WHITE GHOST

„I may be sorry later, but I trust you for the moment.“

White Ghost ~ USA 1988
Directed By: BJ Davis

G.I. Steve Shepard (William Katt) haust seit dem Ende des Krieges im vietnamesischen Dschungel-Unterholz und führt einen unermüdlichen Guerillakampf gegen den Vietcong, seine einheimische Frau Thi Hau (Rosalind Chao) stets an der Seite. Unter den Eingeborenen längst zum Mythos geworden, eilt ihm sein Ruf als „White Ghost“ bereits überregional voraus. Eines Tages geht dann alles ganz schnell: Thi Hau ist schwanger und soll das Kind im sicheren Amerika zur Welt bringen; zeitgleich will Major Cross (Reb Brown) den Legenden um den „White Ghost“ auf den Grund gehen und beordert die stets sehr rücksichtslos agierende Söldnertruppe um Captain Walker (Wayne Crawford) nach Südostasien. Was Cross nicht ahnt, ist, dass Walker noch eine alte Rechnung mit Shepard offen hat und überhaupt kein Interesse daran hat, ihn lebend nach Haus zu eskortieren. Der „White Ghost“ hat nunmehr also an zwei Fronten zur selben Zeit zu kämpfen…

Auf den ersten Blick an die verspäteten Kriegsgewinnlerphantasien wie „Rambo: First Blood Part II“ oder „Missing In Action“ angelehnt, entpuppt sich „White Ghost“ zwar durchaus als Rip-Off, lehnt sich dabei jedoch viel stärker an John McTiernans „Predator“ an, dessen narrative Struktur BJ Davis‘ Film teilweise detailgetreu plagiiert. Dabei repräsentiert Shepard das in mehrerlei Hinsicht überlegene Alien, das die Gegebenheiten des Areals zu seinem Verbündeten macht und die Söldnertruppe dezimiert, derweil der Vietcong die Latino-Guerrilleros ersetzt. Den Angriff von Schaefers Truppe auf deren Dschungelcamp kopiert Davis dementsprechend mit einiger Akribie.
Über den mit gewohnt sorgfältig frisiertem Minipli ausgestatteten William Katt, der eigentlich gar nicht böse gucken kann, als tarzanesken Superheld lässt sich in punkto credibility gewiss streiten; als dann aber seine Thi Hau entführt und derb gefoltert wird (ich sage nur: Bambus & Fingernägel) und Shepard wütende Taten sprechen lässt, breitet sich rasch der Mantel des Vergessens über vormalige, mögliche Publikumsressentiments. Die eigentliche darstellerische Attraktion des Films ist sowieso Wayne Crawford als ultrafieser Regierungskiller, der irgendwann komplett überschnappt und am Ende das kriegt, was er verdient. Die Entscheidung, Reb Brown als militärischen Racheengel einzusetzen, der Shepard und Gattin am Ende via Heli-Punktladung raushaut und vorher nochmal mit dem allseits beliebten Gebrüll ein paar traditionsbewusste Salven in die gesichtslose, gelbe Menge feuert, muss im Zuge dessen schon als frühe, metafilmische Selbstreferenz gefeiert werden.

6/10

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RAGE TO KILL

„Let’s see how tough you really are…“

Rage To Kill (Guerilla Force) ~ USA 1987
Directed By: David Winters

Der verrückte General Turner (Oliver Reed) errichtet mithilfe seiner Privatarmee und des passenden Überraschungsmoments eine Militärdiktatur auf der Karibikinsel St. Heron und stellt die hiesige medizinische Fakultät kurzerhand komplett unter Quarantäne. Unter den zusammengepferchten Studierenden befindet sich auch Glen (Liam Cundill), der jüngere Bruder des Elitekämpfers und Rennfahrers Blaine Striker (James Ryan). Dieser reist kurzerhand nach St. Heron, wird sofort festgesetzt und gefoltert, kann jedoch im Handumdrehen wieder entkommen. Mithilfe des gesetzten CIA-Agenten Miller (Cameron Mitchell) verhindert Striker im letzten Moment ein Massaker an den Studenten, das Turner eigentlich den Widerständlern in die Schuhe schieben wollte. Striker, Miller, und die geflohenen Studenten schließen sich daraufhin der Guerillatruppe des Revoluzzers Wally Arn (Henry Cele) an, mit der gemeinsam man gegen Turner ins Feld zieht.

