THE MASTER OF BALLANTREA

„We need money! It’s blood for our veins! It’s air for the lungs of us!“

The Master Of Ballantrea (Der Freibeuter) ~ USA 1953
Directed By: William Keighley

Schottland, 1745. Im Zuge des Jakobitenaufstands gegen den englischen König Georg II schließt sich der adlige Haudegen und Lebemann Jamie Durie (Errol Flynn) den Dissidenten an. Nach der Niederschlag der Rebellion bei der Schlacht von Culloden müssen Jamie und ein neugewonnener Freund, der Ire Francis Burke (Roger Livesey), vor den Rotröcken der Krone fliehen. Eine eifersüchtige Geliebte (Yvonne Furneaux) Jamies verrät die beiden jedoch und Jamie kommt beinahe zu Tode, im Fehlglauben, sein jüngerer Bruder Henry (Anthony Steel) wäre der Denunziant. Jamie und Francis gelingt die Seeflucht über den Atlantik, wo sie sich nahe der Karibik der Besatzung des Freibeuters Arnaud (Jacques Berthier) anschließen. Im Hafen von Tortuga erleichtert man gemeinsam den feisten Piratenkapitän Mendoza (Charles Goldner) um dessen stolze Galeone, doch Arnaud treibt ein doppeltes Spiel mit seinen neuen Gefährten. Es gelingt Jamie und Francis, Arnaud den Garaus zu machen und, nunmehr um reiche Beute beschwert, inkognito zurück nach Schottland zu reisen. Dort will Jamie mit seinem Bruder abrechnen und platzt vor Ort just in die Verlobungsfeier Henrys mit Jamies geliebter Cousine Lady Alison (Beartrice Campbell)…

Das Ende einer Ära: Der lose auf der gleichnamigen Abenteuergeschichte von Robert Louis Stevenson basierende „The Master Of Ballantrea“ ist zugleich der letzte Film von Flynns Hausregisseur William Keighley wie auch der letzte Film Flynns für Warner Bros., mit dem er aus einem über 18 Jahre währenden Exklusivkontrakt entlassen wurde. Der schöne Australier litt zu dieser Zeit bereits an einer ihn auch physisch zeichnenden Hepatitis und hatte allerlei Mühe, den von ihm wie eh und je geforderten Swashbuckler-Aktivposten zu bestreiten. So werden denn die meisten seiner Fechtduelle, Rennritte und Turnereien durch die Schiffswanten offensichtlich von Stuntmen übernommen, derweil ihm selbst immerhin noch die mit hochgezogenen Augenbrauen bestrittenenen Wortgefecht-Close-ups zwischen Liebeswohl und -wehe blieben. Roger Livesey als hero’s best buddy sorgt für die humorigen Dreingaben und ansonsten sind es erwartungsgemäß vor allem die in der Karibik spielenden Piratenszenen, die das zeitgenössische Technicolor voll zu Geltung bringen. Mit der ganz großen Flamboyanz von Flynns unsterblichen Abenteuerklassikern aus den dreißiger Jahren kann „The Master Of Ballantrea“ demzufolge nicht mehr ganz mithalten, dazu wirkt er dann doch allzu routiniert und im Angesicht der heraufdämmernden Scope- und VistaVision-Epen der kommenden Jahre auch allzu kleinmütig. Trotzdem bürgen auch in diesem Falle allein die aufgebotenen Namen noch für unabdingbare Qualität.

7/10

LOVE AND MONSTERS

„Don’t settle. You don’t have to. Even at the end of the world.“

Love And Monsters ~ CAN/USA/AUS 2020
Directed By: Michael Matthews

In Abwendung eines drohenden Meteoriteneinschlags schießt die Menschheit biochemische Raketen ins All. Der anschließende Fallout sorgt dafür, dass sämtliche kaltblütigen Tiere zu gewaltigen, fressgierigen Monstern mutieren und die Erdbevölkerung von diesen dann doch noch stark dezimiert wird. Die verbliebenen Überlebenden schließen sich zu Kolonien zusammen, die sich, stets auf der Hut vor den Kreaturen, in hermetisch abgeriegelten Verstecken verbarrikadieren. Sieben Jahre nach der Apokalypse lebt der Midtwen Joel (Dylan O’Brien), der einst seine Eltern verloren hat, als einziger Single bei einer Kolonie unterirdisch hausender, junger Leute und begnügt sich dort mit einem eher ereignislosen Dasein als Suppenkoch. Als er eines Tages per Funk seine frühere Freundin Aimee (Jessica Henwick) aufspürt, reift in ihm der Wunsch, zu ihr zu gelangen, um die alte Liebe neu zu entflammen. Schließlich macht er sich zu Fuß auf die gefährliche Reise durch die Monsterwelt und findet am Ende etwas ganz anderes, als er erwartet hätte…

