STAR WARS: THE LAST JEDI

„You are no Vader. You are just a child in a mask.“

Star Wars: The Last Jedi (Star Wars: Die letzten Jedi) ~ USA 2017
Directed By: Rian Johnson

Während die junge Rey (Daisy Ridley) und Chewbacca (Joonas Suotamo) Luke Skywalker (Mark Hamill) auf Ahch-To ausfindig gemacht haben und frustriert feststellen müssen, dass der letzte aller Jedi-Meister längst nichts mehr von den intergalaktischen Geschicken wissen, sondern eigentlich bloß noch in Ruhe sterben will, haben die Rebellenkämpfer Finn (John Boyega) und Poe Dameron (Oscar Isaac) ganz andere Probleme. Nur ein Hyperraum-Sprung rettet sie vor dem Zugriff der Neuen Ordnung, doch die Finsterlinge bleiben ihnen auch danach noch dicht auf den Fersen. Es gilt, ein Peilgerät an Bord des Sternenzerstörers von General Hux (Domhnall Gleeson) zu deaktivieren, was wiederum nur mithilfe eines speziellen Codeknackers möglich ist Finn und die tapfere Wartungsarbeiterin Rose (Kelly Marie Tran) begeben sich in die Casino-Stadt Canto Bight, um den Gesuchten anzuheuern. Sie müssen sich jedoch mit dem zwielichtigen DJ (Benicio Del Toro) begnügen, der ihnen aus vvorübergehender Gefangenschaft hilft. Unterdessen kehrt Rey allein zur Flotte zurück und stellt sich Kylo Ren (Adam Driver), in dem sie noch Reste des Guten vermutet. Doch weit gefehlt: Der machtbesessene Nachwuchs-Sith schickt sich nach seiner finalen Machtübernahme über die Neue Ordnung  an, den letzten Zufluchtsort der Rebellen auf dem Planeten Crait dem Erdboden gleichzumachen. Mit Einem rechnet er jedoch nicht…

Geschlossener und deutlich selbstvertrauter wirkend als „Episode VII“ kommt der von Rian Johnson inszenierte „The Last Jedi“ daher, der seinerseits zwar  noch immer nicht ganz ohne Recycling-Elemente der Ur-Trilogie auskommt, dessen Gesamtstruktur jedoch längst nicht mehr so an bedingungsloser Wiederverwertung interessiert ist wie der unmittelbare Vorgänger. Ingredienzien wie die an Bespin erinnernde Spielerstadt Canto Bight, das Exil des mittlerweile knarzigen, gealterten Luke Skywalker, das von der jungen Rey (girl power!) aufgesucht wird wie dereinst Dagobah und Yoda von Luke selbst und Poe Dameron als subordinationsrenitenter Han-Solo-Ersatz, das sind zwar unmisverständliche Anklänge an „The Empire Strike Back“, ein verklausuliertes Remake haben wir diesmal jedoch nicht. Die Aufsplittung der Narration zu mehreren verschiedenen Schauplätzen sorgt für gleichmäßiges Tempo und Spannung, liebenswerte neue Kreaturschöpfungen  und Schwenks zu alten Vertrauten wie etwa Yoda (Frank Oz), der in einem verblüffend gelungenen, schönen Auftritt aus dem Jenseits vorbeischaut, erzeugen die notwendigen, kleinen Gänsehautmomente. Die Raumschlachten und Duelle sind laut, dynamisch choreographiert und eine Augenweide zumindest für solchem Zugeneigte. Es gelingt „Episode VII“ sehr viel überzeugender als zuletzt, Brückenschläge zwischen der klassischen und der neuen Saga zu schaffen und den jungen Nachwuchs-Charakteren Profil zu verleihen, ohne die alten zu vernachlässigen oder gar zu denunzieren. Nach Harrison Ford darf sich nun auch Mark Hamill heldenhaft aus dem SW-Universum verabschieden, wobei ich sicher bin, dass zumindest seine jenseitige Aura sich mindestens einen Gastbesuch zu kommenden Gelegenheiten nicht wird nehmen lassen. Bleibt die berechtigte, große Frage, wie man ausgerechnet dem realen Ableben Carrie Fishers im nächsten Film Rechnung tragen wird und welche dramaturgische Bedeutung speziell der letzten Sequenz zukommt, in der ein kleiner Stalljunge aus Canto Bight binnen weniger Minuten noch flott zum Jedi-Nachfolger und damit kurzerhand zum Hoffnungsträger aufgebaut wird.
Alles in allem nach dem geflissentlich durchhängenden, etwas ideenarmen Vorgänger endlich wieder ein schönes, beseeltes SW-Abenteuer, das seinem Franchise vorbehaltlos Ehre erweist und gewiss viele alte wie neue Freunde zu begeistern wissen wird

