PAPILLON

„We all have sensitive spots.“

Papillon ~ USA/F 1973
Directed By: Franklin J. Schaffner

Der Franzose Henri Charrière (Steve McQueen), wegen seiner Brusttätowierung von allen „Papillon“ gerufen, wird im Jahre 1933 wegen des Mordes an einem Zuhälter, dessen er sich jedoch unschuldig behauptet, zu einer lebenslangen Haftstrafe in Französisch-Guayana verurteilt. Papillon sichert sich die Sympathie des wohlhabenden Devisenfälschers Louis Dega (Dustin Hoffman), den er auf dem sie übersetzenden Schiff kennenlernt. Aus der anfänglichen Zweckgemeinschaft erwächst im Laufe der Zeit aufrichtige Freundschaft, die Papillon und Dega durch mehrere gemeinsame Fluchtversuche, grausame Episoden der Einzelhaft und schließlich zu einer
„staatlich verordneten“ Einbahnexistenz auf der Teufelsinsel, von der eine Flucht als aussichtslos gilt, führt.

Unabhängig davon, dass der Fakten- und Wahrheitsgehalt von Henri Charrières von ihm selbst als größenteils authentisch veräußerter Roman „Papillon“ immer wieder neuen historischen Revisionen unterzogen und sein Wahrheitsgehalt in etlichen Facetten angezweifelt wurde, ist Schaffners Film ein Fanal und Triumph seiner Zunft.
Dies ist weniger bei der Charakterisierung der Hauptfigur zu verorten. Der Gefängnisfilm, zumindest viele der zu Klassikern avancierten Hauptwerke, in denen dem Protagonisten schließlich die Flucht gelingt, operiert zumeist mit sehr einvernehmlich gewählten Motivkreisen: Der zur Strafe führende Urteilsspruch erweist sich bereits als falsch bzw. unverhältnismäßig, das Vollzugssystem spottet jedweder Humanität, der Held kennzeichnet sich durch eine weit überdurchschnittliche Intelligenz gekoppelt mit einem selbst durch noch so harte Konsequenzen nicht zu begradigendem Freiheitsdrang. Daraus erwächst dann entweder eine Kette diverser Fluchtversuche oder ein von langer Hand geplanter, dann in der Regel von Erfolg gekrönter Ausbruch. Gefängnisfilme sind somit zugleich wunderbare Suspense-Lieferanten; der Hauptcharakter lädt infolge seiner durch bald übermenschliche Willenskraft zu willkommener Identifikation ein und die Fluchtszenarien lassen den Rezipienten umso leidenschaftlicher mitfiebern.
Steve McQueen, der genau zehn Jahre zuvor in John Sturges‘ Kriegsgefangenenfilm „The Great Escape“ eine beinahe analoge Rolle als „Coller King“ Hilts spielte, brachte demnach bereits dem Sujet angemessene Vorerfahrungen mit. Dass er als Schauspieler mittlerweile ungeheuer gewachsen war, konnte er in „Papillon“ allerdings nicht minder demonstrieren – die Szenen, in denen er die zweimalige Einzelhaft sowohl psychisch als auch physisch nur mit alleräußerster Disziplin überlebt, zählen zum Nervenzerrendsten, was der üblicherweise ja als eher untangierter Stoiker kultivierte McQueen je gespielt hat. Hinzu kommt in diesem speziellen Falle noch der Genreaspekt des klassischen Abenteuerfilms; die mittelamerikanische Kulisse rund um tropische Unwägbarkeiten Mangrovensümpfe, Leprakolonisten und Eingeborenenstämme verleiht „Papillon“ ein höchst eigenwilliges Flair, das ihn dann doch von sämtlichen anderen Repräsentanten seiner Zunft abhebt. Auch der emotionale impact zeigt sich gleich von Abfang an als ungeheuer wirkungsvoll aufbereitet – wie der Film eine empathische Allianz zwischen Papillon und dem Zuschauer schmiedet, das ist schlichtweg meisterhaft. Wie sehr einem etwa jedesmal, da man Schaffners Kronjuwel aufs Neue bewundert das Herz blutet, wenn Papillon nach einer ungeheurlichen Odyssee bereits frei scheint und dann doch von dieser widerlichen Äbtissin (Barbara Morrison) verraten wird, illustriert jenes einmal geflochtene Band geradezu exemplarisch.
Außerdem hat man selten die Chance, den ewigen villain John Quade einmal in einer sympathischen Rolle zu beobachten.
Absolute premier league!

