CLASS OF 1984

„You can’t stop me, teacher. I am the future.“

Class Of 1984 (Die Klasse von 1984) ~ CA 1982
Directed By: Mark Lester

Der aus dem ruhigen Nebraska an die in einem urbanen Slum liegende Lincoln High School versetzte Lehrer Andy Norris (Perry King) hält es mit seinem pädagogischen Berufsethos eine ganz lange Zeit gut durch. Und das, obwohl ihm eine Vielzahl renitenter Schüler, allen voran der bösartige Rotzlöffel Stegman (Timothy Van Patten), den Alltag zur Hölle machen. Irgendwann kocht das Kesselchen dann aber doch über und Rache ist Blutwurst.

Lesters berüchtigter Schulexploiter gefällt mir trotz mittlerweile geschätzter zehn, zwölf Betrachtungen gleichbleibend gut. Das fängt schon bei Alice Coopers vielsagendem Titelsong an. Absolut mitreißend und spannend entwirft Lester in seinem mit dickem Schwarz getünchtem Quasi-Remake von Richard Brooks‘ wegweisendem Klassiker „Blackboard Jungle“ das (damalige) Zerrbild einer amerikanische High School mit böswilligen Jugendlichen, die um ’82 eben wohl zwangsläufig der auffälligen Subkultur der Punks zugerechnet werden mussten. Im Prinzip ist das Weltbild, das der Film transportiert natürlich überreaktionär, darf aber andererseits auch nicht bierernst ernst genommen, sondern will als überspitzt-zynische Karikierung soziologischer Bestandsaufnahmen begriffen werden. Wenn man „Class“ genregenealogisch gewichtet als Exploitation-Thriller sieht, funktioniert er sogar erstaunlich gut als etwas abgewandelte „Death Wish“-Variante. Darstellerisch solide (King) bis brillant (McDowall) kann man einem perfiden, bis auf die Spitze getriebenen Hassvehikel beiwohnen, das unangenehmere Emotionen in einem auslöst, als man wahrhaben möchte und gerade deswegen so interessant ist. Insbesondere in meinem Berufsstand.
Ein schätzenswertes, bitterböses Werk.

8/10

Werbeanzeigen

HUMONGOUS

„What are you doing? What do you have in mind?“

Humongous ~ CAN 1982
Directed By: Paul Lynch

Eric (David Wysocki), Nick (John Wildman) und Carla (Janit Baldwin), drei jugendliche Kinder wohlhabender Eltern, und ihre Freundinnen Sandy (Janet Julian) und Donna (Joy Boushel) unternehmen mit der Familienyacht einen Törn auf dem Lake Michigan. Der ältere, vernünftige Eric und der aufbrausende Nick sind sich nicht wirklich grün. An einem nebligen Abend nehmen sie den schiffbrüchigen Angler Bert (Layne Colman) an Bord, der ihnen von der auf einer Insel im See hausenden Ida Parsons (Shay Garner) berichtet, die dort mit ihren Hunden das Dasein einer verschrobenen, ältlichen Einsiedlerin führen soll. Ein handfester Streit von Eric und Nick sorgt dafür, dass die Yacht in der Nähe jener „Hundeinsel“ kentert. Das Sextett kann sich an Land retten und macht alsbald die unangenehme Bekanntschaft eines ungeschlachten Gesellen, der sich als geistig wie physisch deformierter Sohn (Garry Robbins) der längst verstorbenen Ida Parsons herausstellt und der nie zuvor mit anderen Menschen in Berührung geraten ist…