Nachdem ich bereits drauf und dran war, „Love & Monsters“ nach den ersten Minuten, in denen er sich geriert wie eine postapokalyptische nerd comedy im Stil des fürchterlichen „Zombieland“, flugs abzuhaken, holte mich Michael Matthews zweite Feature-Regie dann doch noch amtlich ab und nahm mich mit sich auf seine liebenswerte Reise. Spätestens in dem Moment, in der Joel seinen Hund Boy trifft und fortan mit ihm durch Dick und Dünn geht, hatte das hübsche Fantasymärchen auch euren Chronisten auf seiner Seite, bekanntermaßen ja großer Hundeliebhaber und insofern daraufhin voll bei der Stange. Doch natürlich ist der prächtige Boy nicht die einzige Attraktion, mit der der in Australien on location formidabel photographierte „Love And Monsters“ aufzuwarten weiß. Die glücklicherweise nicht inflationär, sondern als wohltemperierte Höhepunkte gesetzten Monsterkreationen gestalten sich durchweg grandios und sind von einer herzerfrischenden Kreativität, wie man sie im entsprechenden CGI-Bereich so selten findet. Dass die Viecher, zu denen man weitestgehend auch einen lädierten, Joel im Mittelteil über eine emotionale Durststrecke hinweghelfenden Roboter zählen kann, dann auch keinesfalls eindimensional, sondern sogar regelrecht nuanciert charakterisiert werden, zeugt von der gemeinhin recht anthroposophischen Weltsicht, die der Film trotz seines oberflächlich fatalistischen Themas zu transportieren schafft. Er liebt mit Ausnahme von den paar obligatorischen Bösewichtern am Ende seine menschlichen und tierischen Figuren und sogar seine Ungeheuer durch die Bank und setzt dem Zynismus der meisten Endzeitfilme damit ein geradezu kontrapunktives Signal. Auf blutige Details verzichtet „Love And Monsters“ dabei trotz deren eigentlich naheliegender Verwendung beinahe vollkommen und bietet sich somit gar als lohnenswertes Programm für etwas reifere Kinder an. Mein 9- oder 10-jähriges Ich hätte er jedenfalls zu frenetischen Begeisterungsstürmen hingerissen, doch auch die Fantasie im reiferen Manne kommt durchaus zu ihrem abenteuerlustigem Recht.
Dass Matthews – ob nun bewusst oder nicht – ganz nebenbei ein gar nicht mal so sehr auf den Kopf gestelltes Remake von Rob Reiners immergrünem Coming-of-Age-Klassiker „The Sure Thing“ liefert, welches aus Daphne Zunigas damaligem Part kurzerhand einen Australian Kelpie macht, ist ein weiterer Bonus dieses unerwartet schönen Films. Two thumbs up.

8/10

THE NORSEMAN

„Row!“

The Norseman ~ USA 1978
Directed By: Charles B. Pierce

Im 11. Jahrhundert segelt der Wikinger Thorvald (Lee Majors) mit einigen tapferen Mannen über den Atlantik, um die Spur seines bereits vor längerer Zeit übergesetzten Vaters, des Königs Eurich (Mel Ferrer), zu verfolgen. Die Reise wird schriftlich dokumentiert von Thorvalds jungem Bruder Erik (Chuck Pierce Jr.). An der fremden Küste angelangt, tauft Thorvald die unbekannten Gestade „Vinland“. Flugs werden die rauen Nordmänner von den feindlich gesinnten Ureinwohnern mit Pfeil und Bogen attackiert. Trotz des ungemütlichen Empfangs beschließt Thorvald, eine nahe Flussmündung hinaufzusegeln. Wie sich herausstellt, hat der fremde Stamm König Eurich und einige seiner Expeditionsteilnehmer gefangen genommen und geblendet. Winetta (Susie Coelho), ein bei dem eifersüchtigen Häuptling Kiwonga (Jerry Daniels) in Ungnade gefallenes Mädchen, hilft Thorvald, die Arretierten zu befreien.

„The Norseman“, für Sam Arkoffs A.I.P. und von Hauptdarsteller Lee Majors co-produziert, bildet gewissermaßen das bucklige Stiefkind in Charles B. Pierces Œuvre als Regisseur. Inmitten seiner ausgesprochen schönen (Indianer-)Western-Tetralogie quasi als deren verstoßener Bastardsohn entstanden, frönt Pierce darin scheinbar reuelos einer recht käsig anmutenden Camp-Attitüde, die man aus seinen sonstigen Arbeiten dieser Schaffensphase in dieser Form nicht kennt. Zwar sind auch etliche von Pierces üblichen standards enthalten – zu nennen wären da einige seiner gewohnten Ensemble-Mitglieder wie Jack Elam und Jimmy Clem, die für jene Hollywood-Phase eher den großen Studiofilmen vorbehaltene Panavision-Breitwand-Photographie, der Einsatz eines Kindes (wie gehabt gespielt von Pierces Filius Chuck Jr.) in einer elementaren Rolle und die an Peckinpah angelehnten SloMo-Montagen – was jedoch überaus unüblich daherkommt, sind oftmals unfreiwillig komisch bis albern gestaltete Scriptpassagen und insbesondere die mangelnde Sorgfalt und Oberflächlichkeit im Zuge der Figurenzeichnungen, die unwillkürlich den Eindruck hinterlassen, als habe Pierce sich das Ganze mal eben zwischen zwei Gläsern Bourbon aus den Fingern gesogen. Die natives, sonst ja durchaus Pierces Sympathieträger, fungieren in „The Norseman“ mit einer Ausnahme einzig als Stichwortlieferanten für wechselseitig aufgebauschte Aggressionen und sehen alle erschreckend uniform aus mit ihren gelben Lendenschürzchen. Ähnliches gilt für die Wikinger; insbesondere über Majors mit feinrasierten Schnurbärtchen in der Titelrolle wurde sich zurecht schon mannigfaltig mockiert. Einen weiteren Gipfel der fimemacherischen Letharfgie erreicht Pierce schließlich, indem er seinem Publikum das sonnenverwöhnte Florida als raues Neufundland anzudrehen trachtet.
Es empfiehlt sich in Anbetracht all dessen, „The Norseman“ (wie in meinem Falle auch) mit gebührlichem Abstand zu seinem ansonsten weitaus beseelteren Werk jener Ära, nominell des kleinen Meisterwerks „The Winds Of Autumn“, anzusehen, um nicht ziemlich rüde aus der ansonsten durchaus obligatorisch zu nennenden Qualitätsarbeit dieses Ausnahme-Auteurs herausrupfen zu lassen.