Einmal die große Wundertüte für Jungens bitte, aber die für Erwachsene!
David Winters‘ gut sichtbar in Südafrika gedrehtes Kriegsabenteuer dürfte sich schon nach den ersten Minuten für jeden B-Action-Gourmet, der das große Glück hat, ihn (neu) zu entdecken, zu einem ausgesprochenen Festmahl mausern, so sorglos hurrapatriotisch und testosterongeschwängert geht es zur Sache. Bei allen blutigen Gefechten, Explosionen und Jagdsequenzen langt es zwischendrin stets noch für ein paar schmierige Momente mit Oliver Reed, einer Flasche Johnnie Walker und zwei barbusigen Damen im Jacuzzi, wie überhaupt der Besetzung und der Inszenierung der Heidenspaß an der ganzen Räuberpistole in höchsterquicklichem Maße anzumerken ist. Analog zu einigen anderen militäraffinen Actionfilmen der achtziger Jahre zehrt auch „Rage To Kill“ von den Ereignissen um den Staatsstreich gegen Premierminister Maurice Bishop auf Grenada, der mithilfe einer Invasion von Reagans US-Truppen bei höchst zweifelhafter, internationaler Rechtslage durchgeführt wurde.
Wie die deutlich höher budgetierten Studioproduktionen „Commando“ und  „Heartbreak Ridge“ singt Winters in seinem liebenswerten Zelluloidhämmerle eine feiste Eloge auf die unbedingte Zuverlässigkeit von CIA-Militärberatern und natürlich die amerikanischer Marines, die am Ende mit etwas Verspätung den von unserer buntgemischten Heldentruppe eingefahrenen Sieg sichern werden. An „Rage To Kill“ ist einfach alles toll, von der Darstellerriege bis hin zur Hamburger Synchronfassung, die neben einem erstklassig eingedeutschten Dialogscript unter anderem mit Horst Frank (Mitchell) und Gottfried Kramer (Reed) zu glänzen weiß und für mich längst fest zum Film dazu gehört. Oliver Reed, in diesen Jahren häufig als barett- und tarnfarbenbewährter Bösewicht in mannigfaltigem Genreklein zu bewundern, ist auch hier wieder super, wobei ich darauf wetten möchte, dass eine Szene, in der er stockbesoffen auf einem Sofa hängt, nicht gespielt ist. Für Cameron Mitchell gilt, zumindest im Hinblick auf seine Engagierfreude, ganz Ähnliches und auch er markiert in „Rage To Kill“ einen unerschöpflichen Quell altprofessioneller Freude. Ian Yule, ein echter Ex-Soldat, der in „The Wild Geese“ den Tosh gespielt hatte, ist als Reeds Adlatus am Start und der Rebellenchef Wally Arn wird von niemand Geringerem gegeben als von Henry „Shaka Zulu“ Cele persönlich! (Vornehmlich britische) Manpower galore also, wobei der drahtige, aber etwas kurz geratene Rambo-Ersatz James Ryan gegen so viel Feldtradition zwangsweise verblassen muss. Großes kleines Kino aus dem Einmachglas, das zum Schwärmen, Mitlachen und Nachspielen mit Playmobil einlädt.

7/10

MILANO VIOLENTA

Zitat entfällt.

Milano Violenta (Die letzte Rechnung schreibt der Tod) ~ I 1976
Directed By: Mario Caiano

Der als bombensicher geplante Überfall eines Gangsterquartetts auf das Lohnbüro einer Mailänder Firma läuft keineswegs so reibungslos ab wie gedacht: Während des Coups erscheint flugs die Polizei; die Ganoven müssen voneinander getrennt fliehen. Während Walter (Vittorio Mezzogiorno) und Tropea (Biagio Pelligra) mit der Beute fliehen und sich verstecken können, sind Raul (Claudio Cassinelli) und Fausto (John Steiner) gezwungen, eine Geisel mitzunehmen. Während Fausto durchdreht und das Zeitliche segnet, versucht Raul, den Aufenthaltsort seiner Kumpanen und somit den des Geldes herauszubekommen, doch Walter und Tropea sind überhaupt nicht mehr daran interessiert, mit ihm zu teilen. Hinzu kommt, dass die beiden Polizisten Foschi (Elio Zamuto) und Tucci (Salvatore Puntillo) Raul dicht auf den Fersen sind…

