IL TRONO DI FUOCO

Zitat entfällt.

Il Trono Di Fuoco (The Throne Of Fire) ~ I 1983
Directed By: Franco Prosperi

In grauer Vorzeit schwängert Belial (Harrison Muller), ein Abgesandter Satans, die Hexe Azira (Beni Cardoso), auf dass diese dereinst das Kind des Bösen gebäre. Glücklicherweise gibt es zu allem Irdischen und Überirdischen stets einen Widerpart und so wächst zeitgleich mit dem lumpigen Morak (Harrison Muller) der Recke Siegfried (Pietro Torrisi) heran. Als endlich die Stunde naht, da Morak den Thron des Feuers besteigen und die Weltherrschaft an sich reißen kann – es gibt eine Sonnenfinsternis – fehlt dem Unhold zu seinem dämonischen Endsieg nur noch die fesche Königstochter Prinzessin Valkari (Sabrina Siani) als Eheweib. Das entsprechende Los sucht Siegfried zu verhindern.

„Il Trono Di Fuoco“ markierte einen der letzten Versuche der Italiener, am Erfolg der von „Conan The Barbarian“ losgetretenen Barbarenfilm- oder auch „Sword & Sorcery“-Welle zu partizipieren. Unter dem anglophonen Pseudonym „Peter McCoy“ stieg der bizepsbewährte Sizilianer Pietro Torrisi, der zuvor über etliche Jahre hinweg so gut wie nur in körperbetonten bit parts zu sehen gewesen war, urplötzlich zum Ministar dieses kleinen Sub-Subgenres auf und spielte die mehr oder weniger selbe Rolle gleich dreimal in dichter Folge, davon zweimal unter dem Handarbeiter Franco Prosperi, dessen zugleich letzte Regiearbeit der vorliegende Prügel bildete. Die ohnehin bloß fragmentarisch vorhandene Story  bot dabei die Vorlage für ein auf geradezu unverschämte Weise gleich dreifach durchgespieltes Flucht- und Wiedereinfangszenario, im Zuge dessen Torrisi als Siegfried (!) und die bemerkenswert untalentierte Sabrina Siani, zu jener Zeit ebenfalls ein kleines, kurzlebiges Sternchen im italienischen Plagiatsfach, dem von Harrison Muller gespielten Deibelssohn immer wieder entkommen, nur um dann aufs Neue eingefangen und auf seine Burg (ein pittoreskes Gemäuer irgendwo im Latium, das der Film allenthalben mit prominentem Stolz ins Bild rückt) zurückgebracht werden. Geld für Spezialeffekte war wohl keines da, so dass sich der originäre Fantasy-Faktor auf ein verschwindendes Mindestmaß zu beschränken hatte. „Höhepunkte“ bilden dabei ein Kampf  Torrisis mit einer sichtlich unlustigen Riesenschlange, die dem Akteur bedrohlich schlaff um den Hals gehängt wurde und Moraks Ende, das ihn als unrechtmäßigen Besetzer des titelgebenden Throns dahinschmelzen lässt. Immer noch be- und verwundernswert erscheint heute bei der Retrospektion dieser immerhin sympathischen, kleinen Einmachgurken, welch professionelle (und den Gesamteindruck daher stark aufwertende) Synchronisationsbestrebungen man ihnen hierzulande zuteil werden ließ. Nunja, damals hatten die eben noch die Zeit dafür.

4/10

Advertisements

HANNA K.