10/10

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ICE COLD IN ALEX

„Dames and mines. Lovely party.“

Ice Cold In Alex (Eiskalt in Alexandrien – Feuersturm über Afrika) ~ UK 1958
Directed By: J. Lee Thompson

Ägypten, 1940. Kurz vor dem Fall von Tobruk wird der versoffene RASC-Commander Captain Anson (John Mills) gemeinsam mit MSM Tom Pugh und den beiden Krankenschwestern Diana (Sylvia Sims) und Denise (Diane Clare) nach Alexandrien geschickt, um dort weitere Befehle abzuwarten. Die Reise durch die vom Krieg aufgeriebene Wüste in einem abgetakelten Kleinlaster erweist sich als zermürbend; ein unterwegs aufgenommener, südafrikanischer Soldat namens van der Poel (Anthony Quayle) kann zumindest immer wieder verhindern, dass es zu heftigeren Scharmützeln mit der Wehrmacht kommt. Bald jedoch wird der Verdacht immer lauter: Ist van der Poel womöglich ein deutscher Spion?

Bereits ein Jahr vor dem in Indien angesiedelteln „North West Frontier“ fertigte J. Lee Thompson diesen dem bunten, aufwändigen Abenteuer sozusagen als Ideengeber dienenden Kriegsfilm. Etwas bescheidener in der Ausführung erzählt „Ice Cold In Alex“, dessen zunächst merkwürdig anmutender Titel sich auf nichts Geringeres bezieht als eine Flasche Bier, eine in Grundzügen sehr ähnliche Geschichte: Die lebensgefährliche Fluchtfahrt auf einen maroden Vehikel durch eine von Feinden und anderen Gefahren geprägte Ödnis. Dabei werden ganz unterschiedliche Figuren zur Zusammenarbeit gezwungen; Held und Heldin werfen ein Auge aufeinander und es gibt einen gegnerischen Agenten, der sich in „North West Frontier“ jedoch anders entwickeln wird.
Beide Filme weisen hervorragende Qualitäten in jeder Beziehung auf und sind Musterbeispiele für hingebungsvolles, kompetentes Filmemachen, wie es Profis wie Thompson früher eben noch wie selbstverständlich zu eigen war. Freilich dient der historische Hintergrund des Nordafrika-Feldzugs hier abermals als nicht mehr denn als Stichwortlieferant für einen feisten Abenteuerfilm; dieser wird dafür jedoch so jovial und kernig erzählt, dass es einfach Freude macht. Es gilt immer wieder abwechselnd, der lebensfeindlichen Natur oder den Deutschen ein Schnippchen zu schlagen; man gerät in eine bleihaltige Verfolgungsjagd oder in tödliches Sumpfgelände. Auch das gute, alte Minenfeld darf nicht fehlen. Den famosen Spannungshöhepunkt bildet die buchstäblich schweißtreibende Aufgabe, den Kleinlaster einen riesigen Sandhügel emporzuschieben, dem das Getriebe des alten Schätzchens nicht gewachsen ist. Man leidet und fiebert regelrecht mit den Gebeutelten. Allein hierin verdeutlicht sich Thompsons Meisterschaft bei der Inszenierung von Spannungssequenzen bis vor den Bildschirm. Ganzt wunderbar gefallen hat mir auch das britische Ensemble: John Mills als schmächtig scheinender, aber drahtiger Gintrinker, der knautschgesichtige Harry Andrews, der bärige Anthony Quayle (den ich bislang eigentlich, warum weiß ich selbst nicht, immer für ziemlich mickrig gehalten habe( und die besonders in der Gegenwart dieses gegerbten Trios anmutige Sylvia Sims sind vortrefflich.

