A QUIET PLACE PART II

„Breathe.“

A Quiet Place Part II ~ USA 2020
Directed By: John Krasinski

Nach dem Opfertod ihres Mannes Lee (John Krasinski) macht sich Evelyn Abbott (Emily Blunt) gemeinsam mit ihren drei Kindern, der taubstummen Regan (Millicent Simmonds), dem etwas jüngeren Marcus (Noah Jupe) und dem Neugeborenen, auf eine Reise ins Ungewisse, stets auf der Flucht vor den blinden Monsteraliens. In den angrenzenden Bergen stoßen sie auf eine verlassene Stahlfabrik, in der sich Emmett (Cillian Murphy), ein früherer Freund der Abbotts, der seine gesamte Familie verloren hat, verschanzt hält. Durch Zufall empfängt Marcus ein Radiosignal, das den Oldie „Beyond The Sea“ in Dauerschleife ausstrahlt. Regan ahnt, dass sich dahinter Überlebende verbergen müssen, die den Song als Hinweis auf ein mögliches Inselrefugium vor der Küste senden. Auf eigene Faust macht sie sich heimlich auf, ihre Vermutung zu beweisen. Die darüber entsetzte Evelyn kann Emmett überreden, ihr zu folgen.

Sein Sequel zu dem erfolgreichen „A Quiet Place“ legt Regisseur und Autor Krasinski in dessen unmittelbare Chronologie. Die angeschlagene Familie Abbott verfolgt die Fortsetzung dabei weiter auf ihrem Weg durch das nunmehr hinlänglich etablierte Endzeit-Szenario und gibt einen etwas genaueren Überblick über die veränderten Zustände und Überlebensmodi innerhalb jener auf absolute Stille angewiesenen Albtraumrealität. Als (offenbar unerlässliches) männliches Substitut für Krasinskis heldenhaft gestorbenen Familienvater bemüht der Plot den von dem in punkto apokalyptische Sujets hinlänglich erfahrenen Cillian Murphy als psychisch angeschlagenen Emmett, dem im Laufe der Ereignisse eine zunehmend tragende Rolle zuteil wird. Ansonsten lernt und erfährt man noch einiges mehr über die invadierte Welt von „A Quiet Place“, wobei diese sich nicht wesentlich von hinlänglich bekannten, klassischen Vorbildern unterscheidet: Es gibt marodierende und plündernde Outlaws, deren regressive Atavismen sich bereits physisch manifestieren, derweil sich Regans Vermutung der eiländischen Flüchtlingsenklave als tatsächlich zutreffend erweist: Auf einer recht geräumigen Insel lebt eine Gruppe Überlebender unter der Führung eines weißbärtigen Patriarchen (Djimon Hounsou) ein zivilisatorisch relativ ungetrübtes, autarkes Idyll. man ist dort sicher, weil die Monster nicht schwimmen können. Mit Emmett und Regan kommt jedoch auch hierher der Tod – eine der Kreaturen befindet sich an Bord eines kleines Schiffes, das in eine der Inselbuchten getrieben wurde und beginnt vor Ort sogleich ihr blutiges Werk.
Bis hierher besitzt „A Quiet Place Part II“ seiner multipel ausgewalzten Elemente und Konstruiertheiten zum Trotz eine dem Original oftmals ebenbürtige Stringenz, die sich vor allem in Krasinskis unbestreitbarer Fähigkeit, formidable Suspense-Momente zu kreieren und zu forcieren, niederschlägt. Im als klimaktische Trias angelegten, extrem verdichteten Showdown, der mittels einer bravourös arrangierten Parallelmontage gleich drei zueinander in kausaler Abhängigkeit stehende Überlebenskämpfe zeigt, erreicht seine Mise-en-scène dann sogar annähernde Meisterschaft. Leider lassen Regisseur und Film unmittelbar hernach im Stich; der Film endet auf höchst unbefriedigende Weise mit losen Handlungsfäden, was in Zeiten des parforce kultivierten, seriellen Erzählens wohl am ehesten dem Cliffhanger am Ende irgendeiner halbgaren Reihenstaffel entspricht – ohne Ankündigung einer weiteren Fortsetzung wohlgemerkt. Auf die knappe Erzählzeit bezogen wäre da, mutmaßlich ebenso anbetreffs der monetären Mittel, gewiss durchaus noch Luft gewesen, so dass sich der Schluss als wahlweise unbefriedigendes oder gar manieristisches Nasedrehen ohne ersichtliche Ursache niederschlägt. Ein Spin-Off sei angekündigt, mit einer regulären Weiterführung des bereits als „Franchise“ gehandelten Epos frühestens in ein paar Jahren zu rechnen. Das muss man zum gegenwärtigen Zeitpunkt wohl nicht verstehen und beschränkt den potenziellen Wiederholungsgenuss bereits von vornherein empfindlich.