9/10

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INDEPENDENCE DAY: RESURGENCE

„Time to kick some serious alien ass.“

Independence Day: Resurgence (Independence Day – Wiederkehr) ~ USA 2016
Directed By: Roland Emmerich

Zwanzig Jahre nach dem katastrophalen Alien-Überfall hat die Welt sich nicht nur weitgehend erholt, sondern zudem die eigene Technologie mit der Außerirdischen angereichert. Mit deren Hilfe gelang es zudem, weiter in den Weltraum vorzustoßen. Just zum Jahrestag der Invasion erscheint dann ein fremdes, rundes Objekt im All, das vorsorglich, aber leider auch vorschnell abgeschossen wird. Dabei handelt es sich um den Abgesandten einer interstellaren Rebellenarmee, die die Menschheit vor dem nächsten Sturm der bereits bekannten Extraterrestrier warnen will. Da rauscht schon ein gewaltiges Schlachtschiff heran, auf dem sich diesmal eine Alien-Königin befindet, die den zweiten Angriff gegen die Erde höchstpersönlich anführt. Für David Levinson (Jeff Goldblum), den seit damals in psychiatrischer Verwahrung befindlichen Ex-Präsidenten Whitmore (Bill Pullman), der nach wie vor mentalen Kontakt zu den Fremden hat, den aus dem Koma erwachten Dr. Okun (Brent Spiner), Captain Hillers Sohn Dylan (Jessie T. Usher) und dessen Pilotenkumpel Jake Morrison (Liam Hemsworth) heißt es daher aufs Neue: Alienärsche treten.

Den ganz großen, gigantomanischen Irrsinn des Vorgängers kann „Independence Day: Resurgence“ in Zeiten, in denen Superhelden- und Effektkino Alltagsgeschehen sind, nicht mehr präservieren. Emmerich und Adlatus Dean Devlin, unterdessen zu alten, gewohnheitsmäßig umtriebigen Hasen im bombastischen Zerstörungs- und Katastrophen-Segment avanciert, wissen das ganz genau und brechen ihre neuerliche Invasions-Nabelschau auf ein kontenztrierteres Filtrat herunter, das sich vornehmlich aus breit angelegten Luft- und Raumkampfszenarien und einigen wenigen Plot-Füllseln, die offenkundig vor allem dazu dienen, den Stoff zum künftigen Franchise auszuweiten, zusammen setzen. Wie die Xenomorphe aus der „Alien“-Reihe erweisen sich die allermeisten All-Monster als Drohnen, die ihre Chefin bzw. Königin, die zehnfach größer in punkto Gestalt und Kampferprobtheit ist, umschwirren und mit ihr stehen und fallen. So wird „Resurgence“ gegen Ende noch flugs zum waschechten Monsterfilm, wenn es gilt, das durch die Wüste von Nevada flitzenden Tentakel-Ungetüm zu Fall zu bringen. Mir hat’s gefallen.
Dass Will Smith, im Original bereits Nervenstrapazierer über Gebühr, nicht mehr dabei ist, schadet dem Film überhaupt nicht; Herz und Zentrale auf dem schauspielerischen Sektor bilden ohnehin erneut der gewohnt lakonische Goldblum und der herzliche Judd Hirsch, von denen Emmerich stolz sein kann, sie zum wiederholten Auftritt überzeugt zu haben. Robert Loggia darf immerhin zweimal kurz in die Kamera linsen. Obendrauf gibt es als (komplett austauschbares und profilloses) Pseudo-Identifikationspersonal für Teens und Twens den Nachwuchs Hemsworth, Usher und Maika Monroe als Whitmores wehrhafte Tochter Patricia sowie William Fichtner als Präsidentennachwuchs, dem diesmal die (hübsch kurz geratene) Pathos-Rhetorik zur letzten Schlacht vorbehalten ist. Ob man mit weiteren „Indepence Day“-Beiträgen rechnen kann, wird sich wohl in Kürze zeigen; zumindest die Sterne stehen der Storyline ja jetzt ganz weit offen. Nach diesem dem Erstling summa summarum ebenbürtigen Sequel wäre ich wohl sogarbis auf Weiteres dabei.

