EDGE OF HONOR

„These damn trees!“

Edge Of Honor (Slayer) ~ USA 1991
Directed By: Michael Spence

Seit die Holzverarbeitungsindustrie auf der Olympic-Halbinsel im Nordwesten des Staates Washington kaum mehr Gewinne einbringt, widmen sich die zunehmend verzweifelten Einheimischen krummen Geschäften vom Drogenhandel bis zum Waffenschmuggel. Eine kleine Gruppe von vor Ort befindlichen Pfadfindern (u.a. Corey Feldman, Scott Reeves) kommt den beiden Dubs-Brüdern Bo (Ken Jenkins) und Ritchie (Don Swayze) ins Gehege, die gerade einen dicken Coup mit gestohlenen Raketenwerfern landen wollen. Besonders der brutale Ritchie kennt kein Pardon und so sind die Jungs bald gezwungen, sich ihrer Haut mit nicht minder endgültigen Mitteln zu erwehren. Unerwartete Hilfe erhalten sie von der netten Alex (Meredith Salenger), die selbst noch einen Rechnung mit den Dubsens offen hat.

Diese ziemlich krude geratene Mixtur aus Hillbilly-Action und erdnaherem „Goonies“-Abenteuer weiß nicht recht, wo sie eigentlich hingehört, also prescht sie einfach umso rüder querfeldein, mitten durchs Gehölz, sozusagen. Corey Feldman, der in Sachen aufregender Kinder- und-Jugend-Kinogeschichten bereits hinlänglich Erfahrung besaß (und nebenbei denselben Rollennamen wie in „The ‚Burbs“ trägt – Zufall, Fügung oder gar Absicht…?) und „Edge Of Honor“ mitproduzierte, hat in selbigem nach einem schicksalhaften Fund in einer Waldhütte die etwas einfältige Idee, den keinen Spaß verstehenden Hinterwäldlern ihre Präzisionsraketen zu klauen und zu verstecken, um dann bei der Polizei den Helden spielen zu können. Ein verhängnisvoller Plan, denn die skrupellosen und vorzüglich organisierten Ganoven rotten zunächst mal fast das gesamte, nächtliche Pfadfindercamp mit allen zeltenden Kindern und Betreuern aus (hier fühlte ich mich unwillkürlich und ziemlich ungut an das Breivik-Massaker von vor ein paar Jahren erinnert), um das überlebende Quintett durchs Gebirge zu jagen. Nachdem die Kids bereits den ersten Gangster eher versehentlich überwältigen und erschießen, ist die weitere Richtung endgültig vorgezeichnet. Die Verbrecher indes geraten selbst unter Druck, den ihr potenzieller Abnehmer in Seattle, Mr. Sweet (William Crossett) und dessen Hauskiller Blade (Christopher Neame), haben noch weniger Sinn für Humor als sie. So reist Letzterer mit einigem Explosivmaterial an und es kommt zur finalen Konfrontation, in der sich die unterdessen hinzugestoßene Herzdame Alex und ihre fünf Herzbuben als deutlich fintenreicher erweisen als ihre flugs dezimierten Gegner ihnen zutrauen mögen.
Während nun die grundierende Atmosphäre des Ganzen einem typischen Jugendroman ähnelt, passt sich ansonsten gewalttätige Habitus handelsüblicher Waldaction an; es werden etliche Menschen abgeknallt und am Ende eine unfassbare Menge einfallsreicher Fallen aus dicken Baumstämmen, Dynamit und Holzspießen kreiert, die zuvor höchstens Stallone und Schwarzenegger in ähnlicher Vollendung konstruiert haben und die sechs Jugendliche natürlich problemlos binnen ein paar nächtlicher Stunden austüfteln und aufbauen können. Ein bisschen Selbstjustiz (Patrick Swayzes ihm wie aus dem Gesicht geschnittener Bruder Don bekommt von der Salenger kaltblütig eine Kugel zwischen die Augen) obendrauf und fertig ist das gewohnheitsmäßig eben gern kaltservierte Gericht, das hier ausnahmsweise einmal etwas andere Formen annimmt als gewohnt. Seein‘ is believin’…

6/10