CHEERLEADER CAMP

„Okay, your friend’s dead. Now get the fuck back to the camp or I’ll shoot y’all, will ya?“

Cheerleader Camp (Bloody Pompoms) ~ USA/J 1988
Directed By: John Quinn

Cheerleader-Königin werden – das ist ihr größter Traum und zugleich ihre größte Bürde. Dennoch stellt sich die psychisch labile Alison Wentworth (Betsy Russell), Vortänzerin des Cheerleader-Teams der Lincoln High, gemeinsam mit ihren MitstreiterInnen tapfer der Herausforderung, den regionalen Wettkampf im einschlägigen Trainingscamp „Hurrah“ zu gewinnen. Kaum vor Ort angekommen, erliegt das erste Opfer, ein Mädchen (Krista Pflanzer) von der „Konkurrenz“, sogleich einem scheinbaren Selbstmord. Doch weder die die dramatischen Ereignisse vertuschende Chefin (Vickie Benson) des Camps noch die anderen Kids interessiert jener Zwischenfall sonderlich und man geht dem Tagesgeschäft unbeeindruckt weiter nach. Als der nächste Todesfall auftritt, beginnt Alison, mehr und mehr an ihrem Verstand zu zweifeln – könnte sie unbewusst eine Mörderin sein…?

Ähnlich wie der im Vorjahr entstandene „Return To Horror High“ müht sich der unter japanischer Co-Produktionsägide entstandene „Cheerleader Camp“, dem Slasher-Genre einen parodistischen Ansatz zu entlocken, ohne die Wurzeln der Gattung gleich vollends zu denunzieren, oder gar in totalen Slapstick Marke „Pandemonium“ auszuarten, mit dem er ansonsten erstaunlich viele Parallelen teilt. Diesmal steht der sich uns Europäern verständlichermaßen absurd ausnehmende Teenagerwunsch, nationale Prominenz als Super-Cheerleader zu erlangen, einerseits im Storyzentrum und ist andererseits motivationale Antriebsfeder für das derangierte Mörderhirn, wie der mithin wenig überraschende Schluss-Twist offenbart. Dazwischen gibt es eine Menge hochgeistiger Titten- und Seniorenwitze nebst einer deftigen Portion Korpulentenkomik, für die sich der massige Darsteller Travis McKenna selbst nicht entblödet, gleich zu Beginn seinen gewaltigen, nackten Hintern durch ein Autofenster zu quetschen. So bringt sich der zu Zeiten der unleugbaren Slasher-Abenddämmerung entstandene „Cheerleader Camp“ über seine mäßig humorigen Runden, die trotz ihrer satirischen Ansätze weitgehend ohne den ubiquitären Charme früherer, nicht umsonst renommierterer genealogischer Vorläufer auszukommen hat.
Was für zwischendurch und gut is‘.

5/10

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WHITE GHOST

„I may be sorry later, but I trust you for the moment.“

White Ghost ~ USA 1988
Directed By: BJ Davis

G.I. Steve Shepard (William Katt) haust seit dem Ende des Krieges im vietnamesischen Dschungel-Unterholz und führt einen unermüdlichen Guerillakampf gegen den Vietcong, seine einheimische Frau Thi Hau (Rosalind Chao) stets an der Seite. Unter den Eingeborenen längst zum Mythos geworden, eilt ihm sein Ruf als „White Ghost“ bereits überregional voraus. Eines Tages geht dann alles ganz schnell: Thi Hau ist schwanger und soll das Kind im sicheren Amerika zur Welt bringen; zeitgleich will Major Cross (Reb Brown) den Legenden um den „White Ghost“ auf den Grund gehen und beordert die stets sehr rücksichtslos agierende Söldnertruppe um Captain Walker (Wayne Crawford) nach Südostasien. Was Cross nicht ahnt, ist, dass Walker noch eine alte Rechnung mit Shepard offen hat und überhaupt kein Interesse daran hat, ihn lebend nach Haus zu eskortieren. Der „White Ghost“ hat nunmehr also an zwei Fronten zur selben Zeit zu kämpfen…