„Could all three of you get out here, please?“

Hanna K. ~ F/ISR 1983
Directed By: Constantin Costa-Gavras

Als remigrierte, US-stämmige Jüdin hat die mäßig erfolgreiche Anwältin Hanna Kaufman (Jill Clayburgh) sich ihre romantische Perspektive auf den Staat Israel und seine Hauptstadt Jerusalem bislang bewahren können. Hanna hat mit Victor Bonnet (Jean Yanne) einen nichtjüdischen, intellektuellen und liberalen Ehemann in Paris und pflegt vor Ort eine Affäre mit dem Staatsanwalt Joshua Herzog (Gabriel Byrne), von dem sie ein Baby erwartet. Mit dem Tage, an dem sie den Palästinenser Selim Bakri (Mohammad Bakri) vor Gericht wegen des Verdachts auf Terrorismus pflichtverteidigt, ändert sich ihr vormals einfaches Leben. Bakri wird zunächst nach Jordanien abgeschoben, taucht jedoch einige Wochen später erneut in Israel auf. Ein Hinweis seinerseits an Hanna, das Dorf Kufr Rumaneh ausfindig zu machen, führt sie in die Provinz nach Kfar Rimon, einem teils von Neusiedlern bevölkerten Ort, der auf den Ruinen eines alten palästinensischen Dorfe erbaut wurde, von dem nurmehr Restspuren vorhanden sind. Hanna findet heraus, dass hier Bakris familiäre Wurzeln liegen und er nunmehr staatenlos ist. Bakri, der diesmal inhaftiert wird, tritt in Hungerstreik und wird daraufhin in Hannas Obhut übergeben. Jetzt steht sie zwischen drei Männern mit jeweils völlig unterschiedlichen Perspektiven.

In den Achtzigern zeigte Costa-Gavras sich zumindest in formaler Hinsicht als es wesentlich ruhiger angehen lassender, wenngleich nach wie vor strikt politischer Filmemacher, der sich mit „Hanna K.“ des heiße Eisens des Nahost-Konflikts annahm. Auch hier schwamm er gegen den allgemeinen Strom und wagte es als erster Spielfilm-Regisseur, die palästinensische und somit anti-israelische und gleichermaßen anti-amerikanische Sichtweise zu repräsentieren. Erwartungsgemäß formulierte er das Thema nicht zum plumpen Propagandapamphlet für schicke Hochrufe skandierende Palituch-Träger, sondern bemühte sich um ein differenziertes Bild, für dass er das Zentrum einer nicht nur politisch, sondern zugleich emotional zerrissenen Frau wählte. Aus der Dreiecksgeschichte wird so zusehends eine Vierecksgeschichte, die am Ende keinen befriedigenden Abschluss gewährleistet und Hanna allein und im Angesicht schwer bewaffneter Soldaten zurücklässt. Wen sollte sie wählen? Ihren deutlich älteren, eher väterlich-freundschaftlichen Ehemann mit der bequemen Sicht des westlichen Bildungsbürgers? Den leidenschaftlichen Zionisten und Vater ihres Sohnes oder doch den unter seiner ruhigen Oberfläche wütend brodelnden Entrechteten? Ebenso wie Hanna verzichtet am Ende auch Costa-Gavras auf ein eindeutiges Statement, wobei er wenig Zweifel daran lässt, dass die Zwei-Staaten-Lösung ihm am Wohlsten behagte. Der Regisseur lässt sich durch die Figur von Jean Yanne repräsentieren, des außenstehenden Linken, der am Ende zwar eine Meinung präferieren, sich jedoch stets auf das sichere Pflaster seiner Herkunft stützen kann. Diese Regisseur und Film inhärente Klugheit macht „Hanna K.“ noch immer zu einem der ausgeglichensten Meditationen zum Topos.

8/10

PLEM, PLEM – DIE SCHULE BRENNT

„Ätzend!“

Plem, Plem – Die Schule brennt ~ BRD 1983
Directed By: Sigi Rothemund

Dieses Jungen-Gymnasium ist wirklich der letzte Heuler! Der Rektor (Jacques Herlin) ein bornierter Spießer, das Kollegium (Helga Feddersen, Harald Effenberg, Günther Meisner, Werner Röglin) durch die Bank verspleent, die Schülerschaft, allen voran die berüchtigte Oberprima, ein verdorbener Sauhaufen. Ein Trio spezieller Lehrkräfte (Helmut Krauss, Joachim Kerzel, Horst Pinnow), angesichts der bevorstehenden Inspektion durch den Schulrat (Gunther Philipp) eigens herbeibeordert, soll’s richten, doch schon auf der Anfahrt zur Lehranstalt begegnet man drei zufällig aus der benachbarten Irrenanstalt entflohenen Geisteskranken (Herbert Fux, Andreas Mannkopff, Eberhard Cohrs), die mit den Beamten kurzerhand die Plätze tauschen. Glücklicherweise ist mit dem duften Jürgen (Thomas Ohrner) just auch ein neuer Eleve am Start, der sich als wahrer Tausendsassa entpuppt.

