MORT D’UN POURRI

Zitat entfällt.

Mort D’Un Pourri (Der Fall Serrano) ~ F 1977
Directed By: Georges Lautner

Eines frühen Morgens erhält der betuchte Manager Xavier Maréchal (Alain Delon) überraschend einen Besuch seines besten Freundes, des Abgeordneten Philippe Dubaye (Maurice Ronet). Dieser gesteht Xavier, ein paar Stunden zuvor seinen Kollegen Serrano (Charles Moulin) erschlagen zu haben. Serrano war im Besitz einer Akte voller kompromittierender Informationen über diverse Personen des Öffentlichen Lebens bis hin in höchste Staatsämter, darunter auch über Philippe, der Xavier gesteht, die Akte entwendet und bei seiner Freundin Valérie (Ornella Muti) versteckt zu haben. Als kurz darauf auch Philippe getötet wird, will Xavier, der sich kurz zuvor selbst in den Besitz der Akte gebracht hat, unbedingt herausfinden, wer hinter dem Mord steckt. Dieser Stich ins Wespennest sorgt dafür, dass sich Xavier umgehend von diversen Interessengruppen, darunter die Polizei und eine Art Freimaurerloge, belagert findet, die allesamt die Akte Serrano haben wollen. Während immer weitere Menschen aus seinem Umfeld Gewaltverbrechen zum Opfer fallen, wächst der Druck auf Philippe, bis er endgültig mit dem Rücken zur Wand steht…

Lautners und Delons in Ehren gescheiterter Versuch, der 1977 bereits stattlich angewachsenen Gruppe systemkritischer, linker französischer Politthriller um einen gemeinsamen Genreentwurf zu bereichern. Als ordinärer Kriminalfilm bleibt „Mort D’Un Pourri“ allzu gleichmütig und entschleunigt, als politisches Statement zu verwaschen. Nie erfährt man wirklich, wer oder was genau sich hinter mysteriösen Figuren wie dem reichen Fondari (Julien Guiomar) oder dem larmoyanten Ausländer Tomski (Klaus Kinski) verbirgt, oder welches konkrete Interesse sie an der als MacGuffin fungierenden Serrano-Akte haben, deren Inhalt wiederum ominös bleibt: „Ein Album der Korruption, eine Chronologie der Verfilzung“ soll sie sein. Dem Rezipienten wird ein hohes Maß an reger Phantasie zugemutet, was es entsprechend schwer macht, der sich so gewichtig gebenden Geschichte zu folgen. Maréchal, einen etwas öligen Bourgeois erster Klasse, ist man gezwungen, trotz seiner verwaschenen Agenda als Sympathie- und Identifikationscharakter in Kauf zu nehmen, wirklich sympathisch wird er einem jedoch nie. Die diversen Anschläge und inszenierten Autounfälle, die den zunehmend an ostentativer Gleichgültigkeit krankenden Volten innerhalb des Plots etwas Aktion verleihen sollen, überlebt er samt und sonders ohne weitere Blessuren und selbst die insgeheim wachsende Hoffnung, dass seine mächtigen Gegner am Ende doch noch die Überhand gewinnen, zerschlägt sich schließlich. Was „Mort D’Un Poulle“ schlussendlich dann doch noch potenziell sehenswert macht, sind Lokal- und Zeitkolorit des Paris der Spätsiebziger, die charmanten Verweise auf Delons und Ronets frühere Kollaborationen, die vortreffliche Besetzung und Philippe Sardes jazzige Musik. Eine spannendere, konkretere und vor allem involvierendere Geschichte – und somit Herz und Motor – bleibt der Film jedoch schuldig.

6/10

PARIS, BRÛLE-T-IL?

