VENOM

„The way I see it… we can do whatever we want. Do we have a deal?“

Venom ~ USA/RC 2018
Directed By: Ruben Fleischer

Nachdem der in San Francisco tätige Enthüllungsjournalist Eddie Brock (Tom Hardy) es wagt, den Pharma-Magnat Carlton Drake (Riz Ahmed) auf dessen möglicherweise stattfindenden Versuche an unfreiwilligen menschlichen Probanden anzusprechen, ist er prompt Job, Wohnung und Freundin los. Brock ahnt nicht, dass Drake, der auch ein Weltraumprogramm finanziert, sogar außerirdische Parasiten in seinen Labors beherbergt, von denen einer bereits flüchten konnte. Nachdem Carltons Mitarbeiterin Dr. Skirth (Jenny Slate) das schlechte Gewissen umtreibt, wendet sie sich an Brock, der nachts in Carltons Firma eindringt und sich mit einem der Symbionten namens „Venom“ infiziert. Das aggressive und überaus hungrige Wesen verbindet sich mit Brocks Körper und verleiht ihm neben irrationalen Verhaltensweisen auch Superkräfte. „Riot“, der entflohene und noch sehr viel bösartigere und mächtigere Symbiont, kehrt derweil zu Carlton zurück und verbindet sich mit diesem. Es kommt zum Duell der Superwesen um keinen geringeren Preis als die Erde selbst.

Der abseits der MCU-Continuity bei Sony entstandene „Venom“ greift eine vor über dreißig Jahren einfgeführte Figur aus der „Spider-Man“-Serie auf, die ihr eigentliches Leinwanddebüt bereits im letzten Teil der Raimi-Trilogie erlebt hatte. Der mittlerweile wieder in Marvels Filmschoß zurückgekehrte Peter Parker kommt im neuen Film erwartungsgemäß nicht mehr vor, was zugleich auch eine modifizierte origin für Venom verlangt: Hier trifft der außerirdische Symbiont ohne Umwege auf seinen künftigen Wirt Eddie Brock. Es gilt, sich zunächst einander anzunähern, was freilich nicht ohne diverse Gewöhnungsturbulenzen von Statten geht. Der mit einigem Appetit auf menschliche Köpfe gesegnete Venom entpuppt sich nämlich nicht nur als ein ziemlich instinktgesteuerter Rüpel mit diversen unschönen Manieren, sondern zudem noch als ziemlich schlagfertig. Nach den üblichen Startschwierigkeiten ergeben Brock und sein innerer Partner wider Willen jedoch ein tatkräftiges Team, das auch mit unwägbarsten Schwierigkeiten fertig wird.
Dass eine Figur aus der dritten Reihe wie „Venom“, zudem eher ein Antiheld und eigentlich nicht auf Anhieb das, was dem unbedarften Superheldencomicapologeten als verfilmungstauglich in den Sinn käme, den großbudgetierten Sprung auf die Leinwand schaffte, ist ein Indiz für die Möglichkeiten, die die kommerziellen Erfolge des MCU mittlerweile eröffnen. Entsprechend der in der Regel grobschlächtigen Storys um das gezeichnete Vorbild ist Fleischers Film dann auch von eher schlichtem Gemüt; er begreift sich ganz als launiges Spaßprodukt ohne den Ballast ambitionierter Kontinuitätspflege und steht damit mental besehen eher in der preisgünstigen Sense-of-Wonder-Tradition der frühen bzw. kleineren Superheldenfilme im „Batman“-Nachhall der Frühneunziger, wie etwa Albert Pyuns „Captain America“.
Dass und ob Venom ein Marvel-Charakter ist, spielt im Grunde ferner keine eminente Rolle für den Film. Er begnügt sich mit seiner bewusst naiven Agenda, die eben vorsieht, dass gierige außerirdische Parasiten sich mit Menschen verbünden und ihre brachialen Streitigkeiten danach CGI-gespickt in und um San Francisco austragen. Das Ganze kostet entsprechend Holz und sieht in seiner rechnergenerierten Kinetik mal besser, mal weniger gut aus. Leider verdirbt das PG-13-Rating die schönen, durchaus blutigen Versprechungen, die der Plot immer mal wieder macht, aber dann nicht einlösen darf. Da waren die Jungs von der Fox schon mutiger.

