TRICK `R TREAT

„Happy Halloween!“

Trick `r Treat ~ USA 2007
Directed By: Michael Dougherty

In der Kleinstadt Warren Valley, Ohio geschieht zum diesjährigen Halloween-Umzug allerlei wahrhaft Grausiges: Der hiesige High-School-Direktor Wilkins (Dylan Baker) entpuppt sich als Serienkiller, der es sowohl auf adipöse Süßigkeiten-Junkies wie auch auf hübsche Backfische abgesehen hat; ein Quartett von Teenagern (Britt McKillip, Isabelle Deluce, Jean-Luc Bilodeau, Alberto Ghisi) spielt einer Außenseiterin (Samm Todd) einen bösen Streich, der schwer nach hinten losgeht; eine Gruppe weiblicher Werwölfe veranstaltet eine Party mit jungen Männern als Hauptgang; der ein schlimmes Geheimnis hütende Säufer Kreeg (Brian Cox) bekommt nicht nur eine alte Rechnung präsentiert, sondern muss sich zudem noch des überaus regelgestrengen Sam (Quinn Lord), des inkarnierten Geists der Halloweennacht, erwehren.

Thematisch um Halloween kreisende Horrorfilme oder zumindest solche, die im Kontext des besonders in den USA ausgelassen gefeierten, den All Saint’s Day und den Day of the Dead antitipierenden Maskenfests spielen, sind zahlreich. Man kann durchaus von einem eigenen, kleinen Subgenre sprechen, dem der phantastikaffine Michael Dougherty nach einigen Scripts für Superheldenfilme von Bryan Singer und unter dessen produzierender Ägide 2007 sein Regiedebüt zusetzte. Gestaltet als ein Quasi-Episodenfilm, dessen einzelne Segmente sich jedoch inhaltlich wechselseitig beeinflussen und teilweise kausal bedingen, gibt es im Wesentlichen vier narrative Hauptstränge und einen sie alle mehr oder weniger verbindenden Überbau in Form eines kleines Dämons, der darauf achtet, dass die spirituelle Tradition von Samhain stets gewahrt bleibt. Wer diese in jedweder Form missachtet oder gar ignoriert, bekommt seinen Frevel auf dem Fuße hart entgolten. Seine hübschen Storys, in denen die allermeisten, die sich auf die eine oder andere Weise moralisch verschulden, einer bitteren Strafe entgegensehen, für die nicht immer zwangsläufig der Halloween-Dämon verantwortlich zeichnet, inszeniert Dougherty als grelles fright fest im Sinne klassischer Horrorcomics und wahrt dabei stets einen zumeist sehr galligen Humor, der gern auch mit der einen oder anderen augenzwinkernden, den Connaisseur reizenden Avance hausiert. Dadurch, dass Dougherty seine Geschichten zudem parallel montiert, sie also nicht losgelöst voneinander erzählt, entsteht eine Art von Homogenität, die eine nette Alternative zum klassischen Korsett des üblichen episodisch erzählten Horrorfilms darstellt. Einen instant classic erhält man dadurch zwar noch nicht, sehr wohl aber eine hübsche Alternative für den jährlichen, effektiv zu gestaltende Themenabend am 31. Oktober.

7/10

SHIVA BABY

„This isn’t a party!“

Shiva Baby ~ USA/CA 2020
Directed By: Emma Seligman

Für die Studentin Danielle (Rachel Sennott) wird es ein vermaledeiter Tag: Nach einem Techtelmechtel mit ihrem deutlich älteren, dafür jedoch spendablem Liebhaber Max (Danny Deferrari) begleitet sie ihre Eltern (Polly Draper, Fred Malamed) zu einer Shiv’a, einer der jüdischen Beerdigung folgenden Trauerfeier im häuslichen Rahmen. Solche familiären Ereignisse kommen für Danielle stets einem Spießrutenlauf gleich; man mästet sich am kalorienreichen Buffet, wird über Beziehungsleben und Karrierepläne ausgefragt und lästert kreuz und quer über sämtliche Anwesende in wechselnden Konstellationen. Mit ihrer ebenfalls vor Ort befindlichen, langjährigen Freundin Maya (Molly Gordon) verbindet Danielle zudem noch eine ihrerseits mühevoll ignorierte, romantische Beziehung. Als dann auch noch Max nebst Gattin (Dianna Agron) und Baby auftaucht, avanciert der Leichenschmaus endgültig zum Albtraum für Danielle…