9/10

THE LOST CITY OF Z

„Peace means only that nothing will change.“

The Lost City Of Z (Die versunkene Stadt Z) ~ USA 2016
Directed By: James Gray

Der britische Offizier Percy Fawcett (Charlie Hunnam), ein hervorragender Reiter und Schütze, leidet unter Standesdünkeleien, die ihn die in seinem Umfeld allgegenwärtige Aristokratie spüren lässt. Im Jahre 1906 wirbt ihn die Royal Geographical Society an, um in Südamerika ein unerforschtes Teilgebiet des Amazonas zu kartographieren. Dabei stößt Fawcett auf architektonische Relikte, die auf eine untergegangene oder möglicherweise noch existente, versteckte Hochkultur mitten im Urwald hindeuten. Mit letzter Kraft schaffen es Fawcett und seine verbliebenen Männer, in die Zivilisation zurückzukehren. Unter der Schirmherrschaft des Biologen James Murray (Angus Macfadyen) macht sich Fawcett zu einer zweiten Expedition auf, diesmal, um ganz gezielt die „Stadt Z“, wie Fawcett sie nennt, ausfindig zu machen. Murrays unprofessionelles Verhalten sorgt für einen frühzeitigen Abbruch des Abenteuers, wobei der feine Herr Fawcett zurück in England zudem des Verrats denunziert. Der erboste Fawcett kündigt der RGS seine Verbundenheit und kann jahrelang nicht mehr zum Amazonas reisen, obwohl in das Entdeckerfieber gepackt hat. Nach seinem Einsatz im Ersten Weltkrieg, der eine vorübergehende Erblindung zur Folge hat, überredet ihn schließlich sein ältester Sohn Jack (Tom Holland), im Jahre 1923 eine weitere Expedition zur Suche nach der Stadt Z zu starten. Die beiden kehren nie wieder zurück.

Dass James Gray sich vorzüglich auf die Inszenierung historischer Stoffe, sprich: period pieces versteht, konnte er bereits mit seinem letzten Film „The Immigrant“ nachdrücklich unter Beweis stellen. Er entwickelte seither ein spezielles Faible für Zeitkolorit und dessen detaillierte Ausgestaltung, was „The Lost City Of Z“ zu einem aufreizend gemächlich fortschreitenden, visuellen Festmahl macht, das Herzogs nicht unähnlich konnotiertem Meisterwerk „Fitzcarraldo“ wohl die eine oder andere Inspiration verdankt.
Diesmal muss der Filmemacher (und somit auch sein willfähriges Publikum) allerdings auf die Mitwirkung des ansonsten bereits zum gray’schen Obligatorium avancierten Joaquin Phoenix verzichten; der Qualität von „The Lost City Of Z“ tut dies jedoch keinen Abbruch. Gray wirft sich diesmal also in die wirren Strudel authentischer Historie und nimmt sich den britischen Entdecker Percy Fawcett vor, eines besonders bewundernswerten Vertreters seiner Zunft. Fawcetts Reisen und deren Berichte beflügelten nicht nur die von Exotik und Xenophilie geprägten Träume des späten Empire, sondern zudem auch die zeitgenössischer Abenteuerliteraten wie Doyle und Haggard, die persönlich mit Fawcett befreundet waren. Als Soldat nahm Fawcett darüberhinaus nicht nur seine Expeditionen nach Übersee in seinen wohl beispiellosen Erfahrungsschatz auf, sondern auch mehrere Kriegseinsätze, darunter die Schlacht an der Somme. Eine Verfilmung seiner Biographie war somit gewissermaßen höchst überfällig. Gray setzt im Irland des Jahres 1905 an, als Fawcett, damals 38 Jahre alt, eigens für einen hochherrschaftlichen Besuchs des Erzherzogs Franz Ferdinand (Brian Matthews Murphy) einen kapitalen Hirsch erlegt, nur um dann von der adligen Gesellschaft geschnitten zu werden – seine uneheliche Herkunft legt ihm nahezu unüberbrückbare gesellschaftliche Steine in den Weg. Gray wähnt hierin eines der primären Motive für Fawcetts spätere Besessenheit als Entdecker – die Wiederherstellung seines guten Familiennamens. Später leidet seine Familie, insbesondere Sohn Jack, unter der fortwährenden Absenz des Vaters. Erst als Erwachsener begreift Jack die Unumstößlichkeit der väterlichen Träumereien zur Gänze und bereitet ihnen das schönste Zugeständnis, indem er den bereits resignierenden Senior zu einer gemeinsamen, finalen Südamerikareise bewegt. Ab 1925 gelten Vater und Sohn Fawcett als verschollen, diverse eilends geschaltete Rettungsexpeditionen scheitern. Und auch Grays Film, der wiederum auf einem investigativen Buch des Journalisten David Grann beruht, verweigert sich einer eindeutigen Erklärung. Er forciert jedoch Mutmaßungen, denen zufolge die beiden tatsächlich jener geheimnisvollen, versteckten Dschungelstadt zumindest ansichtig geworden sind, ja, vielleicht sogar sich dort niedergelassen haben. Fawcetts ewigem Traum von mythischer Erfüllung wäre eine solch märchenhafte Fügung mehr denn zu gönnen.