Auf den ersten Blick an die verspäteten Kriegsgewinnlerphantasien wie „Rambo: First Blood Part II“ oder „Missing In Action“ angelehnt, entpuppt sich „White Ghost“ zwar durchaus als Rip-Off, lehnt sich dabei jedoch viel stärker an John McTiernans „Predator“ an, dessen narrative Struktur BJ Davis‘ Film teilweise detailgetreu plagiiert. Dabei repräsentiert Shepard das in mehrerlei Hinsicht überlegene Alien, das die Gegebenheiten des Areals zu seinem Verbündeten macht und die Söldnertruppe dezimiert, derweil der Vietcong die Latino-Guerrilleros ersetzt. Den Angriff von Schaefers Truppe auf deren Dschungelcamp kopiert Davis dementsprechend mit einiger Akribie.
Über den mit gewohnt sorgfältig frisiertem Minipli ausgestatteten William Katt, der eigentlich gar nicht böse gucken kann, als tarzanesken Superheld lässt sich in punkto credibility gewiss streiten; als dann aber seine Thi Hau entführt und derb gefoltert wird (ich sage nur: Bambus & Fingernägel) und Shepard wütende Taten sprechen lässt, breitet sich rasch der Mantel des Vergessens über vormalige, mögliche Publikumsressentiments. Die eigentliche darstellerische Attraktion des Films ist sowieso Wayne Crawford als ultrafieser Regierungskiller, der irgendwann komplett überschnappt und am Ende das kriegt, was er verdient. Die Entscheidung, Reb Brown als militärischen Racheengel einzusetzen, der Shepard und Gattin am Ende via Heli-Punktladung raushaut und vorher nochmal mit dem allseits beliebten Gebrüll ein paar traditionsbewusste Salven in die gesichtslose, gelbe Menge feuert, muss im Zuge dessen schon als frühe, metafilmische Selbstreferenz gefeiert werden.

6/10

AMERICAN GOTHIC

„I’m joining the clean plate club!“

American Gothic (Dark Paradise) ~ UK/CA 1988
Directed By: John Hough

Um die seit dem Tod ihres Babys schwer traumatisierte Cynthia (Sarah Torgov) auf andere Gedanken zu bringen, nehmen ihr Mann Jeff (Mark Erickson) und ein paar Freunde sie mit zu einem Campingtrip auf eine kleine Insel vor der Küste von Seattle. Doch das idyllische Eiland ist mitnichten unbewohnt; ein altes, strengchristliches Ehepaar (Yvonne De Carlo, Rod Steiger) lebt dort nicht weit vom Strand in einem kleinen Blockhaus. Wie sich umgehend herausstellt, hat dieses zudem drei erwachsene Kinder (Janet Wright, Michael J. Pollard, William Hootkins), die offenbar noch nie von der Insel weggekommen sind und sich nicht nur völlig infantil, sondern auch sonst sehr bizarr verhalten. Bald gibt es die ersten Verluste unter den Gästen zu beklagen und die ohnehin arg angegriffene Cynthia muss feststellen, dass die derangierte Familie buchstäblich noch mehr Leichen im Keller hat…