Immer, wenn man denkt, grotesker geht’s nicht mehr, kommt eine angeweste deutsche Komödie daher. „Plem, Plem – Die Schule brennt“ gehört dabei wohl zum mental Gewagtesten, dessen man als furchtloser Forscher in Sachen einheimischer Psychotronik überhaupt ansichtig werden kann. Rothemund, der um diese Zeit als Filmschaffender in Kino und TV praktisch dauerpräsent war, arbeitete in diesem Falle ausnahmsweise einmal nicht für Karl Spiehs‘ Lisa-Film, sondern für die Berliner CCC, die natürlich nichts Anderes im Sinn hatte, als der dauerbrennenden bayrischen Disco-Komödie scharfe Konkurrenz zu machen. Trotz der fürderhin nahezu deckungsgleichen Schauspielprominenz und trotz eines adäquat windschiefen Dialogscripts von Rainer Brandt ging dieser Plan nicht auf. „Plem, Plem“ versagt sich nämlich weithin die üblichen Frechheiten der Konkurrenz und versucht mit einer Reanimation des Konzepts des sich längst totgelaufenen Pauker-Films das von vornherein Unmögliche. Die vermeintlich „zündende Idee“, einen Verwechslungsklamauk zu entfesseln, indem man drei Verrückte gegen drei Lehrer substituiert, ist ja eigentlich gar keine und verdient noch nichtmal jene Bezeichnung. Man nehme bloß das Entflohenentrio: Herbert Fux muss zwanghaft jedes Paar weiblicher Brüste kneten, dessen er gewahr wird; Andreas Mannkopff dreht durch, sobald er den „Ententanz“ hört und Eberhard Cohrs ist in Wahrheit ein Alien namens E.T., das unentwegt „nach Hause telefonieren“ will. Die NDW-Eintagsfliege Ixi führt die Besetzungsliste an und ist mit ihrem damaligen Schlager „Mach‘ mir doch kein‘ Knutschfleck“ sowie einem weiteren Stück Dauergast auf der Tonspur. Peter Kuiper, als Kredithai Shark in „Otto – Der Film“ kurz darauf zu erhöhtem Popularitätsgrad gelangt, spielt den sadistischen Hausmeister von Gymnasium und (!) Klapsmühle, der in Abwesenheit des Chefarztes Schock-Therapien durchführen soll; Günther Meisner kopiert Peter Sellers‘ „Dr. Seltsam“, Röglin und Feddersen liefern die üblichen komödiantischen Repräsentanzien als hässliche Altjungfer respektive erzschwule Supertucke. Das ist genau so handverlesen umgesetzt, wie es sich hier liest. Angesichts eines derartigen Ausbundes eklektischer Elemente ist Rothemunds Film tatsächlich, wenn überhaupt, nur schwer zu ertragen und will lediglich unter einem gehörigen Zoll an Blut, Schweiß, Tränen und Hirnschmalz durchlitten sein.
„Plem, Plem – Die Schule brennt“ – ich habe ihn überlebt!

4/10

LE PRIX DU DANGER

Zitat entfällt.

Le Prix Du Danger (Kopfjagd – Preis der Angst) ~ F/YU 1983
Directed By: Yves Boisset

Bei der Gameshow „Der Preis der Gefahr“ geht es darum, dass ein freiwilliger, sorgfältig ausgewählter Kandidat vor fünf Jägern flieht, die die Aufgabe haben, ihn zu töten, bevor er sein vorbestimmtes Ziel erreichen kann. Falls der Gejagte dies schafft, winkt ihm ein Gewinn von einer Million Dollar. Moderiert von dem öligen Host Mallaire (Michel Piccoli) hat es bislang niemand geschafft, den Häschern lebend zu entkommen. Für die jüngste Ausgabe stellt sich der Arbeiter Jacquemard (Gérard Lanvin) dem Spiel um Leben und Tod. Tatsächlich nimmt er im Laufe der Show das Publikum für sich ein und „Der Preis der Gefahr“ rzielt nie dagewesene Einschaltquoten. Doch Jacquemard ist ein höchst unbequemer Kandidat: Anstatt sich bloß jagen zu lassen, dreht er den Spieß um und tötet seine Gegner…