8/10

THE SPIRAL ROAD

„I believe in the strength of the human spirit.“

The Spiral Road (Am schwarzen Fluss) ~ USA 1962
Directed By: Robert Mulligan

1936 kommt der karrierebewusste, holländische Mediziner Anton Drager (Rock Hudson) nach Indonesien, um dort einige Zeit mit dem gesetzten Lepra-Experten Brits Jansen (Burl Ives) zusammenzuarbeiten und von dessen renommierten Studien und Erfahrungen zu profitieren. Dr. Jansen hat vor allem die hiesige Bevölkerung und ihre Art zu leben in vielen Jahren der Arbeit kennen und lieben gelernt und ist skeptisch, dass der geschniegelte Neuling seinen oft harten Aufgaben vor Ort gewachsen ist. Ein weiterer Konflikt ergibt sich durch Dragers unbedingten Atheismus, den Jansen immer wieder mit humanistischen Glaubenssätzen auszuhebeln versucht. Dennoch werden aus den beiden unterschiedlichen Männern Freunde, bis Drager durchblicken lässt, dass er weitaus weniger daran interessiert ist, den eingeborenen Patienten zu helfen, denn daran, sich zurück in der europäischen Heimat ein hohes Ansehen als Seuchenforscher zu erarbeiten. Es kommt zum Bruch zwischen den Ärzten und Drager begibt sich allein in den Dschungel, um es mit einem gefürchteten Schamanen (Reggie Nalder) aufzunehmen, dessen bedrohliche Praktiken er als reinen Blödsinn abtut…

Ein leicht zwiespältiges Abenteuerdrama, dessen aufwändige und epische Gestaltung zwar sehr gefallen, sich im Endeffekt jedoch an der christlich infizierten Botschaft messen lassen müssen, die am Ende, ganz nach „Ben-Hur“-Manier, natürlich doch noch greift und aus dem Saulus Rock Hudson einen gottesfürchtigen Paulus werden lässt.
Mir hat das ziemlich die zunächst noch sehr schmackhafte Petersilie verhagelt, nachdem ich mich zunächst ebenso sehr über Hudsons ungewohnt beeindruckende und sehr dedizierte Darstellung freute wie über den tollen Burl Ives, für den die Rolle des ginerprobten, schalkhaften Dr. Jansen eines der vielen Schauspielgeschenke seiner Laufbahn bot. Tatsächlich bildet Ives‘ liebenswerter Auftritt gewissermaßen das Herzstück von „The Spiral Road“, der im Laufe seiner Spielzeit mancherlei Haken schlägt. Neben seiner wohl eindeutigsten Zugehörigkeit zum Abenteuerfilm streift er auch Drama, Komödie, Romantik (mit seiner von Gena Rowlands gespielten Frau Els hat der gute Drager – wie auch mit sich selbst – etliche Höhen und Tiefen zu durchlaufen) und gegen Ende, als der unvergleichliche Reggie Nalder als einheimischer witch doctor Burubi auf den Plan tritt und dem ehrfurchtslosen Drager endlich mal zeigt, an welcher Fichte die Murmeln hängen, sogar das Horrorgenre. Diese nur scheinbare Orientierungslosigkeit tut dem Film tatsächlich sehr gut, da er dadurch die emotionalen Schlenker der Story angemessen involvierend nachvollziehbar macht. Das Spannungsfeld der Beziehung zwischen den beiden Ärzten findet sich ordentlich ausgearbeitet und es macht viel Freude, Hudson und Ives bei ihren Quasi-Vater-Sohn-Ersatzspielchen beizuwohnen. Hätte man diese ätzende Glaubenskiste weggelassen oder zumindest durch rein berufsethische bzw. kolonialpolitische Diskurse ersetzt – was „The Spiral Road“ nebenbei betrachtet wahrscheinlich ohnehin mit einem deutlich frischeren und nachhaltigeren Wind versorgt hätte, könnte man von einem annähernden Meisterstück sprechen. So aber gibt es leider (unnötige) Abzüge in der B-Note.

