THE GREEN KNIGHT

„I fear I am not meant for greatness.“

The Green Knight ~ IE/UK/CA/USA 2021
Directed By: David Lowery

Gawain (Dev Patel), Neffe von König Artus (Sean Harris), mag sich den Gepflogenheiten eines standesgemäßen Ritterdaseins noch nicht stellen. Lieber verbringt er seine Zeit in Bordellen und Tavernen oder mit seiner Lieblingsmetze Essel (Alicia Vikander). Um Gawains Würde für einen Platz in der Tafelrunde des Königs auf die Probe zu stellen, beschwört seine Mutter (Sarita Choudhury) ein übernatürliches Wesen, den Grünen Ritter (Ralph Ineson), herauf. Dieser erscheint am Weihnachtsabend in Artus‘ Thronsaal und bietet den Anwesenden an, einen Streich an ihm auszuführen. Der Herausgeforderte müsse jedoch genau ein Jahr später die Grüne Kapelle aufsuchen und dort exakt denselben Hieb durch den Grünen Ritter entgegennehmen. Gawain enthauptet den Ritter daraufhin mit dem Schwert Excalibur und wird als Held gefeiert. Seine eigentliche Prüfung steht ihm jedoch noch bevor, in Form der elf Monate später beginnenden Queste, allerdings nicht, ohne sich eines Schutzzaubers in Form eines von seiner Mutter hergestellten, magischen Gürtels zu bedienen…

David Lowerys jüngste Regiearbeit ist eine sehr besonders gestaltete Adaption des mittelenglischen Textes „Sir Gawain And The Green Knight“, der als eine der Weiterführungen der traditionellen Artus-Geschichten fungierte. Darin findet sich neben einer Vielzahl mythologischer Aspekte im Wesentlichen die Kernweise um die Stabilität ritterlicher Ideale im Angesicht vielgestaltiger Versuchung. Auf seiner Queste nach der Grünen Kapelle und damit der Erfüllung seines eigenen Schicksals muss sich Gawain hinterlistiger Wegelagerer erwehren, die ihn um fast all sein mitgeführtes Hab und Gut erleichtern, er begegnet der kopflosen Geisterfrau Winifred (Erin Kellyman), die ihn um ihre Erlösung ersucht, schließt Bekanntschaft mit einem zutraulichen Fuchs und landet in der Burg eines gastfreundlichen adligen Ehepaars, von dem der Mann (Joel Edgerton) die meiste Zeit mit der Jagd verbringt, während die Frau (Alicia Vikander) Gawain offene Avancen macht. Schließlich steht dieser, am Ende seines spirituellen Weges angelangt, vor dem Grünen Ritter, der von Gawain seine Revanche fordert. Eine letzte Vision trägt ihn, nachdem er dem Todeshieb des Ritters mithilfe seines Zaubergürtels entgehen kann, in eine oberflächlich zwar glorreich scheinende, für ihn persönlich aber doch tiefunglückliche Zukunft voller Ausflüchte und Verlogenheit. Daraufhin entledigt sich Gawain des Gürtels und erwartet sein Schicksal.
Während sich in der originallen Moritat der Grüne Ritter als verwandelter Burgherr entpuppt und Gawain, der fortan seinen Ruhm, sich dem Unausweichbaren tapfer gestellt zu haben, lachend mit jenem Gewissen ziehen lässt, endet der Film mit einem unzweifelhaft versprechenden „Off with the head“ durch den Grünen Ritter, Gawain und mit ihm das Publikum im Ungewissen zurücklassend. So rätselhaft wie jener Abschluss gestaltet sich der gesamte Film, der, was kaum verwundert, verliehen und coproduziert wurde durch das bereits sehr für sein oftmals eigenwilliges Œuvre bekannten, noch jungen Studios A24. „The Green Knight“ spielt mit allem, was ihm unter die Finger gerät; mit der Historie, die sich selbst im Rahmen eines mittelalterlichen Fantasystücks kaum auhentisch, sondern als eklektisch-verschrobenes Realitätskonstrukt erweist; mit seinen Figuren, die einen durchweg metaphorischen bis symbolischen Charakter einnehmen und bewusst kaum mit Namen versehen sind sowie natürlich mit dem Ursprungstext, dessen latente Ironie er aufgreift und in ein vorsätzlich diffizil arrangiertes Kunstwerk der Gegenwart transponiert. Fernab jedweder leichten Konsumierbarkeit erweist sich Lowerys vordergründig lehranekdotenhaft erzählter Film als ebenso großes Paradoxon wie sein Erzählgegenstand: er ist unzugänglich, ohne sperrig und verrückt ohne wirr zu sein. Seinem Rezeptionszirkel macht es „The Green Knight“ alles andere als einfach. Er verlangt ihm im Gegenteil ein hohes Maß an Aufgeschlossenheit und Bereitschaft zur Auseinandersetzung ab, belohnt ihn im Gegenzug jedoch (nicht nur) mit ausgesuchter visueller Pracht und bildnerischer Schönheit.

8/10

2 Gedanken zu “THE GREEN KNIGHT

  1. Mir geht’s im Moment ähnlich. Meine ursprünglich selbst auferlegte Regel, ausnahmslos jeden gesehenen Film hier zu betexten, musste ich außerdem schon vor längerem brechen, was mich sehr ärgert.

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