Diese Meditation über die zunehmend perversen Auswüchse moderner Spielshows im Fernsehen hat eine lange literarische und filmische Ahngalerie: Das Prinzip „Menschenjagd zu Unterhaltungszwecken“ kennt man spätestens seit Ernest B. Schoedsacks „The Most Dangerous Game“ ; dessen Ausweitung auf das Medium Fernsehen fand ihren Ausgangspunkt in Robert Sheckleys 1958 veröffentlichten Romans „The Prize Of Peril“, der in dystopischer Form geradezu prophetisch die möglichen, künftigen Auswüchse des Formats „Reality TV“ beschrieb. 1970 adaptierten Wolfgang Menge und Tom Toelle Sheckleys Story in Form des beklemmenden TV-Films „Das Millionenspiel“, dreizehn Jahre später folgte Boissets französische Variation.  Stephen Kings 1982 unter seinem Pseudonym „Richard Bachman“ herausgegebener Roman „The Running Man“ bildete eine leicht modifizierte, im Wesentlichen aber recht analoge Rekapitulation von „The Prize Of Peril“, die wiederum fünf Jahre später in einen gleichnamigen Film umgearbeitet wurde.
All diesen Arbeiten gemein ist eine doppelbödige satirische Grundtendenz, die die merkantilisierte Menschenjagd (die Show wird immer wieder unterbrochen durch grelle Werbepausen) mitsamt der Prämisse des erzwungenen Mordes zum einen als grotesken, futuristischen Zynismus darstellt, den Zuschauer zum anderen jedoch auf dramaturgisch immens raffinierte Weise selbst zum „Brot-und-Spiele“-Publikum deklariert, indem sie ihn bei der Flucht des Protagonisten launig mitfiebern lässt. Ob Jörg Pleva, Lanvin oder (natürlich ganz besonders) Arnie – spätestens nach den ersten Minuten der tödlichen Hatz platziert uns der jeweilige Film genau dort, wo Dieter Thomas Heck, Michel Piccoli und Richard Dawson ihr Fernsehpublikum längst schon haben. Glücklicherweise handelt es sich hiebei um Fiktion – übertragen auf die Realität würde natürlich niemand einen Blick auf ein solch widerwärtiges Programm riskieren. Vor allem ist „Le Prix Du Danger“ aber die Geschichte einer Korrumpierung. Marie-France Pisier spielt die junge, akademisch gebildete und attraktive Produzentin der Sendung, die anfangs noch gegen das schlechtes Gewissen angesichts ihrer unethischen Berufsausübung ankämpft. Am Ende hat sie sich der dunklen Seite des Showbiz dann vollends anheim gestellt und setzt sich breitärschig auf des Teufels Sozius: Sie lügt offen in die Kamera, erklärt den hysterisch gewordenen Jaquemard für verrückt und verspricht den europaweit zugeschalteten Zuschauern unter dessen entfesseltem Jubel für die nächste Ausgabe noch mehr „unfassbare Brutalität“. Schalten auch Sie also beim nächsten Mal ein, wenn es wieder heißt: „Der Preis der Gefahr“!

8/10

SABABA

Zitat entfällt.

Sababa (Hasenjagd 2. Teil) ~ ISR/BRD 1983
Directed By: Tzvi Shissel

Nur Kitbeg (Zachi Noy) ist von den drei berüchtigten Hallodris noch im Ausbildungscamp verblieben, versetzt nach Sababa, einer Stätte für hoffnungslose Idiotenrekruten. Mit ihm dabei sind noch Schleifer Shemesh (Joseph Shiloach), seine bezaubernde Freundin (Devora Bakon) und der überproportionierte Lagerleiter (Moshe Ish-Kassit). Mit der Ankunft einer Delegation um den schweizerischen Botschafter (n.n.), die sich vor Ort ein Bild von den Qualitätsstandards der Militärschule machen will, erwächst zwischen Camp Sababa und seiner benachbarten Kaserne ein harter Konkurrenzkampf, der in einem waghalsigen Manöver gipfelt. Möger der Dümmere gewinnen!