Das eine Zeichnung von Rod Steiger und Yvonne De Carlo zeigende Kinoplakat zu „American Gothic“ ist eine wunderbare Anlehnung an das berühmte, gleichnamige Gemälde von Grant Wood, das einen freudlosen Farmer mit Heugabel und eine Frau neben ihm zeigt, von der man nicht weiß, in welcher familiären Beziehung sie zu dem Mann steht. John Houghs Film wirkt wie eine bitterböse, schwarzhumorige Interpretation jenes Bildes, wobei auch dessen Geschichte nie die wahren verwandtschaftlichen Beziehungen der gesellschaftlich und auch technisch völlig isoliert lebenden Inselfamilie offenlegt. Es können jedoch kaum Zweifel daran bestehen, dass hier inzestuöse Kreuzverbindungen gepflegt werden. Höchstwahrscheinlich, jedenfalls ist eine solche „Erklärung“ für all die Seltsamkeiten rasch bei der Hand, sind „Ma“ und „Pa“, wie sie sich reduziert rufen, selbst Geschwister, die vor Jahrzehnten mit ihrer chaotischen Brut in dieses beschauliche Exil geflüchtet sind und aus Furcht vor Entdeckung jeden potenziellen Eindringling rigoros ausmerzen. Vor allem das mordlustige und zu noch ganz anderen Perversionen wie Nekrophilie neigende Nachwuchstrio spiegelt im Folgenden die zutiefst abartige Funktionalität wider, in der man sich hier ein einsames Sanktuarium vor der Zivilisation geschaffen hat: Seit jeher gehalten wie Kleinkinder und in Unkenntnis jedweder Moralbegriffe, begreifen die Drei ihre mörderischen Gewaltausbrüche wie lustige Streiche oder Spielchen, die Ma und Pa zudem noch gutheißen. Besonders Janet Wright, die ihr mumifiziertes Baby wie ein Püppchen überall mit hin schleppt, evoziert durch ihre wirklich grandiose Interpretation der komplett verrückten Fanny allerhöchsten Widerwillen beim Zuschauer.
Bemerkenswert an Houghs einnehmenden Film, einem genealogisch illegitimen Erben von Tobe Hoopers „The Texas Chain Saw Massacre“ nebenbei (wobei hierin wie vieles Andere auch das Kannibalismuselement in vager, mutmaßlicher Schwebe verbleibt) sind nicht nur seine inhaltliche und visuelle Kompromisslosigkeit, die sich in all ihrer unangenehmen Widerwärtigkeit geradezu lustvoll durchdekliniert finden, sondern in diesem Zusammenhang auch die Verpflichtung der zwei Weltklasse-Darsteller Steiger und De Carlo, die ihr Engagement einerseits und vermutlich in der Hauptsache wegen ihrer Gagen angenommen haben werden, andererseits jedoch all ihr Können in die Waagschale werfen und sich die dem Szenario akut innewohnende, bitterböse Komik vortrefflich zunutze machen.
Ein Juwel des Achtziger-Jahre-Horrorfilms.

8/10

BAD DREAMS

„These are not knives, these are fine surgical instruments.“

Bad Dreams (Vision der Dunkelheit) ~ USA 1988
Directed By: Andrew Fleming

Vor dreizehn Jahren überlebte Cynthia (Jennifer Rubin) als einzige den feurigen Massenselbstmord der „Unity“-Sekte unter und mitsamt deren charismatischem Vorsteher Harris (Richard Lynch). Nachdem sie die ganze Zeit über im Koma lag, nehmen sich nun, nach ihrem plötzlichen Erwachen, die beiden Psychiater Berrisford (Harris Yulin) und Karmen (Bruce Abbott) ihrer an. Dr. Karmen versucht, Cynthias Trauma und ihre Teilamnesie im Zuge einer Gruppentherapie mit ihr aufzuarbeiten. Doch in Form von Visionen erscheint ihr immer wieder der offenbar mitnichten tote Harris, der sich permanent aus dem Jenseits zurückmeldet und Cynthias nachträgliche Selbstopferung fordert. An ihrer Statt „holt“ sich Harris dann einen nach dem anderen Teilnehmer aus Karmens Therapiegruppe und lässt deren Tode wie Selbstmorde aussehen. Oder hat Karmen vielleicht doch Recht und die Ursache für die gehäuften Unglcksfälle ist sehr viel irdischerer Natur?

Wie ich mittlerweile feststellte, war die erste Assoziation, die mir „Bad Dreams“ lieferte, nämlich die Enteckung gleich mehrerer, unübersehbarer Analogien zu „A Nightmare On Elm Street 3: The Dream Warriors“, (nebenbei natürlich der mit Abstand schönste Film jener verdienstvollen Reihe), keineswegs so exklusiv, wie ich zunächst vermutete. Aber warum auch? Tatsächlich scheint eine Parallelisierung der beiden Filme sich beim etwas genreaffineren Zuschauer geradzu aufzudrängen, was bei Licht betrachtet sicherlich kein Wunder ist: In beiden Filmen, kurz hintereinander entstandenen Filmen spielt die charismatische Jennifer Rubin eine psychisch arg überstrapazierte Krankenhausinsassin und Teilnehmerin einer Therapiegruppe, der ein untoter, verbrannter Baddie in Traum und Geist erscheint und sie auf „seine Seite“ ziehen will. Rubin dürfte den Vertrag zu „Bad Dreams“ so kurz nach „The Dream Warriors“ sicher nur deshalb unterschrieben haben, weil man ihr darin jene Hauptrolle zusicherte, die sie im Freddyfilm noch nicht bekleiden durfte. Bruce Abbott gibt das Substitut von Craig Wasson, dem tapferen, attraktiven Jung-Psychiater, der seine Schäflein leider umsonst vor dem großen bösen Wolf zu schützen versucht. Und Richard Lynch, dessen markante Brandnarben ja daher rührten, dass er sich dereinst im Zuge eines LSD-Trips selbst angezündet hatte, erhielt vielleicht ein reales Stück weit die Möglichkeit zur Selbsttherapierung – immerhin repraktiziert er die Feuersache hier als meschuggener Sektenprediger.
Als Studioproduktion aus versierter Hand ist „Bad Dreams“ ansonsten ordentlich gefertigt und bringt sein hier und da etwas verworren scheinendes Szenenpuzzle nebst den Einsatz ein paar praller Rockstücke (zum Abspann etwa GN’Rs „Sweet Child O’Mine“) schlussendlich sogar durch eine unerwartete Auflesung halbwegs vernünftig über die Zielgerade. Ein paar erzählzeitlich früher angesetzte Hinweise auf den durchaus straighten Abschluss hätten dem Film möglicherweise gut getan, doch allzu viel meckern will ich gar nicht. Hat mir ganz gut gefallen.