A damsel in distress: Emma Seligmans liebenswertes Debüt erzählt einen im Prinzip klassischen Coming-of-Age-Stoff in frischer Gewandung und ließe sich in etwa als eine Art feministisches, jiddisches Kammerspiel-Gegenstück zu Judd Apatows „The King Of Staten Island“ bezeichnen. Wie dessen Protagonist mag auch die wohlbehütet aufgewachsene, von ihren Eltern stets klein gehaltene Danielle sich nicht recht dem fügen, was alle Welt und allen voran die eigene Mischpoke von ihr erwartet. Kein Wunder, denn die entsprechenden Bilder sind von geradezu destruktiver Konventionalität, die so ziemlich allem widerspricht, was die kluge, junge Frau in ihrem Innersten wirklich umtreibt. Nicht nur, dass sie keinem erfolgs- oder vielmehr karriereorientierten Studiengang nachgeht, sondern irgendwas mit Genderforschung, derweil die in sämtlichen Belangen deutlich gefestigtere Maya im Rechtswesen Fuß fassen wird, ist sie auch noch auf der Suche nach ihrer sexuellen Identität. Bi, lesbisch gar? Das weiß Danielle selbst nicht so recht, als „Sugar Baby“ (so der Name einer einschlägigen Dating-App) lässt sie sich für entsprechende Dienstleistungen jedenfalls regelmäßig von älteren Herren wie Max entlohnen; zu einer potenziell durchaus stabilen Beziehung mit Maya zu stehen, wäre ferner kaum im Sinne eherner traditioneller Werte.
Den daraus resultierenden Spießrutenlauf erzählt Emma Seligman binnen knapp achtzig Minuten und unter Konzentration auf einen Handlungsschauplatz als eine Art emotionales „High Noon“, als Konflikt zwischen innerer und äußerer Welt – von Scham- und Panikattacken gebeutelt bersucht die arme Danielle, das beste aus ihrer sich zuspitzenden, misslichen Lage zu machen, die sich zusätzlich noch sukzessiv dadurch verschärft, dass manch unangenehme Wahrheit wegen ihrer eigenen Ungeschicklichkeit (sie lässt ihr Handy ungesperrt auf der Toilette liegen) ans Tageslicht kommt. Die daraus resultierende, glänzende Komik ist gleichermaßen Seligmans wunderbar scheinchaotischer (Dialog-)Dramaturgie wie Rachel Sennotts exzellenter Performance zuzuschreiben. In seinen schönsten Momenten erinnerte mich „Shiva Baby“ zudem an Altmans Meisterwerk „A Wedding“ – beileibe nicht die schlechteste Referenz.

8/10

HALLOWEEN KILLS

„Evil dies tonight!“

Halloween Kills ~ USA/UK 2021
Directed By: David Gordon Green

Dank der eilends eintreffenden Feuerwehr kann Michael Myers (Nick Castle/James Jude Courtney) seinem Kellergefängnis in Laurie Strodes (Jamie Lee Curtis) brennendem Haus entkommen, derweil Laurie, ihre Tochter Karen (Judy Greer) und ihre Enkelin Allyson (Andi Matchiak) auf dem Weg ins Krankenhaus sind. Nachdem Michael sämtliche vor Ort befindlichen Feuerwehrleute massakriert hat, tritt er seinen Rückweg nach Haddonfield an, wo alte Bekannte, darunter Tommy Doyle (Anthony Michael Hall), Lindsey Wallace (Kyle Richards) und Michaels frühere Krankenschwester Marion (Nancy Stephens) den vierzigsten Jahrestag von Michaels erstem Wiederauftauchen memorieren. Als sie von seinem neuerlichem Amoklauf erfahren, bilden sie eilends eine Bürgerwehr, die sich im Krankenhaus zu einem blindwütigen Lynchmob formiert. Diesem fällt der zuvor mit Michael geflohene Psychiatrieinsasse Lance Tovoli (Ross Bacon) zum Opfer, derweil Myers, nachdem er seine Blutspur verlustreich fortsetzt, in sein altes Familienhaus zurückkehrt…

David Gordon Green setzt den mit seiner jüngsten Revitalisierung des „Halloween“-Franchise installierten Wiederbeginn fort und legt damit gleichermaßen den Mittelteil seiner als Trilogie konzipierten Sequel-Reihe vor. Diese ignoriert bekanntermaßen sämtliche Fortsetzungen und Reboots, die nach Carpenters 78er-Original entstanden waren und knüpft inhaltlich unmittelbar an den monolithischen Klassiker an. Einige noch schuldige Rückblenden, die sich aus diesem Ansatz ergeben, leht „Halloween Kills“ nun nach; unter anderem erfahren wir, dass auch der damals noch als unangenehmer Bully gezeichnete Lonnie Elam (Robert Longstreet) auf Michael getroffen war, und dass Officer Hawkins (Will Patton) sich unmittelbar vor Michaels Festnahme in jener Nacht eine schwere Blutschuld aufgeladen hat. Das Script müht sich also nach Kräften, sowohl personelle wie inhaltliche Verknüpfungen zu arrangieren als auch verbliebene lose Fäden zu fixieren und legt sein Augenmerk auf ein multiples Ensemble, was wiederum diverse voneinander losgelöste Szenarien erlaubt. Michael Myers‘ Motivation und Charakterisierung, um die sich frühere Beiträge der Serie immer wieder mehr oder weniger zielführende Gedanken gemacht haben, bleiben indes nebulös; einzig sein Status als mysteriöse, nicht aufzuhaltende Entität des ultimativ Bösen findet sich weiter zementiert, ebenso wie sein verzweifeltes Streben nach der unverzichtbaren, da identitätsspendenden Maske. Der effektaffine Horrorfreund wird in „Halloween Kills“ durch Myers‘ qualitativ wie quantitativ gesteigert-rabiates Vorgehen beschwichtigt, denn so blutrünstig wie hier hat sich „The Shape“ noch durch keines seiner vormaligen Abenteuer gemetzelt. Tatsächlich rahmen gleich zwei opferintensive Massenmorde, wie man sie in solch effektiver Ausprägung von dem eigentlich eher als träge bekannten Myers noch nicht gesehen hat, sein Treiben in diesem elften Derivat ein.
Mit dem mittelteils eingeschobenen, tragisch endenden Lynch-Subplot, der wohl irgendwie nachvollziehbar demonstrieren soll, wie die mit Michaels Rückkehr einhergehende Aura des Bösen die gesamte Kleinstadtbevölkerung von Haddonfield erfasst und zu mittelbaren Handlangern avancieren lässt, verhebt sich Greens Film allerdings tüchtig. Jene Episode – so sie denn überhaupt notwendig ist – hätte man auch deutlich pointierter unterbringen mögen. Ansonsten hält „Halloween Kills“, seinem eindeutigen Repetitierungsstatus gemäß, zumindest das leicht überdurchschnittliche Niveau seines Vorgängers, was ja auch schon mal was ist.