7/10

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THE PREDATOR

„They’re large, they’re fast, and fucking you up is their idea of tourism.“

The Predator (Predator – Upgrade) ~ USA/CA 2018
Directed By: Shane Black

Während eines Einsatzes in Mexiko gerät Army-Sniper Quinn McKenna (Boyd Holbrook) an einen ebenfalls vor Ort befindlichen Predator. Mit mehr Glück als Verstand gelingt es McKenna, das Alien außer Gefecht zu setzen und ihm einige Ausrüstungsgegenstände abzunehmen. Diese verschickt McKenna in weiser Voraussicht an seine in einer US-Kleinstadt lebende Familie, Frau Emily (Yvonne Strahovski) und Sohnemann Rory (Jacob Tremblay), der gleichsam hochintelligent ist und unter dem Asperger Syndrom leidet. Derweil wird der eigens zur Predator-Beobachtung abgestellte Agent Will Traeger (Sterling K. Brown) auf McKenna und den von ihm kaltgestellten Fremden aufmerksam. Die eilends hinzugezogene Casey Brackett (Olivia Munn) kann ihr Glück, eine außerirdische Spezies untersuchen zu dürfen, kaum fassen. Während der flüchtige McKenna gefasst und mit einigen anderen Militärhäftlingen verlegt wird, kann der gefangene Predator fliehen. Es findet sich jedoch noch ein weiterer, durch Genmanipulation mutierter Außerirdischer ein, der seinen Artgenossen tötet und Jagd auf McKenna und Sohn Rory macht. Offenbar sind die beiden im Besitz von etwas, dessen sie nicht habhaft sein sollten…

Die sich nur anscheinend etwas kompliziert ausnehmende Synopsis von Shane Blacks jüngster Regiearbeit sollte keinen falschen Eindruck vermitteln: „The Predator“ dürfte einserseits zwar den bis dato blutigsten, andererseits allerdings zugleich den humorigsten Eintrag in dem bisher (zählt man die beiden Crossover mit) sechs Filme umfassenden Zyklus um die illustren außerirdischen Jäger abgeben. Wie es so des Regisseurs Art ist, besteht das von ihm selbst und Fred Dekker dem Film zugrunde gelegte Script gleichsam aus explosiven Actionsequenzen und einer selbst für Blacks zunehmend anarchische Verhältnisse rückhaltlosen Kaskade aus Sprüchen und Gags, von denen sich aber diverse leider auf halbgarer Ebene verflüchtigen. So nimmt sich „The Predator“ primär als ein weiterer Beitrag zur gegenwärtig angesagten Achtziger-Retro-Welle aus: Black, der ja bekanntlich einst selbst in John McTiernans maßgeblichem Original als Hawkins – Söldner, Lieferant schmutzig-misogyner Witzchen und erstes Opfer des Predator – auf der Seite der „Guten“ angetreten war und sich hernach vor allem als Drehbuchautor einen Namen machen konnte, arbeitete hier erstmals seit „The Monster Squad“ wieder mit seinem alten Kumpel Dekker zusammen. Offenbar haben die beiden Jungs noch einen ganz ähnlichen Schalk wie vor rund dreißig Jahren im Nacken, denn „The Predator“ dürfte vor allem Kids viel Freude bereiten oder noch viel mehr Solchen, die auch nach drei Dekaden noch umweglos ihre einstige Jungpersona zu reaktivieren vermögen. Als ernsthaftes Genrestück in der Tradition der ersten beiden „Predator“-Filme von McTiernan und Hopkins sollte man Blacks Schwank jedenfalls nicht in Empfang nehmen, sondern vielmehr als herzhaft-kurzweiligen Spaß, dessen R-Rating-Effekte abseits seines kindlichen (Mit-)Protagonisten, dem im späteren Plotverlauf eine unerwartete Zentralfunktion zukommt, recht genüsslich und in übertriebenem Maße zelebriert werden. Den Dreieinhalb-Meter-Super-Riesen-Predator und seine (in abgewandelter Form aus dem ’10er-Film von Nimród Antal bekannten) Schoßhunde als eminente Bedrohung ernstzunehmen, entbietet sich jedenfalls als nahezu unmöglich und auch die multipel eingestreuten, komisch konnotierten Reminiszenen an die bisherige Filmhistorie der Monster verhindern recht zielsicher, dass „The Predator“ sich jemals dem Verdacht etwaiger Ernsthaftigkeit aussetzen könnte. Er ist dann doch vielmehr ein grobschlächtiges Spaßprodukt, dem man aufgrund seiner deftigen, mit entwaffnendem Selbstverständnis zelebrierten Infantilität kaum ernsthaft böse sein mag.

