TOOLBOX MURDERS

„It’s not about what can get in – it’s about what’s already here.“

Toolbox Murders ~ USA 2004
Directed By: Tobe Hooper

Das „Lusman-Arms“-Appartmentgebäude in Hollywood hat seine besten Tage längst hinter sich. Als eines der Relikte einer altehrwürdigen Ära, in dem der Legende nach unter anderem Elizabeth Short gewohnt haben soll, präserviert es dennoch einen gewissen, morbiden Charme. Zudem ist es wegen der andauernden Baufälligkeiten nicht sonderlich teuer und bietet somit dem jungen Ehepaar Nell (Angela Bettis) und Steven Barrows (Brent Roam) eine brauchbare Übergangslösung. Als Nell jedoch registrieren muss, dass einige ihrer Nachbarn, darunter ihre neue Freundin Julia (Juliet Landau), urplötzlich verschwinden, beginnt sie zu ahnen, dass im Lusman Arms nicht nur das poröse Gebälk für Unbehagen sorgt und stellt Nachforschungen an. Ein mysteriöser Tipp des alternden Mieters Chas Rooker (Rance Howard) bringt sie schließlich auf eine ungeheuerliche Spur – offenbar befindet sich ein Haus im Haus…

Als nominelles Remake von Dennis Donnellys rüdem, sechsundzwanzig Jahre älterem Slasher „The Toolbox Murders“ hat Tobe Hoopers schönes, durchaus stilvolles Spätwerk mit dem Original bestenfalls den Titel gemein und ansonsten zwei, drei nachrangige inhaltliche Motive wie den Werkzeugkoffer als wesentliches Mordinstrument sowie das Mietshaus als Tatort. Ansonsten geht das Hoopers Film zugrunde liegende Script (Jace Anderson/Adam Gierasch) wesentlich geschickter und interessanter zu Werke. In Donnellys Film, einem Exploitationfest erster Garnitur, zerschnetzelte Cameron Mitchell als Hauseigentümer in einem Anfall aus Verlustwahn und später Misogynie die Einwohnerinnen seines Hauses, während bei Hooper gewisse okkultistische Einflüsse zu verzeichnen sind und zudem die Identität des monströs entstellten (und daher maskierten) Killers weitgehend unentschlüsselt bleibt. Doch selbst dieser scheint Hoopers Interesse eher in geteiltem Maße sowie als Mittel zum Zweck zu beanspruchen, vielmehr wirkt „The Toolbox Murders“ auf mich wie eine kleine, derbe Bastardfortsetzung von Polanskis klassischer Mietshaus-Trilogie, wobei vor allem deren Mittelteil „Rosemarys Baby“ als thematischer Spender fungiert haben könnte. Gewiss, das Bramford in Manhattan wirkt noch um Einiges unheimlicher als das topographisch diametral befindliche Lusman Arms an der Westküste, aber dessen buchstäbliche Eingeweide haben es nicht minder in sich. Wie das große Vorbild einst von einem in hohem Maße an schwarzmagischen Ritualen interessierten Bauherrn errichtet (anstelle von Adrian Marcato wäre das im vorliegenden Falle ein gewisser Jack Lusman) hat das Gebäude noch ganz andere Zwecke als die Beherbung illustrer MieterInnen und wie bei Polanski (bzw. Ira Levin) setzt sich der unheilvolle Einfluss des Erbauers bereits seit den lang zurückliegenden Tagen des Richtfests fort.
Und wie Rosemary Woodhouse ist die jungverheiratete, zierliche Nell Barrows häufig allein zu Hause, lernt Mitbewohner im Waschkeller kennen und scheint als einzige aufrichtigen Argwohn gegenüber dem zu empfinden, was sich doch vor aller Augen abspielt. Die aufschlüsselnde Idee, dass das Lusman Arms nichts anderes ist als ein um ein früheres Einparteinhaus „herumkonstruiertes“ Gebäude, dessen „Gekröse“ gleichermaßen das heimliche Refugium des Maskenkillers darstellt, finde ich doch ziemlich famos. „Toolbox Murders“ pflegt darüber hinaus auch einen schönen, subtilen Humor, etwa in der Skizzierung der im Lusman Arms arbeitenden und wohnenden Menschen, die, zumal in ihrer Konzentration, ein hübsch schräges Ensemble abgeben.
Ein beachtlicher Film eines noch immer allzu unterschätzten Genremeisters – und, wie er selbst, leider viel zu übersehen.

8/10

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s