BRAWL IN CELL BLOCK 99

„Prison will give me plenty ‚o time on guys that I don’t like.“

Brawl In Cell Block 99 ~ USA 2017
Directed By: S. Craig Zahler

Um die Ehe mit seiner frustrierten Gattin Lauren (Jennifer Carpenter) zu retten, lässt sich der faustmächtige Bradley Thomas (Vince Vaughn) auf die Lohnliste des Dealers Gil (Marc Blucas) setzen. Das Arrangement geht eine zeitlang gut, bis eine Transaktion zwischen Gil und dem undurchsichtigen Eleazar (Dion Mucciacito) im Hafen gründlich schief läuft und Thomas in der Folge einwandert. Im Knast wird er flugs erpresst – von Eleazar, der die schwangere Lauren entführt hat und droht, sie zu töten, wenn Thomas nicht dafür sorgt, in das Hochsicherheitsgefängnis Redleaf verlegt zu werden, um dort einen Insassen namens Christopher Bridge zu ermorden. Dafür muss Thomas wiederum zunächst in das Kellergeschoss von Redleaf, Cell Block 99, gelangen. Über Umwege dort angelangt, stellt Thomas fest, dass man ihn schwer gelinkt hat.

Nach dem Kannibalenwestern „Bone Tomahawk“ erweist sich S. Craig Zahler neuerlich als das, was ich gern als „Referentialregisseur“ bezeichnen möchte und setzt sich damit endgültig in direkte Genealgie zum Schaffen eines Quentin Tarantino. Die (Re-)Aktivierung arrivierter Altstars, die Bedienung klassischer Genresujets und die unablässige Liebäugelei mit Grindhouse und Exploitation sprechen Bände.
Freilich gibt es jedoch auch eindeutige Differenzen, respektive Eigenheiten, die Zahler in diversen Nuancen vom großen Vorbild abheben. Zunächst ist er sehr viel mehr Freund von visueller Kommunikation denn von unablässig stattfindendem Dialog, was seine rein filmische Sprache um Einiges bestimmender erscheinen lässt. Dann erweist sich Zahler als sehr viel aufrichtiger, was seinen Einsatz von visuellen Bräsigkeiten anbelangt – für den Mainstream, mit dem Tarantino insgeheim ja spätestens seit seinem zweiten Film liebäugelt, sind Zahlers Filme schlicht zu deftig und zu underground-affin. Damit ist er jedoch gewissermaßen auch ehrlicher zu seinen kreativen Wurzeln, die nicht nur im amerikanischen Drive-In-Kino liegen, sondern auch bei den europäischen Exporteuren der Spätsiebziger und Frühachtziger, die die Grenzen zwischen körperlicher Auflösung und Grand Guignol in blutigem Schmodder zerfließen ließen. „Brawl In Cell Block 99“ wird nur selten hart, aber wenn, dann richtig und ohne Kompromissbereitschaften.
Die Idee, den staturisch ja überaus beeindruckenden Vince Vaughn in die Ahnenreihe der neuen Selbstjustiz-Superhelden zu setzen, die durch fast nichts aufzuhalten sind und ihre Gegner ebenso fachgerecht wie mit stoischer Miene in überwältigender Zahl ins Jenseits schicken, erweist sich bereits in den ersten Minuten des Films als zwingend. Man ist, spätestens, wenn er seine Wut über ihren Betrug am Auto seiner Frau auslässt, gar geneigt, zu fragen, warum Vaughn überhaupt so lange im Comedy-Fach verweilte, wo doch eine ähnlich sublime Aggressivität in ihm zu schlummern scheint wie in seiner Filmfigur.
Einen Originalitätspreis wird man „Brawl In Cell Block 99“ nun nicht zugestehen können, dafür assimiliert er sich dann doch zu sehr und zu willfährig an gängige Strukturen und Schemata. Aber er ist ein knackiges, vitales Stück Kino, das fesselt und Spaß macht, wenn man sich zumindest eine kleine Affinität zu stürmisch aufbrausenden Gewaltfantasien mit gepflegtem Horrortouch bewahrt hat.