6/10

BASIC

„All we got to do is tell the story right.“

Basic ~ USA/D 2003
Directed By: John McTiernan

Fort Clayton ist eine Militärbasis am Panama-Kanal, die unter anderem für die Ausbildung von Rangers, einer speziellen Elitetruppe der US Army, verantwortlich zeichnet. Zuständig dafür ist der gefürchtete Schleifer Master Sergeant Nathan West (Samuel L. Jackson).
Inmitten eines Hurricanes am Dia de los Muertos erwartet die CID-Ermittlerin Julia Osborne (Connie Nielsen) dort ein besonders kniffliger Fall: Nach einer Manöveraktion im Urwald unter Wests Leitung können nurmehr zwei der insgesamt sieben vor Ort befindlichen Soldaten lebend geborgen werden: Sergeant Dunbar (Brian Van Holt) und der schwer verletzte Second Lieutenant Kendall (Giovanni Ribisi). Sergeant Mueller (Dash Mikok) wurde von Dunbar bei einem Feuergefecht erschossen; die übrigen sind verschwunden. Osborne bekommt aus Dunbar keinerlei Informationen über die tatsächlichen Geschehnisse heraus; erst der von Truppenkommandeur Styles (Tim Daly) eilends herbeigerufene DEA-Ermittler Tom Hardy (John Travolta), selbst wegen einer Korruptionsaffäre in der Kritik stehend, kann Dunbar erweichen, als sich herausstellt, dass auch er einst bei den Rangers gedient hat. Dunbar und der im Krankenhaus befindliche Kendall verwickeln sich jeweils in immense Widersprüche, bis sich nach und nach herauskristallisiert, dass es gar nicht wie anfänglich vermutet um eine Vergeltungsaktion gegen West ging, sondern um eine von Militärs organisierte Kokain-Connection…

John McTiernans elfte und bis dato letzte Regiearbeit (ein neues Projekt steckt laut der imdb wohl in der Präproduktion) zeigt abermals einen als gewiefter Ermittler im Militärmilieu umtriebigen Travolta, vier Jahre nach „The General’s Daughter“ um mindestens dreißig Pfund Körpergewicht erleichtert und wohlfeil trainiert, wie er gleich in einer Oben-Ohne-Szene zu Beginn stolz versichert. Ansonsten folgt der ausschließlich binnen einer stürmischen Nacht spielende „Basic“ den nunmehr weitgehend gängigen Narrationsschemata des in den Jahren zuvor und spätestens mit „The Usual Suspects“ (re-)etablierten Verhörthrillers, der mittels gezielt gesetzter, diverser Scriptvolten und -Ellipsen das hilflose Publikum an der Nase herumführt. Auch „Deceiver“ von den Pate-Brüdern oder Stephen Hopkins‘ Miller-Remake „Under Suspicion“ bedienten diese im Wesentlichen stets gleichbegleiste Schiene zuvor erfolgreich: ein bestimmtes, ausschlaggebendes Ereignis führt jeweils zu einer Befragung durch zuständige Ermittler, wobei die parallel dazu visualisierten Rückblenden in Antithese zu Hitchcocks einstiger Formel grundsätzlich niemals als zuverlässig zu erachten sind. Stattdessen bekommt der Rezipient, frei nach Kurosawas „Rashômon“, dasselbe Ereignis in unterschiedlichen Ausprägungen präsentiert; es wird gelogen, dass sich die Balken biegen und die wachsende Verwirrung der Interviewer im Film überträgt sich analog auf die Zuschauerschaft. James Vanderbilt, der Autor von „Basic“, reizt diese Erzähltaktik quasi bis zum Exzess aus, indem er immer wieder neue twists aus dem Zylinder zaubert und am Ende nochmal die gesamten vorausgehenden neunzig Minuten auf den Kopf stellt. Ob das nun auf die Cleverness ihres gewieften Dramaturgen zurückzuführen wäre oder doch eher die etwas fragwürdige Intention, das Publikum genau dies glauben zu machen, derweil es einen gewaltig konstruierten Bären aufgebunden bekommt, sei dahingestellt, es macht den zumindest formal beachtlichen „Basic“, der in seinen Actionsequenzen gar warme Erinnerungen an „Predator“ wachruft, jedenfalls insgesamt zu keinem unbedingt sympathischeren Film.