4/10

ZACK SNYDER’S JUSTICE LEAGUE

„I’m not broken. And I’m not alone.“

Zack Snyder’s Justice League ~ USA/UK 2021
Directed By: Zack Snyder

Steppenwolf (Ciarán Hinds), ein kriegerischer Halbgott von der dem puren Bösen anheim gefallenen Welt Apokolips, will sich nach früherer Verstoßung infolge allzu eigenmächtigen Verhaltens wieder bei seinem Herrn und Meister Darkseid (Ray Porter) einschmeicheln und fällt zu diesem Zwecke mit seinen fliegenden Paradämonen auf der Erde ein. Hier lagern nämlich seit Urzeiten drei Mutterboxen, lebende Computer, die sich nach äonenlangem Schlaf just reaktiviert haben und die den Schlüssel zur von Darkseid ersehnten „Anti-Lebens-Gleichung“ in sich tragen. Bruce Wayne (Ben Affleck) ahnt um die drohende Gefahr und schart mit der Amazon-Prinzessin Diana (Gal Gadot), dem Atlanter-/Mensch-Mischling Arthur Curry (Jason Momoa), dem superschnellen Barry Allen (Ezra Miller) und dem Cyborg Victor Stone (Ray Fisher) vier Mitstreiter um sich, die den einfallenden Horden die Stirn bieten und die Erde möglicherweise retten können. Schon bald wird dem ungleichen Quintett klar, dass selbst seine geballte Macht nicht gegen Steppenwolf ausreicht und die Idee reift, den im Kampf gegen Doomsday getöteten Kal-El (Henry Cavill) wieder zum Leben zu erwecken. Nachdem der Plan gelingt und der zunächst amnesische, letzte Kryptonier wieder zu Sinnen gekommen ist, zieht man gemeinsam in die Schlacht gegen die bösen Aliens.

Ob die letzten Endes nun doch in Erfüllung gegangene Existenz von „Zack Snyder’s Justice League“ wirklich das Resultat unbeugsamen Fan-Engagements ist oder lediglich ein cleverer Schachzug von Warner und DC, deren noch jungen Bezahlsender HBO Max zu lancieren und die stiefmütterlich verschmähte, nach Snyders (durch bekannte, tragisch-persönliche Gründe erfolgtem) Ausscheiden von Joss Whedon fertiggestellte Kinoversion nachträglich zu amnestieren, wissen vermutlich nur die New Gods.
Wie dem auch sei, ich fand „Justice League“ nicht so übel, wie er allerorten gehandelt wurde, mir gefielen die kunterbunten, saturierten Leuchtfarben des vormaligen Finales durchaus, wenngleich die Zäsur zu den von Snyder ja auch als Vorbereitungsfilme inszenierten „Man Of Steel“ und „Batman V Superman: Dawn Of Justice“ schon überdeutlich wurde. Dass Snyder bei seinen DC-Superhelden-Adaptionen eher auf Bierernst und existenzialistische Schwere setzt, war ja längst offenkundig und dazu mochte Whedons in der von ihm verantworteten Postproduktion umgepolter Karneval nicht wirklich passen. Nun also Snyders eigene, prononciert epische Version, die nicht nur für ein hörbares globales Aufatmen der dedizierten Fangemeindesorgte, sondern auch in manch anderer Hinsicht als große Wiedergutmachung gekränkter Befindlichkeiten fungiert (dafür, dass ich selbst zur zeitgenössisch sogar zweimal betrachteten Erstfassung keinen Text verfasste, gibt es übrigens keinen veritablen Grund außer mutmaßlich jenen, dass es mir an Zeit und/ oder Inspiration gefehlt haben wird). „Zack Snyder’s Justice League“ ist, alles andere zu behaupten wäre jawohl auch albern, tatsächlich besser als die von der naseweisen Netz-Intelligenzia abschätzig als „Josstice League“ bezeichnete Whedon-Version, aus naheliegenden Gründen. Nicht zuletzt die um das Doppelte verstärkte Erzählzeit gewährt dem Ganzen zunächst eine sehr viel komplexere und umfassendere Herangehensweise, was sich insbesondere in der Charakterisierung der Figuren niederschlägt. Die bislang ja ohne „eigene“ Filme auskommen müssenden Barry Allen und Victor Stone erhalten nun wesentlich plastischere Hintergründe, die jeweils in unterschiedlich geprägten Vater-/Sohn-Konflikten wurzeln und die ihnen inhärente Tragik (insbesondere im Falle des letzteren) deutlich nachvollziehbarer machen. Während vor allem Flash in Whedons Schnittfassung zu einem, um den unausweichlichen MCU-Vergleich zu ziehen, flapsig-spaßigen Spider-Man-Youngster frisiert wurde (nebenbei eine Wandlung, die zu seiner originären Comic-Persona als eher biederem Polizeiwissenschaftler überhaupt nicht passen wollte), gestattet der Snyder-Cut sich einige schöne bis nachgerade poetisch inszenierte Augenblicke um den Blitzflitzer. Mögliche künftige Helden wie der Martian Manhunter (Harry Lennix) oder Ryan „Atom“ Choi (Ryan Zheng) können eingeführt werden und Darkseid, der im DC-Universum das Gegenstück zu Marvels Thanos darstellt, erhält nun wesentlich mehr Raum. Ein neuer Score (von Junkie XL statt Danny Elfman) erklingt, diverse fomale (Kadrage-Verschmalung auf das 4:3-IMAX-Format, merkliche Ausdünnung der Farb- und Kontrastpalette) und kosmetische (Supermans Dress ist jetzt der schwarze aus der „Return“-Comic-Strecke von 1993) Modifikationen brechen sich Bahn. Zudem findet ein großzügiger Epilog Platz, der auf das hinweist, was Snyder für die zunächst geplanten „JL“-Sequels vorschwebte; Darkseids künftige Eroberung der Erde und Supermans Hinwendung zur Dunklen Seite, die, wie in einem wohlbewussten Vorbild, am Ende nurmehr durch eine Rückreise in der Zeit ungeschehen gemacht werden kann. Da ja irgendwie nun doch alles möglich ist, werden wir vielleicht in ein paar Jahren auch noch jener Vision(en) ansichtig. Das Durchhaltevermögen hartnäckiger Geeks stirbt zuletzt.