Paul Lynchs kostengünstig hergestellter Slasher „Humongous“ teilt sich mit dem etwa ein Jahr zuvor gestarteten „The Unseen“ von Danny Steinmann den vergleichsweise unbepflügten Topos des „Kaspar-Hauser-Monsters“, eines fernab jedweder zivilisatorischen Einflussnahme aufgewachsenen und obendrein einer bestialischen Vergewaltigung entstammenden Kindes also, das sich zu einer Art hünenhaftem Mutanten ohne moralische Bremsen entwickelt hat und dessen urwüchsig-animalisches Naturell sich im jungfräulichen Kontakt mit unvorbereiteten Großstädtern umgehend als todbringend erweist. Auch deutliche Anklänge an Joe D’Amatos berüchtigten „Anthropophagus“ und dessen Motiv der entvölkerten Insel, auf der das Grauen im Verborgenen lauert, lassen sich bei Lynch ziehen. Mit Ausnahme des diesmal aus naheliegenden Gründen also kaum psychologisch unterfütterten Killers und des vergleichsweise ungewohnten Schauplatzes des einsamen Eilands hält sich „Humongous“ allerdings weitgehend an die Spielregeln des just fröhlich aufploppenden Subgenres; von den jugendlichen, fast gänzlich unsympathischen Protagonisten über die das Grauen vorbereitende und prologisierende campfire tale, den trägen Spannungsaufbau sowie die sich in rascher Folge abspielende Dezimierung der Gruppe bis hin zum final girl (Janet Julian, eine sehr nette Aktrice, die man später noch zweimal bei Abel Ferrara bewundern konnte) und dessen diverse nur scheinbar erfolgreiche Versuche, dem widerborstigen Unhold endgültig den Garaus zu machen, wurde die Grundrezeptur bald sklavisch eingehalten. Was Lynchs Film dann zumindest noch einen kleinen Exklusivitätsbonus beschert, ist seine oftmals über das gewohnte Maß hinaus reichende, abseitig wirkende und – das darf und muss man wohlwollend konstatieren – gekonnt evozierte Grundstimmung, die recht geschickt die eine oder andere Urangst des WASP-Amerikaners vor brutaler Archaik und unberechenbaren Atavismen widerspiegelt, wie sie üblicherweise dem Backwood-Sektor zu eigen ist.

5/10

VICTOR VICTORIA

„I don’t care if you are a man.“

Victor Victoria ~ USA 1982
Directed By: Blake Edwards

Paris, 1934. Die englischstämmige Sopranistin Victoria Grant (Julie Andrews) ist völlig abgebrannt. Selbst am Vaudeville gelingt es ihr nicht, ein Engagement zu bekommen. Da lernt sie durch Zufall den schwulen Musiker Toddy (Robert Preston) kennen und freundet sich mit an. Toddy hat die geniale Idee, dass die ohnehin etwas burschikose Victoria sich als Mann tarnen könne, der wiederum auf der Bühne in die Rolle einer Frau schlüpft. In dem Nachtclub-Chef Cassell (John Rhys-Davies) finden sie einen dankbaren Abnehmer dieses Konzepts. Bald feiert Victoria aka Victor riesige Erfolge. Auch der aus Chicago angereiste Unterweltler King Marchand (James Garner) ist schwer von Victoria angetan, stutzt jedoch ungläubig, als sie sich nach einem ihrer Auftritte als Mann zu erkennen gibt. Marchand glaubt seiner anderslautenden Intuition und verschafft sich kurzum auch den Beweis dafür. Die nun folgende Romanze ist von allerlei Wirrungen belastet: Victoria liebt Marchand, will aber ihr Rollenspiel nicht aufgeben; er wiederum möchte nicht, dass die Öffentlichkeit ihm nachsagt, er pflege Rendez-vous mit Männern. Victoria muss eine Entscheidung treffen.

„Victor Victoria“, eine Variation von Reinhold Schünzels 1933 für die UFA entstandener Komödie „Viktor & Viktoria“, gilt gemeinhin als einer von Blake Edwards‘ besten Filmen. Ich teile diese Einschätzung nicht ganz, aus mehrerlei Gründen. Zunächst einmal tangieren mich persönlich die vielfältig aufgegriffenen Themenkomplexe rund um Genderbilder und -krisen, Homosexualität und -phobie kaum, mögen sie werkimmanent auch noch so geschickt und klug aufbereitet sein. Edwards entwickelt viel Sympathie für seine Charaktere, die er in traditionsbeflissene Screwball-Szenarien setzt, nur eben, dass sich jetzt Dinge verdeutlichen und betonen lassen, für die man sich fünfzig Jahre zuvor noch vielerlei geschickt gewählter Symbole und Bilder zu befleißigen hatte. Gerade das ist ja eines der Geheimnisse der klassischen screwball comedy; dass darin eben romantische und erotische Topoi angesprochen wurden, ohne sie feierlich zu apostrophieren. „Victor Victoria“, wie viele seiner Filme dieser Ära zweifelsohne und vor allem als Geschenk an seine Gattin Julie Andrews gedacht, praktiziert jedoch genau dies und begeht damit ganz bewusst eine gezielte Form von Eklektizismus, die man, und dies durchaus berechtigt, als kreativen Radikalschluss bewerten kann, jedoch keinesfalls muss.
„Victor Victoria“ ist gewiss ein guter Film, das lässt sich überhaupt nicht leugnen. Edwards inszeniert wie immer mit gepflegter, leichter Hand, lässt jedweden Stress von sich abprallen und sich dabei alle Zeit der Welt für seine Geschichte. Sein Ensemble ist durchweg hervorragend, die (sichtbar künstlichen) Dekors sind liebevoll in den Plot eingebunden. Allein, sein Werk berührt mich diesmal nicht. Ich liebe Edwards‘ (zu Lebzeiten von Sellers entstandene) „Pink Panther“-Filme und halte „The Pink Panther Strikes Again“ für eine der besten Komödien aller Zeiten. So ziemlich alles, was er in den Sechzigern gemacht hat, ist makellos und auch seine späten Arbeiten um Männer in der midlife crisis hauen absolut hin. Edwards war ein brillanter Filmemacher. Nur hat mich sein sonst so zielsicherer Pfeil diesmal leider knapp verfehlt.