8/10

GUARDIANS OF THE GALAXY VOL. 2

„You people have issues.“

Guardians Of The Galaxy Vol. 2 ~ USA/CA/NZ 2017
Directed By: James Gunn

Nachdem die Guardians im Austausch zu der von ihm gefangen Nebula (Karen Gillan) für das Volk der Sovereign ein paar wertvolle Batterien beschützt, lässt sich Rocket Racoon (Bradley Cooper) es sich nicht nehmen, heimlich ein paar davon in die eigene Tasche zu stecken. Als die Sovereign dies bemerken, schicken sie den Halbhelden eine ganze Zerstörungsflotte hinterher. Damit nicht genug der Probleme: Auch Peter Quills (Chris Pratt) mittlerweile wegen unlauterer Praktiken bei der Ravager-Gilde in Ungnade gefallener Ziehvater Yondu (Michael Rooker) wird von den Sovereign mit der Ergreifung  der Guardians beauftragt und Quills „biologischer“ Vater Ego (Kurt Russell) erscheint urplötzlich, um sich endlich seines Sohnes anzunehmen. Nach einem ersten Scharmützel mit den Sovereign trennen sich die Guardians; Drax (Dave Bautista) und Gamora (Zoe Saldana) begleiten Quill und Rocket und Baby Groot (Vin Diesel) bleiben beim Schiffswrack. Nachdem die beiden in Yondus Hände fallen, strebt die Hälfte von dessen Mannschaft unter dem bösen Taserface (Chris Sullivan) eine erfolgreiche Meuterei gegen ihren Kapitän an. Quill muss indes erfahren, dass sein Vater Ego mitnichten Gutes im Sinn hat, sondern ein wahnsinniger, uralter Gott und lebender Planet ist, der nichts anderes plant als die Auslöschung tausender interstellarer Lebewesen, die er als „unperfekt“ erachtet. Quill soll ihm dabei helfen, wendet sich jedoch gegen Ego. Gerade rechtzeitig treffen die mittlerweile wieder freien Yondu und Rocket ein, um ihren Freunden, mittlerweile verstärkt durch die Empathin Mantis (Pom Klementieff) gegen den allmächtigen Ego beizustehen…