Ein klein wenig an den seligen Heinz Klett erinnert Claudio Cassinelli als Raul Montalbani in diesem italienischen Genrestück, da auch in seiner Divergenz als halber Poliziottesco und halber Gangsterfilm noch eine gute Figur macht. Rolf Olsens „Blutiger Freitag“ lässt hier nicht allein seiner bloßen Provenienz wegen grüßen und ebensowenig, weil Cassinelli mit demselben Synchronsprecher wie ehedem Raimund Harmstorf, nämlich Klaus Kindler, ausgestattet ist. Vielmehr sind beide Filme Brüder im Geiste, berichten von einem zunehmend in die Enge getriebenen Ganoven, der in wachsender Bedrängnis immer tollwütiger wird, bis nurmehr eine Überzahl an Feuerwaffen ihn aufzuhalten vermag. Dabei ist Raul Montalban gar nicht mal der Böseste unter den Bösen in „Milano Violenta“; sein vormaliger Kompagnon Walter entwickelt nach der Zwangsabnabelung des kriminellen Mastermind Raul ein immer fortschreitenderes Gier- und Gewaltpotenzial, das ihn gegen Ende noch zu einem finalen Duell gegen den bereits totgeglaubten Ex-Partner führt. Was „Milano Violenta“ dann aber vom blutigen Freitag unterscheidet, ist neben einer sich ernstlich gestaltenden Romanze des Haupthalunken die im italienischen Sleazethriller der Siebziger gewohnheitsmäßig anberaumte Präsenz des beschirmten Rechtsauges, hier repräsentiert durch zwei sympathische poliziotti, die ausnahmsweise mal nicht den kernbeißerischen Gestus eines Maurizio Merli oder Luc Merenda teilen, sondern vergleichsweise geerdet daherkommen und sich daher als narrative Stichwortgeber gut einpflegen.
Ganz phantastisch im Übrigen der Score von Gianfranco Plenizio mit hohem Ohrwurmcharakter. Kann man alles so im Komplettpaket mitnehmen.

8/10

SPIDER-MAN: HOMECOMING

„If you’re nothing without the suit, then you shouldn’t have it.“

Spider-Man: Homecoming ~ USA 2017
Directed By: Jon Watts

Nach seinem von Tony Stark (Robert Downey Jr.) initiierten Europa-Einsatz gegen Captain America (Chris Evans) und seine Verbündeten träumt der New Yorker Teenager Peter Parker (Tom Holland) allenthalben von weiteren weltrelevanten Missionen als Spider-Man. Doch sowohl Tony Stark als auch dessen Adlatus Happy Hogan (Jon Favreau) reagieren eher genervt auf die fortwährenden, lästigen Anfragen Peters. Da erscheint mit dem früheren Unternehmer und Familienvater Adrian Toomes (Michael Keaton), der seit dem Kampf der Avengers gegen die Chitauri in Manhattan vor dem wirtschatlichen Ruin steht und daher mithilfe etwas von ihm entwendeter Alien-Technologie zum Superverbrecher geworden ist, ein lokaler Schurke auf der Bildfläche, den es zu stoppen gilt. Dumm nur, dass sich ausgerechnet Peters großer High-School-Schwarm Liz (Laura Harrier) als Toomes‘ Tochter entpuppt…