5/10

INDEPENDENCE DAY

„Let’s nuke the bastards.“

Independence Day ~ USA 1996
Directed By: Roland Emmerich

Kriegerische Aliens nehmen Kurs auf die Erde, um die Menschheit auszurotten und sich die Ressourcen unseres Planeten anzueignen. Nachdem es zunächst so aussieht, als habe man selbst mit der größten Feuerkraft keine Chance gegen die Außerirdischen, kommt dem wackeren TV-Techniker David Levinson (Jeff Goldblum) die zündende Idee…

Nachdem ich Emmerichs Krawallmanifest „Independence Day“ über die Jahre hinweg immer in den untersten Niederungen amerikanischen Blockbusterkinos angesiedelt habe, kann ich jetzt endlich Frieden schließen mit ihm. Man muss dem Film schlicht und einfach seine grenzenlose Blödheit und seinen Kreativköpfen, allen voran freilich dem Regisseur und seinem Haus-und-Hof-Autoren Dean Devlin, nachsehen, dass sie hier etwas geschaffen haben, das in etwa dem Äquivalent eines Multimillionendollar-Spielplatzes entspricht – megalomanisches Amüsement für infantile Gemüter. Emmerich und Devlin beweisen mit Nachdruck, dass sie das 70er-Jahre-Katastrophenkino eines Irwin Allen nahezu akribisch studiert haben, denn der gesamte dramaturgische und narrative Aufzug ihres Films entspricht selbigem bis aufs i-Tüpfelchen. Für eine Alien-Invasion Marke H.G. Wells fehlten ehedem schlicht die Mittel, sonst hätte Allen neben Schiffshavarien, brennenden Wolkenkratzern und Vulkanausbrüchen vermutlich auch das bereits an Ort und Stelle durchexerziert. So lag es eben an dem Schwaben und seinem treuen Gefolgsmann, jene Phantasmagorie mit aller gebührenden Naivität und triefendem Amerika-Pathos zeitreif angereichert in die Welt zu entlassen. Den ob ihres Engagements sicherlich sehr wohl im Bilde befindlichen Antlitzzeigern Goldblum und Hirsch als Vater und Sohn stehen ein bilderbuchhaft nervender, dümmliche Sprüche kloppender Will Smith, ein exemplarisch alberner Bill Pullman und die wie zumeist Zahnschmerzen verursachende Mary McDonnell als dessen das Zeitliche segnende Weibchen gegenüber, den sagenhaft inszenierten Luft- bzw. Raumkampfszenen und Explosionen ein stolz präsentiertes Nichts an figuraler und sophistischer Basis. Dass Großstädte und mit ihnen Millionen von Seelen eingeebnet werden, tangiert einen zu keiner Sekunde; Emmerich macht sein Publikum im Gegenteil zu willfährigen Voyeuren der Popcornapokalypse. Wo Burton aus dem lärmenden Pulp-Charakter des Stoffs kurz darauf einen liebevoll-satirischen Kinospiegel vorhielt und Spielberg sich neun Jahre später gleich den literarischen Wurzeln des Ganzen annahm und dann auch erfolgreich eine emotionale Involvierung seiner Zuschauer zu evozieren vermochte, baut „Independence Day“ oder „ID4“, wie er sich praktischerweise abkürzt, ein schickes, aufwändiges Riesengebäude aus Legosteinen, nur um es dann umgehend und umso lustvoller wieder kaputtzutreten.
Was mir noch immer und nach wie vor in Aug, Ohr und Schmalz springt, ist, wie sagenhaft dumm dieser Film ist und mit welch unglaublicher Chuzpe er diese Dummheit auch noch ausstellt.
Was ich mittlerweile dazu gelernt habe, ist, über all das hinwegzusehen, ja, es gar nicht mehr wichtig zu nehmen, und, anstatt mich uneffektiv zu ärgern, den Verstärker aufzudrehen und die vielen, farbenfrohen Explosionen zu genießen. Man entwickelt sich eben doch weiter mit dem Alter. Oder zurück, ganz nach Perspektive.