7/10

ZACK SNYDER’S JUSTICE LEAGUE

„I’m not broken. And I’m not alone.“

Zack Snyder’s Justice League ~ USA/UK 2021
Directed By: Zack Snyder

Steppenwolf (Ciarán Hinds), ein kriegerischer Halbgott von der dem puren Bösen anheim gefallenen Welt Apokolips, will sich nach früherer Verstoßung infolge allzu eigenmächtigen Verhaltens wieder bei seinem Herrn und Meister Darkseid (Ray Porter) einschmeicheln und fällt zu diesem Zwecke mit seinen fliegenden Paradämonen auf der Erde ein. Hier lagern nämlich seit Urzeiten drei Mutterboxen, lebende Computer, die sich nach äonenlangem Schlaf just reaktiviert haben und die den Schlüssel zur von Darkseid ersehnten „Anti-Lebens-Gleichung“ in sich tragen. Bruce Wayne (Ben Affleck) ahnt um die drohende Gefahr und schart mit der Amazon-Prinzessin Diana (Gal Gadot), dem Atlanter-/Mensch-Mischling Arthur Curry (Jason Momoa), dem superschnellen Barry Allen (Ezra Miller) und dem Cyborg Victor Stone (Ray Fisher) vier Mitstreiter um sich, die den einfallenden Horden die Stirn bieten und die Erde möglicherweise retten können. Schon bald wird dem ungleichen Quintett klar, dass selbst seine geballte Macht nicht gegen Steppenwolf ausreicht und die Idee reift, den im Kampf gegen Doomsday getöteten Kal-El (Henry Cavill) wieder zum Leben zu erwecken. Nachdem der Plan gelingt und der zunächst amnesische, letzte Kryptonier wieder zu Sinnen gekommen ist, zieht man gemeinsam in die Schlacht gegen die bösen Aliens.

Ob die letzten Endes nun doch in Erfüllung gegangene Existenz von „Zack Snyder’s Justice League“ wirklich das Resultat unbeugsamen Fan-Engagements ist oder lediglich ein cleverer Schachzug von Warner und DC, deren noch jungen Bezahlsender HBO Max zu lancieren und die stiefmütterlich verschmähte, nach Snyders (durch bekannte, tragisch-persönliche Gründe erfolgtem) Ausscheiden von Joss Whedon fertiggestellte Kinoversion nachträglich zu amnestieren, wissen vermutlich nur die New Gods.
Wie dem auch sei, ich fand „Justice League“ nicht so übel, wie er allerorten gehandelt wurde, mir gefielen die kunterbunten, saturierten Leuchtfarben des vormaligen Finales durchaus, wenngleich die Zäsur zu den von Snyder ja auch als Vorbereitungsfilme inszenierten „Man Of Steel“ und „Batman V Superman: Dawn Of Justice“ schon überdeutlich wurde. Dass Snyder bei seinen DC-Superhelden-Adaptionen eher auf Bierernst und existenzialistische Schwere setzt, war ja längst offenkundig und dazu mochte Whedons in der von ihm verantworteten Postproduktion umgepolter Karneval nicht wirklich passen. Nun also Snyders eigene, prononciert epische Version, die nicht nur für ein hörbares globales Aufatmen der dedizierten Fangemeindesorgte, sondern auch in manch anderer Hinsicht als große Wiedergutmachung gekränkter Befindlichkeiten fungiert (dafür, dass ich selbst zur zeitgenössisch sogar zweimal betrachteten Erstfassung keinen Text verfasste, gibt es übrigens keinen veritablen Grund außer mutmaßlich jenen, dass es mir an Zeit und/ oder Inspiration gefehlt haben wird). „Zack Snyder’s Justice League“ ist, alles andere zu behaupten wäre jawohl auch albern, tatsächlich besser als die von der naseweisen Netz-Intelligenzia abschätzig als „Josstice League“ bezeichnete Whedon-Version, aus naheliegenden Gründen. Nicht zuletzt die um das Doppelte verstärkte Erzählzeit gewährt dem Ganzen zunächst eine sehr viel komplexere und umfassendere Herangehensweise, was sich insbesondere in der Charakterisierung der Figuren niederschlägt. Die bislang ja ohne „eigene“ Filme auskommen müssenden Barry Allen und Victor Stone erhalten nun wesentlich plastischere Hintergründe, die jeweils in unterschiedlich geprägten Vater-/Sohn-Konflikten wurzeln und die ihnen inhärente Tragik (insbesondere im Falle des letzteren) deutlich nachvollziehbarer machen. Während vor allem Flash in Whedons Schnittfassung zu einem, um den unausweichlichen MCU-Vergleich zu ziehen, flapsig-spaßigen Spider-Man-Youngster frisiert wurde (nebenbei eine Wandlung, die zu seiner originären Comic-Persona als eher biederem Polizeiwissenschaftler überhaupt nicht passen wollte), gestattet der Snyder-Cut sich einige schöne bis nachgerade poetisch inszenierte Augenblicke um den Blitzflitzer. Mögliche künftige Helden wie der Martian Manhunter (Harry Lennix) oder Ryan „Atom“ Choi (Ryan Zheng) können eingeführt werden und Darkseid, der im DC-Universum das Gegenstück zu Marvels Thanos darstellt, erhält nun wesentlich mehr Raum. Ein neuer Score (von Junkie XL statt Danny Elfman) erklingt, diverse fomale (Kadrage-Verschmalung auf das 4:3-IMAX-Format, merkliche Ausdünnung der Farb- und Kontrastpalette) und kosmetische (Supermans Dress ist jetzt der schwarze aus der „Return“-Comic-Strecke von 1993) Modifikationen brechen sich Bahn. Zudem findet ein großzügiger Epilog Platz, der auf das hinweist, was Snyder für die zunächst geplanten „JL“-Sequels vorschwebte; Darkseids künftige Eroberung der Erde und Supermans Hinwendung zur Dunklen Seite, die, wie in einem wohlbewussten Vorbild, am Ende nurmehr durch eine Rückreise in der Zeit ungeschehen gemacht werden kann. Da ja irgendwie nun doch alles möglich ist, werden wir vielleicht in ein paar Jahren auch noch jener Vision(en) ansichtig. Das Durchhaltevermögen hartnäckiger Geeks stirbt zuletzt.