6/10

THE LAST HORROR FILM

„Oh Vinny, you’re such a dreamer!“

The Last Horror Film (Love To Kill) ~ USA 1982
Directed By: David Winters

Vinny Durand (Joe Spinell) ist Taxifahrer in New York, leidenschaftlicher Filmfan und lebt bei seiner treusorgenden Mama (Filomena Spagnuolo). Außerdem ist er besessen davon, mit dem berühmten Horror-Starlet Jana Bates (Caroline Munro) einen eigenen Film zu inszenieren. Die große Chance, Jana für seine Idee zu begeistern, wittert er beim Filmfestival in Cannes, wo auch die schöne Scream Queen erwartet wird. Vinny reist kurzerhand an die Côte d’Azur und mischt sich unters Volk, Jana stets auf den Fersen. Doch zeitgleich mit Vinnys Ankunft beginnt ein irrer Serienkiller sein Tagwerk – steckt vielleicht doch mehr hinter Vinnys allseits belächelter Manie?

Mehr denn grundsymathischer Indie mit dem Herzen am goldrechten Fleck, der nachträglich ins Troma-Portfolio aufgenommen wurde, dort jedoch eigentlich nicht besonders gut hineinpasst. Der wie immer göttliche Joe Spinell und Caroline Munro, Biest und Schöne, begegneten sich hier abermals zu einem Stelldichein, wobei ihr ohnehin augenzwinkernd wirkender Status als Szene-Albtraumpaar sich hier noch zusätzlich durch die saftige Ironie des Scripts untermauert findet. Als Meta-Horrorfilm, der zudem mit dem Status des von der Kunst- undSzenewelt als drittklassig und schundig abgetanen Genres spielt, überzeugt „The Last Horror Film“ auch nach all den Jahren noch. Etliche guerillaartig entstandene Einblicke in und um die Cannes-Schickeria erweisen sich als kostbares Dokumentarmaterial; überall wird man etwa diverser Plakate und Aushänge zeitgenössischer Groß- („Mephisto“, „For Your Eyes Only“, „Chariots Of Fire“ etc. pp.) und Kleinproduktionen („Cannibal Holocaust“, „Possession“, „Horror Safari“ et. al.) oder sogar Stars (Isabelle Adjani, Marcello Mastroianni, Kris Kristofferson) gewahr. Spinell gibt sich ein paar Takte nach „Maniac“ wiederum redlich Mühe, den Publikumsverdacht hinsichtlich des Psychopathen auf seine Figur zu lenken, was infolge einschlägiger Vorerfahrung natürlich auch recht umweglos gelingt. Dass am Ende jedoch nicht seine Figur, sondern Janas Ex-Ehemann (Glenn Jacobson) sich als Bösewicht entpuppt und darüber hinaus das Ganze zuvor Gesehene als bereits fertiggestellter Film Vinnys vorgestellt wird, was Spinell und seine (auch tatsächliche) Mutter mit dem entspannten Konsum eines Joints „kommentieren“, entbietet einen grandiosen Kommentar aller am Film Beteiligten, den man auch als liebevoll gereckten Mittelfinger verstehen kann: „Wir beißen nicht. Wir wollen auch bloß ein bisschen Spaß haben.“
Toll!