6/10

AVENGERS: INFINTY WAR

„You should have gone for the head.“

Avengers: Infinty War ~ USA 2018
Directed By: Anthony Russo/James Russo

Für seinen Infinity-Handschuh, der ihm vollbesetzt göttliche Allmacht verliehe und es ihm möglich machte, sein Vorhaben betreffs einer Sanierung des gesamten Universums zu realisieren, fehlen dem wahnsinnigen Titanen Thanos (Josh Brolin) noch vier der sechs Ewigkeitsjuwelen: Der Zeitstein, der im Besitz des Okkultisten Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) ist, der Gedankenstein, der dem Androiden Vision (Paul Bettany) seine menschliche Seele und damit zugleich seine Existenz verleiht, der Realitätsstein, den der außerirdische Artefaktesammler Collector (Benicio Del Toro) verwahrt und schließlich der Seelenstein, den der auf dem Planeten Vormir gestrandete Red Skull (Ross Marquand) unter Bewachung hält. Gemeinsam mit seinen Vasallen, der „Black Order“, den monströsen Outriders, und seiner mit jedem eroberten Stein anwachsenden Macht über Raum, Zeit und Realität, gelingt es Thanos, trotz der vereinten Gegenwehr der Avengers und der Guardians Of The Galaxy, sämtliche Juwelen in seinen Besitz zu bringen und seinen irrwitzigen Plan, die Hälfte aller Lebewesen des Kosmos zu beseitigen, um diesen vor sich selbst zu schützen, in die Tat umzusetzen.