5/10

THOR: RAGNAROK

„I have to get off this planet!“

Thor: Ragnarok (Thor – Tag der Entscheidung) ~ USA 2017
Directed By: Taika Waititi

Nach den Ereignissen um den mordenden Roboter Ultron und einer längeren, erfolglosen Suche nach den Infinity-Steinen kann der Donnergott Thor (Chris Hemsworth) den Feuerdämon Surtur besiegen. Derweil hat der altersmüde Odin (Anthony Hopkins) Asgard verlassen und Thors intriganter Halbbruder Loki (Tom Hiddleston) unerkannt die Identität des Göttervaters angenommen. Nach der Klärung der Situation verabschiedet sich Odin von seinen Söhnen gen Walhalla, derweil sein ältestes Kind, die aus ihrer Gefangenschaft entkommene Todesgöttin Hela (Cate Blanchett), nachdrücklich ankündigt, dass künftig sie über Asgard herrschen wird. Zuvor entledigt sie sich ihrer beiden Brüder, die auf Sakaar landen, dem derzeitigen Aufenthaltsort des „Grandmaster“ (Jeff Goldblum), einer der kosmischen Entitäten, der nichts mehr liebt als Schaukämpfe. Als sein derzeitiger Champion entpuppt sich der mittlerweile seit zwei Jahren pausenlos im monströsen Körper des Hulk gefangene Bruce Banner (Mark Ruffalo). Nach einem für Thor desaströs endenden Kampf in der Arena gelingt es dem Donnergott, Banners menschliches Ich zurückzuholen und gemeinsam mit ihm und der zwischenzeitlich abtrünnigen Walküre (Tessa Thompson) nach Asgard zu entkommen, um Hela ein für allemal zu stellen.