6/10

THE GENERAL’S DAUGHTER

„You are running one lunatic base here!“

The General’s Daughter (Wehrlos – Die Tochter des Generals) ~ USA/D 1999
Directed By: Simon West

Just nachdem er in Georgia einen Undercover-Auftrag um illegale Waffenverkäufe auf etwas unkoventionelle Weise abhaken kann, wartet vor Ort schon der nächste Fall auf CID-Warrant-Officer Paul Brenner (John Travolta): Gemeinsam mit seiner alten Bekannten Sara Sunhill (Madeleine Stowe) soll er den Mord an Elisabeth Campbell (Leslie Stefanson) untersuchen, ihres Zeichens Captain in der PSYOP-Abteilung und pikanterweise Tochter des kurz zuvor retirierten Stützpunktkommandeurs General Campbell (James Cromwell), auf den bereits eine erfolgreiche Karriere in der Politik wartet. Brenner und Sunhill sehen sich einer Mauer des Schweigens gegenüber – nicht nur, dass jeder Soldat auf der Basis offensichtlich mehr weiß als sie und ihre Arbeit immer wieder torpediert wird, umgeben die Biographie des zu Lebzeiten zumindest oberflächlich so sympathischen Opfers diverse Unebenheiten. So scheint Elisabeth ein höchst promiskes Leben geführt, zugleich jedoch unter schweren Depressionen gelitten zu haben. Die Nachforschungen des Ermittlerpaars in Westpoint, wo Elisabeth ausgebildet wurde, fördern Unerhörtes zutage…

Das Hollywood-Kino insbesondere der neunziger Jahre liebt das US-Militär, auch, wenn die eigentlichen Kerntopoi des einen oder anderen Films sich in vermeintlich kritischer Weise äußern. Simon Wests „The General’s Daughter“ gibt dafür ein vorrangiges Exempel ab. In Kombination mit dem wildromantischen Ambiente des amerikanischen Südens reiht der Film eine visuelle Leckerei an die nächste: Die Optionen sonnendurchfluteter Bilder, feudaler Kolonialstilvillen, schnieker Uniformen, schneidiger, schöner SoldatInnen und einer Menge hochklassigen Schauspielpersonals vor der Kamera spornten den Regisseur zu ästhetischen Höchstleistungen an. Der die MeToo-Bewegung auf Army-Ebene antizipierende Plot kann jedoch ebenso wenig verhehlen, dass sich hinter all dem Gewese ein vollkommen gängiger Kolportagethriller im Uniformgewand, versetzt mit diversen campigen Elementen, abzeichnet, der sämtliche Stereotypen des (Sub-)Genres reichhaltigst füttert. Jede einzelne Figur ist angefüllt von wohlbekannten Klischees, die es dem Publikum vermutlich umso leichter machen sollen, die im Kern befindliche Story um die sukzessive Deklassierung erfolgreicher (und attraktiver!) Frauen im Militär zu schlucken. Diese bleibt dann auch gerade so empörend wie es die äußeren Umstände gestatten.
Nach „A Civil Action“ liefertTravolta indes wieder ganz die gewohnt coole Sau, die jedem potenzielen Widersacher ohne viel Federlesens einen passenden Spruch drückt und Bonmots und Oneliner abfeuert wie ein Maschinengewehr. Die von William Goldman cogescripteten Dialoge nehmen sich mitunter entsprechend anstrengend aus und geraten insbesondere in einer Wortduellszene zwischen Travolta und James Woods als hochverdächtigem Colonel zu einer nachgeraden Belastungsprobe für den Zuschauer. Echte Spannung zaubert „The General’s Daughter“ derweil nie aus dem Barett, bis hin zur dramaturgiebedingt naheliegenden Entlarvung des (primären) Täters und seiner spektakulären Selbstrichtung möchte der Puls nie über die gewohnte Frequenz hinwegsteigen. Erfreuen mag man sich eher auf die spitzfindige Art – an all der rigorosen Kalkuliertheit, die Filme wie dieser so einfältig wie selbstbewusst ausstellen.