8/10

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CHOPPING MALL

„Thank you. Have a nice day.“

Chopping Mall (Shopping) ~ USA 1986
Directed By: Jim Wynorski

Voller Stolz präsentiert das Einkaufszentrum „Park Plaza Mall“ seine drei hochmodernen „Protektoren“- rollende Roboter, die nach Ladenschluss die Aufgabe haben, Diebesgesindel und andere Eindringline zu stellen und bis zur Ankunft der Polizei in Gewahrsam zu nehmen. Doch auch diese zukunftsweisende Technik ist keinesfalls ohne Tücken – ein Blitzeinschlag lässt die drei Maschinen zu gnadenlosen Killern werden, die ihr umfangreiches Waffenarsenal dazu verwenden, alles umzunieten, was sich in dem hermetisch verschlossenen, nächtlichen Gebäudekomplex bewegt. Dumm nur, dass ausgerechnet itzo vier junge Pärchen beschließen, insgeheim eine feuchtfröhliche Party in der Mall zu feiern. Bald gibt es die ersten Toten…

Die patenschaftliche Ägide über Jim Wynorskis zweiten, wiederum tollen Film übernahm Corman-Gattin Julie, was sich wiederum durch etliche Referenzen und Verweise äußert, die der Regisseur in seinen Settings unterbringt – seien es gut sichtbar ins Bild gesetzte Filmplakate jüngerer Corman-Produktionen (auch „The Lost Empire“ darf freilich nicht fehlen) oder witzige Cameos der Corman-Usuals Paul Bartel, Mary Woronov und Dick Miller. Nach einer humorigen Einführung der mehr oder minder sympathischen Party-Kids geht Wynorski dann auch ziemlich fix in medias res – die drei possierlichen Killbots, die wohl nicht von ungefähr ein klein wenig an Number 5 aus John Badhams  „Scort Circuit“ erinnern, garniert allerdings mit der zielstrebigen Attitüde des T-800, ballern ihre bunten Laserstrahlen schlecht gezielt und quer durch das Einkaufszentrum, wobei auch schonmal ein ganzer Kopf platzend verlustig geht. Immerhin ist Wynorski so gütig, die Pärchen jeweils kurz nacheinander das Zeitliche segnen zu lassen – so ist die Trauerphase jeweils nicht so lang. Dem altbekannten, ironisch gefassten Slasher-Prinzip gemäß bleiben am Ende natürlich die beiden unschuldigsten Teenager am Leben – jene nämlich, die sich an diesem Abend erst kennengelernt und braverweise als Einzige aus der Gruppe keinen koitalen Kontakt gepflegt haben. Everybody’s darling Barbara Crampton ist auch dabei, leider nicht als final girl, was ihr im Vergleich zu der zwar wackeren, aber etwas blassen Kelli Maroney durchaus zugestanden hätte.
Die anarchische Buntheit und die liebevollen production values des Vorgängers gehen „Chopping Mall“ zwar etwas ab, das macht er jedoch durch seine grellen Einfälle und die besonders Hermetik des Schauplatzes wieder wett. Still Wynorski at his very best.
Und dann kam „Deathstalker II“

7/10

THE LOST EMPIRE

„I hate robot spiders!“

The Lost Empire (Drei Engel auf der Todesinsel) ~ USA 1984
Directed By: Jim Wynorski