In Kenntnis des ersten Teils (den ich kürzlich noch einmal auffrischen und diesmal etwas besser einordnen konnte) weiß man, was einen bei den „Guardians“ erwartet: Unfassbarer, artifizieller Überschwang und locker-flockige Weltraumaction, die einen ganz klar umrissenen Gegenentwurf zur bierernsten Düsternis bildet, wie sie etwa die jüngeren DC-Adaptionen vorschützt. Was James Gunn hier veranstaltet, ist vielmehr ein ebenso kinder- wie nerdfreundliches Spektakel; rasant, bunt, zum Teil wirklich wunderbar trippy und mit garantiert zwei bis drei (zumindest für Zeitgenossen jenseits des fünfzehnten Lebensjahrs) meist eher minder komischen Flachwitzchen pro Szene garniert, peitscht Gunn sein wachsendes Figurenensemble abermals durch über zwei atemlose Stunden Spielzeit, die dann auch entsprechend schnell vergehen. Gut gelaunte Cameos von Sylvester Stallone, Ving Rhames und Michelle Yeoh als Ravager-Kollegen Yondus zeigen, wie fest Gunn schon den ersten „Guardians“-Film im allgemeinen Popfundus verankern konnte; Sequenzen wie Stan Lees obligatorischen Gastauftritt, der diesmal mit Uralt-Anekdoten den Beobachter Uatu nervt, sind dann wieder eher was für Eingefleischte. Bewundernswert fand ich, wie scheinbar leicht Gunn diesen durchaus chaotischen Elemente in eine funktionale Anordnung fasst; obwohl da Dutzende von Dingen gleichzeitig passieren, sowohl inhaltlich wie auch formalistisch, behält „Guardians Of The Galaxy Vol. 2“ auf wundersame Weise Maß und Richtung. Die Musikauswahl ist wieder großartig (bei „Father & Son“ am Ende gab es kurz feuchte Augen) und steht wie gehabt in direktem, eklektischen (Miss-)Zusammenhang zu der Visualisierung des Films. Auch diesbezüglich wird wieder erstklassig gearbeitet.
Der einzige, dafür umso vehementere Kritikpunkt, liegt, um das nochmals zu betonen, in der inflationären Masse flauer Gags, die „GOTGV.2“ sogar noch näher bei Komödie und Parodistik verorten als den Vorgänger. Ist diese Dosis infantiler Komik ohnehin schon viel zu hoch angesetzt, darf noch mehr derlei Überdrusses auf keinen Fall sein, sonst bleibt der Rest vollends auf der Strecke. Hier ist künftig höchste Obacht gefragt. Dass die „Guardians“ es sich gefallen lassen müssen mittlerweile ohnehin als der lustige Ableger im MCU zu gelten, empfinde zumindest ich als ziemlich zweifelhafte Ehre, deren Beschaffenheit nicht noch weiter ausgereizt werden sollte. Das Ende der Fahnenstange wäre hiermit bitte erreicht. Bin gespannt, was passiert, wenn die Guardians in Kürze auf Thanos treffen. Ob sie dann noch immer so gut lachen haben?
Trotz allem leicht besser als das Original.

7/10

IL TRONO DI FUOCO

Zitat entfällt.

Il Trono Di Fuoco (The Throne Of Fire) ~ I 1983
Directed By: Franco Prosperi

In grauer Vorzeit schwängert Belial (Harrison Muller), ein Abgesandter Satans, die Hexe Azira (Beni Cardoso), auf dass diese dereinst das Kind des Bösen gebäre. Glücklicherweise gibt es zu allem Irdischen und Überirdischen stets einen Widerpart und so wächst zeitgleich mit dem lumpigen Morak (Harrison Muller) der Recke Siegfried (Pietro Torrisi) heran. Als endlich die Stunde naht, da Morak den Thron des Feuers besteigen und die Weltherrschaft an sich reißen kann – es gibt eine Sonnenfinsternis – fehlt dem Unhold zu seinem dämonischen Endsieg nur noch die fesche Königstochter Prinzessin Valkari (Sabrina Siani) als Eheweib. Das entsprechende Los sucht Siegfried zu verhindern.