8/10

GODZILLA VS. KONG

„He sure knows how to move.“

Godzilla Vs. Kong ~ USA/AUS/CAN/IN 2021
Directed By: Adam Wingard

Nachdem man eigentlich der vertrauensvollen Überzeugung war, Godzilla sei ein Freund der Menschheit, greift der Urzeittitan plötzlich einen Florida-Standort des Multis „Apex Cybenertics“ an und zerstört diesen. Während Madison Russell (Millie Bobby Brown) gemeinsam mit ihrem Kumpel Josh (Julian Dennison) und dem etwas wirren Whistleblower Bernie Hayes (Brian Tyree Henry) der Ursache für Godzillas unerwartetes Verhalten auf die Spur kommen will, engagiert der Apex-Kopf Walter Simmons (Demián Bichir) den Hollow-Earth-Theoretiker Nathan Lind (Alexander Skarsgård) für eine Expedition in die unerforschte „Innenerde“. Dort soll nämlich eine gewaltige Energieressource lagern, die die Menschen, so Simmons‘ fadenscheinige Erläuterung, für sich nutzen könnten. Um in die Hohlwelt vorzudringen, deren Eingang in der Antarktis liegt, benötigt man jedoch auch Kong, der auf seiner Insel Skull Island von Monarch abgeschirmt wird, unter permanenter Beobachtung steht und lediglich mit dem kleinen Iwi-Mädchen Jia (Kaylee Hottle) kommuniziert. Lind überredet seine alte Kollegin Ilene Andrews (Rebecca Brown), Kong zu sedieren und zum Südpol zu schaffen. Doch wie befürchtet wittert Godzilla den nunmehr unter freiem Himmel befindlichen Riesenaffen und greift diesen nebst der Monarch-Tankerflotte mitten auf dem Pazifik an. Das erste Duell geht zugunsten des in seinem Element befindlichen Urweltmonsters aus, doch immerhin kann Kong zum Zielpunkt der Reise geschafft werden. Nach seinem Trip in die Innenerde „königlich“ gestärkt kommt es zu einem weiteren Kampf zwischen Kong und Godzilla in Hong Kong, wobei letzterer nicht ahnt, dass er in Kürze die Hilfe seines alten Erzgegners gegen eine noch gewaltigere Bedrohung benötigen wird…

Rein inhaltlich ist das alles erstmal viel Geraune um nichts, denn, soviel ist kein Geheimnis, es geht doch einzig und allein um das spektakuläre Aufeinandertreffen der beiden Supermonster und wie sie sich möglichst effektgesäumt durch unterschiedliche Szenarien prügeln. Knapp fünf Jahrzehnte nach Ishirô Hondas „Kingo Kongu Tai Gojira“ bildet „Godzilla Vs. Kong“ nun also den zweiten Kino-Clash der Titanen und gleichermaßen jenen (ersten?) Höhepunkt, auf den das Legendary-MonsterVerse von Beginn an zusteuerte. Ich muss gleich voranstellen, dass ich selbst auf ganzer Linie zum „Team Kong“ gehöre, da mich mit den japanischen Kaiju-Filmen bis auf wenige Ausnahmen nie wirklich viel verband, der gute Monstergorilla derweil mir jedoch bereits seit frühen Kindertagen eine Menge bedeutet.
Als vierte Installation des MonsterVerse-Franchise ist Adam Wingards Film zugleich bisher der gelungenste. Die Gründe dafür sind mehrgestaltig. Zunächst verzichtet man hier zugunsten von lockerem Humor und sanfter Ironie auf die eherne Düsternis, die die beiden „Godzilla“-Filme von Gareth Edwards bzw. Michael Dougherty sich zueigen machten und die, besonders im Falle des Sequels, letztlich ziemlich ins Leere lief. Mit Ausnahme des Original-„Gojira“ transportierten die Toho-Filme ja auch stets eine ihnen bald wesentlich inhärente Infantilität, zu der die Verquickung aus Ur-Mythologie und capitalistic fiction nicht recht passen mochte. Adam Wingards Ansatz ist da schon wesentlich mehr fanboy-like. Er konzentriert sich auf eine mit knallig bunten Farben gesäumte Bebilderung der versprochenen Monsteraction, verzichtet dabei ganz bewusst auf offensichtliche, tendenziöse Sympathisierungen mit einem der beiden Titel-„Helden“ (um ja keine Fraktion gegen sich aufzubringen) und liefert kleine Reminiszenzen an das unübertroffene „King Kong“-Original und dessen erstes Remake, was ihn dann wahrscheinlich doch als heimlichen Hauptverehrer des haarigen Megaprimaten ausweist. Die pure kindliche Freude an der Option, nach diversen Indie-Genrearbeiten einen solchen Big-Budget-Blockbuster verantworten zu dürfen, spürt man Wingard jedenfalls rundheraus an. Er meistert es zudem halbwegs zuverlässig, die zwangsläufig als solche dastehenden Füllsequenzen um das nerdige Trio und die zu bloßer Staffage verdammten übrigen menschlichen Figuren nicht vollends der Bedeutungslosigkeit zu überantworten. Und: zu guter Letzt genießt Wingard es offenkundig, dem archetypischen Kinonimbus „Kong“ nun auch genealogisch seinen „King“ (zurück-)verehren und ihm mit der Hollow Earth gleich noch sein angestammtes, wahres Königreich verleihen zu dürfen. Jenes, davon darf man wohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgesehen, werden wir nicht zum letzten Mal besucht haben.