5/10

A CIVIL ACTION

„The truth? I thought we were talking about a court of law.“

A Civil Action (Zivilprozess) ~ USA 1998
Directed By: Steven Zaillian

Der Rechtsanwalt Jan Schlichtmann (John Travolta) und seine drei Kompagnons Kevin Conway (Tony Shalhoub), James Gordon (William H. Macy) und Bill Crowley (Zeljko Ivanek) betreiben eine auf Schadensersatz spezialisierte Kanzlei in Boston. Von seinen zahlreichen Kritikern abschätzig „Krankenwagenjäger“ tituliert, vertrittt Schlichtmann seine Klienten pro bono und kassiert ausschließlich im Erfolgsfall, der in der wohlfeil kalkulierten Regel und in Form kostspieliger Vergleiche auch eintritt, zumal die Kanzlei vorrangig besonders öffentlichkeitswirksame Fälle übernimmt. Weniger interessant erscheint da eine Sammelklage von Eltern aus der Kleinstadt Woburn, die ihre Kinder allesamt durch Leukämie verloren haben. Dennoch reizt Schlichtmann der Fall und er nimmt das Mandat an; mittelbar beklagt wird eine ortsansässige Gerberei, die von zwei millionenschweren Großunternehmen mitfinanziert wird. Deren Betreiber John Riley (Dan Hedaya) soll über Jahre hinweg Giftmüll ins Erdreich abgeleitet haben, wodurch die örtliche Wasserversorgung kontaminiert wurde. Der durch rechtssichere wissenschaftliche Analysen entstehende finanzielle Aufwand treibt Schlichtmanns Kanzlei, die unter seiner immer idealistischer werdenden Regie diverse Vergleichsangebote der Gegenseite ablehnt, in den finanziellen Ruin.

Als hollywoodsches Courtroom-Qualitätskino erster Garnitur greift der doppeldeutig betitelte „A Civil Action“ einen authentischen Fall aus den Spätachtzigern auf. Die porträtierten Personen und Ereignisse entsprechen durchweg der Realität, sanfte dramaturgische Zugeständnisse inbegriffen. Zaillians Film geriert sich als das, was man als eine „sichere Nummer“ bezeichnen darf; ein Gerichtsdrama, das seinen kapitalismuskritischen „David gegen Goliath“-Habitus via formidabler Besetzung mit stolz geschwellter Brust ausstellt und weiterhin auf der Symathieskala punktet mit einem vormals öligen Justizschaumschläger als Protagonisten, der im Angesicht verzweifelter Kleinstädter seine Moral und Menschlichkeit entdeckt und jene neugewonnene Integrität um den Preis der eigenen materiellen Sicherheit bis zur letzten Konsequenz verteidigt. Travolta spielt diese Rolle in seiner Post-Comeback-Phase mit dem Glanz möglicher Academy-Weihen im Blick sehr viel zurückhaltender als üblicherweise in diesen Jahren, die den etwas aufgedunsenen Tänzer von einst zumeist in grell überspitzten Parts präsentierten. Das Resultat kann durchaus überzeugen, sieht sich in Anbetracht von Schauspieltitanen wie Robert Duvall jedoch gleichfalls unüberwindlichen Limitierungen gegenüber. Vor allem die Szenen, in den denen sich Travolta und sein Antagonist, ein heimlicher advocatus diaboli, der die Multis vertritt und nebenbei in Harvard lehrt, wie man als aufstrebender Rechtsbeistand Berufsethos gegen Erfolgsstreben aufwiegen sollte, machen dies deutlich. Duvall, exzellent wie eh und je, vollzieht scheinbar mit links, wofür Travolta sich sein ganzes Leben lang vorbereitet zu haben scheint – Film und Realität reziprozieren sich für einen kurzen Augenblick.
Zweifellos ist „A Civil Action“ vor allem ein Geschenk an seine bis in Kleinstrollen glamourös besetzte Darstellerriege. Starautor Steven Zaillian begnügt sich in seiner zweiter Regiearbeit indes mit der verhältnismäßig schnöden Zurückhaltung, die ein Sujet wie das vorliegende üblicherweise bedingt. Inszenatorisch passt das von sanfter Kameraarbeit (Conrad L. Hall) und melancholischer Farbgebung geprägte Werk dann auch eher in die frühen Achtziger, als die letzten Ausläufer New Hollywoods sich noch einmal gegen das sukzessive Wiederstarken des kommerziell orientierten Kinos aufzubäumen versuchten.

7/10

SEIZED

„I never get my hands dirty.“

Seized ~ USA 2020
Directed By: Isaac Florentine

Nachdem Nero (Scott Adkins), der einst für den britischen Nachrichtendienst gearbeitet hat, verraten wurde, lebt er verwitwet, unter neuer Identität und als alleinerziehender Vater seines pubertierenden Sohnes Taylor (Matthew Garbacz) in Mexiko. Eines Tages wird Taylor von dem Kartellchef Mzamo (Mario Van Peebles) entführt und nur unter der Bedingung wieder frei gelassen, dass Nero als Mzamos Erfüllungsgehilfe sämtliche konkurrierenden Bosse mittels einer konzentrierten Großreinemachaktion aus dem Weg räumt. Nero lässt sich auf das Spiel ein, jedoch nicht ohne die Ankündigung, die Kidnapper am Ende selbst zur Rechenschaft zu ziehen…