„Il Trono Di Fuoco“ markierte einen der letzten Versuche der Italiener, am Erfolg der von „Conan The Barbarian“ losgetretenen Barbarenfilm- oder auch „Sword & Sorcery“-Welle zu partizipieren. Unter dem anglophonen Pseudonym „Peter McCoy“ stieg der bizepsbewährte Sizilianer Pietro Torrisi, der zuvor über etliche Jahre hinweg so gut wie nur in körperbetonten bit parts zu sehen gewesen war, urplötzlich zum Ministar dieses kleinen Sub-Subgenres auf und spielte die mehr oder weniger selbe Rolle gleich dreimal in dichter Folge, davon zweimal unter dem Handarbeiter Franco Prosperi, dessen zugleich letzte Regiearbeit der vorliegende Prügel bildete. Die ohnehin bloß fragmentarisch vorhandene Story  bot dabei die Vorlage für ein auf geradezu unverschämte Weise gleich dreifach durchgespieltes Flucht- und Wiedereinfangszenario, im Zuge dessen Torrisi als Siegfried (!) und die bemerkenswert untalentierte Sabrina Siani, zu jener Zeit ebenfalls ein kleines, kurzlebiges Sternchen im italienischen Plagiatsfach, dem von Harrison Muller gespielten Deibelssohn immer wieder entkommen, nur um dann aufs Neue eingefangen und auf seine Burg (ein pittoreskes Gemäuer irgendwo im Latium, das der Film allenthalben mit prominentem Stolz ins Bild rückt) zurückgebracht werden. Geld für Spezialeffekte war wohl keines da, so dass sich der originäre Fantasy-Faktor auf ein verschwindendes Mindestmaß zu beschränken hatte. „Höhepunkte“ bilden dabei ein Kampf  Torrisis mit einer sichtlich unlustigen Riesenschlange, die dem Akteur bedrohlich schlaff um den Hals gehängt wurde und Moraks Ende, das ihn als unrechtmäßigen Besetzer des titelgebenden Throns dahinschmelzen lässt. Immer noch be- und verwundernswert erscheint heute bei der Retrospektion dieser immerhin sympathischen, kleinen Einmachgurken, welch professionelle (und den Gesamteindruck daher stark aufwertende) Synchronisationsbestrebungen man ihnen hierzulande zuteil werden ließ. Nunja, damals hatten die eben noch die Zeit dafür.

4/10

LE PACTE DES LOUPS

Zitat entfällt.

Le Pacte Des Loups (Der Pakt der Wölfe) ~ F 2001
Directed By: Christophe Gans

Während der Erstürmung der Bastille schreibt der Aristokrat Thomas d’Apcher (Jacques Perrin) an seinen Memoiren. Besonders das umfangreiche Kapitel über die Bestie vom Gévaudan beansprucht seine Erinnerungskraft: Etwa zweiundzwanzig Jahre zuvor machte d’Apcher als junger Mann (Jérémie Reinier) die Bekanntschaft des Kriegsveteranen und Wissenschaftlers Grégoire de Fronsac (Samuel Le Bihan), der eigens vom Hofe König Ludwigs XVI. in die südfranzösische Region entsandt wurde, um den Gräueltaten eines mysteriösen Raubtiers auf die Spur zu kommen. Im Schlepptau hat de Fronsac seinen treuen Begleiter Mani (Mark Dacascos), einen Irokesen aus der Neuen Welt mit schamanischen Fähigkeiten. Fronsac und Mani wohnen bei der adligen Familie Morangias, in deren Tochter Marianne (Èmilie Dequenne) sich Fronsac flugs verliebt, derweil Mariannes Bruder Jean-François (Vincent Cassel) indes ein höchst eigenwilliger Typ ist. Fronsac findet bald eindeutige Beweise dafür, dass es sich bei der immer wieder zuschlagenden Bestie weder um einen einheimischen Wolf, noch um ein, wie die Leute vor Ort glauben, übernatürliches Monster handeln kann. Derweil sorgt auch eine gewaltige, öffentlichkeitswirksam abgehaltene Treibjagd nicht dafür, dass das Tier sein mörderisches Treiben einstellt. Um die Bevölkerung im Zaum zu halten, wird Fronsac dazu gezwungen, einen erlegten Wolf zu präparieren und in Paris bei Hofe vorzuführen. Heimlich reisen er und Mani trotz anderslautender Direktiven wieder zurück ins Gévaudan und versuchen auf eigene Faust, das echte Biest zu fangen. Tatsächlich schnappt die gestellte Falle zu, doch das Monster kann entkommen. Mani wird von einer Gruppe Waldläufer gefangen und getötet. Fronsacs Rache ist grausam und er kommt zudem mithilfe der Hure Sylvia (Monica Bellucci) einer verschwörerischen, zutiefst aufklärungsfeindlichen Geheimloge auf die Spur, deren Vorsitzender der wahnsinnige Jean-François Morangias ist. Dieser hat einst  einen jungen Löwen aus Afrika mitgebracht, ihn in ein schmerzhaftes Metallkorsett gezwängt, abgerichtet und sich zuwillen gemacht. Eine von Fronsac mitgebrachte Gruppe von Soldaten kann dem „Pakt der Wölfe“ endlich den Garaus machen.