7/10

NIGHT WARS

„This is a dream. And in dreams, everything’s possible.“

Night Wars ~ USA 1988
Directed By: David A. Prior

Neun Jahre nach ihrer Rückkehr aus Vietnam gehen die beiden Freunde Trent „Sarge“ Matthews (Brian Edward O’Connor) und Jim Lowery (Cameron Smith) ganz unterschiedlich mit dem Erlebten um. Während Trent einer geregelten Arbeit nachgeht und glücklich mit seiner Frau Susanne (Jill Foors) zusammenlebt, ist Jim schwer traumatisiert und dem Alkohol zugetan, zumal er und Trent damals ihren Freund Johnny (Chet Hood) im Stich lassen mussten, um ihr eigenes Leben zu retten. Plötzlich jedoch erscheint ihnen beiden der damalige Überläufer und Verräter McGregor (Steve Horton) permanent im Traum und fügt ihnen ganz reale Verletzungen zu, derweil der totgeglaubte Johnny sie anfleht, ihn endlich zu befreien. Während Susanne misstrauisch wird und den Veteran und Psychiater Campbell (Dan Haggerty) konsultiert, rüsten Trent und Jim sich zum letzten, alles entscheidenden Gefecht auf unbekanntem Terrain: dem Träumen.

Als allzu unbesungener Indie-Regisseur verdient David A. Prior es, dass sich der eine oder andere offenherzige Filmfreund zumindest mit Teilen seines Œuvres befasst. Ein absolutes Indiz für diese möglicherweise etwas waghalsig erscheinende These ist „Night Wars“, der in direkter Folge zu Priors ungeheuerlichem „Deadly Prey“ entstand. Auf seinen muskelbepackten Bruder Ted musste der Regisseur diesmal leider verzichten – zumindest vor der Kamera, denn Ted entblödete sich nicht, David A. bei der grenzgenialischen Ersinnung dieses Gipfels ausufernder Herrenphantasie zur Seite zu stehen. Zunächst muss folgende, weltbewegende Frage gestattet sein: Ist es möglich, die zwei markigen, auf den ersten Blick unvereinvar scheinenden Genre-Meilensteine „Missing In Action“ und „A Nightmare On Elm Street“ zu kombinieren und daraus etwas  völlig Neues zu kreieren? Ja, es ist, wie die momentan vor Selbstsicherheit srotzenden Briten antworten würden. Ja, es ist. Und wie es ist. Und was ist es, das man dazu braucht? Dan Haggerty, den Mann aus den Bergen (ohne Bär und Denver Pyle freilich), ein paar gute Freunde, eine Handvoll Dollars, ein kleines Waffenarsenal aus dem Vorgängerfilm, ein kalifornisches Wäldchen und 24 asiatische Kleinstdarsteller. Fertig ist die Laube. Dass mit solch augenscheinlich geringen Mitteln ein Kleinod des Billigfilms entstehen würde, hatten die Gebrüder Prior möglicherweise selbst nicht auf dem Schirm. Und dennoch: Die sich zunächst verschroben ausnehmende Idee, zwei Vietnam-Veteranen den Krieg nachträglich in der Traumwelt gewinnen zu lassen, funktioniert auf erstaunliche Weise und entgegen aller möglichen Ressentiments bravourös. Haggertys Rolle ist zwar, auch wenn er als bekanntester Darsteller an Platz 1 der Besetzung geführt wird, vollkommen überflüssig, O’Connor, Smith und Horton jedoch sind umso besser aufgelegt und mit Herz und Seele bei der Sache. Dass den Betrachter allenthalben unfreiwillige Komik und inszenatorische Unbeholfenheiten aus dem Kurs rupfen, ist der Natur der Sache geschuldet und verschmerzbar. Immerhin greift Prior sogar noch einem weiteren, phantastisch aufgearbeiteten Filmthema vorweg, dem der jenseitigen Erlösung nämlich, wie es später in „Flatliners“ ausgearbeitet werden wird, und schafft damit mancherlei poetische Augenblicke in diesem räudigen, kleinen Filmbastard. Die atmosphärische Synthie-Musik, im Besonderen das Hauptthema, erinnert stellenweise an Gary Numan und unterstützt die entrückte Bizarrerie dieses wohl unikalen Films nochmals vorzüglich.
Schön!