Zu einem ziemlich langweiligen und zudem recht uninspirierten Resultat ist diese mittlerweile achte Zusammenarbeit von Regisseur Florentine und Scott Adkins gelangt: Letzterer schlägt sich als ehemaliger, nunmehr retirierter Superagent im Zuge der x-ten „Commando“-Variante durch eine unfreiwillige Terminierungsmission, die man gut und gern als verlockende Utopie aller mexikanischen Drogenkartellbosse bezeichnen möchte. Mario Van Peebles spielt diesen keinesfalls unsympathischen und neben einem breitkrempigen Cowboyhut auch mit einem hehren Ehrenkodex ausgestatteten Bösewicht als überaus menschlichen Ganoven mit karitativem Ansinnen – Erziehung, Bildung und Forschung wolle er subventionieren und könne dies eben am ungestörtesten leisten, wenn die lästige und sehr viel boshaftere Konkurrenz unter der Erde läge. Immerhin scheint Van Peebles die latente Ironie des Ganzen bewusst gewesen zu sein. Mit seiner Tongue-in-cheek-Performance bildet er den einzigen veritablen Lichtblick von „Seized“. Adkins als Nero mag derweil zwar nicht gern den erpressten Handlanger spielen, erledigt seine Tötungsaufträge jedoch trotzdem mit aller gebotenen Präzision und türmt hinter sich die Leichen zahlreicher böser Mexikaner auf. Am Ende trennen sich die beiden Widersacher schließlich gütlich – immerhin hatten sie gewissermaßen ja beide was von der ganzen Aktion, nicht zu unterschlagen, wie hoffnungslos albern die Vater-Sohn-Beziehung sich konturiert findet. Nun – Florentines und Adkins‘ B-Action-Biz ist gewiss nicht immer ganz einfach. Mit Kleinstbudgets für ein nicht allzu umfangreiches Zielpublikum arbeiten zu müssen, bedingt ja vermutlich diverse Zugeständnisse; wenn diese jedoch auf Kosten von Kreativität, Stil und Pacing gemacht werden, dann muss entsprechende Kritik erlaubt sein. „Seized“, mindestens so dümmlich wie oben teilweise eruiert, schleppt sich, unterbrochen von etlichen albernen Füllszenen und von hässlicher Digitalphotographie getragen durch seine kurze Spielzeit und kann nichtmal in punkto exzessiver Action punkten, denn auch diese bleibt stets verhalten und löst nichts von dem ein, was man sowohl von Florentine als auch von Adkins in der Vergangenheit schon sehr viel intensiver und druckvoller gesehen hat.
Neudeutsch nennt man das: lame.

3/10

CANDYMAN

„Black people don’t need to be summoning shit.“

Candyman ~ USA/CA/AU 2021
Directed By: Nia DaCosta

Der Chicagoer Maler Anthony McCoy (Yahya Abdul-Mateen II) steckt in einer mittelschweren Krise: Seine Freundin und Mäzenin Brianna (Teyonah Parris) hält ihn mehr oder weniger aus und von allen möglichen Seiten hagelt es Geringschätzigkeiten und bittere Kritik. Um sich Inspiration für ein neues Werk zu verschaffen, macht Anthony sich mit der Geschichte des nunmehr gentrifizierten, ehemaligen Minislums Cabrini Green vertraut und stößt dabei auch auf die Geschichte des mysteriösen „Candyman“, eines mit einer Hakenhand ausgestatteten, untoten Killers, der erscheint, sobald man seinen Namen fünfmal vor dem Spiegel ausspricht. Natürlich wagt Anthony das „Experiment“ und schon bald sterben in seinem Umfeld diverse Menschen eines blutigen Todes. Damit nicht genug, beginnt Anthony selbst sich in unappetitlicher Weise zu verändern…