9/10

TRAPPED

„Up here, I am the law!“

Trapped ~ USA 1982
Directed By: William Fruet

In einem kleinen Appalachen-Dorf hat der Trapper und Schwarzbrenner Henry Chatwill (Henry Silva) uneingeschränkt das Sagen. Dass sein Mini-Regime längst despotische Züge angenommen hat und er sich selbst über eine eigene Rechtsprechung stellt, nehmen seine Nachbarn mehr oder weniger zähneknirschend hin. Als seine Frau (Gina Dick) ihn ausgerechnet mit einem lokalen Polizisten betrügt, begeht Chatwill mit der volltrunkenen Hilfe einiger der Dörfler wutentbrannt Lynchjustiz. Davon werden wiederum der auf einem Ausflug befindliche Student Roger (Nicholas Campbell) und seine Freunde Zeugen. Für Chatwill ist umgehend klar: Wenn er die jungen Leute laufen lässt, geht es ihm an den Kragen…

Überraschend amtlich geratener und straight erzählter Backwoods-Thriller mit einer schönen Hauptrolle für den kantigen Henry Silva, der mit allerlei diebischem Genuss das – natürlich sämtliche denkbaren Klischees durchlaufende – Hinterwäldlerarschloch gibt. Tatsächlich beherrscht er allein durch seine bedrohliche Präsenz den gesamten Film und Fruet, der Silva entsprechend inszeniert, weiß auch sehr wohl darum. Überhaupt gelingt es ihm, aus der im Prinzip auf ein eher unbehauenes Terrorszenario setzenden Storyprämisse einen durchweg packenden Ausflug in die filmisch bereits damals hinlänglich porträtierte amerikanische Para-Zivilisation der Hillbillys zu unternehmen. Dass man sich aus kleinen, stadtfernen Ansiedlungen, speziell solchen in den wilden Appalachen, als aufgeklärtes Gesellschaftsmitglied besser fernhält; diese Lektion erteilt „Trapped“ dennoch mit einiger frischer Vehemenz. Zusätzliche Spannung bezieht die Geschichte aus dem familiären Konflikt Chatwills – der Gute hat nämlich noch zwei Geschwister: eine durchaus bodenständige Schwester (Barbara Gordon), die den zunehmenden Kaiserwahn ihres Blutsverwandten mit wachsendem Argwohn beobachtet sowie einen Bruder (John Rutter), der als ortsamtierender Sheriff Henrys Machenschaften abseits der Legalität zuverlässig deckt. Dass aus dieser dysfunktionalen Familienkonstellation langfristig nichts Gutes erwachsen kann, wird recht schnell offensichtlich und damit auch die alsbald um sich greifende Explosivität der Situation.

7/10

THE SENDER

„We should try shock therapy.“

The Sender (Teuflische Signale) ~ UK 1982
Directed By: Roger Christian

Nach einem öffentlichen Selbstmordversuch landet ein junger, namenloser Mann (Zeljko Ivanek) in einer staatlichen Nervenheilanstalt. Dort nimmt sich die Therapeutin Gail Farmer (Kathryn Harrold) seiner an. Bald schon stellt sie fest, dass „John Doe #83“, wie der Patient behelfsmäßig in den Akten geführt wird, telepathische Verbindung zu ihr aufnehmen kann. Zwischen Gail und „John Doe“ entsteht nach und nach eine starke, emotionale Bindung, die ihr viel über seine traurige Vergangenheit und sein desolates Innenleben preisgibt: Offenbar stand der junge Mann sein ganzes Leben unter dem alles beherrschenden Einfluss seiner fanatischen Mutter Jerolyn (Shirley Knight), die in ihm aufgrund seiner Fähigkeit den „neuen Messias“ wähnte und ihn daher sorgsam vor der Öffentlichkeit abschirmte. Gail muss erkennen, dass der Schlüssel zu „John Doe“ über die mysteriöse Jerolyn führt…

Roger Christians fast kammerspielartiges, inszenatorisch stark zurück genommenes Horrorstück fügt sich in eine Reihe mit den vielen Filmen um telekinetisch und/oder telepathisch veranlagte Menschen dieser Jahre von „Carrie“ bis zu „The Dead Zone“, die, zufälligerweise beide auf Vorlagen von Stephen King basierend, gewissermaßen Anfangs- und Schlusspunkte des kleinen Subgenres bilden. Der weitflächig deutlich weniger bekannte „The Sender“ ordnet sich dann vornehmlich auch just zwischen jenen beiden Meilensteinen ein, sowohl formal als auch in Anbetreff seiner Hauptfigur. John Doe #83 vereint in sich gleichermaßen die juvenile Tragik einer Carrie White, deren geisteskranke Mutter sie als vermeintlich überirdisches Wesen von der Außenwelt abzuschirmen versucht sowie die bleierne Traurigkeit eines Johnny Smith, dessen Fluch darin besteht, um die katastrophale Situation der Welt um sich herum zu wissen. Allerdings verfügte Smith wiederum nicht über die Fähigkeit, seine Visionen lebensecht auf andere zu übertragen bzw. diese suggestiv zu erzeugen
Für die tragische Geschichte dieses also Gebeutelten wähnt Christian einen immens ruhigen, fast mitleidsvollen Zugang und liegt damit dichter bei Cronenberg. John Doe #83 ist ein Loner und wird auch immer einer bleiben, ebenso wie der omnipräsente „Geist“ seiner Mutter – daran lässt das Ende, nachdem er vermeintlich „geheilt“ entlassen wird, keinen Zweifel – ihm niemals von der Seite weichen wird.

