yuppies und Brokern besteht, sondern aus Polizisten, Künstlern, Sozialarbeitern, Pennern und, ja – vielleicht auch monströsen Kannibalen.

8/10

2 Gedanken zu “C.H.U.D.

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