7/10

MORTAL

„Fire“

Mortal ~ NO/USA/UK 2020
Directed By: André Øvredal

Ein junger Amerikaner namens Eric (Nat Wolff) zieht einsam, halbverwildert und obdachlos durch die norwegische Provinz. Ein Zwischenfall mit ein paar jugendlichen Bullys führt dazu, dass einer von ihnen (Arthur Hakhalati) auf geheimnisvolle Weise zu Tode kommt. Eric landet auf der nächsten Polizeiwache, wo sich die Psychologin Christine (Iben Akerlie) zunächst erfolgreich um sein Vertrauen bemüht. Während bereits der US-Geheimdienst, repräsentiert durch die besorgte Agentin Hathaway (Priyanka Bose), längst auf Eric aufmerksam geworden ist und ihn in Gewahrsam nehmen will, scheitern entsprechende Versuche – Eric setzt das Polizeirevier in Brand und bringt anschließend einen Helikopter zum Absturz. Wiederum sucht er Christine auf, um mit ihrer Hilfe das Geheimnis um die in ihm schlummernden, übernatürlichen Gewalten zu ergründen, die Verfolger stets auf den Fersen…

Ein wenig wie eine Abrechnung in eigener Sache kommt mir Øvredals fünfte Langfilm-Regiearbeit vor, als habe der Norweger versucht, einen zu seinem ganz persönlichen Leidwesen durch die Mainstreamkultur vulgarisierten Mythos heimzuholen. Der aus der nordischen Göttermythologie stammende Gott Thor, Sohn des asgardianischen Göttervaters Odin, Herr über Blitz und Donner sowie Beschützer der Menschenwelt Midgard, ist dem jüngeren globalen Publikum vor allem durch seine Inkarnation in den Marvel-Filmen des MCU, gespielt von Chris Hemsworth, bekannt. Darin gestaltet sich der altehrwürdige Nimbus der germanischen Gottheit zunehmend als comic relief; spätestens seit Taika Waititi den dritten nominellen „Thor“-Film (der vierte ist just in Arbeit) als buntes, selbstironisches Spektakel inszenierte und der Donnergott hernach zum biertrinkenden, fetten Konsolespielfan mit Dreadlocks mutierte, derweil die allermeisten seines ehrwürdigen Geschlechts Ragnarök zum Opfer gefallen waren, schien es endgültig vorbei mit der jahrtausendealten Hochachtung.
André Øvredal scheint diese Entwicklung nunmehr zumindest ein klein wenig umkehren zu wollen. Wie schwer es die alten Götter spätestens in der gegenwärtigen Zeit, eigentlich jedoch beginnend mit der Erschließung der Neuen Welt haben, wissen wir bereits seit Neil Gaimans „American Gods“. In „Mortal“ schickt sich nun ein junger, norwegischstämmiger US-Amerikaner an, dem unwiderstehlichen Ruf zu seinen Wurzeln zu folgen und erweist sich, auf dem Grund und Boden seiner Vorväter angelangt, als niemand Geringerer denn die Reinkarnation Thors selbst. Da jedoch aller Anfang schwer ist, begreift er zunächst weder, was mit ihm geschieht, noch welche Bedeutungen die sich immer konkreter manifestierenden Visionen der Weltenesche Yggdrasil vor seinem geistigen Auge besitzen. Seine ungeheure Macht kann Eric zunächst nicht kontrollieren, zudem fehlt ihm sein obligatorischer Hammer Mjölnir, der ja gewissermaßen auch als Katalysator seiner Kräfte fungiert. Und da der moderne Mensch, oder zumindest seine regierenden Repräsentanten und Machthaber, seine alten Götter mit Füßen zu treten pflegt, steht die nahende Katastrophe nicht lange aus. Øvredals Eric-Thor steht insofern auch in der Tradition von De Palmas Filmfiguren Carrie White und Gillian Bellaver (bzw. der kleinen Charlie McGee aus Mark Lesters King-Adaption „Firestarter“), deren Fähigkeiten wahlweise nicht erkannt und nicht ernstgenommen wurden oder missbraucht werden sollten, was sie jeweils mittels mörderischer Ausbrüche der ihnen inneschlummernden Gewalten quittierten. Die Reise bis zu jenem sich leider im Off ereignenden Ein-Mann-Kataklysmus nimmt sich teils irrwegig und teils einfältig aus, stellt jedeoch einmal mehr eine Hommage an das phantastische Kino der achtziger Jahre dar, in dem es ja ebenfalls häufig um die Flucht vor begriffsstutzigen, staatlichen Autoritäten ging. So ist das eigentliche Potenzial, das „Mortal“ birgt, durchaus präsent, wird aber nie zur Gänze eingelöst, was vielerlei Ursachen haben mag – ein zu geringes Budget für die tatsächliche Vision vielleicht; möglicherweise mangelndes Entscheidungsvermögen, welche Richtung „Mortal“ schlussendlich einschlagen sollte. Am Ende bleibt ein im Ansatz interessanter Film und die sich nach „Scary Stories To Tell In The Dark“ abermals einstellende Mutmaßung, dass die Qualität von Øvredals Arbeit abhängig von der Auswahl seiner Stoffe steht und fällt.

5/10

GRIZZLY II: REVENGE

„Devil-Bear must die!“

Grizzly II: Revenge ~ USA 1983
Directed By: André Szöts

Nachdem Wilderer ein Bärenjunges erschießen und dessen Mutter verwunden, geht selbige auf einen Rachefeldzug gegen die gerade zufällig im betreffenden Nationalpark befindlichen Vertreter des Menschengeschlechts. Dummerweise findet unweit des bärigen Amoklaufs ein Pop-Festival statt, dass die karrieregeile Mitorganisatorin Eileene Draygon (Louise Fletcher) keinerlei Interesse hat, abzusagen. Ranger Nick Hollister (Steve Inwood) kann schließlich gemeinsam mit der Wildhüterin Samantha Owens (Deborah Raffin) und dem Grizzlyjäger Bouchard (John Rhys-Davies) der Bestie den Garaus machen.