Schade, Chance fahrlässig verschenkt. Da ich Clive Barkers short story sehr mag und Bernard Roses Adaption für einen der schönsten und wichtigsten Horrorfilme der neunziger Jahre halte, freute ich mich sehr auf die Neuinstallation, zumal das letzte Sequel ja nun bereits zweiundzwanzig Jahre zurückliegt. Nia DaCosta erweist sich als formidable, äußerst stilbewusste Regisseurin und auch die zugrundeliegende Idee, den urbanen Mythos des nach ewiger Gerechtigkeit suchenden Candyman als eine Art „konzeptionelle Antwort“ auf rassistisches Ungemach zu spezifizieren gefällt mir recht gut. Das dröge Script durchkreuzt diese von Grundauf positiven Ansätze und Impulse jedoch nachhaltig. Der 1992er „Candyman“ besaß Poesie und Herz, erzählte eine zutiefst morbide Romanze und von Feminismus und Identitätsverlust, ohne die genuinen Horrorwurzeln seiner Fabel je zu verraten. DaCostas Film wirkt im Direktvergleich oftmals wie eine mit dem fehlgeleiteten Mut der Verzweiflung arrangierte und somit erzwungene Revision des Stoffs. Virgina Madsen als die hierin vielzitierte Helen Lyle (die Darstellerin stellte für ein eingespieltes Tape sogar nochmal ihre Stimme zur Verfügung) gab dereinst eine wunderbar melancholische Heldin, Anthony McCoy ist im Vergleich dazu leider bloß ein unsympathisch gezeichnetes Substitut, was nicht minder für seine forcierte Verwandlung in die jüngste Inkarnation des Candyman gilt. Der gesamte Plot mit seinem fanatischen Adlatus (Colman Domingo) wirkt, obschon die inhaltliche Klammer zum Original sich immerhin recht geschickt vollzogen findet, ermüdend und wie mit der heißen Nadel gestrickt; schließlich vermisst man besonders Daniel Robitaille/Tony Todd, der dann leider nur ganz kurz in den letzten Sekunden in einem winzigen Gänsehaut-Auftritt zu sehen ist. Die im weiteren Verlaufe des Films vom Candyman umgebrachte Kunstkritikerin Finley Stephens (Rebecca Spence) bringt es recht früh auf den Punkt, als sie Anthony McCoy das Künstlerherz während einer Ausstellung kurzerhand bildhaft aus der Seele reißt: Die Gentrifizierung sei schuld daran, dass der rauen Urbanität ihre ursprüngliche, wilde Seele geraubt werde; der wohnflächesuchende Zustrom von Künstlern wie Anthony selbst, die die spottbilligen Appartments als ihre Ateliers mieten und die baufälligen Viertel damit um den Preis des Strukturwandels ihres maroden Charmes entledigten. Ein Schelm, wer diese Metapher auf DaCostas Film projiziert – doch genau das ist der Punkt. „Candyman“ 21 ist gewiss superschick, aber Barker hat er nicht verstanden.

5/10

NUEVO ORDEN

Zitat entfällt.

Nuevo Orden (New Order – Die neue Weltordnung) ~ MEX/F 2020
Directed By: Michel Franco

Just am Tage von Mariannes (Naian González Norvind) glamourös arrangierter Hochzeit probt das mexikanische Prekariat den landesweiten Aufstand: Schwer bewwaffnet und mit grüner Sprühfarbe ausgestattet greifen die Millionen von indigenen Armen die schwerreiche, vornehmlich europäischstämmige Oberschicht an, plündern und schrecken auch vor Mord nicht zurück. Das Militär nutzt derweil die Unruhen, um im Hintergrund kurzerhand eine Diktatur zu installieren, zu mordet und zu kidnappen. Ausgerechnet Mariannes soziales Gewissen wird ihr zum Verhängnis: Um der schwerkranken Frau (Analy Castro) ihres früheren Hausangestellten Rolando (Eligio Meléndez) eine lebensnotwendige Herzoperation zu ermöglichen, verlässt sie das Haus und gerät über Umwege in die Fänge der Junta. Mariannes mittlerweile in trügerischer Sicherheit befindliche, ahnungslose Familie erhält eine erpresserische Nachricht, zieht jedoch die völlig falschen Schlüsse…

Michel Francos dystopisches Drama rührte sein globales, vor allem jedoch das mexikanische Publikum in mannigfaltiger Weise an, wobei die ungerührt-trockene, teils dokumentarisch anmutende Inszenierung nicht selten für Verwirrung sorgte: Francos oberflächlich anmutender Verzicht auf jedweden politischen Kommentar riss diverse ZuschauerInnen dazu hin, „Nuevo Orden“ als neoliberales, rassistisches Manifest zu erachten, als warnenden Weckruf für die hellhäutigen Reichen, auf der Hut zu sein vor all dem, was im Lande außerhalb ihrer elitären alltäglichen Wahrnehmung so an Gefährdendem vor sich hin brodelt. Natürlich zielt eine derart plumpe Lesart im weiten Bogen an Francos tatsächlicher Agenda vorbei. Gewiss, sein von betonter narrativer Nüchternheit geprägter, bewusst spannungsarmer und dadurch doch nur umso realitätsnäherer Albtraum birgt tendenziöse Strickmuster, diese sind jedoch nicht mehr oder weniger als die unumwundene Spiegelung der realen Zustände. Der Mexiko prägende gesellschaftliche Separatismus indiziert einen immens fragilen sozialen Makrokosmos – eine „Mittelschicht“ ist dort noch weniger vorhanden als etwa in den Staaten der EU, Arm und Reich bilden klar voneinander abgegrenzte Fronten, die sich zudem durch ihre jeweilige ethnische Basis kennzeichnen. Hinzu kommen die organisierte Kriminalität mitsamt ihren filigran errichteten Hierarchien und ihrer immensen Gewaltbereitschaft sowie korrupte Staatsgewalten. Das von rund 130 Millionen Menschen bewohnte Land entspricht einem potenziellen Pulverfass und Michel Franco zeigt mittels knapper Erzählzeit lediglich eine mögliche Explosionsoption auf. Moralinsäure oder gar den erhobenen Zeigefinger erspart er sich dabei entgegen allen anderslautenden Unkenrufen; die in „Nuevo Orden“ geschilderten Ereignisse stehen vielmehr da als die grausigen, aber logischen Kausalauswüchse sich sukzessive selbst abschaffender sozialer Gerechtigkeit.