„Thor: Ragnarok“ nimmt denselben Weg wie James Gunns „Guardians Of The Galaxy“-Filme und wählt zur Dargabe seiner epischen Geschichte den Weg selbstironischer Comedy, gepaart mit gewaltigen, knallbunten, bewusst effektüberladenen Bildern und nostalgischen Pulp-/Camp-Elementen, die im Golden und Silver Age der Comics fußen und diesen liebevoll-komische Reminiszenz erweisen. Wie zuvor bereits „Captain America: Civil War“ fokussiert sich der Film trotz eindeutiger Namensgebung keinesfalls mehr allein auf die Titelfigur, sondern versteht sich, ganz im Sinne des event movies, das er eben ist, als Mash-Up – Dr. Strange (Benedict Cumberbatch) liefert sich einen gepflegt redundanten Auftritt als Suchshelfer auf der Spur des verschollenen Göttervaters und auch das bislang offene, weitere Schicksal des Hulk klärt sich. Der grüne Goliath ist nun endlich seiner aus den klassischen Comics berüchtigten, artikel- und präpositionslosen Rudimentärsprache mächtig, was allerlei komische Anlässe zu Konflikten mit dem unterdessen seiner Zauselmähne entledigten Donnergotts bietet. Neue Charaktere wie die Walküre (im verjährten Print noch der Inbegriff arisch-nordischer Wagnerismen, jetzt Hollywoods neuer Farbenfreude gemäß eine afro-asische, saufende Rotzamazone), der verräterische Ase Skurge (Karl Urban) oder der superliebe, steinerne Gladiator Korg (mit der Stimme des Regisseurs „angereichert“ ein klarer Rekrutierungsfall für die Guardians) sorgen für frische Impulse. Led Zeppelins Wikingerstück „Immigrant Song“ erklingen zu lassen, ist ein etwas offensichtlicher, aber immer noch toller Einfall, der es jedoch als einmalig bemühtes Bonmot getan hätte.
Waititi kennt man nunmehr als einen sympathische Filmemacher mit wohlfeilem Humor, dessen Engagement ausgerechnet für einen „Thor“-Film man allerdings gut und gern zwischen den Kreativpolen „eklektisch“ und „widersinnig“ anordnen möchte. Göttliche Grandezza, pompöses Superheldenspektakel und fiebriges Pathos gehen bei erwartungsgemäß ihm auf Nulllinie. Nicht jedem Anhänger meternster, nordischer Sagen wird das munden. Wenn dann noch Jeff Goldblum den dereinst blauhäutigen, stets respekteinflößenden, kosmischen Schachspieler Grandmaster (der eigentlich in einer Liga mit Giganten wie dem Beobachter oder Galactus spielt) zu einem seiner ihm eigenen Exalthiert gemäß interpretierten, wirren, etwas tuckig angehauchtenen Flitter-Alien ummodelt, dann gilt es abermals, umzudenken.
Vom „alten“ Thor und seinem ihn geleitenden, umfangreichen Mythologiepool heißt es ferner radikal Abschied nehmen. Die drei Freunde Hogun (Tadanobu Asano), Fandral (Zachary Levy) und Volstagg (Ray Stevenson) werden flugs und ohne großes Aufheben aus den neun Welten getilgt, für Anthony Hopkins gibt es einen kaum minder überhasteten Abschied um am Ende geht auch Asgard selbst infolge der lang gefürchtete, göttliche Apokalypse verlustig, seine letzten überlebenden Exilanten auf großer Sternentour in großem Raumschiff. Ragnarök findet zu böser Letzt also tatsächlich noch statt, ein weiterer heroischer Verlust auf dem Weg zum in Kürze stattfindenden, alles involvierenden Infinty War. Ob und inwieweit die neue MCU-Spaßigkeit diesem noch adäquat zu Gesicht stehen wird, bleibt fürs Erste abzuwarten.

7/10

THE 27TH DAY

„People hate because they fear and they fear anything they don’t understand – which is almost everything.“