Eine besonders obskure Fußnote filmgeschichtlicher Apokryphen bildet das nominelle, in Ungarn gefilmte Sequel zu William Girdlers „Jaws“-Rip-Off „Grizzly“, das seinerseits sieben Jahre zuvor zumindest einen gesetzten kommerziellen Erfolg verbuchen konnte. Der nun wiederum Michael Andersons „Orca“ fleddernde „Grizzly II“, der neben dem jüngst aus der Taufe gehobenen „Revenge“ als Untertitel wahlweise auch „The Predator“ und „The Concert“ trägt, erlebte zunächst eine abenteuerliche bis irrwitzige Produktionsgeschichte (die wohl unbedingt selbst einer filmischen Aufbereitung wert wäre), bevor er dann zunächst unvollendet für lange Jahre in der Versenkung verschwand und sich seither eines gewissen Legendenstatus versicherte. Ab 2006 kursierte eine Workprint-Fassung im Netz, die ob ihrer nebulösen Qualität allerdings kaum anschau- geschweige denn genießbar ist, bis just die Produzentin Suzanne S. Nagy in Kooperation mit dem Kleinstlabel „Gravitas Ventures“ der ganzen Geschichte zu einem vorläufigen, mäßig glücklich verlaufenen Ende verhalf.
Da der ursprüngliche Film lediglich als Fragment existierte und nur rund sechzig Minuten an verwertbarem Material übrig waren, „ergänzte“ Nagy das verbliebene Gerippe um ein paar Segmente aktuellen Datums, die sich nicht nur infolge ihrer HD-Auflösung jeweils natürlich hervorragend identifizieren lassen. Dazu gehören Naturpark- und Tieraufnahmen sowie Sprengsel von Konzertbesuchern und sogar einem Pop-Duett nebst Songdarbietung. Von der marodierenden Grizzly-Mutter selbst gab es überhaupt keine Shots, da die Effekte eigentlich erst via post production eingefügt werden sollten, was jedoch nie geschah. Dies geschah nun mittels wiederum sehr unrühmlicher Hilfsmaßnahmen in Form eines animatronischen Bärenkopfes aus dem Märchenpark, der dann immerhin lediglich im Showdown für ein paar Male sichtbar wird.
Das nun vorliegende Resultat, ein eklektisches, mehr denn sonderbar anmutendes Fresko aus notdürftig Verfügbarem, eine Art sensuelle wie vorsätzliche Abfall-Installation gewissermaßen, ist als überfälliger Schlussstrich unter dem Kapitel „Grizzly II“ einerseits zu begrüßen, geriert jedoch andererseits die zu erwartende Enttäuschung.
Positiv hervorzuheben wäre, dass das alte Filmmaterial endlich ansprechend aufbereitet wurde und dessen Überführung ins digitale Zeitalter absolut sauber vonstatten ging. So wird man in aller gebotenen Schärfe der wirklich unglaublichen Besetzung ansichtig; George Clooney, Laura Dern und Charlie Sheen, die als sorglos campendes Teenie-Trio gleich als erste der Grizzly-Mutti zum Opfer fallen [wobei stets deutlich bleiben sollte, dass keine einzige Attacke und auch annähernd kein dazugehöriger (Nach-)Effekt onscreen zu sehen ist] und mit denen die Blu-ray trotz minimaler screen time prominent wirbt, später dann noch eine ganze Riege mehr oder minder gestandener, berühmter Gesichter. Den denkwürdigsten Auftritt verbucht John Rhys-Davies, der sich nonchalant in Lex Barkers alte Old-Shatterhand-Wildlederfransenjacke quetscht und dazu mit pseudofranzösischem Akzent permanent von sich selbst in der dritten Person dahersalbadert wie ein völlig Imbeziler.
Dann wären da die Festival-Szenen, gesäumt von tatsächlich unsäglichen popmusikalischen Acts aus der hinterletzten Reihe (darunter eine ungarische ProgRock-Combo bestehend aus Über-Fünfzigjährigen), deren Songs teils sogar mehrfach gespielt werden und die buchstäblich durchlitten werden wollen, ein Finale, das keines ist und der philosophische Diskurs, ob eine rachsüchtige Bärenmutter nicht dasselbe Recht auf Selbstjustiz hat wie jeder Mensch. Wie gern hätte ich jene Bärin, die so knapp sechs Meter messen soll, doch einmal gesehen, so „richtig“, meine ich, nicht als Notbehelf. Doch dieser letzte Wunsch muss unerfüllt bleiben.
Die obligatorische Punktwertung erspare ich mir und euch heute, denn eine solche kann es in diesem speziellen Fall, der derart durchzogen ist von diametralen Gegensätzen zwischen „unwägbar“ und „dankeschön“, nun wirklich nicht geben.