„Homecoming“, das bedeutet in diesem Falle natürlich: heim unter Dach und Fach, unter die Ägide des MCU und hinein in das „richtige“ filmische Marvel-Kontinuum. Es bedarf keines Abakus‘ um sicherzugehen, dass der von Disney und dem vormaligen Rechteinhaber Sony bezüglich der Figur Spider-Man und der entsprechenden Nebencharaktere ausgehandelte Multideal zu einem allseitig befriedigenden, wirtschaftlichen Konsens geführt haben dürfte. Trotz dieser nunmehr bereits dritten Neuinterpretation des beliebten Superhelden binnen nur 15 Jahren sollte ihr Gewinnpotential noch immer beträchtlich genug sein, um einen kapitalen Reibach nicht nur an den Kinokassen einzufahren. Die globalen Vermarktungsrechte für die Heimeditionen teilen Disney und Sony sich sorgsam und der Fan freut sich, dass Spidey nun endlich auf kostümierte Freunde und Bekannte treffen darf, wie er es etwa Monat für Monat in den allermeisten Ausgaben der in den Siebzigern und Achtzigern veröffentlichten Serie „Marvel Team-Up“ zu tun pflegte. Lediglich vermeintlicher Einzelgänger gehörte es im Prinzip stets zur guten Tradition Spider-Mans, dass er regelmäßig auf die Unterstützung anderer New Yorker Superhelden zurückgriff – oftmals etwa die von Human Torch, der ja mit seinen drei FamiliengenossInnen noch immer bei Fox herumdümpelt und dort bereits seines nächsten, gewiss wiederum kläglich versagenden Auftrittes harrt. In „Captain America: Civil War“ deutete es sich dann bereits auch im Film an: Strippenzieher Tony Stark versorgte Peter Parker mit einem von ihm selbst entworfenen High-Tech-Anzug, der seine Spinnenkräfte nochmals hervorragend ergänzte, respektive zur Geltung brachte. Nunmehr hat man sich nicht allein daran zu gewöhnen, dass just diese technische Innovation einen nicht unwesentlichen Teil von Spider-Mans Können mitbestimmt. „Homecoming“ greift auch weit zurück in der Charakterhistorie und macht aus Peter wieder einen fünfzehnjährigen Schüler, der sich von dem ewigen Bully Flash Thompson (Tony Revolori) nerven lassen muss und etwas nerdig daherkommt. Tante May (Teresa Parker), bei der Peter aufwächst, ist, aber auch dies war ja bereits bekannt, nunmehr kein schrumpeliges Mütterlein, sondern eine (noch) überaus gut bei Figur befindliche, knackige Frühfünfzigerin. Selbige bewohnt zudem kein Vorstadthäuschen, sondern ein zeitgemäßeres Hochhaus-Appartement.
Ein Latexkostüm und selbsterfundene Netzflüssigkeit für den Titelhelden sind angesichts solcherlei Modifikation ohnedies kaum mehr up to date; insofern passt die Renovierung und heimliche Mentorisierung durch Stark durchaus und bettet sich ordentlich in die erneuerte Kontinuität ein. Besonders wusste mich allerdings Michael Keaton als Vulture zu begeistern, der zwar auch nicht allzu viel mit seinem Comic-Vorbild gemein hat, dafür jedoch infolge seiner kantigen, zwischen sympathisch und diabolisch pendelnden Interpretation eine sehr schöne Filmpräsenz entwickelt und nach Alfred Molina als bis dato bester Leinwandgegner durchgeht. Was den ja unweigerlich zu begutachtenden Aktions- und Kinetikfaktor anbelangt, so verbleibt dieser an einer Hand abzählbaren Höhepunkten vorbehalten, somit angenehm moderat und weniger übersteigert denn in anderen jüngeren MCU-Produktionen; man möchte meinen, dass hier ein adäquates Maß gefunden wurde.

8/10

 

 

NORTH SEA HIJACK

„We drink Scotch here the way it should be drunk – neat.“

North Sea Hijack (Sprengkommando Atlantik) ~ UK 1980
Directed By: Andrew V. McLaglen

Eine Gruppe von bestens vorbereiteten Verbrechern unter der Führung des zu Wuatausbrüchen neigendem Amerikaners Lou Kramer (Anthony Perkins) versieht zwei Bohrinseln im Nordatlantik mit hochempfindlichen Zeitbomben und verlangt von der britischen Regierung 25 Millionen Pfund zur Entschärfung derselben. Die Premierministerin (Faith Brook) will sich im Sinne der Staatsräson als unerpressbar erweisen – gut, dass es den exzentrischen Schotten Rufus Excalibur ffolkes (Roger Moore) gibt, der nicht nur als strategisches Genie gilt, sondern zudem eine Gruppe hochspezialisierter Navy-Taucher trainiert. ffolkes reist, getarnt als Adjutant des Offiziers Brinsden (James Mason) zum Einsatzort und zeigt Kramer klare Kante.