8/10

CAPTIVE STATE

„Noone gets taken alive.“

Captive State ~ USA 2019
Directed By: Rupert Wyatt

Zehn Jahre nachdem Aliens auf der Erde gelandet sind, hat sich der Zustand einzelner Regionen auf der Welt nachhaltig verändert. Unterhalb von Chicago etwa haben die Fremden, deren einziges Interesse an unserem Planeten darin besteht, dessen natürliche Ressourcen auszubeuten, tief in der Erde eine Basis errichten lassen, von der aus sie sämtliche politischen Geschicke der Metropole lenken. Dazu gehört auch, dass die als „Legislatoren“ bezeichneten Wesen Institutionen wie die Polizei kontrollieren. Die daraus resultierende, faschistoide Klassengesellschaft spaltet die Bevölkerung fortan noch mehr; den kopperativen, „nützlichen“ Menschen wird eine rosige Zukunft garantiert, während der funktionale Großteil als Arbeitsdrohnen zweckdienliche Aufgaben zu erfüllen hat. Totale Überwachung gehört zum Alltag, jedes Individuum hat einen Sender implantiert, der seinen Aufenthaltsort und seine Aktionen verrät. Dennoch schafft es eine revolutionäre Untergrundbewegung genannt „Phoenix“, weitgehend unerkannt und gegen die von ihnen als „Kakerlaken“ bezeichneten Außerirdischen zu operieren. Der junge Gabriel Drummond (Ashton Sanders), dessen Eltern einst bei einem Fluchtversuch von den Aliens getötet wurden und dessen älterer Bruder Rafe (Jonathan Majors) sich längst Phoenix angeschlossen hat, gerät zwischen die Fronten. Einerseits weiß er um die Aufenthaltsorte einiger Revolutionärer, andererseits sitzt ihm der Polizist Mulligan (John Goodman), der frühere Partner seines Vaters, im Nacken.

Rupert Wyatts finsteres dystopische Allegorie fand dem Vernehmen nach wohl eher wenig Freunde, was einerseits schade ist, andererseits jedoch kaum verwundert. „Captive State“, vielleicht der politisch engagierteste Invasionsfilm seit Carpenters „They Live“, positioniert sich und seine Agenda extrem weit links; er wettert gegen die besorgniserregenden Entwicklungen, denen diverse Staatsregierungen respektive deren mehr oder minder rechtmäßig eingesetzte Repräsentanten nicht erst seit der Jahrtausendwende anheim gefallen sind – allen voran natürlichdie USA selbst unter der Regierung Trump. Es lässt sich eigentlich kaum darüber streiten, ob und in wieweit Wyatts Werk offenen bis terroristischen Widerstand gegen repressive Systeme befürwortet oder gar dazu aufruft; seine im Nukleus der Geschichte verortete Fabel um gewaltbereite antidiktatorische Rebellion zumindest lässt kaum diesbezügliche Zweifel aufkommen. Abgesehen von den selten im Bild erfassten Extraterrestriern und einem von ihnen herbestellten, wiederum aus Aliens bestehenden Killerkommando, das eine Phoenix-Gruppe liquidieren soll, verankert sich Wyatts visuelle Sprache durchaus im Gegenwärtigen. Chicago, sein ehemaliges Arbeiterviertel Pilsen oder das florierende Wicker Park, nimmt die Kamera vordringlich als graue Trümmer- und Schuttlandschaften war, in denen selbst kaum noch Platz für rosige Entkommensträume herrscht. Gabriel und seine Freundin (Madeline Brewer) wähnen eine hoffnungsvollere Zukunft „am anderen Ufer des Sees“, offenbar ein noch etwas freieres Fleckchen Erde. Ein Boot steht bereit, doch mehr als symbolisches Objekt des Ausbruchs. Die Fluchtpläne bleiben diffus. Allenthalben aufploppende Termini wie „Fracking“ veranschaulichen indes die de facto rein ökonomischen Pläne der nach Gewinn strebenden Kakerlaken, deren Unternehmung auch Exxon oder Chevron heißen könnte; weder geht es ihnen darum, unseren Planeten für sich ur- der bewohnbar zu machen, noch interessiert sie die Lebensform homo sapiens besonders. Es geht um die bloße Ausbeutung von Bodenschätzen, das Danach ist irrelevant. Hin, bohren und wieder weg. Welche Optionen bleiben uns im Angesicht des verordneten globalen Exitus? Die Antworten, die „Captive State“ gibt, sind so unbequem wie radikal und wohl ein wesentlicher Grund, was dem Film den Weg zu everybody’s darling unmöglich macht.

8/10

THE HUMAN DUPLICATORS

„I am your master! Do as I command!“

The Human Duplicators (F.B.I. jagt Phantom) ~ USA/I 1965
Directed By: Hugo Grimaldi

Ein Volk herrschsüchtiger Aliens schickt seinen riesenhaften Agenten Kolos (Richard Kiel) zur Erde, um dort eine geheime Invasion vorzubereiten. Mithilfe des brillanten Wissenschaftlers Professor Dornheimer (George Macready) soll Kolos eine Armee von Androiden erschaffen, die nach und nach die Menschheit unterwandern. Nachdem erste Einbrüche von scheinbar renommierten Forschern in geheime Einrichtungen begangen werden, nimmt sich NIA-Agent Glenn Martin (George Nader) des Falles an…