Eher durch Zufall wird die knallharte Polizistin Angel Wolfe (Melanie Vincz) auf einen bizarren Kult um einen rotglühenden Diamanten aufmerksam, dem zuvor ihr jüngerer Bruder (Bill Thornbury) im Zuge eines Einsatzes zum Opfer gefallen ist. Offenbar hat ein gewisser Lee Chuck einen Pakt mit Satan persönlich geschlossen und kann dessen Einforderung seiner Seele nur dadurch verhindern, dass er jenen magischen Edelstein mit seinem Gegenstück vereint und dadurch unendliche Macht erlangt. Um Selbiges zu verhindern, folgt Angel mit ihren zwei oberweitenbegüterten Freundinnen Whitestar (Raven De La Croix) und Heather McClure (Angela Aames) einer heißen Spur zur Insel „Golgatha“, auf der der geheimnisvolle Dr. Sin Do (Angus Scrimm) martialische Turniere mit leichtgeschürzten Damen veranstaltet…

Jim Wynorski ist zusammen mit seinem Kumpel Fred Olen Ray über die letzten 35 Jahre hinweg zu einer Art Synonym für lustvoll aufbereitete, amerikanische Exploitation- und Sleaze-Filmerei geworden. Über Umwege aus dem kreativen Dunstkreis Roger Cormans stammend, an dessen Produktion „Forbidden World“ er als Scriptautor mitwerkelte, legte Wynorski mit „The Lost Empire“ 1984 seine erste eigene Regiearbeit vor. Diese zeigt sich, lange vor Tarantino und dessen häufig ermüdenden Epigonen, als schwungvoll-kunterbuntes, ironisches Zitatekino voller augenzwinkernder Reminiszenzen, das seine Wurzeln allerdings nie denunziert, sondern sich dem umfangreichen Vorbildfundus nahtlos anschließt. Ob Russ Meyer, Don Coscarelli, Andy Sidaris, Cop- und Cannons Ninja-Filme, indonesischer Nägelzieher, Bruce Lee oder phantastischer B- und C-Film – „The Lost Empire“ lässt von nichts die Finger, zeigt unentwegt, dass die inspirativen Hausaufgaben mit Fleißsternchen gemacht wurden und explodiert stets aufs Neue in einer Vielzahl bald infantiler, bald verblüffender Einfälle: In stolzem Scope zur Musik von Alan Howarth präsentiert, gibt es grandiose Dekors und matte paintings zu bestaunen, die sich die Klinke reichen mit Schlammcatchereien und ordentlichem Geballere, zwischen denen die Superladys allenthalben ihre massiven Dekolletés vor die Linse halten und einen unglaublichen Fundus halbgarer Sprüche zum Besten geben müssen. Interessanterweise sind die Geschlechterrollen bei allem gebotenen Tittenfetischismus durchweg vertauscht; in einer etwas „handelsüblicher“ dargebotenen Story solcher Provenienz sollte man davon ausgehen, dass die Frauenparts für Männer geschrieben sind und vice versa.
Vermutlich stellt „The Lost Empire“ trotz seines Debütstatus‘ bis heute Wynorskis dedizierteste Arbeit dar – bei bislang knapp 100 weiterer Regie-Credits (die just vielsagende Titel wie „Monster Cruise“, „Piranhaconda“, „CobraGator“ oder „Shark Babes“ vorweisen) eigentlich ein kleines Wunder. Damit zu tun haben wird auch die Tatsache, dass das hier noch vitales Kino war, das seinem Schöpfer fraglos dazu diente, ein Hochmaß an aufgestauten Kreativideen zu realisieren.
Bombe.

7/10

WONDER WOMEN

„I don’t like long legs. They get in the way.“

Wonder Women (Liebesgrüße aus Fernost) ~ PH/USA 1973
Directed By: Robert Vincent O’Neill

Als überall auf der Welt spurlos Spitzensportler verschwinden, werden die Geheimdienste hellhörig. Spitzenagent Mike Harber (Ross Hagen) soll eine lose Spur in Manila aufnehmen, die über Umwege zu der kriminellen Organisation der verrückten Wissenschaftlerin Dr. Tsu (Nancy Kwan) führt. Diese hat eine Methode zur Verpflanzung jedes beliebigen Körperteils entdeckt und verschachert nun die Bestände ihres wachsenden Sammelsuriums an die global Meistbietenden. Harber muss gut aufpassen, denn bald schon liegt auch er unter Tsus Skalpell…