Gegen Mitte der siebziger Jahre vollzog sich nach und nach ein spürbarer Wandel im Œuvre des Regisseurs Andrew V. McLaglen, ehemals Schüler von John Ford und Sohn von dessen britischem Stammschauspieler Victor McLaglen: Seine Filme wurden zunehmend härter, ungeschliffener, roher und zynischer. Wenngleich „North Sea Hijack“, dessen alternativen (tatsächlich minusklisch geschriebenen) Titel „ffolkes“, der sich auf den Helden bezieht, ich ja sehr viel hübscher finde, nicht mehr die offene, visuelle Brutalität mancher seiner Vorgängerfilme präserviert, ist er doch noch mindestens von deren stoischer Trockenheit beseelt. Diese subsummiert sich faktisch beinahe ganz und gar in der von Roger Moore (in seiner zweiten und vorletzten Zusammenarbeit mit McLaglen zu sehen) interpretierten Hauptrolle, die durchaus auf Fortsetzungspotenzial hin ausgerichtet wurde: Sein ffolkes ist in jeder nur denkbaren Hinsicht der Inbegriff schottischen Starrsinns. Starker Trinker, misogyner Solipsist, Egomane, Katzenliebhaber, stystemtreu, tabakrauchhassend und frech zu jedem, der ihm nicht in den Kram passt (und das sind die Allermeisten) empfindet er seinen militärischen Einsatz durchweg als Herausforderung seines unleugbaren strategischen Genius‘ und erweist sich am Ende natürlich als unfehlbarer Planer. ffolkes bewegt sich gleichsam antipodisch fernab von der dandyhaften Attitüde eines James Bond, wie ihn vor allem Moore zu interpretieren pflegte; einem Typen, den ffolkes vermutlich abgrundtief hassen würde. Insofern ist es umso bewundernder, mit welch behender Überzeugungskraft Moore, ja nicht eben als Weltklasseakteur bekannt, seine Figur zum Leben erweckt.
Inszenatorisch erweist sich „North Sea Hijack“ als durchweg professionell, jedoch gleichfalls routiniert und überraschungsarm – ein Film für ein sich selbst als gediegenes und gesetzteres erachtendes und vermutlich vor allem männliches Publikum. Als sehr viel nachhaltiger erweist sich da sein genealogischer Status als einer der offensichtlichsten Wegbereiter für das später vor allem mittels „Die Hard“ rekultivierten Genremotivs rund um (zumeist) profitorientierte Erpressungsaktionen. Diesbezüglich erweist sich McLaglens Werk als historisch unbedingt wertvoll.

7/10

UN POLIZIOTTO SCOMODO

Zitat entfällt.

Un Poliziotto Scomodo (Convoy Busters) ~ I 1978
Directed By: Stelvio Massi

Commissario Olmi (Maurizio Merli) vom römischen Morddezernat eckt seiner rüden Methoden wegen immer wieder bei Vorgesetzten und Staatsanwaltschaft an. Ist etwa ein wichtiger Zeuge, so der juvenile Fatzke Marcello Degan (Marco Gelardini), einmal weniger gesprächig als es ihm zukommt, setzt es Hiebe, bis die Zunge sich lockert – doch unter Zwang abgegebene Aussagen sind nichts wert, und wenn sie noch so sehr der Wahrheit entsprechen. Degan senior (Massimo Serrato), Zollbeamter, umtriebiger, Diamantenschmuggler, Mörder und Vater Marcellos, kann also weitermachen wie bisher, doch Olmi hat ohnehin bereits den großen Hintermann im Auge. Dieser sitzt in Person des nicht ganz so sauberen Geschäftsmannes Corchi (Mimmo Palmara) in unmittelbarer Küstennähe und betreibt dort einen florierenden Waffenschmuggel, der sich wohlfeil hinter einer Spedizionsfirma und einem lokalen TV-Sender tarnt. Wie gut, dass Olmi just dorthin versetzt wird und mit der feschen Anna (Olga Karlatos) gleich noch eine nette Hupfdohle kennenlernt.

Und nocheinmal Maurizio Merli, der gutaussehende Mann mit blauem Schnäuz und blondem Auge und viel Haarlack, der Kämpfer für Witwen und Waisen, der garibaldische Patriot und Kommissar aus Eisen! Was ich letzthin schrieb, gilt in so ziemlich allen Belangen auch für „Un Poliziotto Scomodo“, nur, dass diesmal Stelvio Massi die Regie übernehmen durfte und mir die flötenbewährte Musik von Stelvio Cipriani besonders viel Freude bereitete.
Die böse Fügung, dass der Kommissar zwischendrin an so ziemlich allem scheitern muss; am eigenen Anspruch, an der Gewieftheit seiner Widersacher, vor allem aber an der Unflexibilität des Rechtsstaats, trifft auch den armen Olmi, als er hilflos zusehen muss, wie der üble Degan sich in letzter Minute mit einem Flieger in die höchst unverdiente Freiheit absetzen kann. Zäsur, Versetzung, Provinz. Die ansonsten stets locker sitzende Handfeuerwaffe landet zuallererst bedeutungsschwer in der Schublade, wo sie zunächst auch bleiben kann, denn hier an der See bekommt es Olmi bestenfalls mit ein paar großmäuligen Rüpeln zu tun, die auch im Sechserpack ganz schnell abgefertigt werden. Und doch – wo Olmi ist, da ist auch das organisierte Verbrechen nicht fern und es lauert , seelisch erstarkt durch freundliche Kollegen, wesentlich mehr Handlungsfreiheit und vor allem eine schnieke Dame im Bettchen, für Olmi die Gelegenheit, die letzte Schlappe wieder auszuwetzen. Sein neuer Gegner Corchi weiß nämlich nicht, mit wem er es hier zu tun bekommt.
Es ist zwar etwas Schade, dass Massimo Serrato, gerade, als man ihn als bösen Hundsfott so richtig ins Herz geschlossen hat, schon wieder so rasch aus dem Film verschwinden muss und mit Mimmo Palmara einen eher blassen Ersatz hinterlässt, doch „Un Poliziotto Scomodo“ liefert unter Aufendung der allseits gewohnten Meriten trotzdem die volle Merli-Dröhnung: Es gibt reichlich Action, Spaß und diesmal mehr Hiebe als Patronen, was aber auch in Ordnung geht. Olmi vor!