„What’s going on with that Paris?“

Paris, Brûle-T-Il? (Brennt Paris?) ~ USA/F 1966
Directed By: René Clement

Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 schmilzt Hitlers (Billy Frick) Vertrauen in seine führenden Wehrmachtsoffiziere rapide dahin. Er ernennt daher den linientreuen Dietrich von Choltitz (Gert Fröbe) zum Kommandierenden General des besetzten Groß-Paris mit der ausrücklichen Order, die Stadt im Zweifelsfalle besser zu zerstören, als sie dem Feind in die Hände fallen zu lassen. Vor Ort ist die Situation bereits extrem gespannt; Gestapo und SS agieren typisch kopflos und schüren den Hass der Zivilbevölerung immer mehr. Als trotz Insistierung durch den schwedischen Botschafter Nordling (Orson Welles) ein führendes Résistance-Mitglied (Tony Taffin) erschossen wird und kurz darauf eine größere Gruppe junger Widerständler von der Gestapo in die Falle gelockt und erschossen wird, bündeln die vormals zerstrittenen Lager der Kommunisten und Gaullisten ihre Kräfte und gehen entschieden gegen die Nazis vor. Dem linken Major Gallois (Pierre Vaneck) obliegt schließlich die schwierige Mission, zu den Alliierten durchzudringen und sie zum Einmarsch in Paris und zur Unterstützung der Résistance zu bewegen, bevor die Stadt dem Erdboden gleichgemacht werden kann…

Die sechziger Jahre, das Jahrzehnt der monumentalen Kriegsfilme. Auch „Paris, Brûle-T-Il?“, international verliehen und co-produziertt von der Paramount und entstanden unter französischer Produktionsägide, zählt zu der umfangreichen Gruppe überlanger, stargespickter Historienaufbereitungen, deren logistischer Aufwand noch heute repräsentativ dasteht für die Ausstellung des damals technisch Machbaren.
Besonders in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts kamen auch europäische Financiers auf den Geschmack und kollaborierten mit den großen Hollywood-Studios, um gewaltige Spektakel rund um die Invasion aus dem Boden zu stampfen. Clements Film bildet dafür ein vorzügliches Exempel. Nach dem strukturellen Beispiel des fünf Jahre zuvor entstandene D-Day-Prestigefilm „The Longest Day“, den immerhin noch drei Regisseure gemeinsam stemmen durften, widmet sich „Paris, Brûle-T-Il?“ der Befreiung und Rettung der vier Jahre lang besetzten Metropole, die zugleich ein markiges Symbol für die dräuende deutsche Niederlage und den zusehends schwindenden Einfluss Hitlers auf seinen vormaligen Machtradius bildete. Wie bei Wicki, Annakin und Marton setzt sich auch das Narrativ dieses Films aus vielen episodisch gehaltenen Momentaufnahmen zusammen, deren Vorteile auf der Hand lagen – zum einen gestattete diese Erzählsweise einen multiperspektivische, auch historisch umfassendere Einblicke in die vielen beteiligten Gruppen, Lager und Einzelschicksale, zum anderen ermöglichte sie den gorreichen Einsatz des gewaltigen, internationalen Staraufgebots, ohne die geballte (und vor allem teuere) Prominenz für allzu viele Drehtage an das Projekt zu ketten. Gewissermaßen bildet General von Choltitz, dessen Rolle im Rahmen der Befreiung stark umnstritten ist, den charakterlichen Roten Faden des Films. Vor allem für den gewohnt wundervoll aufspielenden Gert Fröbe dürfte diese Tatsache ein besonderes Geschenk gewesen sein – er spielt jenen zwischen Pflichterfüllung und Menschlichkeit changierenden Wehrmachtsoffizier, wie er seit eh und je vor allem im (internationalen) Gattungsfilm immer wieder anzutreffen ist; jenen Typus Soldaten, der in späteren Kriegstagen längst darüber im Bilde befindlich war, dass der Führer verrückter war als eine Scheißhausratte, darüber hinaus jedoch mit dem militärischen Treueeid zu hadern hatte. „Schadensbegrenzung“ lautete die obliegende Devise, die Choltitz/Fröbe zum ausgesprochenen Gegner der SS macht und ihn sogar insgeheim mit der Résistance verhandeln lässt.
Obschon es 1966 noch nicht ungewöhnlich war, selbst von großem Publikumserfolg abhängige Großproduktionen wie diese in Schwarzweiß ins Kino zu bringen, hatte auch jene technische Entscheidung sehr konkrete Gründe: Clément nutzte etliche authentische Archivaufnahmen von relativ lädierter Qualität, deren zäsurischer Gebrauch sonst allzu stark ins Auge gefallen wäre. Zudem wurde nur der Einsatz farbverfremdeter Hakenkreuzflaggen am Drehort Paris gestattet, um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen.
„Paris, Brûle T-Il?“ gliedert sich relativ nahtlos ein in die Formation seiner zeitgenössischen Kriegsfilme und teilt deren Habitus ebenso behende. Wer also eine Vorliebe für martialischen Kinomilitarismus pflegt, gern viele Stars an und zwischen Panzern, Waffen und Explosionen betrachtet und es zudem mag, zu sehen, wie Nazis verlieren, der ist mit der Wahl von Clements prallem Werk bestens aufgehoben.