6/10

GHOST TOWN

„Time is all we got in Cruz Del Diablo…“

Ghost Town ~ USA 1988
Directed By: Richard Governor

Auf der Suche nach der durchgebrannten, hochzeitsflüchtigen Kate (Catherine Hickland) landet Deputy Langley (Franc Luz) mitten in der Prärie, in dem ausgestorben scheinenden Städtchen Cruz Del Diablo. Doch trotz seines verfallenen Äußeren verzeichnet Cruz Del Diablo noch immer einige Einwohner – Zwischenwesen, die seit über 100 Jahren an die Stadt gebunden sind und nicht ins Jenseits eintreten können. Verantwortlich dafür ist der Desperado Devlin (Jimmie F. Skaggs), der hier mit seinen Männern schaltet und waltet wie er will und dereinst den ihm gegenübertretenden Sheriff Harper (Blake Conway) blutig den Garaus gemacht. Harpers unruhiger Geist betraut nun Langley persönlich mit der Aufgabe, Devlin zur buchstäblichen Hölle zu schicken.

Der Indie ‚Empire‘ hat in den Achtzigern ein paar Genre-Kleinode produziert und/oder verliehen, von denen zwar nicht jedes zum lupenreinen Klassiker avancieren konnte, deren Ausstoß-Gros aber dennoch als liebevoll geklöppeltes Zeitwerk seine Tage überdauert hat. So auch „Ghost Town“, der auf einer Idee von David Schmoeller basiert, von Einmal-Regisseur Richard Governor (den Wiki als ‚Richard McCarthy‘ listet) inszeniert und von Mac Ahlberg photographiert wurde. Geballte Empire-Kreativität also, die sich in diesem vor allem atmosphärisch wertigen Fantasy-Horror-Western niedersetzt. Warum und wieso der böse Bandit Devlin als Zwischengänger das Städtchen Cruz Del Diablo in einem jenseitigen Zwischenstadium festhält, tut letztlich nichts zur Sache; vielmehr soll der Zuschauer den verwirrten Protagonisten Langley auf seiner merkwürdigen Reise ins Mysteriöse begleiten. Da erweisen sich seltsame Personen wie ein blinder Kartengeber (Bruce Glover) als Trugbilder und umgekehrt, präsentieren sich Geisterdamen auf sehnsüchtiger Suche nach körperlicher Zuwendung und können vermeintlich Tote, auf die mit modernen Waffen geschossen wurde, nicht sterben. Im Gegensatz zu seinen Mitgespenstern welkt und west nur Ganove Devlin dahin, was den Maskenbildnern Gelegenheit für sehr schöne Arbeit verschaffte. So kann „Ghost Town“, der glücklicherweise immerhin einen Triumph der Form darstellt, einzig ein Problem nicht verhehlen: Jenes nämlich, dass die von ihm erzählte Geschichte nicht über seine gesamte Laufzeit hin anzieht und es immer wieder ein paar hilflos anmutende Durchhänger zu beklagen gibt, denen selbst der emsige, später zum Co-Regisseur ausgerufene Ahlberg keine Abhilfe verschaffen kann. Als abgeschlossene Episode eines Horror-Serials wie „Tales From The Crypt“ oder „Amazing Stories“ wäre „Ghost Town“ somit mutmaßlich ebenfalls gut aufgehoben gewesen – dann hätte es aber wiederum sicher anderweitige Abstriche gegeben. Ist schon okay so, wie es ist.