The 27th Day (Der 27. Tag) ~ USA 1957
Directed By: William Asher

Fünf Menschen aus unterschiedlichen Teilen der zivilisierten Welt werden von Aliens an Bord ihres Raumschiffs gebeamt und mit folgendem Los betraut: Jede(r) von ihnen erhält eine kleine Box mit drei Kapseln, die nur von ihrem jeweiligen Besitzer per Gedankenkraft geöffnet werden kann. Einmal aktiviert, sorgen die Kapseln dafür, dass sämtliches menschliche Leben in einem zuvor avisierten Radius ausgelöscht wird. Die Außerirdischen benötigen neuen Lebensraum, da ihr eigener Planet dem Untergang geweiht ist, sehen sich jedoch ethisch außer Stande, die Menschheit aktiv zu vernichten. Dies würde sie, so die perfide Annahme der Extratterestrier, in ihrem seit jeher kriegstreiberischen Gestus schon selbst besorgen. Binnen 27 Tagen werden die Kapseln unwirksam und die Aliens wären damit selbst zur Eradikation verdammt. Zurück auf der Erde, nehmen die Schicksale der fünf Todesagenten zügig ihren Lauf: Die Chinesin (Marie Tsin) nimmt sich sogleich das Leben, der brillante, deutsche (!) Wissenschaftler Professor Bechner (George Voskovec) fällt einem beinahe tödlichen Autounfall zum Opfer. Während der US-Reporter Clark (Gene Barry) und die naive Britin Eve (Valerie French) es derweil bevorzugen, sich für die knapp vierwöchige Frist versteckt zu halten, gerät der sowjetische Soldat (Azemat Janti) seinem bösen Vorgesetzten (Stefan Schnabel) in die Hände, der sogleich die Weltherrschaft anstrebt…

In der Tradition von Robert Wises „The Day The Earth Stood Still“ schob die Columbia ein paar Jahre später dieses weniger prominente, gleichsam kurzspännige und kurzweilige Genre-Musterbeispiel um Weltkriegsängste, Invasions- und Sowjet-Paranoia hinterdrein, das seine ungebrochen aktuelle Agenda bei einem Minimalbudget recht wirkungsvoll umzusetzen wusste. Die Aliens unbekannter Provenienz (man erfährt lediglich, dass sie aus einem anderen Sonnensystem stammen), die uns wie ihre diversen zeitgenössischen mit unserer vollständigen Ausrottung konfrontieren, sind uns diesmal allerdings nicht allein technisch, sondern auch moralisch um Lichtjahre voraus. Punktum hält ihr besonnen und eloquent auftretender Repräsentant (Arnold Moss) dem auf seinem Schiff befindlichen, humanen Stellvertreterquintett den denkbar hässlichsten aller Spiegel vor: „Euch aus der Schöpfung zu tilgen, das brauchen wir gar nicht, das besorgt ihr schon vortrefflich allein.“ könnte das etwas sarkastische Fazit seines Kurzvotrags lauten. Da die Zeit eben drängt, wartet man allerdings nicht etwa auf den ausstehenden Einsatz der Neutronenbombe, sondern gibt den Menschlein flugs alles Notwendige an die Hand – einen saubereren und endgültigeren Weg, sich des schlimmsten aller Raubtiere zu entledigen, wird man vor Ort schwerlich erfinden mögen. Um es den fünf Probanden nicht allzu leicht zu machen, verkünden die Außerirdischen auf sämtlichen Rundfunk-Frequenzen die Namen der überhaupt nicht müden Schläfer, was eine umgehend anberaumte Menschenjagd zur Folge hat. Natürlich entblödet „The 27th Day“, kleine US-Produktion, die er nunmal ist, sich nicht, den Russen den Schwarzen Peter des dräuenden Untergangs zuzuschieben, respektive einem machtbesessenen Kommi-Offizier, der den armen, kleinen Erfüllungsgenossen Ivan, der doch eigentlich gar nichts Böses will, sogleich einem zermürbenden Folterverhör unterzieht, auf dass dieser das Geheimnis der Kristallbox preisgebe. Die geniale Idee zur Abwendung der finalen Katastrophe wächst indes auf dem mentalen Mist des deutschen Professors, der es auf wundersame Weise hinbekommt, dass die omnipotente Superwaffe nur die bösen und durchtriebenen Menschen exterminiert. Die in der Folge deppert dastehenden Aliens tun derweil allen leid und werden zum Bleiben auf der Erde eingeladen, was sie dankend annehmen. Die Menschen dürfen sich derweil rühmen, in den erlauchten, stellaren Zyklus der „Geisteswesen“ aufgenommen zu werden. So wird aus der Dystopie eine Utopie mit einem ebenso zwingenden wie simplen Lösungsvorschlag: Rottet einfach alle Schweinhunde auf Erden aus und euer ist das Himmelreich! Wohlan.