Grundsätzlich mäßig interessanter Bond-Spoof der gröberen Sorte, der es jedoch infolge der Unterstützung ein paar augenscheinlich kleiner Details zumindest ins Semi-Finale schafft. An erster Stelle wäre da selbstverfreilich die an Kalauern alles andere als arme, gut hörbar von Rainer Brandt oder Arne Elsholtz erstellte Synchronfassung zu nennen, die „Liebesgrüße aus Fernost“ zumindest für den bundedeutschen Betrachter verpflichtend begleiten sollte. Das vehement zwischen aufreizend-unpassend und abseitig oszillierende Nonsens-Gesäusel besitzt absolute Liebhaberqualitäten, etwa, wenn Ross Hagen sich mit der Stimme von Thomas Danneberg zur Anmache einer weiblichen Bar-Entdeckung anschickt: „Hallo, ich bin der Erbprinz von Salzufflen.“ Man könnte endlos weitere Beispiele aus jenem pathologischen Lyrikfundus zitieren.
Doch „Wonder Women“ hat noch etwas wirklich Tolles (in dem Falle sogar Ureigenes) zu bieten, das das tapfere Durchstehungsvermögen des Psychotronikfreundes fürstlich belohnt: die monströse Menagerie von Dr. Tsus (eine Art Sumuru-Plagiat, für das man sich immerhin die Physis von Nancy „Suzie Wong“ Kwan zu sichern wusste) medizinischen Fehlschlägen, die auf strohiger Unterlage hinter Gittern ihr entseelt-mutiertes Dasein fristen und natürlich bloß auf die überfällige, stumpfe Rache sinnen. Wehe, wenn sie losgelassen! Und freilich passiert beizeiten genau das, unter allem gebührlichen Getöse, wenn auch immer noch bedauernswert jugendfrei.
„Wonder Women“ belohnt den geneigten Entdecker also mit einer Menge antiräsonalem Schabernack, dem auszusetzen sich trotz manch eher fader Phase inmitten des auch mit 82 Minuten eigentlich noch immer viel zu langen Blödsinns eine Menge Freude bereitet. Oder bereiten kann – das liegt dann wieder bei jedem selbst.

6/10

PILGRIMAGE

„Do what you can.“

Pilgrimage (Gottes Wege sind blutig) ~ IE/BE/USA 2017
Directed By: Brendan Muldowney

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts kommt der Zisterzienser Geraldus (Stanley Weber) in ein entlegenes Kloster ganz im Westen der irischen Insel, um eine dort lagernde Reliquie, jenen Stein, der einst den Apostel Matthias (Nikos Karathanos) erschlug, zum Vatikan zu bringen, wo just ein neuer Kreuzzug erwogen wird. Mit einer kleinen Eskorte, darunter der junge Novize Diarmuid (Tom Holland) und ein stumme Hüne (Jon Bernthal), reist Geraldus quer über die Insel, stets bedroht von kriegerischen Kelten und dem verräterischen Normannenprinz Raymond De Merville (Richard Armitage), der das Artefakt für sich beansprucht.