8/10

3 HOMMES À ABATTRE

Zitat entfällt.

3 Hommes À Abattre (Killer stellen sich nicht vor) ~ F 1980
Directed By: Jacques Deray

Der professionelle Pokerspieler Michel Gerfaut (Alain Delon) wird durch Zufall in eine Vendetta des mächtigen Rüstungsindustriellen Emmerich (Pierre Dux) gezogen. Emmerich lässt drei seiner Hauptangestellten, die Skrupel wegen eines fehlerhaften Raketensystems haben und diese publik machen wollen, von gedungenen Killern ermorden. Einen davon (André Falcon) findet Gerfaut des Nachts schwerverletzt in seinem Wagen und bringt ihn, nichts Böses ahnend, zur nächsten Unfallambulanz. Nun ist der zuvor Unbeteiligte ein gefährlicher Zeuge, den es ebenfalls zu liquidieren gilt. Doch Gerfaut ist durchaus imstande, sich seiner Haut zu wehren, wenngleich er weiterhin übersieht, mit welchen Gewalten er wirklich im Clinch liegt.

„3 Hommes À Abattre“ („Drei Männer im Fall“, womit wahlweise die drei Anschlagsopfer oder auch die entgegengesetzten Kräfte Gerfaut, Emmerich und dessen erniedrigter Sekretär Leprince gemeint sein können) wäre sicherlich gern ein an den hochwirtschaftlichen und staatlichen Organen rüttelndes, bedrückendes Werk im Stil von Costa-Gavras, Rosi oder Verneuil. Dieses hehre Ziel verfehlt er jedoch, und das nicht nur um Haaresbreite. Als allzu hinderlich erweist sich vor allem die Eitelkeit des (sich selbst produzierenden) Hauptdarstellers, seinem im Unterhaltungsfach zunehmend erfolgreichen Kollegen Belmondo Konkurrenz zu machen und sich selbst als Actionheld zu stilisieren. Wo üblicherweise in dieser Art Film aufrechte Beamte, unbescholtene Liberale und/oder politische Naivlinge zu Spielbällen der Macht werden und deren ganze korrupte Bandbreite zu spüren bekommen, hat man bei dem sich sehr wehrhaft gebenden Michel Gerfaut nur höchst selten das Gefühl, er sei wirklich in die Enge getrieben oder wisse nicht mehr weiter. Derays Film wird stattdessen im Laufe seines Vorübergehens mehr und mehr zu einer vulgarisierten, ordinären Spielart seiner tatsächlich beklemmenden Vorbilder, so dass das weniger abrupte denn erwartbare Ende dann auch eher aufgesetzt denn wirklich bestürzend wirkt. Pierre Dux als aus dem Hintergrund agierende, graue Eminenz Emmerich, der nur zu seinen Katzen freundlich ist, findet sich als recht stereotyp angelegter villain nicht ohne eindeutige Analogien zu den Bond-Bösewichten jener Tage. Seine von ihm angeheuerten Killer sind im Prinzip völlige Stümper, bei denen man sich alsbald wundert, dass sie überhaupt irgendwas zustande bringen und Delon als über sich hinauswachsender Normalmensch haut wiederum auch nicht ganz hin. Was dann schon mehr Laune macht, sind die spärlichen Actionsequenzen und Gerfauts verschlungene Wege aus der Ausweglosigkeit. Einen dazu passenden Showdown bleibt man uns wiederum schmerzlich schuldig.
Nicht Halbes und nichts Ganzes somit und im Grunde vordringlich für Zeitgenossen von Interesse, die an Delon vor allem dessen machismo und sein gelbzahniges Grinsen schätzen und davon nicht genug kriegen können.

6/10

FLIC STORY

Zitat entfällt.

