SWEET SIXTEEN

„I’ve never seen nothing like it.“

Sweet Sixteen ~ USA 1983
Directed By: Jim Sotos

Der Archäologe Dr. Morgan (Patrick MacNee) lässt sich für ein paar Monate mit seiner Frau Joanne (Susan Strasberg) und seiner knapp sechzehnjährigen Tochter Melissa (Aleisa Shirley) in einer texanischen Kleinstadt nieder, um Ausgrabungen an einer indianischen Kultstätte zu überwachen. Die hübsche Melissa verdreht sämtlichen Jungs der Gegend den Kopf – umso tragischer ist es, dass gleich zwei ihrer juvenilen Verehrer (Glenn Withrow, Tony Perfit) kurz hintereinander erstochen aufgefunden werden. Der alleinerziehende Sheriff Burke (Bo Hopkins) hat nun alle Hände voll damit zu tun, sowohl seine eigenen Kids Marci (Dana Kimmell) und Hank (Steve Antin) vor dem mysteriösen Killer zu schützen als auch damit, ein wachsames Auge auf die beiden natives Grayfeather (Henry Wilcoxon) und Jason Longshadow (Don Shanks) zu haben, denen einige der Kleinstädter die Morde in die Schuhe schieben möchten.

Wenngleich das Script zu Jim Sotos‘ zweiter Regiearbeit, einer trotz amtlicher Besetzungsliste günstig geschossenen Indie-Produktion, traditionelle Slasher-Elemente befleißigt, fügt sich „Sweet Sixteen“ nicht recht in das zu seiner Entstehungszeit noch sehr gängige Subgenre. Dazu gibt er sich einerseits zu ambitioniert, kann aber andererseits die angestrebten Meriten nicht wirklich zufriedenstellend einlösen. Zwar sucht sich der Killer seine Opfer – zumindest zunächst – im Teenagermilieu, darum schert sich der Plot de facto aber kaum. Wesentlich mehr Interesse bietet jener für den antiindianischen Rassismus auf, der das nur scheinbar idyllische, südstaatliche Kleinstadtleben latent heimsucht und primär durch zwei stereotypische white trasher, den allenthalben pöbelnden Billy Franklin (Don Stroud) und seinen debilen Adlatus Jimmy (Logan Clarke) repräsentiert wird. Für Franklin ist selbst der Mord an seinem Sohn lediglich ein überfälliges Motiv dafür, den alten Greyfeather endlich per Lynchjustiz zu entsorgen. Gewissermaßen erst im Nachgang dieser prominent entwickelten Bypass-Story lüftet sich dann das Geheimnis um den Mörder respektive die MörderIN – bei dieser handelt es sich nämlich um die unter einer heftigen Identitätsstörung leidenden Joanne Morgan, die in Wahrheit ihre eigene Schwester Trisha ist und die dereinst Joannes Selbstmord bezeugen musste, der wiederum aus einem durch den Vater verursachten Missbrauchstrauma resultierte. Um ihrer Tochter Melissa ähnliches Leid zu ersparen, entledigt sie sie aller möglichen potenziellen Verehrer. Dabei erwischt es im Finale immerhin auch die beiden Unholde Billy und Jimmy, deren asoziale Boshaftigkeit wie sich zeigt nicht mit offenem Rassismus begnügt.
Trotz der durchaus progressiven Topoi, die „Sweet Sixteen“ anreißt, offenbart er etliche inszenatorische und dramaturgische Schwächen. In seinem Bestreben, diverse der tragenden Figuren im whodunit sense möglichst offen zu zeichnen, stellt er sich selbst ein Bein, denn so verharrt deren Charakterisierung ausnahmslos zwischen oberflächlich und albern. Die Tatsache, dass zwei junge Männer grausam ermordet und beerdigt werden, hält das unbedarfte Kleinstadtvolk indes nicht davon ab, in direkter Folge und ohne Täteridentifikation eine launige Geburtstagsparty für Melissa zu schmeißen, im Zuge derer Stroud, Clarke und nicht zuletzt Michael Pataki als unfähigster Bürgermeister diesseits des Rio Grande („I hate funerals“) hinreichend Gelegenheit erhalten, sich als schmierige Schwerennöter zu präsentieren.
Trotz (oder wahlweise auch nebst) alledem bewahrt sich „Sweet Sixteen“ einen gewissen, spezifischen Charme, da man ihm jederzeit anmerkt, dass er eigene Wege zu gehen versuchte. Etwas kompetentere Fertigkeiten im Off hätten da jedoch möglicherweise noch manches zu optimieren vermocht.

5/10

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