Dieses gewaltige filmlogistische Unterfangen, das gemeinsam mit seinem kommenden Nachfolger zugleich Höhepunkt und Abschluss der ersten, nunmehr dreizehn Jahre andauernden und zwanzig Kinofilme umfassenden MCU-Phase zugleich krönen und abschließen soll, erfüllt die vielerorts an es gestellte, hohe Erwartungshaltung durchaus behende. Die stille Prämisse, dass in dem Superhelden-Clash die meisten der bislang vorgestellten Charaktere ein Plätzchen bekommen, konnten die Russo-Brüder, die zuvor bereits mit zwei „Captain America“-Filmen unter Beweis stellen konnte, dass sie derart herausfordernde Unternehmungen zu stemmen im Stande sind, weitgehend einlösen. Da der jüngste „Ant-Man“-Film und die eigentliche MCU-Nr.-20 sich den Ereignissen in „Infinity War“ leider erst in den end credits untermengt, ist eben der Kontinuität geschuldet, hat allerdings zur Folge, dass Scott Lang und seine Freunde in diesem Film noch keinen Platz bekommen konnten. Umso bedauerlicher fand ich es, dass man nicht die sich bietende Chance genutzt und das street level der Web-Serials in „Infinity War“ berücksichtigt hat. Aber das bin nur ich. Wenn diese überkandierte, halluzinogene Wundertüte der Russos ein -vermeintliches – Problem hat, dann ist es ohnehin seine mehr oder weniger zwangsläufig in die Episodenhaftigkeit dividierende Struktur. Hätte sich überhaupt da noch eine weitere Ebene einflechten lassen, in der Netflix-Defenders räudige Monsteraliens vermöbeln? Der Film müsste dann mindestens noch eine halbe Stunde länger sein. Doch halt – genau so verfahren die klassischen Comics (und auf einem von denen basiert „Infinity War“ schließlich) ja auch: Kleinere Teamabspaltungen versuchen, Pars-Pro-Toto-Probleme an unterschiedlichen Orten zu lösen. So war das früher nunmal, als ausgeflippte, hippieeske Visionäre wie Jim Starlin noch ihre überbordende New-Age-Phantasie mit Superhelden-Universen kreuzen durften. Und wer dann noch bemängelt, dass der Film ja gar kein wirkliches Ende hat, sondern mittels eines cliffhangers auf seinen von Anfang an avisierten Nachfolger verweist, der hat sowieso nichts kapiert.
Ich habe als Filmfreund ja immer das – zugegebenermaßen leicht neurotisch angehauchte Problem, mich als ausgesprochener Liebhaber des MCU permanent rechtfertigen zu müssen; im Alltagsdialog, gegenüber Freunden, dem cinephilen Netzwerk auf Facebook, manchmal, in schwachen Momenten, sogar vor mir selbst. Wer das Kino liebt, der, so scheint mir, muss das MCU schon aus Prinzip belächeln, langweilig, einfallslos, infantil und dumm oder gar verwerflich finden, verachten, oder kurz: hassen. Es fällt selbst mir, dem Fels in der Brandung, tatsächlich leichter, gängige Negativattribute zu bfinden und aufzuzählen. Die Crux ist ja offensichtlich, immerhin walzt hier vor allem eine ungeheure Geldmaschinerie vor sich her, ein kommerzieller Fliegenvorhang, der der gesamten Mainstream-Kinolandschaft seinen unausweichlichen Stempel aufdrückt. Neue Franchises schießen überall wie Pilze aus dem Boden, auch andernorts werden Handlungsbögen gespannt, narrative Pseudo-Komplexitäten zwangsetabliert, die natürlich niemals auch nur annähernd den monströsen Background von sechs Jahrzehnten Comic- und, ja, Literaturhistorie aufwiegen könnten. Das kann kein „Star Trek“ und kein „Star Wars“ und auch nichts sonst. Und vor allem das DCEU versagt weiterhin kläglich und macht, zumindest, was seine ins Leere laufenden Bemühungen anbelangt, dem filmischen Ideenpool von Marvel das Wasser zu reichen, alles falsch, was man nur falsch machen kann. Das MCU jedoch stemmt sein Erbe ungebrochen weiter und gehört mit all seinen Ausläufern für mich, und jetzt apologisiere ich schon wieder fleißig, obwohl ich’s mir doch schenken wollte, weiterhin zum Schönsten, Strahlendsten und Erfreulichsten, was ich Zeit meines Lebens an filmischer Emission erleben durfte. Hier fühle ich mich immer wieder wie zu Hause und, was fast noch wichtiger ist, gut dort angekommen. Möge das MCU noch lange Bestand haben und weiterhin so bunte Blüten treiben. Ich werde mich ebenso tapfer an deren Liebreiz erfreuen, und wenn ich mich damit noch so wenig ernstgenommen fühlen muss.

9/10

SOLO: A STAR WARS STORY

„Everything you’ve heard about me is true.“

Solo: A Star Wars Story ~ USA 2018
Directed By: Ron Howard

Der junge Corellianer Han (Alden Ehrenreich) träumt davon, gemeinsam mit seiner Freundin Qi’ra (Emilia Clarke) von seinem finsteren Ganovenplaneten und somit den Fängen der Gangsterkönigin Lady Proxima zu entkommen. Zumindest ihm gelingt eines Tages die Flucht, derweil Qi’ra zurückbleiben muss. Nachdem er sich jetzt Han Solo nennt, führt ihn sein folgender, mehrjähriger Werdegang über eine kurze Karriere bei den imperialen Streitkräften bis hin in die anfangs turbulente Kumpanei mit dem Wookie Chewbacca (Joonas Suotamo) und in die Gesellschaft des Kleingangsters Tobias Beckett (Woody Harrelson), der mit seiner kleinen Clique wiederum für den weitaus mächtigeren Syndikatsboss Dryden Vos (Paul Bettany) arbeitet. Auch Qi’ra befindet sich mittlerweile im engeren Dunstkreis von Vos – wobei ihr Interesse an Han merklich abgekühlt scheint. Um eine offene Rechnung zu begleichen, müssen Beckett und Han eine größere Menge des raren Raumschifftreibstoffs Coaxium erbeuten und es zudem noch raffinieren lassen. Mithilfe des Spielers Lando Calrissian (Donald Glover) und seines rasanten Schiffs gelingt der Coup unter einigen Turbulenzen. Als Han schließlich auf dem ausgebeuteten Planeten Savareen feststellen muss, dass die intergalaktischen Verbrechersyndikate um keinen moralischen Deut besser agieren als das Imperium, dass sie vielmehr sogar mit der Diktatur paktieren, wendet er sich gegen Becket, Vos und Qi’ra…