Flic Story ~ F/I 1975
Directed By: Jacques Deray

Paris, 1947: Der als Soziopath geltende Raubmörder Émile Buisson (Jean-Louis Trintignant) flieht aus der psychiatrischen Haft. Anstatt unterzutauchen, kehrt er jedoch nach Paris zurück und macht bald wieder durch brutale Raubmorde von sich reden. Der junge, ehrgeizige, zugleich jedoch humanistisch geprägte Polizeibeamte Borniche (Alain Delon) von der Sûreté heftet sich an Buissons Fersen, hat allerdings einige Schwierigkeiten, des geschickten Gangsters, der eine immer länger werdende Blutspur hinter sich her zieht, habhaft zu werden. Schließlich gelingt ihm doch noch die Festnahme.

Ein formal wie narrativ sehr konzentrierter, auf authentischen Wurzeln fußend. Der reale Émile Buisson brachte es nach einer Bilderbuchkarriere als unbelehrbarer Delinquenter sowie infolge seiner umfassenden kriminellen Aktivitäten schließlich zum „Staatsfeind Nr. 1“ im Jahre 1950. Von seiner Flucht aus dem psychiatrischen Gewahrsam bis zu seiner Hinrichtung unter der Guillotine vergingen rund neun Jahre, in denen Buisson wahre Leichenberge auftürmte und Raubüberfälle beging (er wurde über dreißig Morden und rund einhundert Raubüberfällen schuldig befunden). In der Tradition der Kriminalfilme Melvilles verzichtet Deray dabei fast stoisch auf eine emotionale Extrapolation der Ereignisse und beteiligten Personen und geht stattdessen streng faktengebunden und mit teils dokumentarischer Strenge vor. Die Anfertigung vollständiger Charakterbilder entfällt infolge dessen beinahe komplett auf den Rezipienten, dem es obliegt, die grundverschiedenen Antagonisten für sich einzuordnen. Erwartungsgemäß erweist sich die von Trintignant gewohnt vorzüglich gespielte Figur des Émile Buisson als die interessantere, schillerndere. Obgleich der Akteur darauf verzichtet, den klassischen, oftmals ödipal geprägten Gangsterwahn, wie ihn vor allem James Cagney in ganz analogen Rollen so denkwürdig zu perfektionieren verstand, in sein Repertoire aufzunehmen, bleibt Buisson durch seine oftmals reglosen Gewaltausbrüche von steter Bedrohlichkeit. Delon als sein Antagonist ist freilich ebenfalls sehenswert, belässt den Kriminaler in seinen durchaus widersprüchlichen Zügen jedoch ein wenig zu konturlos. Eine Minimalschwäche innerhalb eines ansonsten sehr sehenswerten Werks.
Von einigem gehobenen Interesse für das schließlich seines Katz-und-Maus-Status‘ enthobenen Wechselspiel zwischen Beamtem und Kriminellem sind dann nochmal die letzten Minuten, die Delons Borniche die letzten Jahre seiner Beziehung zu Buisson aus dem Off subsummieren lassen. Der Polizist berichtet darin von einem von gegenseitigem Verständnis und Respekt geprägten, bald freundschaftlichen Verhältnis zu dem Massenmörder, den er im Zuge regelmäßig stattfindender Verhöre über einen langen Zeitraum hinweg privat kennenlernen konnte. Allein diese, leider nur kurz angerissene Episode gäbe sicherlich nochmal hinreichend Potenzial her für einen eigenen Film.

8/10

LES AVENTURIERS

Zitat entfällt.

Les Aventuriers (Die Abenteurer) ~ F/I 1967
Directed By: Robert Enrico

Die beiden Freunde Manu (Lino Ventura) und Roland (Alain Delon) sind unzertrennlich. Zwar jagen sie als Glücksritter stets dem Traum vom ganz großen Coup nach; dass dieser sich aber sowieso nie einstellt, gehört eben zum Alltagsmetier. Als sich auf Manus kleinem Schrottplatz eines Tages die Skulpturistin Laetitia (Joanna Shimkus) einfindet, ergänzt sich die Medaille um eine dritte Seite. Zwar empfinden sowohl Manu als auch Roland bald etwas für Laetitia; diese verhält sich jedoch neutral und so funktioniert die platonische Dreiecksbeziehung weitestgehend. Durch Zufall erfahren die Freunde etwas von einem vor der kongolesischen Küste abgestürzten Flugzeug, das einen millionenschweren Schatz beherbergen soll. Nachdem die jüngsten Pläne des Trios durch die Bank scheitern, begeben sie sich nach Afrika, wo es ihnen tatsächlich gelingt, das wertvolle Gut zu bergen. Es ist jedoch auch eine Gruppe Söldner hinter dem Vermögen her, die Manu, Roland und Laetitia bald unter schweren Beschuss nimmt.