Gemeinsam mit meinem lieben Freund Oliver, der sich parallel zu anderem Klamaukigem justament in die Untiefen des israelischen Unterhaltungskinos vergangener Tage begibt und dazu wie stets Lesenwertes verzapft, hatte ich gestern das geflissentlich masochistisch angehauchte Vergnügen, zunächst „Sapiches“, zu gut deutsch: „Eis am Stiel 4 – Hasenjagd“, zu begutachten und mit „Sababa“ hernach noch den semiprominenten „Parafilm“ der Reihe. Dieser wurde zwar auch von Golan und Globus produziert und ist ganz offensichtlich ein der Hauptserie inhärentes Sequel, gibt seinen Figuren jedoch aus mir unbekannten Gründen (vermutlich hat es irgendwas mit Abschreibungsobligationen oder Ähnlichem zu tun, es wäre sicher interessant, da einmal nachzuforschen) andere Rollennamen und muss zudem zwei Drittel des notorischen Trios, Yftach Katzur und Jonathan Sagall nämlich, entbehren. Ansonsten verbleibt das in „Sapiches“ etablierte Setting und das Subgenre des Militärschwanks und sind zumindest die ferner aus jenem bekannten Ausbildercharaktere wieder dabei, wiederum mit neuen Bezeichnungen, aber nichtsdestotrotz in exakt denselben Parts. Shiloach wird heuer nicht mehr von Erik Schumann gesprochen, sondern von Michael Chevalier, ansonsten bleibt auch im Synchronfach alles beim Alten. Ein wichtiges, gar elementares Stichwort bildet sie überhaupt, die deutsche Vertonung, denn diese dürfte es am Ende sein, die „Sabana“ erst zu etwas Exorbitantem seines Fachs macht. Die Synchro stammt unzweifelhaft von Rainer Brandt (zu hören anhand seines Auftritts in einer Winzrolle als Kantinenkoch), der hier nochmal deutlich flirrender, transzendenter und dadaistischer zu Weke geht als in den meisten seiner Sternstunden. In welcher mental zugesp(r)itzten Verfassung Brandt und seine Werksgenossen auch immer gewesen sein mögen, als sie das Ding bearbeiteten, ich beneide sie darum. Denn hier wird man dessen anhörlich, was man nurmehr als kalkulierten Schwachsinn bezeichnen kann, die absolute, bis zum bitteren Ende (und darüber hinaus) ausformulierte Poesie des Unfassbaren. Dem Dialog zu „folgen“, so man dieses Verb angesichts dieses speziellen Rezeptionsobjekts überhaupt benutzen mag, gestaltet sich mit zunehmendem Verlauf des Films als mehr denn anspruchsvolle Herausforderung. Spätestens nach einer Viertelstunde fällt die Kinnlade herunter und mag nicht mehr an ihren angestammten Platz zurückkehren, bis dieses nach irdischen Standards kaum mehr zu messende Fanal der Abseitigkeit vorbei ist – es sei denn für hilflose, hysterische Lachanfälle, die unvermittels zwischendrin okurrieren können, je nach emotionaler Verfassung des Rezipienten. So viel erstmal von mir, alles weitere gibt’s  drüben bei Oli zu lesen, der möglicherweise einen etwas analytischeren Zugang findet. Ich befinde mich gegenwärtig noch in der Rekonvaleszenzphase.

6/10

STRYKER

„Why did you leave?“ – „I had my causes.“

Stryker ~ PH 1983
Directed By: Cirio H. Santiago

Nach einem alles mit sich reißenden Atomkrieg wird Wasser zum wichtigsten Überlebensmedium. Auf öden Wüstenstraßen liefern sich unterschiedliche Gruppierungen harte Kämpfe um das nasse Gut, darunter die Männer des alternden, aber gefürchteten Patriarchen Trun (Ken Metcalfe), die friedlicheren Leute von Weed (n.n.), der eine reiche Quelle entdeckt hat, und die gewalttätigen Anhänger von Karis (Mike Lane). Ein wesentliches Element repräsentiert auch der Einzelgänger Stryker (Steve Sandor), Truns Bruder, der mit Karis noch eine alte, persönliche Rechnung zu begleichen hat. Als er sich in Weeds Tochter Delia (Andrea Savio) verliebt, kommt es zur Reallianz der alten Bekannten Trun und Weed, die sich nun gemeinsam mit Stryker gegen Karis zur Wehr setzen.