SANDS OF THE KALAHARI

„The gun makes the king, and the king gets the girl.“

Sands Of The Kalahari (Die Verdammten der Kalahari) ~ UK/USA 1965
Directed By: Cy Endfield

Weil ihr Anschlussflug von Windhoek nach Johannesburg ausfällt, nimmt eine kleine Gruppe von Passagieren eine Chartermaschine. Diese gerät während der Wüstenüberquerung in einen Heuschreckenschwarm und stürzt ab. Die sechs Überlebenden – der Pilot Sturdevant (Nigel Davenport), der Säufer Bain (Stanley Baker), die junge Engländerin Grace Monckton (Susannah York), der freundliche Dr. Bondarahkai (Theodore Bikel), der alternde Veteran Grimmelman (Harry Andrews) sowie der knapp vorm Start zugestiegene Jäger O’Brien (Stuart Whitman) – machen sich auf den beschwerlichen Weg durch die Ödnis. Zunächst finden sie ein kleines Felsmassiv, in dem es eine Quelle und Früchte, aber auch eine Horde Paviane gibt. Nachdem Sturdevant sich Grace unsittlich und erfolglos nähert, zieht er es vor, weiterzuziehen um Hilfe zu holen. Die übrigen Fünf richten sich so gut es geht ein, entwickeln in Anbetracht ihrer desolaten Situation jedoch ganz eigene Überlebensstrategien. Vor allem O’Brien, in dem zunehmend unkontrollierte Aggressionen keimen, verfolgt ein regelrecht darwinistisches Konzept…

Gleich nach seinem spannenden Kriegs- und Belagerungsepos „Zulu“ zog es Cy Endfield abermals nach Afrika, um diesmal ein Survival-Drama vor staubiger Wüstenkulisse zu inszenieren. Die ebenso involvierende wie enervierende Plotprämisse teilt sich „Sands Of The Kalahari“ mit Robert Aldrichs nahezu zeitgleich hergestelltem „The Flight Of The Phoenix“, folgt dann aber rasch gänzlich anders gelagerten Topoi. Während es in „Phoenix“ primär darum geht, wie sich die (ausschließlich aus Männern bestehende) Gruppe gemeinsam aus ihrer misslichen Lage befreit, beleuchtet „Sands“ mittels wesentlich psychologischeren Werkzeugs die vorübergehende Funktionalität eines praktisch hermetischen, abgeschnittenen und zudem konfliktanfällig besetzten Mikrokosmos. Ein zusätzlich pikantes Element ergibt sich durch die „Dreingabe“ einer weiblichen Protagonistin, deren Rolle fünfündfünzig Jahre später allerdings sehr kritisch eingeordnet werden muss. Aus dem eingeschränkten Pool verfügbarer Sexualpartner wählt Grace – quasi wie auf Bestellung – den zum Überleben am besten ausgestatteten O’Brien, verfügt jener doch über allerlei überzeugende Attribute: ein Jagdgewehr und Muskeln, er bleckt stolz seinen imposanten, nackten Oberkörper und beginnt alsbald ebenso brutal wie sadistisch, die zunächst friedlichen Paviane zu dezimieren. Dass aus der archaischen Degeneration O’Briens alsbald eine handfeste Psychose erwächst, kann Grace freilich nicht voraussehen: Der evolutionär bestimmte Darwinismus greift in Anbetracht zivilisierter Gesellschaftsmitglieder nicht mehr. O’Brien wird zum Mörder, dessen man sich notgedrungen erwehren muss. Mit der Schlussszene, in der sich die äonenalte Natur dann gewissermaßen selbst wieder zurechtrückt, schafft Endfield ein wunderbar symbolträchtiges Finalbild.
„Sands Of Kalahari“, der schon im zeitgenössischen Kontext Schiffbruch bei der Kritik und an der Kasse erlitt, lohnt bei aller zurecht zu bemängelnden Misogynie unbedingt die Wiederentdeckung, denn ebenso wie er es versäumt, der einzigen Frau des Films eine differenziertere Charakterisierung zu verschaffen, nimmt er maskuline Rollenklischees und blinden Machismo aufs Korn. Dass die Besetzung schlussendlich die wurde, die sie nun ist, verdankt der Film gewissermaßen manch schicksalhafter, im Nachinein glücklich zu nennender Fügung: Man stelle sich vor, Susannah Yorks Part wäre wirklich von Elizabeth Taylor und O’Brien von den ursprünglich designierten Richard Burton oder George Peppard gespielt worden – das Resultat hätte sich vermutlich selbst der Lächerlickeit preisgegeben.

8/10

ZARAK

„Take my son and flog him to death!“

Zarak (Zarak Khan) ~ UK/USA 1956
Directed By: Terence Young

Um die vorletzte Jahrhundertwende, im Grenzgebiet zwischen Indien und Afghanistan: Hier treibt der gefürchtete Bandit Zarak Khan (Victor Mature) sein Unwesen mitsamt seiner wilden Horde aus Galgenstricken. Einst von seinem Vater wegen seiner Liebe zu dessen schöner Nebenfrau Salma (Anita Ekberg) verstoßen, lebt Zarak seither als Outlaw, der durchziehende Karawanen oder Viehhirten ausraubt, mit Vorliebe jedoch die britischen Kolonialisten. Mit dem englischen Offizier Ingram (Michael Wilding) erhält Zarak einen erbitterten Gegner. Immer wieder kommt es zu Zusammenstößen der beiden Widersacher, die Zarak meist mit der ihm eigenen List und Tücke für sich entscheidet. Mit dem Plan, den machthungrigen Ahmad Khan (Peter Illing) gegen Ingrams Garnison auszuspielen, verhebt sich Zarak aber schlussendlich.

