GOTHIKA

„You can’t trust somebody when they think you’re crazy.“

Gothika ~ USA/F/CA/E 2003
Directed By: Mathieu Kassovitz

Eines Abends ist die in der forensischen Woodward-Klinik tätige Psychiaterin Miranda Grey (Halle Berry) wegen eines Sturms gezwungen, einen Umweg nach Hause zu nehmen. Mitten auf der Straße begegnet sie einem geisterhaften Mädchen (Kathleen Mackey), das nach Ansprache durch Miranda in Flammen aufgeht. Später erwacht die amnesische Ärztin höchstselbst als Insassin der geschlossenen Sektion von Woodward – sie soll ihren Ehemann Douglas (Charles S. Dutton), Chef des Hospitals, an jenem mysteriösen Abend ermordet haben. Zwar beteuert Miranda vehement ihre Unschuld, doch sämtliche Beweise sprechen gegen sie. Zudem scheint jene gespenstische Entität ihr nachzustellen und sie unbedingt auf etwas hinweisen zu wollen. Der völlig auf sich gestellten Miranda bleibt nurmehr die Flucht nach vorn…

Als vierte Produktion des 1998 als Reminiszenz an den legendären Gimmick-Filmemachers William Castle gegründeten Studios Dark Castle Entertainment bewegt sich „Gothika“ qualitativ recht gleichförmig auf der üblichen Linie der damals noch jungen, eine klare Linie verfolgenden Genreschmiede. Der erstmals für Hollywood arbeitende Regisseur Mathieu Kassovitz berichtete im Nachhinein höchstselbst, seine Arbeit an „Gothika“ lediglich als anspruchslosen Türöffner zu größeren Budgets betrachtet und keinerlei persönliche Ambitionen in das Projekt investiert zu haben. Diese exponierte Leidenschaftslosigkeit merkt man dem Film durchaus an; sein Thema apostrophiert sich mehr oder weniger gelangweilt als vollkommen handelsüblicher, schnödester Geistergrusel mit jenseitigem Erlösungsgesuch: Ein einst im Zuge ungeheuerlicher misogyner Umtriebe gewaltsam zu Tode gekommenes Mädchen sucht sich eine irdische, medial sensible Erfüllungsgehilfin, die es unfreiwilligerweise für seine Rache benutzt. So weit, so gewöhnlich. Natürlich sind auch die campigen Volten Castles immer ganz gut identifizierbar – der bloße Effekt um seiner selbst Willen steht im Vordergrund und drängt Glaubwürdigkeit oder gescheiten Dialog rücksichtslos in die letzte Bank. Da „Gothika“ nunmal ist, was er ist und daraus auch keinen Hehl macht, stört dies jedoch kaum. Das Irrenhaus als mit einer Menge Traditionsbewusstsein aufgeladener Schauplatz für klassisches Genrekino rechtfertigt immerhin einige ordentliche production values, die Besetzung ist durchweg ordentlich und die vielen kleinen Schlenker zum Sensationalismus hin tun auch nur dann weh, man sie lässt. Ich finde „Gothika“ all seiner offenkundigen Schwächen zum Trotz daher gar nicht so unsympathisch, wie er vielerorts immer wieder gemacht wird.

5/10

TRICK `R TREAT

„Happy Halloween!“

Trick `r Treat ~ USA 2007
Directed By: Michael Dougherty

In der Kleinstadt Warren Valley, Ohio geschieht zum diesjährigen Halloween-Umzug allerlei wahrhaft Grausiges: Der hiesige High-School-Direktor Wilkins (Dylan Baker) entpuppt sich als Serienkiller, der es sowohl auf adipöse Süßigkeiten-Junkies wie auch auf hübsche Backfische abgesehen hat; ein Quartett von Teenagern (Britt McKillip, Isabelle Deluce, Jean-Luc Bilodeau, Alberto Ghisi) spielt einer Außenseiterin (Samm Todd) einen bösen Streich, der schwer nach hinten losgeht; eine Gruppe weiblicher Werwölfe veranstaltet eine Party mit jungen Männern als Hauptgang; der ein schlimmes Geheimnis hütende Säufer Kreeg (Brian Cox) bekommt nicht nur eine alte Rechnung präsentiert, sondern muss sich zudem noch des überaus regelgestrengen Sam (Quinn Lord), des inkarnierten Geists der Halloweennacht, erwehren.

Thematisch um Halloween kreisende Horrorfilme oder zumindest solche, die im Kontext des besonders in den USA ausgelassen gefeierten, den All Saint’s Day und den Day of the Dead antitipierenden Maskenfests spielen, sind zahlreich. Man kann durchaus von einem eigenen, kleinen Subgenre sprechen, dem der phantastikaffine Michael Dougherty nach einigen Scripts für Superheldenfilme von Bryan Singer und unter dessen produzierender Ägide 2007 sein Regiedebüt zusetzte. Gestaltet als ein Quasi-Episodenfilm, dessen einzelne Segmente sich jedoch inhaltlich wechselseitig beeinflussen und teilweise kausal bedingen, gibt es im Wesentlichen vier narrative Hauptstränge und einen sie alle mehr oder weniger verbindenden Überbau in Form eines kleines Dämons, der darauf achtet, dass die spirituelle Tradition von Samhain stets gewahrt bleibt. Wer diese in jedweder Form missachtet oder gar ignoriert, bekommt seinen Frevel auf dem Fuße hart entgolten. Seine hübschen Storys, in denen die allermeisten, die sich auf die eine oder andere Weise moralisch verschulden, einer bitteren Strafe entgegensehen, für die nicht immer zwangsläufig der Halloween-Dämon verantwortlich zeichnet, inszeniert Dougherty als grelles fright fest im Sinne klassischer Horrorcomics und wahrt dabei stets einen zumeist sehr galligen Humor, der gern auch mit der einen oder anderen augenzwinkernden, den Connaisseur reizenden Avance hausiert. Dadurch, dass Dougherty seine Geschichten zudem parallel montiert, sie also nicht losgelöst voneinander erzählt, entsteht eine Art von Homogenität, die eine nette Alternative zum klassischen Korsett des üblichen episodisch erzählten Horrorfilms darstellt. Einen instant classic erhält man dadurch zwar noch nicht, sehr wohl aber eine hübsche Alternative für den jährlichen, effektvoll zu gestaltenden Themenabend am 31. Oktober.

7/10