Der zweite außerchronologische filmische „Star Wars“-Ableger seit der Übernahme des Franchise durch den Disney-Konzern erlebte bereits während seiner Produktionsphase mehr Stolpersteine als die Titelfigur während des gesamten Films: Ron Howard übernahm die Regie, nachdem die zunächst inszenierenden Phil Lord und Chris Miller zu höchster Unzufriedenheit der Produktionsleitung gearbeitet hatten. Diverse Nachdrehs, die das zuvor stark komödiantisch basierten Timbre auszugleichen hatten und sogar teilweise Umbesetzungen nötig machten, oblagen nun Howard, der erstaunlicherweise einen trotz aller vormaligen Pannen homogen wirkenden „Star Wars“-Film vorzulegen vermochte. Freilich wird bei Produktionen dieser Größenordnung kaum etwas dem Zufall überlassen sein, so dass zumindest ein halbwegs befriedigendes Resultat zwingend zu erwarten war. Das Script von Lawrence Kasdan und seinem Sohn Jonathan entspricht dabei in Grundzügen einer deutlich erkennbaren Variation von Robert Louis Stevensons „Treasure Island“, mit Han Solo als Ersatz für deren Erzähler Jim Hawkins und Tobias Beckett als seinem hassgeliebten Ersatzvater Long John Silver. Die übrigen Figuren, die bereits seit der Urtrilogie relativ zwingend mit Solos Biographie verwoben sind, also vor allem Chewbacca und Lando Calrissian, finden sich relativ geschickt in den Plot eingeflochten. Auch den zumindest an Jabba The Hutt gemahnden Hinweis vergaß man gegen Ende nicht, wie überhaupt diverse lose Enden die breite Option für ein „Solo“-Sequel gewährleisten. Darüber hinaus versäumen Regisseur Howard und sein alter Freund George Lucas es nicht, zahlreiche fankitzelnde Reminiszenen an frühere Gemeinschafts- und Einzelarbeiten unterzubringen, deren Ausfindigmachen dazu angetan ist, jedem wahren Geek das eine oder andere Freudentränchen zu entlocken.
Als im Prinzip überaus klassisch konnotiertes, buntes Piratenkino vor dem universellen Hintergrund der beliebten space opera „Star Wars“ und ihrer immer weiter ziehenden Kreise bietet „Solo“ insgesamt absolut solides, handwerklich zumeist auf der Höhe befindliches und phasenweise sogar schönes Handwerk der monetären Luxusklasse, das zwar hier und da über den Wert und Sinn derart gewaltig budgetierter Filme grübeln lässt, seine nichtsdestotrotz zahlreichen Versprechen aber immer wieder tosend einzulösen pflegt.

7/10

A QUIET PLACE

„It’s a boy.“

A Quiet Place ~ USA 2018
Directed By: John Krasinski

In naher Zukunft wird die Erde zum Opfer einer Invasion von Aliens. Die ausschließlich auf ihren Gehörsinn angewiesenen, wegen ihrer Reflexe scheinbar kaum zu tötenden Kreaturen bewegen sich blitzschnell und schlagen beim kleinsten vernehmbaren Laut zu. Für die auf einer Farm im ländlichen Teil New Yorks lebende Familie Abbott, Vater Lee (John Krasinski), die schwangere Mutter Evelyn (Emily Blunt), Söhnchen Marcus (Noah Jupe) und die ältere, fast gehörlose Tochter Regan (Millicent Simmons) wird in dieser bereits fast menschenleere Welt jede Sekunde zu einem Spießrutenlauf. Ihren Jüngsten Beau (Cade Woodward) haben die Abbotts aufgrund von Unvorsichtigkeit bereits verloren. Die bald bevorstehende Geburt des Babys veranlasst die Familie zu besonderen Vorsichtsmaßnahmen, so wird eigens ein schalldichter Keller unter dem Hauptgebäude ausgebaut. Eines Tages kommt es dann doch zur befürchteten Konfrontation mit den Monstern, als Lee und Marcus die Gegend erkunden und die kurz vor der Niederkunft stehende Evelyn daheim auf einen Nagel tritt…