Es ist ein veritables Glück, das kleine Preziosen wie diese trotz prekärer Material-Ausgangslage digital aufbereitet und der geneigten Rezipientenschaft in bestmöglicher Form zugänglich gemacht werden.
„The Human Duplicators“ ein kunterbuntes Camp-Fest ohne jede falsche Scham, darf man sich in etwa in derselben Liga vorstellen, in der die Arbeiten von Edward D. Wood oder Al Adamson spielen, zu deren Werken natürlich auch thematische Parallelen zu bestaunen sind. Immer wieder müssen darin außerirdische Despoten herhalten, die für ihre wahnwitzigen Eroberungspläne auf die denkbar bescheuertsten Mittel und Wege zurückgreifen – zum höchsten Vergnügen des Zuschauers freilich, denn somit werden reichlich Anlässe für hanebüchnen Dialog und auch sonst alles Dazugehörige geboten. Für „The Human Duplicators“ nun stand dem Gelegenheitsregisseur Hugo Grimaldi eine durchaus illustre Besetzung rund um George „Jerry Cotton“ Nader und den etwas steif gewordenen George Macready zur Verfügung, deren heimliches Highlight fraglos Richard Kiel darstellte. Der damals noch junge Hüne bekam dankenswerterweise ungewohnt viel Dialog und somit Gelegenheit, auch einmal sein angenehmes Timbre zum Einsatz zu bringen. Seine Annäherungsversuche an die zarte Dolores Faith ergeben besonders rührende Szenen; wie am Ende es – natürlich – einmal mehr die Schöne ist, die das Biest zu Fall bringt. Nach gründlichst vermasselter Mission verschwindet Kolos, der einem dann doch ein wenig leid tut, auf Nimmerwiedersehen in den Weiten des Alls.
Dazwischen erfreut – bei Bedarf – auf der just erschienenen Blu-ray des renommierten, grundsätzlich stets zu unterstützenden Labels „Edition Hände weg!“ die Berliner Synchronfassung von Karlheinz Brunnemann das Ohr des staunenden Liebhabers solch unschätzbarer Kulturschätze. Künstler und Künstlerinnen wie Arnold Marquis, Gert Günter Hoffmann, Beate Hasenau, Heinz Petruo und noch einige mehr „sprechen“ in der Tat für sich selbst und verleihen diesem filmischen Äquivalent zum handgefertigten Gemälde eines Drei- bis Vierjährigen nochmals den rechten Goldrand. Ich sag‘ nur: „Du blöder, fehlprogrammierter Androide!“
Hingehen, sehen, staunen, liebhaben – sonst futschikato!

6/10

BIOHAZARD

„You guys must be nuts.“

Biohazard ~ USA 1985
Directed By: Fred Olen Ray

Mittels des empathisch veranlagten, vollbusigen Mediums Lisa Martyn (Angelique Pettyjohn) gelingt es dem Wissenschaftler Dr. Williams (Art Payton), lebende und tote Materie herbeizuteleportieren. Das jüngste Experiment fördert einen Container außerirdischen Ursprungs zutage, dem alsbald ein kleinwüchsiges, mörderisches Alien (Christopher Ray) entspringt. Das Wesen zieht eine Blutspur quer durch die kalifornische Provinz, das Soldaten-Ass Mitchell Carter (William Faier) stets dicht auf den Fersen. Tatsächlich ist die Kreatur jedoch nicht der einzige Extraterrestrier in der Gegend…

Nach „Scalps“ hatte Fred Olen Ray dessen schmales Budget immerhin zur vierfachen Verfügung, konnte auf 35 mm drehen und den seinerzeit durch extremen Alkoholkonsum arg heruntergekommenen Aldo Ray für eine kleine Rolle als schimpfenden Offizier gewinnen. Ansonsten waren die Produktionsbedingungen nicht wesentlich besser; Ray, dessen trotz allem noch immer renommierter Name die Besetzungsliste anführt, erwies sich bei selbst nur drei vertraglichen Settagen als permanenter Risikofaktor und der monetäre Nachschub für die nach Tagessätzen bezahlten Cast- und Crewmitglieder ließ oftmals auf sich warten. So ganz aus der Guerillafilmer-Ecke katapultierte also auch „Biohazard“ Fred Olen Ray noch nicht heraus; diese Funktion erfüllten erst seine folgenden beiden Filme.
Im steifen Gummikostüm des kleinen Außerirdischen steckte Rays damals siebenjähriger Sohn Christopher – eine vornehmlich zeitökonomische Entscheidung, denn Ray war als alleinerziehender Vater für die Betreuung seines Filius verantwortlich.
„Biohazard“, dessen Fertigstellung in der Hauptsache wiederum dem stoischen Ehrgeiz seines Regisseurs zu verdanken ist, versteht sich zwar als Hommage an die billigen, kleinen Monsterfilme der fünfziger und sechziger Jahre, lässt andererseits aber auch keinerlei Zweifel daran, dass er sich seiner bescheidenen Konditionen jederzeit bewusst ist und daher zu gleichen Teilen der schlockigen Comedy zuspricht. Einzelne Szenen und Dialoge, vor allem die, in denen das Alien sich seine Opfer sucht, liebäugeln unzweideutig mit Groteske und absurdem Theater. Den Gipfel erreicht das Ganze dann im Finale, das nochmal einen komplett albernen (und dazu kongenial inszenierten) twist bereithält. Der mit einem wohlvernehmlichen „Cut!“ eineleitete Abspann, der, ähnlich wie bei Hal Needham, mit einer Zusammenstellung der schönsten bloopers unterlegt ist, lässt schließlich keinen Zweifel an Rays sympathisch-aufrichtiger Selbsteinschätzung und vor allem seinem goldigen Humor.
Eine vorsätzliche Gurke, ganz klar, dabei aber so schnuckelig wie ein ranziger Kuschelteddy.