7/10

TERRORE NELLO SPAZIO

Zitat entfällt.

Terrore Nello Spazio (Planet der Vampire) ~ I/E 1965
Directed By: Mario Bava

Die beiden Zwillingsraumer „Galliott“ und „Argos“ landen auf dem öden Planeten Aura, nachdem sie von dort ein Notsignal empfangen haben. Außer wabernden Nebeln und einer Geröllandschaft entdeckt man zunächst nichts auf dem Planeten, doch das Verhalten einiger der Crew-Mitglieder ändert sich rasch auf fatale Weise – sie scheinen zu emotionslosen Wesen zu werden, die sich blind attackieren. Nur Captain Markary (Barry Sullivan) von der Argos bleibt besonnen. Bald entdeckt man, dass die Besatzung der Galliott, zu der unterdessen der Kontakt abgebrochen ist, ebenfalls einem kollektiven Amoklauf anheim gefallen ist und sich gegenseitig getötet hat. Kurz darauf verschwinden die Leichen, erwachen jedoch schon bald zu unheilvollem, neuen Leben – auf Aura sind nämlich geisterhafte, ätherische Wesen beheimatet, die die Fähigkeit haben, menschliche Wirtskörper nebst deren Verstand zu übernehmen. Bereits skelettierte Aliens an Bord eines alsbald entdeckten, außerirdischen Raumschiffwracks sind den Auraniern offenbar bereits vor langer Zeit unter ganz ähnlichen Bedingungen zum Opfer gefallen. Bald klärt sich ihr Motiv – die Auranier suchen fieberhaft nach einer Möglichkeit, ihren unbewohnbar gewordenen, kaputtgewirtschafteten Planeten zu verlassen und die Bevölkerung eines anderen zu unterjochen.

Nicht nur zum besten italienischen Science-Fiction-Film der sechziger Jahre ist diese rundum wunderhüsche Phantasmagorie von Maestro Bava geraten, sondern auch zu einem sich für das Genre gemeinhin als unerschöpflicher Inspirationsquell erweisendes Gesamtkunstwerk. „Terrore Nello Spazio“ blieb Mario Bavas einziger Ausflug ins Interstellare, Futuristische, was angesichts der rundgeschlossenen Erscheinung seines Weks kaum weiter verwundern sollte – hier hatte ein Filmemacher möglicherweise alles aus seiner Sicht Erschöpfende zum Thema gesagt und brauchte sich erst gar nicht weiter daran abzuarbeiten. Der erzählerische Einfluss auf etwa Ridley Scotts „Alien“ ist tatsächlich besonders eklatant, wenngleich zumindest das Paranoiaelement, dass „Terrore“ noch dicht bei den vor allem in den Fünfzigern entstandenen Gattungsvertretern verortet, darin entfällt. Doch es ist nicht allein der Status von Bavas Film als Tropenfundus, der ihn zu etwas ganz Besonderem macht, sondern vor allem seine unbändige Kreativität: Einen Film mit solch monetär geringen production values niemals einfältig, käsig oder plüschig wirken zu lassen, sondern ihm eine zeitlose Wirksamkeit an die Hand zu geben, sprich: ihn ernstzunehmen, daran haperte es damals ja beinahe schon im Regelfall. Für den zeitgenössischen Genreregisseur war es vielmehr gang und gäbe, sein Minimalbudget in eine der vorgefertigten Formen zu gießen und lieber mit wahllos freiwilligem oder (scheinbar) unfreiwilligem Humor zu jonglieren; sich gewissermaßen also der dezidierten Billignatur des Sujets bereitwillig auszuliefern, um sein popcornfressende teenage drive-in audience bloß nicht allzu häufig vom Knutschen abzulenken. Nicht so Bava – der investierte Ideen, Schöpferkraft und Geist und erwies sich insbesondere in diesem speziellen Falle als Regisseur von Weltformat. Die Schlusspointe trägt dem Ganzen nochmals Rechnung; hier holt man uns geradezu epiphanisch aus selbstsuggerierten Automatismen zurück. Zukunft? Erdastronauten? Wer hat davon eigentlich je etwas gesagt?