Gut, dass mir bis dato ausnehmend positiv aufgefallene Ire Brendan Muldowney Nicolas Winding Refns „Valhalla Rising“ gesehen und sich zumindest für die Zeichnung des von Jon Bernthal mit einigem Körpereinsatz gegebenen, stummen Mönchs von diesem hat inspirieren lassen, sei einmal außer Frage gestellt. Das macht aber in Anbetracht des rundum gelungenen Resultats auch überhaupt nichts.
Wie Muldowney respektive sein Autor Jamie Hannigan den Wert der Kirche und ihrer Vorgehensweise in mittelalterlichen Tagen einschätzen, bleibt ferner angesichts des blutigen Verlaufs der Ereignisse kaum offen: Um einen großen Kreuzzug zu stützen wird gewissermaßen ein kleiner [oder eine „Pilgerfahrt“, um im (anti-)sakralen Duktus des Films zu bleiben] vorangestellt, der in Gewalt, Leid und Chaos endet. Besonders reizvoll erscheint innerhalb dieses von einer ausgezeichneten Bildsprache unterstützen, gräulichen Abenteuers die Konstellation der Heldenfiguren, die einen sich welterfahren wähnenden französischen Geistlichen sowie die aus beinahe atavistischem Lebensumfeld stammenden irischen Mönche miteinander koppelt. Der just als neuer „Punisher“ von sich reden machende Bernthal ist dabei als beinahe mythologisch konnotierter „Superheld“ von mysteriöser Herkunft zu sehen, dessen rohe, gewaltige Wehrhaftigkeit sich, einmal entfesselt, mit gewaltiger Wucht wider seine Gegner entlädt. Marvel ist zum Leidwesen vieler Zeitgenossen ja momentan ohnedies überall, insofern gibt es mit dem Nachwuchs-„Spider-Man“ Tom Holland gleich noch ein Mitglied aus dessen wachsender Filmfamilie zu beklatschen.
Für entpuppte sich der in zielsicher Ambivalenz ebenso kontemplative wie wuchtige Film über die dark ages als spätes Jahreshighlight und unbedingt sehenswertes Genrestück ganz nach meinem Gusto. Blut, Stahl und Barbarei, die haben es mir schon immer irgendwie angetan und „Pilgrimage“ bewies mir aufs Neuerliche eindrucksvoll, warum.

9/10

THE BELKO EXPERIMENT

„Whoever’s doing this, they’re having a little fun at our expense.“

The Belko Experiment ~ USA/COL 2016
Directed By: Greg McLean

Die Firma „Belko Industries“ beschäftigt in einem angelegenen Bürokomplex vor der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá einen größeren Stab von US-Angestellten. Mit Ausnahme der Tatsache, dass sämtliche der Mitarbeiter einen Chip im Kopf implantiert haben, der, so versichert man, im Falle eines Kidnapping zur schnellen Wiederauffindung dient, verläuft nahezu jede Schicht dort eher zwischenfallsfrei und gepflegt langweilig. Bis das ganze Gebäude eines Tages hermetisch abgeriegelt wird und die Angestellten via Fernsprecher aufgefordert werden, sich gegenseitig zu töten, wenn sie nicht selbst sterben wollen. Tatsächlich entpuppen sich die eingesetzten Tracker als ferngesteuerte Minibomben und die Männer und Frauen als Opfer eines teuflischen Experiments, das es irgendwie zu überleben gilt. Bald bilden sich verfeindete Fraktionen und kaum jemand kann noch dem anderen trauen…

Nachdem der Australier Greg McLean sich primär durch seine beiden „Wolf Creek“-Filme empfohlen hat, durfte er mit seiner zweiten US-Produktion ein Script des umtriebigen Spaßvogels und Troma-Eleven James Gunn verfilmen, dessen simple Primässe um ein aus dem Ruder laufendes, höchst unethisches Sozialexperiment selbst auf den ersten Blick bereits den etwas faden Beigeschmack reiner Zweckmäßigkeit nicht verleugnen kann. Ähnlich wie die „Purge“-Reihe gibt „The Belko Experiment“ vor, dystopische, schwarzhumorige Gesellschaftssatire zu liefern, bietet stattdessen jedoch nicht wesentlich mehr feil denn immerhin recht kinetisch arrangierten Survivalhorror, der über seine kurze Distanz hinweg zumindest auf der rein affektiven Ebene recht gut funktioniert. Allerdings macht sich das hohle Fundament des Ganzen spätestens im letzten Erzähldrittel schmerzhaft bemerkbar, als der Plot zu dem bitteren Offenbarungseid gezwungen ist, keinerlei befriedigende Aufklärung für seine zuvor so spektakulär arrangierten Volten beibringen zu können: ein offenbar extrem entmenschlichter „Wissenschaftler“ (Gregg Henry) erklärt dem einzigen Überlebenden Mike Milch (John Gallagher Jr.), dass er soeben an einer unfreiwilligen Feldstudie zu menschlichem Verhalten in Extremsituationen teilgenommen hat. Nachdem Mike den sadistischen Sozialforscher und seinen Anhang ausgeschaltet hat, offenbart man uns noch, dass zeitgleich auf globaler Ebene etliche analoge Experimente stattfinden – ein Sequel war offensichtlich fester Bestandteil des Plans. Das nicht zu unterschätzende Missverhältnis zwischen Aktion und Entschlüsselung geht somit  in einen ziemlich schmerzhaften Spagat, an dessen oberem Ende schon der unvermeidliche Riss lauert. Daran ändert selbst die Mitwirkung der immer noch erfreulich gut aufgelegten Michael Rooker, ohnehin eher unter Gaststar-Status, und John C. McGinley als hundsföttischem Fiesling wenig. Mediokres Amüsement.