4/10

THE INVASION

„We’re still evolving.“

The Invasion ~ USA/AU 2007
Directed By: Oliver Hirschbiegel

Die Psychiaterin Carol Bennell (Nicole Kidman) wird Zeugin, wie außerirdische Sporen, die nach dem Absturz eines Space Shuttle entweichen, sich diverser Menschen im Schlaf bemächtigen und sie nach einer Metamorphose zu seelenlosen Marionetten eines Gedankenkollektivs assimiliert. Eine Befriedung der Menschheit um den Verlust der Individualität scheint das großflächige Ziel der Aliens zu sein, die aufblitzendem humanen Widerstand mit Gewalt und Oppression begegnen. Gemeinsam mit ihrem Söhnchen Oliver (Jackson Bond), das immun gegen den extraterrestrischen Angriff zu sein scheint, flieht Carol vor den immer zahlreicher werdenden Verwandelten mit dem obersten Ziel, bloß nicht einzuschlafen.

Leider nichts, worüber man nach Hause schreiben müsste: Oliver Hirschbiegels Hollywood-Debüt, die vierte Adaption von Jack Finneys Geschichte „The Body Snatchers“ in rund 50 Jahren, blickt auf einen gewohnt unebenen Entstehungsprozess zurück. Dem produzierenden Studio Warner gefielen etliche der von dem Newcomer inszenierten Strecken nicht und so holte man die hauseigen etablierten Wachowskis sowie James McTeigue als Notsanitäter an Bord und veranlasste diverse Nachdrehs, die unter anderem formale „Glättungen“ sowie ein positiver gestimmtes Ende beinhalteten. Inwieweit diese Modifikationen den Film verschlimmbesserten, bleibt fürs Erste reine Mutmaßung, dass Studiobosse einen hilflosen Regisseur durch die nachträgliche Veruntreuung seiner Arbeit traumatisieren, bildet indes kein Novum.
„The Invasion“ verfährt im Großen und Ganzen wie die ersten beiden Body-Snatchers-Filme von Don Siegel und Philip Kaufman von 1956 bzw. 1978; Abel Ferraras auf einen Militärstützpunkt als Handlungsort umgelagerte Variation bildete bereits für sich betrachtet eine Ausnahmeerscheinung.
Neue oder gar innovative Impulse vermag „The Invasion“ zumindest in der nunmehr zu begutachtenden Fassung dem bereits hinlänglich verhandelten Sujet nicht hinzuzusetzen. Der plotinhärente, philosophische Diskurs, demzufolge nur die Gleichschaltung aller Menschen und somit gleichermaßen die Aufgabe jedweder individueller Persönlichkeit mit einem friedlichen, enbehrungslosen und nachhaltigen Humanexistenz einher gehen kann, wird, anders als die Ängste vor der kommunistischen Bedrohung des Ostblocks in der Ära des Kalten Krieges revisionistisch, aber auch vollkommen oberflächlich abgehandelt. Im Grunde blitzt dieser ideell durchaus reizvolle Ansatz lediglich zweimal kurz im Film auf und wird durch die situative Aggressivität und Bedrohlichkeit der von den Aliens modifizierten Menschenhülsen auch gleich wieder ad absurdum geführt. Die Fremden bekotzen einen mit ihrem grünlichen Schleim, sind deutlich kräftiger als ihre menschlichen Vorgänger und töten mit bloßer Hand süße Hunde, die sich als instinktive Widersacher der Fremden einmal mehr als bester Freund des Menschen erweisen. Zudem scheute man sich, auch das offenbar im Nachhinein, dem Zuschauer einen pessimistischen Abschluss „zuzumuten“, wie er bei Siegel und Kaufman noch zum guten und vor allem richtigen Ton gehörte. Stattdessen gibt es hier einen Impfstoff (!) sowie ein Heilmittel (!!) gegen das extraterrestrische „Virus“, was auch dem mittlerweile als James Bond verpflichteten Daniel Craig (der hier – hoho, haha – rein zufällig den jüngsten Felix Leiter Jeffrey Wright an die Buddy-Seite gestellt bekam) ermöglicht, trotz seines vermeintlich zwischenzeitlichen Abgangs vor den end credits wieder gut gelaunt und rekonvalesziert bei der Heldin am Frühstückstisch zu hocken. Hübsch bieder, wohlsortiert und vor allem: halb so wild, sofern man das große Erbe außer Acht lässt und sich mit einem schnellen Imbiss zufrieden gibt. Aber auch nur dann.

5/10

COLOUR OUT OF SPACE

„It’s just a color. But it burns.“

Colour Out Of Space (Die Farbe aus dem All) ~ USA/MY/PT 2019
Directed By: Richard Stanley