7/10

ITALIA A MANO ARMATA

Zitat entfällt.

Italia A Mano Armata (Cop Hunter) ~ I 1976
Directed By: Marino Girolami

Commissario Betti (Maurizio Merli) von der römischen Mordkommission sieht sich wie üblich mit einer Welle des Verbrechens konfrontiert, die von Albertelli (John Saxon), dem großen Boss im Hintergrund, geplant und koordiniert wird. Vor allem Banküberfälle mit Scheingeiselnahmen gehören zum Konzept seiner Gang. Dennoch bleiben Albertellis Hände stets blütenrein, so dass Betti, der genau Bescheid weiß, dem großen Hai nichts nachweisen kann. Als in Albertellis Auftrag eine Gruppe von Schulkindern entführt wird, eine Aktion, bei der ein kleiner Junge serben muss, ist Betti sowohl sich als auch Luisa (Mirella D’Angelo), der Schwester des Jungen, schuldig, Albertelli endgültig dingfest zu machen.

Nach Marino Girolamis „Roma Violenta“ und Umberto Lenzis „Napoli Violenta“ nahm abermals Signore Girolami das Heft zur Hand und inszenierte mit „Italia A Mano Armata“ den letzten Teil der binnen rund einem Jahr entstandenen Trilogie um das römische Callahan-Pendant Betti, einem Typen, der gern dazu neigt, weniger auf das hoffnungslos korrumpierte System, denn auf die eigene Schlagkraft und Rechtsprechung zu setzen. Ursprünglich war Merli als Franco-Nero-Substitut engagiert worden und „Roma Violenta“ als nachgeschobener Profiteur zu Enzo Castellaris höchst erfolgreichem „La Polizia Incrimina La Legge Assolve“ gedacht, der dem Poliziottesco seinerseits erst den ursprünglichen Zunder verliehen hatte. Bei Girolami und Merli wurde dann der Exploitationfaktor nochmal zünftig angeschraubt, die Schurken wesentlich roher und unmenschlicher und die Gewaltszenen intensiver, womit die Gattung dann ihre eigentliche, finale Form zuteil wurde, die dann neben Merli, dem ungekrönten König des Poliziottesco, noch weitere Protagonisten in Luc Merenda, Henry Silva oder Marcell Bozzuffi hervorbrachte. Ob Merli sich nun Betti, Tanzi oder Ferro nannte; er spielte im Prinzip die immerselbe Figur vor dem immerselben Konzept. Manchmal, wie auch in „Italio A Mano Armata“, musste seine Figur dann am Ende noch urplötzlich als großer Verlierer gegen die allumfassende Systemfäule dann doch noch überraschend den Löffel abgeben (auch das nach Nero-Vorbild) und der Zuschauer mit einem gehörigen Schreck das Kino verlassen.
So wenig vielgestaltig wie seine insgesamt elf Polizeifilme ist auch deren ihnen immanente Qualitätsspanne; wenn man sich einen Merli vornimmt, dann weiß man in der Regel, was man zu erwarten hat. Das kommt einem mustergültigen Gütesiegel gleich, auf das man zählen kann und das keinen, der einmal seine Freude daran gefunden hat, je wirklich enttäuschen dürfte. „Italio A Amano Armata“ ist mit sorgsam verteilten, kernigen Actionszenen und etablierten Mustern nun weder der beste noch der schwächste Beitrag zu diesem insgesamt sehr schönen Zyklus. Man fühlt sich zu Hause in ihm und das ist gut.

7/10