6/10

THE BUTCHER

„Isn’t everyhing that’s great in life unfortunately temporary?“

The Butcher ~ USA 2009
Directed By: Jesse V. Johnson

Ex-Boxer Merle „The Butcher“ Hench (Eric Roberts) arbeitet bereits seit etlichen Jahren und ohne zu murren als „Mädchen für alles“ für den Gangsterboss Murdoch (Robert Davi). Als Murdoch glaubt, Hench habe seinen Biss verloren und gehöre zum alten Eisen, will er ihn im Zuge eines Coups gegen die Konkurrenz verheizen. Doch Merle kann mit einem gehörigen Kontingent an Beutegeld entkommen und beschließt, gemeinsam mit der Bardame Jackie (Irina Björklund) aus der Stadt zu verschwinden und irgendwo neu anzufangen. Zuvor heißt es jedoch, zwei Unterweltpatriarchen und ihre gesammelte Killergilde aus dem Weg zu räumen. Merle muss seinem alten Alias gezwungenermaßen alle Ehre machen…

Stunt-Koordinator und DTV-Regisseur Jesse V. Johnson ist – zumindest in eigener Sache – ein nicht eben zimperlich vorgehende, ruppiger Bursche, dessen Geschichten es sich zwar augenscheinlich in komplexitätsreduziertem, pulpigen Ambiente gemütlich machen, einer Klapperschlange gleich jedoch immer wieder und unerwartet blitzeschnell hervorschießen und zubeißen. So wiegt auch „The Butcher“ sich zu Beginn in wortreichem, unleugbar von Tarantinos Gangsterkino beeinflusstem und kostengünstig aufgezogenen Neo-Noir-Chic, dessen Verlauf sich hier und da noch allzu gemächlich ausnimmt, entwickelt sich zum Showdown hin jedoch zu einer alles niederwalzenden Blei- und Blutorgie, die die vormalige Inspirationsquelle zugunsten eiskalter Hill-Kanonaden fallenlässt wie eine glühend heiße Bowlingkugel und „The Butcher“ zu einem arschharten Abschluss mit vielen Uffs führt, der den gesamten Film zugleich deutlich runder und klassizistischer dastehen lässt, als es zunächst noch den Anschein machte. Für den in Ehren ergrauten Eric Roberts in der Titelrolle erweist sich Johnsons Script als spätes Geschenk, das er demzufolge auch zu nutzen versteht und dem er durch sein ausgezeichnetes Spiel Rechnung trägt, derweil sich weitere betagte Legenden aus dem Spotlight-Abseits, namentlich Davi, Geoffrey Lewis, Keith David, Michael Ironside oder Vernon Wells in Nebenparts und Cameos für ihr Engagement erkenntlich zeigen. Dass der rohdiamantene „The Butcher“ sich somit als ein kleines Reminiszenz-Event für den etwas aufmerksameren Filmdetektiv erweist, darf man wiederum als Kompliment an sich selbst als Rezipienten begreifen.

8/10