Der junge Hydrologe Ward (Elliot Knight) untersucht im Auftrag einer Dammbaufirma die Wasservorkommen im ländlichen Neuengland. Dabei trifft er auf die fünfköpfige Familie Gardner, die sich aus mehreren Gründen in die Abgeschiedenheit zurückgezogen hat und ganz unterschiedlich damit umgeht. Während Vater Nathan (Nicolas Cage) vollkommen in der Haltung von Alpakas aufgeht, erholt sich seine Gattin Theresa (Joely Richardson) von ihrer Brustkrebs-Erkrankung, derweil Tochter Lavinia (Madeleine Arthur) mit paganistischen Ritualen herumexperimentiert und Sohn Benny (Brendan Meyer) es vorzieht, die meiste Zeit Gras zu rauchen, das er von dem kauzigen Eremiten Ezra (Tommy Chong) bezieht. Der kleine Jack (Julian Hilliard) arrangiert sich tapfer mit der Situation. Als ein Asteroid auf dem Gelände der Gardners niedergeht, ist es mit der Semiidylle rapide vorbei. Auf allem liegt binnen kurzer Zeit ein unwirklich schimmerndes Licht, fremde Pflanzen wachsen. Vor allem das Wasser aus dem heimischen Brunnen scheint eine verheerende Wirkung auf all seine Konsumenten auszuüben: Tiere und Menschen verwandeln sich und verhalten sich zusehends merkwürdig. Derweil die Katastrophe sich ihren Weg bahnt, kann Ward nur hilflos zusehen.

Richard Stanleys „Colour Out Of Space“ bildet bereits die fünfte Adaption der gleichnamigen Kurzgeschichte von H.P. Lovecraft und ist zugleich die erste, die den korrekten Titel der Vorlage verwendet. Anders als zuvor etwa Daniel Haller in „Die, Monster, Die!“ oder David Keith in seinem nichtsdestotrotz sehr gelungenen „The Curse“ hält sich Stanley mit wenigen Ausnahmen recht eng an Lovecrafts Vorlage und vollbringt das Kunststück, die wie üblich erschreckende Vision des großen Phantasten mit seiner eigenen zu koppeln und daraus ein bravouröses Stück Film zu destillieren. Der Südfafrikaner Stanley, der sich ja aus ebenso bekannten wie berechtigten Gründen selbst nach nur zwei vollendeten Werken eine rund 24 Jahre währende Auszeit vom abendfüllenden Spielfilm auferlegte, feiert mit „Colour Out Of Space“ somit eine ihm unbedingt zu gönnende, triumphale Rückkehr. Nicolas Cage, der ja mittlerweile häufiger DTV-Filme dreht als die Unterwäsche zu wechseln, läuft immer noch zur Hochform auf, wenn ihm bloß ein hinreichend ambitioniertes Projekt vorgelegt wird. Auch „Colour Out Of Space“ fügt sich in diese Annahme. Dass Cage immer dann besonders herausragend ist, wenn er Typen spielen muss, die wahlweise ihre Existenzgrundlage, den Verstand oder gleich beides verlieren, demonstriert er als Alpakafarmer Nathan Gardner mit dem ihm eigenen Profi-Wahnsinn. Doch dürfte Cage noch nicht einmal der primäre Grund dafür sein, warum „Colour Out Of Space“ dermaßen nonchalant reüssiert; vielmehr liegt das Hauptverdienst des Films darin, dem üblicherweise größten Kritikpunkt betreffs Lovecraft-Adaptionen, nämlich jenem, das universelle Grauen seines literarischen Kosmos‘ auf konve tionellem audiovisuellen Wege nicht transportieren zu können, ein Schnippchen zu schlagen. Dafür bedarf es keiner außerweltlicher Urmonster aus maritimer Tiefen; Stanley gelingt es vielmehr, die durch das extraterrestrische Artefakt hervorgerufenen Zersetzungen allen in seinem Einflussbereich befindlichen Lebens und Seins durch einen Bruch mit den physikalischen Gewohnheiten seiner Protagonisten und analog dazu denen des Zuschauers spürbar zu machen. Zeit und Raum verlieren jedwede Verlässlichkeit, die Wahrnehmungen verschwimmen und mit ihnen auch Richtig und Falsch, das Vertrauen in die eigenen ethischen Maximen, alles wird böser Rausch und Schmerz. Die Folge sind die unausweichlichen Auflösungen des Geistes, des Körpers und schließlich der Seele.
Wie stets benötigte Lovecraft und mit ihm auch Stanley einen überlebenden Erzähler, gewissermaßen einen „agent de la preuve“, der angesichts des bezeugten Horrors mit Mühe und Not seine Sinne beisammenhalten und Bericht ablegen kann. In seinen Geschichten gelangen die dazugehörigen Beschreibungen oftmals an ihre idiomatischen Grenzen. „Colour Out Of Space“ sorgt dafür, dass der arme Hydrologe Ward seine ungeheuerlichen Erfahrungen vollumfänglich teilen kann. Mit uns.

9/10

CRITTERS

„We’re here for the crites.“

Critters ~ USA 1986
Directed By: Stephen Herek

Ein paar Crites, höchst gefräßige, kleine Aliens mit einigen gemeinen physischen Eigenschaften, fliehen aus der Quarantäne, kapern ein Raumschiff und setzen Kurs auf die Erde. Ihnen auf den Fersen sind zwei außerirdische Kopfgeldjäger mit der Fähigkeit zur Gestaltwandlung. Die Crites landen schließlich in Kansas, auf der Farm der Browns, wo sie sich zuallererst durch ein paar Rinder fressen. Ausgerechnet Brad (Scott Grimes), der lausbübische Filius der Browns, der ein Herz für allerlei Geschosse und Knallkörper hat, bewahrt den kühlsten Kopf und kann mit der etwas ungestümen Hilfe der beiden mittlerweile aufgetauchten und zu Menschen (Don Keith Opper, Terrence Mann) getunten Weltraumpistoleros (fast) alles zum Guten wenden.

