THE RECRUIT

„Nothing is what it seems.“

The Recruit (Der Einsatz) ~ USA/CH 2003
Directed By: Roger Donaldson

Den junge Computer-Spezialisten James Douglas Clayton (Colin Farrell) treibt wenig um, mit Ausnahme des ungeklärten Todes seines Vaters vor dreizehn Jahren. Ansonsten lebt er in den Tag hinein und jobbt als Kellner, bis ihm eines Tages der mystrerlöse Walter Burke (Al Pacino) aus heiterem Himmel das Angebot unterbreitet, sich der CIA als Auszubildender anzufangen. Burke ködert den zunächst uninteressierten James mit der Eröffnung, dass möglicherweise auch sein Vater einst als Agent bei der Erfüllung seiner Dienstpflicht gestorben sei und diesbezügliche Geheiminformationen existierten. Also heuert James bei der „Firma“ an und wird gemeinsam mit seinen neuen Mit-Azubis auf die „Farm“ geschickt, eine Ausbildungsstätte für vielversprechenden Spionage-Nachwuchs unweit von Langley. Hier wird James, der sich rasch in seine Kommilitonin Layla (Bridget Moynahan) verguckt, von Burke an seine physischen und psychischen Obergrenzen getrieben, bevor dieser ihn offiziell aus dem Trainingsprogramm ausscheiden lässt und ihn statddessen als „NOC“, als verdeckt arbeitenden Sonderermittler, ins Feld schickt: Layla, so Burke, arbeite in Wahrheit für die Gegenseite und habe den Auftrag, ein Computervirus namens „ICE-9“ aus dem Hauptquartier zu stehlen…

„The Recruit“ erweist sich unversehens als eine relativ sichere Kiste für alle Beteiligten. Es gibt einen ordentlichen Thriller-Plot mit allerlei inhaltlichen Unwägbarkeiten und Twists, die der Zuschauer an der Seite des unsicheren Protagonisten James Clayton zu durchlaufen hat, diverse Inneneinblicke in die Ausbildungspraktiken und Arbeitsweise der nicht eben sympathisch dargestellten CIA, eine hübsche Romanze mitsamt einem intrigengespickten Katz-und-Maus-Spielchen, drei erstklassige HauptdarstellerInnen, und mit Donaldson einen Regisseur, der das Ganze so routiniert wie formal geschlossen in Szene setzt. Gewiss kommt man nicht umhin, das Ganze unter Voraussetzung entsprechender Kenntnis als eine irdische(re) Variation von Taylor Hackfords „The Devil’s Advocate“ wahrzunehmen, der Einfachheit halber wiederum mit Pacino als böser Spinne im Netz, die sich die Instabilität eines aufstrebenden Jünglings zunutze macht. Nun ist Pacino in diesem Fall bloß kein Höllenfürst, sondern ein ausgebrannter, abgelegter Scheinheld früherer Tage, bei dem sich, wie die Conclusio erweisen wird, infolge schlechter Bezahlung und ausbleibender Belobigung ein gewaltiger Frustrationsstau angesammelt hat und der sich deswegen vom Feind kaufen ließ. Sein als von ihm als Marionette herangezogenes Mündel erweist sich am Ende dann aber doch als allzu tefflicher Schüler und somit cleverer denn der falsche Mentor, woraufhin Pacino einen ähnlichen furiosen Abgang wie einst Tony Montana hinlegt. Im Alter, das muss man trotz der natürlich gewohnt exzellenten Leistung des großen Schauspielers sagen, ist auch ein Pacino nurmehr ein Opfer des type casting, was es ihm möglicherweise erleichtert, den traurigen Zynismus seiner Figur Walter Burke geradezu plastisch spürbar zu machen. „The Recruit“ ist auch ein Herbst-/Winter-Film; eine permanente Wolkendecke hängt grau und bleiern über Virginia und damit gleichermaßen den Machtzentren des Landes, was die Photographie (Stuart Dryburgh) zu monochromen, tristen Bildern hinreißt, die die von Misstrauen und Identitätssuche geprägte Atmosphäre des Ganzen nurmehr forciert. Dass am Ende dann doch noch aufrichtige Liebe und damit einhergehend der Keim eines stabilen Neuanfangs über das hinterhältige Ränkespiel der falschen Vaterfigur triumphieren, wirkt dann allerdings ein wenig zugestanden. Ein konsequent fataler Ausgang hätte da möglicherweise für mehr Nachhall gesorgt, aber die richtig große Packung Tristesse mutet Donaldson seinem Publikum ja eigentlich ohnehin nie zu.

7/10

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