6/10

HORROR SAFARI

Zitat entfällt.

Horror Safari (Söldner des Todes) ~ HK 1982
Directed By: Alan Birkinshaw

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs verstecken drei japanische Offiziere unter diversen personellen Verlusten eine Kiste mit Goldbarren mitten im philippinischen Urwald. 31 Jahre später bekommt der schurkische Rex Larson (Edmund Purdom) Wind von der Sache und ist sogleich scharf auf das Gold. Dazu benötigt er jedoch die Hilfe eines der drei ehedem Beteiligten und findet diese bei dem gealterten Tobachi (Harold Sakata). Finanziert wird die anstehende Schatzsuche von dem reichen Douglas Jefferson (David De Martyn). Weitere Teilnehmer der Expedition sind der versoffene Altabenteurer und Larsons schärfster Konkurrent Mark Forrest (Stuart Whitman), dessen frühere Geliebte Maria (Laura Gemser), Jeffersons Tochter Janice (Glynis Barber) sowie sein hünenhafter Butler Cal (Woody Strode). Nur zwei von ihnen werden den mörderischen Trip überleben…

Ein völlig dilettantisch zusammengefrickeltes Stück Blödheit, das natürlich gerade infolge seiner breit ausgestellten Debilität erst besonderen Spaß bereitet. Man weiß nicht, wo man mit den Vorwürfen anfangen soll. Vielleicht bei der Musik. Der angebliche „Komponist“ Francesco De Masi hat nämlich kurzerhand John Williams‘ Partitur zu „Jaws 2“ geklaut, minimal variiert und rearrangiert. Seine Inszenierungsfertigkeiten hat der noch bis Mitte der neunziger Jahre tätige Neuseeländer Alan Birkinshaw offenbar in einer Baumschule gelernt, denn so etwas wie Gespür oder Timing sind ihm völlig fremd. Die abgehalfterten Stars wurden vermutlich in Naturalien bezahlt, sprich, in Form einer unerschöpflichen JB-Flatrate. Dafür spricht vor allem eine höchst unbeholfen an den Anfang von „Apocalypse Now“ angelehnte Szene, in der Stuart Whitman total besoffen in seinem Hotelbett herumvegitiert und mit leeren Flaschen besagten Scotchs herumspielt, bevor ihm das Angebot seines Lebens unterbreitet wird. Gespielt ist da hundert Pro gar nix. Auch Woody Strode ist irgendwie permanent völlig neben der Spur und blickt gläsern und ausruckslos in die Kamera, Harold „Odd Job“ Sakata findet alles nurmehr zum Lachen und hat hier und da entsprechend hysterische Ausbrüche. Laura Gemsers Figur ward unter dem Vorsatz kompletter Redundanz hinzugedichtet und dient lediglich als Alibi, sie wenigstens einmal komplett blankziehen und in einem Wasserfall-Teich plantschen zu lassen, bevor sie dann sogleich das Zeitliche segnet. Überhaupt sind Sterbeszenen wie jene der Gipfel der hier dargelegten, filmischen Imbezilität: Es wird dann jedesmal eine verwischende Zeitlupe eingesetzt, wie man sie noch in höchst unseliger Erinnerung von Miles O’Keeffes beinharten Überlebenskämpfen in „Tarzan, The Ape Man“  in Erinnerung trägt, wobei hierin dann überhaupt nicht mehr zu erkennen ist, was eigentlich vorgeht. Die deutsche Synchronfassung wird dann noch zusätzlich angereichert von einem Off-Kommentar durch Klaus Kindler, der vor allem deswegen bewundernswert daherkommt, insofern Kindler es geschafft hat, selbigen einzusprechen ohne wegen einer Zwerchfellkrümmung ins Krankenhaus zu müssen. Blumigster Nonsens aus Tante Ernas Groschenroman-Sammlung mit Abenteuer- und Arztschnulzen der Siebziger, die immerhin dafür sorgen, dass selbst langweiligste Reisesequenzen via Fluss und Urwald noch von schauderhafter Gullipoesie aufgewertet werden. Kurzum: Muss man gesehen haben, ein weiteres, köstliches Stück von der großen Ungeheuerlichkeitstorte!

5/10