Dieser kleine Evergreen aus der noch aufstrebenden New-Line-Schmiede hat sich nach einer viel zu langen Betrachtungspause wieder zielsicher sein Plätzchen in der mir besonders preziosen Nostalgiekammer meines Filmherzens zurückerobert. Ich weiß noch, dass „Critters“ damals relativ zügig nach seinem Kino- und Videoeinsatz auch im TV ausgestrahlt wurde, was eine Aufzeichnung und damit besonders viele Begegnungen nach sich zog. Warum, das ist noch heute so evident wie vor 33 Jahren: „Critters“ ist ein rundum liebevoll gefertigtes Genrestück, das besonders Kids anspricht, ohne in weichspülerische Spielberg-Sphären abzugleiten. Vielmehr zeigt es genau diesen den weit ausgestreckten Mittelfinger, atmet den Geist ironischer Connaisseure wie John Landis und Joe Dante, versteht sich gewissermaßen als optionaler Appetizer für zukünftige Fans deftiger Erwachsenenunterhaltung und ist damit ebenso witzig wie fies. Regisseur Stephen Herek spielt gekonnt mit diversen popkulturellen Zeitklischees und verarbeitet sie im besten Wissen, dass er deren kommerziellen Horizont ohnehin nie erreichen wird oder könnte. Stattdessen setzt er auf ein tolles Vorzugsensemble; Dee Wallace, M. Emmet Walsh oder Billy Green Bush stellen natürlich klingende Namen, die jedem etwas belichteteren Liebhaber des US-Kinos der siebziger und achtziger Jahre prompt ein wohliges Lächeln auf die Wangen zaubern dürften. Wie die übrigen Darsteller sind sie hier mit viel Spaß und offensichtlich im professionellen Wissen, etwas Bleibendes zu liefern, bei der Sache.
„Critters“ gehört zudem genau zu jenen unerlässlichen Artefakten, aus denen sich die seit einigen Jahren grassierende Retrowelle um „Stranger Things“ und ähnliche Derivate speist, nur dass man hier eben ein waschechtes Original statt Klonkalkül erhält.

8/10

STAR WARS: THE RISE OF SKYWALKER

„These are you final steps, Rey. Rise and take them.“

Star Wars: The Rise Of Skywalker (Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers) ~ USA 2019
Directed By: J.J. Abrams

Wider allen Annahmen ist Imperator Palpatine (Ian McDiarmid) nach wie vor am Leben und versteckt sich mit seinen Sith-Untergebenen und einer gewaltigen Flotte von Sternenzerstörern auf dem entlegenen Planeten Exegol. Nachdem Kylo Ren (Adam Driver) ihn mithilfe eines so genannten „Sith-Wegfinders“ dort ausfindig gemacht hat, erfahren auch die Rebellen von einem jener Module, das ihnen ebenfalls den Weg zum möglichen Aufenthaltsort des Imperators weisen konnte. Die abenteuerliche Suche nach dem Artefakt führt Rey (Daisy Ridley), Finn (John Boyega), Poe Dameron (Oscar Isaac), Chewbacca (Joonas Suotamo) und den sich als unerwartet nützlich erweisenden C-3PO (Anthony Daniels) quer durch die Galaxis, derweil Kylo Ren immer wieder den geistigen Kontakt zu Rey sucht und so die Fährte der Widerständler zu halten vermag. Der diabolische Imperator reibt sich unterdessen die modrigen Klauen, denn er weiß um ein Geheimnis Reys, das sie, dessen ist er sich sicher, schlussendlich auf die Dunkle Seite ziehen und zur Leitfigur eines neuen Imperiums machen wird…

Ob es das jetzt wirklich war? Ich nehme keinerlei Wetten entgegen, bin ja nicht doof. Dass das „Star Wars“-Franchise in absehbarer Zeit keineswegs von der Bildfläche verschwinden wird, dafür bürgen, trotz des nunmehr nominellen Endes der dritten (und, so hat Mastermind George Lucas es seinerzeit ja zumindest angekündigt) letzten Trilogie um die Skywalker-Dynastie. Zwei Film-Spin-offs und die erste Disney+-Staffel einer neuen Serie bürgen derweil für das nichtabebben wollende Interesse der profitorientierten Produktionsgewaltigen, aber auch für das des Publikums, das seinen Helden tapfer auf allen noch so ausgetrampelten Pfaden weiterfolgen wird. Ich selbst kann mich da nicht ausnehmen, was wie bei vielen Menschen meiner Generation darauf zurückzuführen ist, dass der nostalgische Nachhall der ersten „Star Wars“-Filme (in Bezug auf deren chronologische Entstehung natürlich) mit wenig anderem denn „magisch“ umschrieben werden kann. Wer „Star Wars“, oder „Krieg der Sterne“, wie man es damals überwiegend noch (west)teutonisch bezeichnete, als Kind geliebt hat und mit der ehedem noch so wunderbar unübersättigten Beschränkung der drei Filme von Lucas, Kershner und Marquand aufgewachsen ist, der kann das begreifen, die meisten anderen nicht – und das völlig zu Recht. Der aktuellste Eintrag in den Kino-Bestand der Reihe bestätigt einmal mehr überdeutlich die Ambivalenz, die „Star Wars“ als Gesamtkonzept innewohnt: Eine tragfähige Geschichte, das also, was eigentlich im Kern eines ohnehin höchst trivialen Phantastikzyklus wie diesem stehen sollte, kann darin längst nicht mehr erzählt werden. Wie alle Filme beginnend mit Lucas“ eigener Reaktivierung „The Phantom Menace“ besteht auch Abrams‘ jüngstes Produkt aus einem audiovisuell lähmenden Gewirr aus Selbstreferenzen, Repetitierungen, getürkter Kinetik, MacGuffins, technischen Artifizialitäten und generationsübergreifender Fan-Anbiederung, deren letztes bisschen „Charme“ (wobei dieser Terminus mir bereits gewagt erscheint), wenn man ehrlich ist, sich nurmehr aus den Variationen von John Williams‘ nach wie vor majestätischer Musik evozieren lässt, die uns operant konditionierte Star-Wars-Kinder aus den Siebzigern nach wie vor unkontrolliert lossabbern lässt. So funktioniert auch „Episode IX“: Alle alten Helden geben sich nochmal die Ehre: Leia (Carrie Fisher), der nunmehr auch im Film das Zeitliche zu segnen vergönnt ist, Luke (Mark Hamill) als Jedi-Geist und Han Solo (Harrison Ford) als Traumbild, das seinen konvertierten Sohnemann zurück auf die gute Seite lotst, um wie weiland Anakin Skywalker am Ende und als Sühne für seine bösen Massenmörder-Aktivitäten den Helden- und Märtyrertod zu sterben. Auch Billy Dee Williams als Lando Calrissian gibt sich nochmal die Ehre – es wird den alten Herrn gefreut haben, ein bisschen Rentenzuschlag zu erhalten. Alles CGI, alles Papp, alles Plastik. Und gottverdammt, ich armer Tor, fand’s doch wieder so schön als wie zuvor.