Das erste von Cirio H. Santiagos „Road Warrior“-Rip-Offs, blauäugig, schamlos und liebenswert wie die meisten Arbeiten des philippinischen Schnellschießers. Ob es Zufall ist oder der geheimnisvollen Magie telepathischer Suggestion unter Filmemachern zuzuschreiben, dass Santiago wie sein italienischer Kollege Enzo G. Castellari auf die Idee kam, die natürliche Ästhetik eines Steinbruchs als kaum merkliches Substitut für den Zauber postapokalyptischer Landschaften zu wählen, muss auch in Zukunft ein Geheimnis bleiben. Fest steht indes, dass auch die übrigen Parallelen zu Castellaris „I Nuovi Barbari“ recht gut ersichtlich daherkommen, wenngleich es auch bei diesem nicht um lebensspendendes Nass als favorisiertes Überlebensgut geht, sondern schlicht darum, nicht ganz so vollkommen den Verstand zu verlieren wie George Eastman. Etwas durch ging es mit den Masterminds hinter „Stryker“, als man eine Gruppe zwergenwüchsiger Philippinos als quiekendes Wüstenvölkchen besetzte, die wohl eine Art memoriam an die Javas aus „Star Wars“ darstellen sollten. Immerhin, Ingredienzen wie diese verleihen Santiagos Werken das nötige Quäntchen probaten Irrsinns, dessen sie auch bedürfen, um sich in ihrer bunt schillernden Welt des apokryphen Films behaupten zu können. In dem hünenhaften Pennsylvanier Steve Sandor hat man jedenfalls einen bärigen Einzelkämpfer gefunden, der mir mit seinem Cowboyhut als Titelheld nach wie vor sehr zusagt. Schlicht, aber launig.

5/10

TENDER MERCIES

„I don’t trust happiness. I never did, I never will.“

Tender Mercies (Comeback der Liebe) ~ USA 1983
Directed By: Bruce Beresford

Nach einem seiner ausufernden Suffexzesse erwacht der beliebte Country-Liedermacher Mac Sledge (Robert Duvall) im abseits gelegenen Motel der Witwe Rosa Lee (Tess Harper). Da er völlig pleite ist, bietet er Tess an, seine Schulden bei ihr abzuarbeiten und wird trocken. Die beiden Einzelgänger kommen sich bald näher und heiraten. Rosa Lees kleiner Sohn Sonny (Allan Hubbard) nimmt Mac bald wie einen Vater an. Nach und nach wagt Mac bald wieder erste Schritte zurück ins Musik-Biz.

Der erste in den USA entstandene Film des Australiers Bruce Beresford darf von sich behaupten, als Americana vor allem von der Down-Under-Perspektive seines Regisseurs zu profitieren. Ein gebürtiger US-Amerikaner hätte aus Horton Footes extrem gemächlich gepacetem Stoff möglicherweise eine üble Country-Schmonzette herausgeschält und die der Langsamkeit des Scripts geschuldete Lyrik nachhaltig beschädigt. Beresford jedoch wahrt die absolute Balance und fertigt in langen Einstellungen und erdigen Farbtönen aus „Tender Mercies“ etwas, was man beinahe als kunstvolles Anti-Kino bezeichnen möchte und beinahe gänzlich aus dem üblichen, grellen Rahmen der Dekade fällt. In den eineinhalb Stunden Erzählzeit, die einen um Einiges längeren erzählten Rahmen abdecken, passiert mit Ausnahme einer relativ tragischen Fügung faktisch Nichts – oder zumindest nichts Aufregendes. Die Story kreist um den Charakter des Musikers Mac Sledge, von Robert Duvall in schmerzlich perfekter Ausgewogenheit interpretiert, und seine Bemühungen, sein vornehmlich durch eigene Schuld zerfahrenes Leben wieder auf die Reihe zu bringen. Zwei Ehen hat er bereits hinter sich, die eine davon hat eine mittlerweile achtzehnjährige Tochter (Ellen Barkin) hervorgebracht, die Mac zum letzten Mal als kleines Mädchen gesehen hat. Da seine Bewegungen in der lokalen Musikszene immer wieder mit grobem Alkoholmissbrauch einhergehen, hat er sich daraus fast zur Gänze zurückgezogen, besitzt jedoch immer noch das Herz eines Songwriters. Auch von diesem inneren „Kampf“, der jedoch nicht minder unspektakulär ausgetragen wird als alles in „Tender Mercies“, handelt Macs Geschichte. Das gesamte Werk hält sich dabei vorsätzlich ungeschwätzig, lässt seine Figuren so realitätsnah erscheinen wie eben möglich und sie wie kleine Papierschiffchen über ein Regen-Rinnsal mäandern. Umso erfreulicher, dass sie am Ende einen sicheren Heimathafen finden.

8/10