Der einst als recht vielversprechender Filmemacher begonnene Franzose Christophe Gans, der sich anscheinend sehr leidenschaftlich dem Genrekino verschrieben hatte, erweist sich heuer leider als spärlicher Arbeiter, von dem zumindest ich gern mehr sehen würde. Seine bisherigen Filme (wobei ich den jüngsten, eine „La Belle Et La Bête“-Adaption, noch nicht gesehen habe) gefallen mir nämlich durch die Bank gut, zumal sein Faible für visuellen Pomp und Schwulst etwas heutzutage überaus selten Gewordenes ist. „Le Pacte Des Loups“ dürfte wohl sein bisheriges opus magnum sein. Hierfür stand ihm nicht nur ein sichtbar großzügiges Budget zur Verfügung, sondern vor allem auch eine zündende Idee: Die Mär von der „Bestie des Gévaudan“ ist nämlich mitnichten eine solche, sondern beschreibt vielmehr eine historisch verbriefte Verkettung schrecklicher Ereignisse, die sich in einem Zeitrahmen von etwa drei Jahren in der entsprechenden, südfranzösischen Region abspielten. Eine Vielzahl von Menschen aus der dortigen Landbevölkerung, vor allem Frauen und Kinder, fielen dort einem niemals erlegten Tier zum Opfer, dessen Aussehen und Größe je nach Augenzeugenberichten stark variierte und das unglaubliche Kräfte gehabt haben muss. Eine ideale Voraussetzung also für eine prächtige, filmische Kopfgeburt, die „Le Pacte Des Loups“ dann auch tatsächlich wurde.
Natürlich ist der Film hoffnungslos überladen und sein Nährgehalt entspricht in etwa dem eines barocken Fünfzehn-Gänge-Menüs bei Hofe, nach dessen Dessert die Kniehose zu explodieren droht. Vielleicht haben der gute Gans und sein Mitautor Stéphane Cabel selbst ein wenig zu großzügig am Absinth genascht oder ein Tröpfchen Laudanum zu viel verköstigt; die mit „Pacte Des Loups“ herausgekommene, wilde Mixtur spricht jedenfalls gewiss dafür. Von der chromblitzenden Manga-Adaption „Crying Freeman“ hat Gans sich deren Hauptdarsteller Mark Dacascos gleich mitgebracht und ihn infolge seiner exotischen Erscheinung als Indianer (und Blutsbruder des Haupthelden) mit natürlich exorbitanten Karatefähigkeiten in die Geschichte hineingeschrieben. Cassel als widerlicher, verrückt gewordener Sektenchef mit inzestuösem Begehren, Monica Bellucci als dralle Hure in samtroten Laken, ein geheimnisvolles CGI-Ungeheuer und deftige Gewaltexzesse –  vermissen wird man hier garantiert nichts davon. Das übliche Historiengebräu aus Authentizitäts-Phantasie-Gemischen, Standesdünkel, Involvierung von Staat und Klerus und Korruption bis in die höchsten Etagen, dazu eine schwülstige Liebesgeschichte und Gans hat wirklich alles mit drin in seinem protzigen Kostümstück. Natürlich hat „Le Pacte Des Loups“ demzufolge von allem viel zu viel, um wirklich gut zu sein oder sich seinem Thema auch nur halbwegs ernsthaft zu stellen. Man sollte ihn eher als das nehmen und betrachten, was er ist: als pures, rauschhaftes Kino nämlich, wie es in dieser voluminösen Kompilierung aus allem Möglichen schon vor sechzehn Jahren einen farbenfrohen, frechen Anachronismus darstellte.

8/10