VENOM: LET THERE BE CARNAGE

„Something wicked this way comes…“

Venom: Let There Be Carnage ~ USA 2021
Directed By: Andy Serkis

Eddie Brock (Tom Hardy) und der mit ihm verbundene Alien-Symbiont Venom leben ihre fusionierte Existenz mittlerweile wie ein altes Ehepaar. Als sich Brock die Chance eröffnet, durch ein Interview mit dem im Todestrakt von San Quentin einsitzenden Serienmörder Cletus Kasady (Woody Harrelson) seiner Reporterkarriere neuen Schub zu verleihen, nutzt er diese – zunächst erfolgreich. Ein weiteres Treffen mit Kasady kurz vor dessen Hinrichtung endet jedoch katastrophal: es gelingt dem Killer, sich ein Stück von Venom einzuverleiben, womit eine neue, todbringende Kreatur namens Carnage geboren ist. Kasady/Carnage entkommt, um sich mit seiner in der Anstalt Ravencroft einsitzenden Jugendliebe, einer mörderischen Mutantin namens Frances Barrison (Naomie Harris) alias Shriek, wiederzuvereinen und gemeinsam ihr früheres Kinderheim „St. Estes“ dem Erdboden gleichzumachen. Derweil trennen sich Brock und Venom nach einem heftigen Streit vorübergehend voneinander, müssen sich aber schließlich doch wieder zusammenraufen, um gemeinsam Carnages und Shrieks Amoklauf Einhalt zu gebieten.

Zu den eklatanten, aber noch langmütig aushaltbaren Problemen des Vorgängers gesellen sich im nunmehr von Andy Serkis inszenierten Sequel noch ein paar weitere hinzu. „Let There Be Carnage“ begreift sich primär als fröhlicher monster mash mit Partyallüren und leidet wiederum nachhaltig unter seiner erklärten Jugendfreundlichkeit, die selbst einem blutrünstigen Massenmörder wie Cletus Kasady noch den sinistren Nimbus nimmt. Mit seiner allenthalben überhasteten Dramaturgie und dem seine selten geistreichen Dialoge unter Dauerfeuer ausspeienden Script erinnert der zweite „Venom“ eher an die beiden sträflich missglückten „Batman“-Filme, die Joel Schumacher in den Neunzigern inszenierte und die den Dunklen Ritter nebst seiner finsteren Genesis zu einer bunten Zirkusattraktion aufweichten. Als hätte es sie letzten zwei Jahrzehnte Genrebildung im Superhelden-Adaptionsfach nicht gegeben, pfeift „Let There Be Carnage“ zu obigen Vorbildern passend auf jedwede Ernsthaftigkeit und tritt sowohl die existenzialistische Schwere der Snyder-Filme fürs DCEU als auch die zunehmende inhaltliche Komplexität des MCU so dreist wie lustvoll mit Füßen – es braucht dann auch nicht mehr die gewohnte Überlänge, um flaue Gags, Computerspielästhetik und entseelte CGI-Superwesen-Kloppereien in solch konzentrierter, dabei jedoch völlig unsubstanzieller Form aufzubieten. Ob man diesen buchstäblichen Affront gegen so ziemlich alles, was dem Superheldenfilmfan mittlerweile lieb und teuer ist, als notwendige Stilprovokation zu goutieren bereit ist oder eher genervt mit den Augen rollt, mag zu einem Teil reiner Rezeptionsdialektik geschuldet sein – offenkundige Schwächen wie die, kein konzises Gesamtbild hinterlassen zu können, lassen sich jedoch so oder so nicht fortleugnen. Der vermeintlich größte Clou findet sich dann erwartungsgemäß während der end credits, die, ermöglicht durch die Einführung des Multiverse-Konzepts drüben bei Disney, eine Brücke zum dort installierten „Spider-Man“ schlagen, was Sony in Kürze selbst unter nochmaliger Befleißigung dieses albernen Titelhelden neue Zuschauerrekorde bescheren wird.

4/10

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