Ein Gangsterepos am Hindukusch inszenierte Terence Young als zweiten Abenteuerfilm mit dem zu jener Zeit vornehmlich in England arbeitenden Victor Mature in der Hauptrolle gleich nach „Safari“ und wiederum für die Warwick Film. Diesmal ging es also in das krisengeplagte Ostindien; als Protagonisten wählte man eine authentische Figur, versetzte diese jedoch in ein alternatives historisches Setting und ging mit deren Biographie auch sonst überaus freigiebig um. Der echte Zarak Khan war zwischen den 1920ern und 1940ern aktiv, zog ebenfalls vornehmlich gegen die westlichen Besatzer ins Feld und kämpfte im Zweiten Weltkrieg, nachdem er sich der Krone ergeben hatte, sogar für die Briten und gegen die Japaner in Burma. Soviel Komplexität mochte man Youngs hübsch campigem Anderthalb-Stunden-Eskapismus dann doch nicht zumuten und beschränkte sich stattdessen auf eine lose zusammenhängende, episodische Schilderung von Zaraks Streichhöhepunkten, die sich immer wieder von kleinen Schäferstündchen zwischen Mature und der als wollüstige Tänzerin besetzten Anita Ekberg unterbrochen finden. Die teils durchaus beeindruckenden Massen- und Kampfszenen können ebensowenig darüber hinwegtäuschen, dass sich „Zarak Khan“ en gros alles andere als perfektionistisch aufstellt: Die Zeichnung der muslimischgläubigen Einheimischen als ebenso zurückgebliebene wie verschlagene Barbaren im Schatten des zivilisierten Commonwealth gibt sich offen rassistisch; Matures Stuntdouble ist mehrmals unverschämt groß im Kamerafokus und als solches problemlos erkennbar; die Unentschlossenheit zwischen Schelmenstück und pathetisch-religiös verbrämtem Heldenepos schließlich spiegelt die ganze Ambivalenz des Projekts wieder. Einige spätere Verantwortliche der Bond-Serie arbeiteten daran übrigens bereits zusammen: Neben Regisseur Young waren das Albert R. Broccoli als Produzent und Richard Maibaum als Autor.
Dass „Zarak Khan“ aller berechtigten Kritik zum Trotz mancherlei Vergnügen bereitet, liegt vorenehmlich an der unbeirrten Flamboyanz, mit der Produktionen wie diese in den Fünfzigern ihre im Grunde zutiefst sleazige Agenda dem Publikum anzudienen pflegten; so naiv und intellektuell schwachbrüstig jene aufwendig gefertigten Filme dastanden, so unerschütterlich war ihr Glaube an sich selbst und die Treue des Publikums.

6/10

KIM

„The sky is the same color wherever you go.“

Kim ~ USA 1950
Directed By: Victor Saville

Indien in den 1890ern. In den Slums von Lahore schlägt sich Kim (Dean Stockwell), ein irischstämmiger Waisenjunge, mit allerlei Keckheit und Finesse durchs Straßenleben. Stark angepasst an die landeseigene Kultur spielt sein Erbe als Sohn weißer Eltern nurmehr eine untergeordnete Rolle für ihn. Zwei besondere Freundschaften zu erwachsenen Männern bestimmen bald seine künftige Existenz: Die zu dem rotbärtigen, für die Briten arbeitenden Agent Mahbub Ali (Errol Flynn), der Kim als Spitzel anlernt und die zu einem alten tibetanischen Lama (Paul Lukas), der zu Kims spirituellem Ersatzvater wird. Nachdem Kim seine wahre Herkunft – sein verstorbener Vater stand als Soldat im Dienste der Armee – sowie seinen echten Namen Kimball O’Hara jr. entschlüsselt hat, kommt er an ein renommiertes Internat. Die Ferien jedoch verbringt er wieder mit seinen alten Freunden, wobei ein gefährliches Abenteuer mit zwei russischen Spionen (Roman Toporow, Ivan Triesault) auf ihn wartet…

Die nach Rudyard Kiplings berühmtem Roman entstandene Adaption ist einer der schönsten und prächtigsten Abenteuerfilme seiner Ära und wohl auch überhaupt. Das Verfilmungsprojekt schlummerte bereits Jahre zuvor in der development hell bei MGM, bis es dann schließlich unter der Regie des Engländers Victor Saville zum Leben erweckt werden konnte. Unter anderem sorgte der Zweite Weltkrieg nebst seiner politischen Ausgangssituation dafür, dass die antirussische Haltung von Roman und Film, deren Geschichte der stark imperialistisch geprägte Kipling zwischen dem zweiten und dritten afghanischen Krieg angesiedelt hatte, sich zuvor nicht komplikationslos hätte umsetzen lassen. Mit dem nunmehr beginnenden Kalten Krieg hatten sich die Verhältnisse bekanntermaßen gedreht. Freilich verzichtet Savilles Werk auf einige der episodisch angelegten Nebenmstränge des Buchs und setzt ganz auf Technicolor-Pracht und einen sehr romantisierenden, durch subjektive Kinderaugen eingefangenen sense of wonder in Anlehnung an Alexander Kordas Produktionen mit dem jungen Sabu. Dennoch bleibt er vornehmlich für erwachsene Betrachter interessant, indem er die durch seinen Autoren geprägte, kolonialistische Historizität präserviert. Darin verweben sich das vormalige Indien, die britische Vormacht, die exotischen Mysterien und die Multireligiosität Südasiens zu einem Abenteuerwundeland, das sich eben am Vortrefflichsten durch eine unschuldige Protagonistenperspektive examinieren lässt.
Seine vordringliche emotionale Spannkraft bezieht der Film zudem aus der Dreiecksgeschichte Kim – Mahbub Ali – Lama, dreier ja vollkommen unterschiedlicher Protagonisten, die sich spirituell immer weiter annähern. Vor allem die Beziehung zwischen dem Jungen und dem einerseits weltfremd erscheinenden und doch so weisen Alten rührt zu Tränen, zumal der Film letzterem kein so hoffnungsvolles (oder besser: ein endgültigeres) Finale gönnt wie der Roman.
Victor Saville, der bald darauf mit dem Großprojekt „The Silver Chalice“ dermaßen crashte, dass seine Karriere abrupt beendet war, erlangte niemals das Renommee vergleichbarer Regisseure seiner Ära, was man zumindest in Anbetracht der Formvollendung von „Kim“ nur als höchst bedauerlich bezeichnen kann.

9/10