9/10

HANGAR 18

„As long as Hangar 18 exists, the problem exists.“

Hangar 18 (Geheimsache Hangar 18) ~ USA 1980
Directed By: James L. Conway

Nachdem die beiden Astronauten Steve Bancroft (Gary Collins) und Lew Price (James Hampton) im Orbit Zeuge einer Kollision wurden, die einen Kollegen das Leben kosten und an der offenbar ein UFO beteiligt ist, wundern sie sich bei ihrer Rückkehr zur Erde nicht schlecht, als die ganze Angelegenheit von höchster Stelle unter den Tisch gekehrt werden soll. Die Öffentlichkeit soll nichts erfahren von dem außerirdischen Flugobjekt, das mittlerweile über Arizona niedergegangen ist und in einer Air Force Base gelagert und untersucht wird. Hinweise innerhalb des UFOs ergeben nicht nur, dass die Aliens die Erde offenbar emsigst studiert haben, sondern, dass es irgendwo im All noch ein weit grö0ßeres Mutterschiff geben muss. Bancroft und Price versuchen indes, verfolgt von Killern der Regierung, auf eigene Faust zu dem ominösen „Hangar 18“ vorzudringen und dessen so penibel abgeschirmten Inhalt zu sehen. Der U.S.-Präsident (Robert Vaughn) trifft derweil eine verhängnisvolle Entscheidung…

Um den Hangar 18 der tatsächlich in Ohio situierten „Wright-Patterson Air Force Base“ ranken sich bereits seit etlichen Jahrzehnten Gerüchte um die Erforschung von Alien-Technologie und geheime UFO-Labore. Conways „Hangar 18“, ein mit relativ bescheidenem Budget hergestelltes, unabhängig produziertes Science-Fiction- und Verschwörungsdrama, machte sich dieses naseweise Blabla zunutze, um seiner Geschichte eine möglichst realitätsverbundene Prägung zu verschaffen; sprich: das Endprodukt durch vermeintliche Geltungsschübe gehörig aufzupeppen. Leider nutzte ihm das wenig; „Hangar 18“ ist ein auf TV-Film-Niveau inszeniertes, biederes Stück Film, das größere Vorbilder wie Peter Hyams‘ „Capricorn One“, wenngleich jener ganz ohne Aliens und UFOs auszukommen hatte, nicht das Wasser reichen kann. Im Prinzip erzählt der Film zwei parallel zulaufende Geschichten, zum einen die um die zwei Astronauten Bancroft und Price, die sich nicht mit billigen Ausflüchten und Abwinkversuchen ihrer Vorgesetzten betreffs der Ereignisse im All zufrieden geben wollen und daher unerlaubt selbstständige Recherchen anstellen und zum Anderen die der Wissenschaftler, die mit dem UFO befasst sind und das Innenleben des Raumschiffs erkunden. Während die Odyssee der zwei Helden wider Willen zumindest noch hier und da etwas Spannung zu evozieren vermag, krankt vor allem zweitere Erzählung an Einfalt und einer bald grassierenden, spürbaren Lustlosigkeit. Kein Wunder, dass „Hangar 18“ im gewaltigen Sternenfeuer der großen, spektakulären SciFi-Produktionen jener Jahre recht sang- und klanglos verglühen musste.

5/10