6/10

COUNTERFORCE

„See you on the other side.“

Counterforce ~ USA/E/MEX 1988
Directed By: José Antonio de la Loma

Nachdem er sich an die Macht geputscht hat, übt der Diktator (Robert Forster) eines nordafrikanischen Staates ein Terrorregime aus, das natürlich besonders den US-Behörden ein Dorn im Auge ist. Doch auch der ursprünglich demokratisch gewählte Präsident Dr. Kassar (Louis Jourdan) würde den Despoten gern von hinten sehen. Grund genug für diesen, den im Exil auf den Balearen befindlichen Kassar öffentlich zu bedrohen und Killerkommandos auf ihn und seine Familie zu hetzen. Darauf reagiert wiederum Vince Colby (George Kennedy), Chef und Ausbilder der vierköpfigen Elitetruppe „Counterforce“, die zu Kassars Schutz abgestellt wird und alle Hände voll damit zu tun hat. Als schließlich Kassars Sohn (Josep Minguell) und Frau (Susana Dosamantes) gekidnappt werden, wird es ernst für die Counterforce…

Anti-Terror-Experten gehören zum Actionkino wie der Tabernakel zum Altar. Einen im Laufe der Jahre leider etwas aufmerksamkeitsvernachlässigten Vertreter dieses oftmals erquickenden Genrezweigs bildet J.A. de la Lomas auch unter dem schönen spanischen Titel „Escuadrón“ im Umlauf befindlicher „Counterforce“, der geradezu prophetisch den Arabischen Frühling herbeiparaphrasiert und nicht nur titulär deutliche Analogien zum Cannon-Kracher „The Delta Force“ aufweist. Für den mit einer eher schlichten Storyprämisse versehenen, dafür jedoch mit reichlich shootouts angefüllten Film konnten nämlich zwei Golan-Veteranen zum Klassentreffen bewogen werden – Robert Forster, diesmal (trotz fehlender Sonnenbrille) als mehr oder weniger offensichtliches Ghaddafi-Äquivalent zu bewundern und George Kennedy als in Ehren ergrauter Kommissopa, die allerdings leider keine gemeinsame Szene mehr abbekommen haben.
Aus dem gerade fünf Jahre alten Bond-Film „Octopussy“ geben sich Louis Jourdan und Kabir Bedi, vormals noch auf derselben Seite, heuer Todfeinde, ein neuerliches Stelldichein und der mexikanischstämmige Haudegen Hugo Stiglitz ist als gedungener Meuchelmörder im Dauereinsatz. Den Kern bilden jedoch die Titelhelden von der „Counterforce“: Vier beste Kumpels, von ihrem Chef gern, liebevoll und häufig als „Clowns“ bezeichnet und stets großmäulig an bleihaltiger Vollaction interessiert, erhalten ihre Gesichter von Jorge Rivero, Isaac Hayes, Andrew Stevens und Kevin Bernhardt, einer ebenso gut durchgemischten wie für den Aficionado sehenswerten Truppe ergo. Tatsächlich ist es vornehmlich seine illustre und gut aufgelegte Besetzung, die diesem Film sein warmes Leuchten verabreicht, weniger die nicht eben ausgegorene Dramaturgie. Im Prinzip gibt es eine permanente Wiederholungsschleife des immergleichen Ereignisses: Der sture Kassar und seine liberale Frau bestehen trotz dringlichsten Abratens ihrer Beschützer allenthalben darauf, ihre flammenden, öffentlichen Politreden zu halten, werden dann von der Gegenseite attackiert, die wiederum das (für ein Profiteam nebenbei reichlich inkompetent agierende) Counterforce-Quartett unter Beschuss nimmt. Da die entsprechenden Sequenzen jeweils reichlich bleihaltig und dynamisch daherkommen, versiegt die aufrechte Freude des Betrachters dennoch nie zur Gänze.

6/10