Vom Haben und vom Nichthaben berichtet Enricos bittersüßer Abenteuerfilm, der seine Helden zunächst mit Scheuklappen versieht, um sie schließlich bilndlings in ihr Verderben laufen zu lassen. Für Manu, der an einem speziellen Dragster-Antriebssystem werkelt und Roland, der waghalsige Flugmanöver liebt, läuft zwar alles überaus suboptimal, doch sie haben sich und ihre Freundschaft. Mit der liebenswerten, vor Lebenslust sprühenden Laetitia tritt das bislang eigentlich nicht vermisste, weibliche Element in ihr Leben – und zugleich der Anfang vom Ende, gewissermaßen. Nachdem sich zunächst alle so neutral als möglich zueinander verhalten, kristallisieren sich während des eher dem überfälligen Tapetenwechsel dienenden Trips nach Afrika deutlich die Gefühlswelten heraus – Roland umgarnt Laetitia, die ihrerseits bereits in Manu verliebt ist, der wiederum auch sie sehr mag, jedoch um Rolands Gefühle für das Mädchen weiß und daher keine weiteren Avancen unternimmt. Mit einem an Bord ihres kleinen Schiffes kommenden Herumtreiber (Serge Reggiani), der sich als Pilot des abgestürzten Fliegers entpuppt, beginnen die Probleme allerdings erst richtig: Ihm auf den Fersen sind besagte Söldner, die nun auch die Freunde verfolgen – bis diese schließlich den Schatz geborgen haben. Bei einem ersten Feuergefecht kommt Laetitia ums Leben, der idyllische Traum, wie er auch hätte ausgehen mögen, ist ausgeträumt. Zurück in Frankreich machen Roland und Manu Laetitias Neffen (Jean Trognon), einen netten Knirps, ausfindig und machen ihm Laetitias Gewinnanteil zum Geschenk. Manu realisiert derweil Laetitias heimlichen Traum – er kauft ein vor der Atlantikküste liegendes Inselfort (das später immer wieder als Kulisse für kurzlebige TV-Gameshows dienende Fort Boyard) und will es zu einem Hotel umfunktionieren, derweil Roland vorübergehend zurück nach Paris fährt. Doch mit seiner Rückkehr zu Manu finden sich auch die Verbrecher ein und es kommt zum entscheidenden Kampf, bei dem auch Roland getötet wird. Manu ist nunmehr zwar reich an materiellem Gut, er hat jedoch die einzigen beiden Menschen verloren, die er geliebt hat. Damit wird das glückliche Leben, das er noch als armer Schlucker und Träumer geführt hat, einer luxuriösen, aber freudlosen, weil einsamen Existenz weichen. Enrico scheut nicht davor, uns nach fast zwei Stunden sympathischer Weltenbummlerei dieses traurige Ende um die Ohren zu hauen, wie der gesamte Film sich spielend zwischen den Genres bewegt. Er beginnt als typisch-luftige französische Komödie, widmet sich dann als pièce de romance den amourösen Verirrungen der Protagonisten, um schließlich in ein unbarmherziges Actiondrama umzuschlagen, in dem es für die vormalige Leichtigkeit kein Platz mehr gibt, nun, da die wenig faire Ernsthaftigkeit der Realität einmal in sie eingebrochen ist. Dahinter mag man existenzialistische Diskurse ausmachen, die um den unbewusst-unheilvollen Einfluss einer Frau auf gestandene Männerfreundschaften kreisen, um die Wertlosigkeit materiellen Wohlstands im Vergleich zur seelischen Zufriedenheit oder schlicht darum, nicht in die Ferne zu schweifen, weil das Gute längst nah ist, man es aus Gründen der Gewohnheit bloß nicht mehr wahrnimmt. In jedem Falle verzweifelt und weint man am Ende – gemeinsam mit Manu, dem gebrochenen, armen Neureichen.

8/10