Wie ich erst seit „A Quiet Place“, also recht aktuell, weiß, ist John Krasinski nicht nur der Ehemann von Emily Blunt, sondern auch ein im Filmfach ziemlich umtriebiger Herr, der selbst häufig als Schauspieler arbeitet, produziert, schreibt und hiermit bereits seinen dritte Inszenierungsarbeit vorgelegt hat. Zumindest im (phantastischen) Genrefach ist Krasinski allerdings noch ein unbeschriebenes Blatt, beweist mit „A Quiet Place“ jedoch, dass er die erforderliche Klaviatur ordnungsgemäß studiert hat und beherrscht.
Zwar hatte ich (bei der eben allseits abgeackerten Motivlage um Alieninvasions-, Endzeit- und Belagerungsfilme kein Wunder) auch bei diesem Werk nie das Gefühl, etwas wirklich Neues oder gründlich Innovatives zu sehen; von dieser Erwartungshaltung, so sie denn überhaupt noch vorkommt, sollte man sich jedoch ohnehin verabschieden.
Dann bleibt ein rund um das einfallsreiche Gimmick der erzwungenen Geräuschlosigkeit entsponnenes Familiendrama, in dem es an deren vier Mitgliedern ist, das Beste aus der höchst konzentrationsabhängigen Zeit herauszuholen, in der sie leben muss. Das unabdingbare Trauma kredenzt Krasinski uns gleich als Exposition; mit dem kleinen Beau, der, unbedarft wie er ist, eine batteriebetriebene Spielzeugrakete aufheulen lässt, führt der Film auch gleich die tödliche Bedrohung ein – Beau wird auf affektiv und emotional höchst nachhallende Weise Opfer der Aliens; die Abbotts sind fortan zur stillen Trauer verdammt. Ein Zeitsprung von ein paar Monaten führt den Zuschauer zur nächsten lauernden Tragödie – ein Baby kommt. Neues Leben bedeutet in einer zur Lautlosigkeit verdammten Welt allerdings zugleich den Tod. Die insofern eingeschränkt enthusiastischen Eltern sind sich dessen sehr wohl bewusst und tun verzweifelt alles, um dem Unabwendbaren gerüstet zu begegegnen. Erwartungsgemäß spielen die bloßen Schwächen verletzlicher Menschlichkeit und die daraus resultierende Beziehungsdynamik ihnen gegen das Blatt und es gilt, einen letzten Kampf zu schlagen, der, auch das eine bewusste Konstellation, auf den traditionsträchtigen Showdown Mutter vs. Monster hinausläuft. Dass ausgerechnet die pubertierende, hörbehinderte Tochter ein probates Mittel zur Schwächung der übermächtigen Monster findet, lässt sich als hübsch zeitgemäße Volte an. Die Tatsache schließlich, dass dazwischen einige wirklich saumäßig fesselnde, bravourös arrangierte Spannungsmomente liegen, von deren Akzentuierungsgrad andere Regisseure träumen können, rundet diesen ziemlich sehenswerten Film nach oben ab.