8/10

THE DEAD DON’T DIE

„Fashion!“

The Dead Don’t Die ~ USA/S 2019
Directed By: Jim Jarmusch

Nachdem die Erdrotationsachse sich verschoben hat, spielt nicht nur die Natur verrückt, auch die Toten steigen zombifiziert aus ihren Gräbern und attackieren fleischeslustig ihre lebenden Opfer. Chief Robertson (Bill Murray) und Officer Peterson (Adam Driver), Polizisten im Kleinstadtkaff Centerville, Pennsylvania, nehmen die Ereignisse mit der gebotenen Gelassenheit zur Kenntnis.

Was Jim Jarmusch bewogen haben mag, seinen jüngstes, leidlich komisches Werk auf den ja nun wirklich hinlänglich ausgetreten Pfaden des Zombie-Subgenres anzusiedeln, bleibt auch nach der Betrachtung von „The Dead Don’t Die“ diffus. Da mit dem entsprechenden Sujet in Film und Fernsehen mittlerweile ja wirklich alles an Denkbarem angestellt wurde, vermag auch Jarmusch, diesmal unter dem Universal-Banner und somit unter Studioägide unterwegs, ihm nur wenig Originelles hinzuzufügen, schon gar nicht, Bill Murray in seiner bereits zweiten Zombie-Komödie (nach dem unsäglichen „Zombieland“) antreten zu lassen. Natürlich darf (und muss) man von „The Dead Don’t Die“ eine Groteske in gewohnt lakonischer Jarmusch-Manier erwarten. Sie via Kurzdialogen kommunizieren lassend, erspart er den meisten seiner Figuren und Akteure (mit Ausnahme von Chloë Sevigny) emotionale Grenzzustände und konfrontiert sein Ensemble erwartungsgemäß stoisch mit der just heraufziehenden Zombie-Apokalypse. Dabei macht sich Jarmusch ein Späßchen daraus, die durch die Popkultur etablierten Charakterisierungen der untoten Horden zu ironisieren, indem er so gezielt wie ausgiebig die klassische Romero-Trilogie, insbesondere „Night Of The Living Dead“ und „Dawn Of The Dead“, referenzialisiert bzw. ihnen seine Ehrerbietung erweist: Die allesamt im selben Verfalls- bzw. Verwesungszustand befindlichen Zombies schlurfen langsam durchs Areal, vertilgen am liebsten die Eingeweide ihrer Opfer und hängen auch post mortem allesamt noch ihren früheren (Konsum-) Gewohnheiten nach, die sich in vierzig Jahren leicht, aber nicht wesentlich verändert haben. In einer bedeutungsvollen Einstellung etwa stieren sämtliche im Bildkader befindlichen Zombies auf Smartphone-Displays; eine Perspekive, die sich im Prinzip nicht wesentlich von dem Blick in ein x-beliebiges Zugabteil irgendwo auf der Welt unterscheidet. Der dulle Country-Titelsong eines gewissen Sturgill Simpson (der auch selbst im Film als Zombie auftritt) wird zum zynischen Leitmotiv der sich zunehmend selbst entoriginalisierenden US-Alltagskultur, diegetische Spielereien mit Metalepsen und scheinbar unsinnige Storyzusätze wie eine sich als Alien entpuppende, ein Samuraischwert schwingende Tilda Swinton genehmigt Jarmusch sich und seinem Publikum als verschmitzte Extravaganzen. Am Ende ist Tom Waits als naturverbundener, zauseliger Waldschrat (und allgegenwärtiger Kommentator der Geschehnisse) natürlich der einzige Überlebende, der uns allen zudem nochmal versichert, dass die Welt nunmehr gehörig am Arsch ist. Dass und ob Jarmusch mit „The Dead Don’t Die“ (s)ein persönliches Statement zur Regierung Trump und all den anderen globalen Krisen und Sorgen, denen die Menschheit sich derzeit so ausgesetzt sieht, abzugeben trachtete, mag schließlich jede/r RezipientIn selbst schlussfolgern. Nahe liegt selbiges gewiss, näher jedenfalls als eine Zombie-Apokalypse.

7/10