8/10

MALIGNANT

„It’s time to cut out the cancer.“

Malignant ~ USA/CH 2021
Directed By: James Wan

Die jüngste Attacke ihres gewalttätigen Ehemanns Derek (Jake Abel) endet für die schwangere Madison Mitchell (Annabelle Wallis) mit einer blutigen Wunde am Hinterkopf. In der darauffolgenden Nacht erscheint ein seltsam verformter Eindringling im Haus der Mitchells, schlachtet Derek förmlich und bedroht auch die panische Madison. Diese erwacht später im Krankenhaus, nachdem sie abermals eine Fehlgeburt erleiden musste. Kurz darauf sterben mehrere betagte MedizinerInnen in Seattle eines ähnlich bestialischen Todes wie Derek. Die beiden Detectives Kekoa Shaw (George Young) und Regina Moss (Michole Briana White) verdächtigen Madison, doch sie und ihre Schwester Sydney (Maddie Hasson) beteuern vehement ihre Unschuld. Sowohl Sydneys Nachforschungen als auch die der beiden Cops fördern schließlich Unfassbares zu Tage: Madison, die einst von Sydneys Eltern adoptiert wurde, war vor rund dreißig Jahren als Patientin in der mittlerweile geschlossenen „Simion-Klinik“. Sie selbst kann sich an diese Zeit nicht mehr erinnern, sehr wohl jedoch daran, dass ein merkwürdiger imaginärer Begleiter namens Gabriel sie zu bösartigen Tatigen anstiftete…

James Wans „Aquaman“-Nachfolger führt den Regisseur wieder zurück auf die wohlvertrauten Pfade des veritablen Genrefilms, wobei der ja auch vielfach als Produzent umtriebige Filmemacher in rein stilistischer Hinsicht eine große rückgewandte Klammer bis hin zu seiner frühen Arbeit „Saw“ vollzieht. Ansonsten referenziert der stets fesch frisierte Wan eine Vielzahl offenbar prägender Motive und Topoi der Gattung, die irgendwo bei William Castle beginnt und ihre turbulente Reise quer durch das Werk von De Palma, Argento, Henenlotter und Cronenberg fortsetzt, bis sie eben irgendwann wieder bei Wan selbst mündet. Die angebliche Originalität, die diverse Reviews, die ich mittlerweile gelesen habe, „Malignant“ bescheinigen, treffen somit de facto kein bisschen zu und fußen offenkundig auf mangelnder Auseinandersetzung der betreffenden AutorInnen mit der Horrorfilm-Historie. Der parasitäre Zwilling Gabriel, dessen letzte physische Relikte sich in Madisons auffallend dicht beschopfter Hinterkopfregion befinden, geriert sich zweifelsohne als Hommage an seine „siamesischen“ Ahnen Dominique Breton oder Belial Bradley, die ihren diabolischen Einfluss auf ihre öffentlich sichtbaren Zwillinge auszuspielen pflegten und mithilfe von deren fragilem Geist und Körpern ihr finsteres Werk vollzogen. Vor allem die (hier in Form dokumentarischer VHS-Aufnahmen), entschlüsselnden Rückblenden und Gabriels Rachefeldzug an den verantwortlichen ChirurgInnen erweisen sich als eindeutige „Basket Case“-Reverenz in natürlich tricktechnisch wesentlich modernerer und budgetintensiverer Form – wie es überhaupt ein wenig verwundert, dass Warner und New Line Wans eigentlich im Indiehorror der härteren Gangart verwurzelten Stoff offenbar durchwunken ohne ihn Federn lassen zu lassen. Eine Vielzahl chinesischer Koproduzenten und vor allem die Superhelden machten’s wohl möglich, wobei ja auch der irrwischende Gabriel nicht wenig von einer metawesenhaften Entität besitzt. Wan scheut sich zudem kaum, allerlei campige Elemente durchzudeklinieren, die besonders zum Ende hin akut werden. Die Szenen, in der Madison/Gabriel in einer Frauengefängniszelle voller asozialem, lesbischen Weibsvolk (Anführerin: Zoë Bell) landen und hernach, natürlich bis aufs Blut gereizt, zunächst darin aufräumen, um dann noch das ganze dazugehörige Polizeirevier zu entvölkern, muss den ehedem monetär eingeschränkten Exploitationfilmern der Siebziger wie ein wahr gewordener, feuchter Traum anmuten. Dennoch sollte man „Malignant“ nicht grenzenlos hochjubeln. Er fühlt sich en gros und trotz seiner ellenlangen Inspirationsketten frisch, wild und spaßig an, das unterschwellige Gefühl, dass er diesem ersten Eindruck auf Dauer nicht wird standhalten können, mischt sich allerdings schon jetzt latent hinzu, ebenso wie die etwas schal anmutende Registrierung der Tatache, dass der geschäftstüchtige Wan quasi bereits die Sequeloption allzu eklatant ab Werk mit eingebaut hat. Es wird sich erweisen müssen, was dereinst von „Malignant“ übrigbleibt.

7/10