7/10

STAR WARS: THE LAST JEDI

„You are no Vader. You are just a child in a mask.“

Star Wars: The Last Jedi (Star Wars: Die letzten Jedi) ~ USA 2017
Directed By: Rian Johnson

Während die junge Rey (Daisy Ridley) und Chewbacca (Joonas Suotamo) Luke Skywalker (Mark Hamill) auf Ahch-To ausfindig gemacht haben und frustriert feststellen müssen, dass der letzte aller Jedi-Meister längst nichts mehr von den intergalaktischen Geschicken wissen, sondern eigentlich bloß noch in Ruhe sterben will, haben die Rebellenkämpfer Finn (John Boyega) und Poe Dameron (Oscar Isaac) ganz andere Probleme. Nur ein Hyperraum-Sprung rettet sie vor dem Zugriff der Neuen Ordnung, doch die Finsterlinge bleiben ihnen auch danach noch dicht auf den Fersen. Es gilt, ein Peilgerät an Bord des Sternenzerstörers von General Hux (Domhnall Gleeson) zu deaktivieren, was wiederum nur mithilfe eines speziellen Codeknackers möglich ist Finn und die tapfere Wartungsarbeiterin Rose (Kelly Marie Tran) begeben sich in die Casino-Stadt Canto Bight, um den Gesuchten anzuheuern. Sie müssen sich jedoch mit dem zwielichtigen DJ (Benicio Del Toro) begnügen, der ihnen aus vvorübergehender Gefangenschaft hilft. Unterdessen kehrt Rey allein zur Flotte zurück und stellt sich Kylo Ren (Adam Driver), in dem sie noch Reste des Guten vermutet. Doch weit gefehlt: Der machtbesessene Nachwuchs-Sith schickt sich nach seiner finalen Machtübernahme über die Neue Ordnung  an, den letzten Zufluchtsort der Rebellen auf dem Planeten Crait dem Erdboden gleichzumachen. Mit Einem rechnet er jedoch nicht…

Geschlossener und deutlich selbstvertrauter wirkend als „Episode VII“ kommt der von Rian Johnson inszenierte „The Last Jedi“ daher, der seinerseits zwar  noch immer nicht ganz ohne Recycling-Elemente der Ur-Trilogie auskommt, dessen Gesamtstruktur jedoch längst nicht mehr so an bedingungsloser Wiederverwertung interessiert ist wie der unmittelbare Vorgänger. Ingredienzien wie die an Bespin erinnernde Spielerstadt Canto Bight, das Exil des mittlerweile knarzigen, gealterten Luke Skywalker, das von der jungen Rey (girl power!) aufgesucht wird wie dereinst Dagobah und Yoda von Luke selbst und Poe Dameron als subordinationsrenitenter Han-Solo-Ersatz, das sind zwar unmisverständliche Anklänge an „The Empire Strike Back“, ein verklausuliertes Remake haben wir diesmal jedoch nicht. Die Aufsplittung der Narration zu mehreren verschiedenen Schauplätzen sorgt für gleichmäßiges Tempo und Spannung, liebenswerte neue Kreaturschöpfungen  und Schwenks zu alten Vertrauten wie etwa Yoda (Frank Oz), der in einem verblüffend gelungenen, schönen Auftritt aus dem Jenseits vorbeischaut, erzeugen die notwendigen, kleinen Gänsehautmomente. Die Raumschlachten und Duelle sind laut, dynamisch choreographiert und eine Augenweide zumindest für solchem Zugeneigte. Es gelingt „Episode VII“ sehr viel überzeugender als zuletzt, Brückenschläge zwischen der klassischen und der neuen Saga zu schaffen und den jungen Nachwuchs-Charakteren Profil zu verleihen, ohne die alten zu vernachlässigen oder gar zu denunzieren. Nach Harrison Ford darf sich nun auch Mark Hamill heldenhaft aus dem SW-Universum verabschieden, wobei ich sicher bin, dass zumindest seine jenseitige Aura sich mindestens einen Gastbesuch zu kommenden Gelegenheiten nicht wird nehmen lassen. Bleibt die berechtigte, große Frage, wie man ausgerechnet dem realen Ableben Carrie Fishers im nächsten Film Rechnung tragen wird und welche dramaturgische Bedeutung speziell der letzten Sequenz zukommt, in der ein kleiner Stalljunge aus Canto Bight binnen weniger Minuten noch flott zum Jedi-Nachfolger und damit kurzerhand zum Hoffnungsträger aufgebaut wird.
Alles in allem nach dem geflissentlich durchhängenden, etwas ideenarmen Vorgänger endlich wieder ein schönes, beseeltes SW-Abenteuer, das seinem Franchise vorbehaltlos Ehre erweist und gewiss viele alte wie neue Freunde zu begeistern wissen wird

9/10

INDEPENDENCE DAY: RESURGENCE

„Time to kick some serious alien ass.“

Independence Day: Resurgence (Independence Day – Wiederkehr) ~ USA 2016
Directed By: Roland Emmerich

Zwanzig Jahre nach dem katastrophalen Alien-Überfall hat die Welt sich nicht nur weitgehend erholt, sondern zudem die eigene Technologie mit der Außerirdischen angereichert. Mit deren Hilfe gelang es zudem, weiter in den Weltraum vorzustoßen. Just zum Jahrestag der Invasion erscheint dann ein fremdes, rundes Objekt im All, das vorsorglich, aber leider auch vorschnell abgeschossen wird. Dabei handelt es sich um den Abgesandten einer interstellaren Rebellenarmee, die die Menschheit vor dem nächsten Sturm der bereits bekannten Extraterrestrier warnen will. Da rauscht schon ein gewaltiges Schlachtschiff heran, auf dem sich diesmal eine Alien-Königin befindet, die den zweiten Angriff gegen die Erde höchstpersönlich anführt. Für David Levinson (Jeff Goldblum), den seit damals in psychiatrischer Verwahrung befindlichen Ex-Präsidenten Whitmore (Bill Pullman), der nach wie vor mentalen Kontakt zu den Fremden hat, den aus dem Koma erwachten Dr. Okun (Brent Spiner), Captain Hillers Sohn Dylan (Jessie T. Usher) und dessen Pilotenkumpel Jake Morrison (Liam Hemsworth) heißt es daher aufs Neue: Alienärsche treten.

Den ganz großen, gigantomanischen Irrsinn des Vorgängers kann „Independence Day: Resurgence“ in Zeiten, in denen Superhelden- und Effektkino Alltagsgeschehen sind, nicht mehr präservieren. Emmerich und Adlatus Dean Devlin, unterdessen zu alten, gewohnheitsmäßig umtriebigen Hasen im bombastischen Zerstörungs- und Katastrophen-Segment avanciert, wissen das ganz genau und brechen ihre neuerliche Invasions-Nabelschau auf ein kontenztrierteres Filtrat herunter, das sich vornehmlich aus breit angelegten Luft- und Raumkampfszenarien und einigen wenigen Plot-Füllseln, die offenkundig vor allem dazu dienen, den Stoff zum künftigen Franchise auszuweiten, zusammen setzen. Wie die Xenomorphe aus der „Alien“-Reihe erweisen sich die allermeisten All-Monster als Drohnen, die ihre Chefin bzw. Königin, die zehnfach größer in punkto Gestalt und Kampferprobtheit ist, umschwirren und mit ihr stehen und fallen. So wird „Resurgence“ gegen Ende noch flugs zum waschechten Monsterfilm, wenn es gilt, das durch die Wüste von Nevada flitzenden Tentakel-Ungetüm zu Fall zu bringen. Mir hat’s gefallen.
Dass Will Smith, im Original bereits Nervenstrapazierer über Gebühr, nicht mehr dabei ist, schadet dem Film überhaupt nicht; Herz und Zentrale auf dem schauspielerischen Sektor bilden ohnehin erneut der gewohnt lakonische Goldblum und der herzliche Judd Hirsch, von denen Emmerich stolz sein kann, sie zum wiederholten Auftritt überzeugt zu haben. Robert Loggia darf immerhin zweimal kurz in die Kamera linsen. Obendrauf gibt es als (komplett austauschbares und profilloses) Pseudo-Identifikationspersonal für Teens und Twens den Nachwuchs Hemsworth, Usher und Maika Monroe als Whitmores wehrhafte Tochter Patricia sowie William Fichtner als Präsidentennachwuchs, dem diesmal die (hübsch kurz geratene) Pathos-Rhetorik zur letzten Schlacht vorbehalten ist. Ob man mit weiteren „Indepence Day“-Beiträgen rechnen kann, wird sich wohl in Kürze zeigen; zumindest die Sterne stehen der Storyline ja jetzt ganz weit offen. Nach diesem dem Erstling summa summarum ebenbürtigen Sequel wäre ich wohl sogar bis auf Weiteres dabei.

5/10