THE FOUNTAINHEAD

„I do not care to work or live on any others. My terms are a man’s right to exist for his own sake.“

The Fountainhead (Ein Mann wie Sprengstoff) ~ USA 1949
Directed By: King Vidor

Der Architekt Howard Roark (Gary Cooper) eckt mit seinen kühnen Plänen für streng funktionalistische, schnörkellose Gebäude schon während der Studienzeit überall an. Sein erster Arbeitgeber Henry Cameron (Henry Hull), der sich wie Roark dem Internationalismus verbunden fühlt, zerbricht schließlich an den immergleichen Maßgaben seiner Auftraggeber und stirbt an gebrochenem Herzen. Roark jedoch weigert sich weiterhin beständig, seine Visionen aufzugeben und klassizistische Elemente in seine Entwürfe einfließen zu lassen. Nachdem er sich aufgrund eine Zeitlang als Steinbrucharbeiter durchschlägt, gelingt es ihm endlich, sich in der Branche ganz allmählich einen Namen als Innovator zu machen. Während der für das meinungsstiftende Boulevardblatt „The Banner“ arbeitende Architekturkritiker Ellsworth Toohey (Robert Douglas) mit Segnung seines Verlegers Gail Wynand (Raymond Massey) alles daran setzt, den genialischen Roark in der Szene unmöglich zu machen, verliebt sich die kühle Bauherrentochter Dominique Francon (Patricia Neal) unsterblich in Roark, heiratet an seiner Statt jedoch Wynand, weil sie Howards prädestinierten, tiefen Fall infolge der gegen ihn gerichteten Schmutzkampagne jedoch nicht ertragen mag. Roark jedoch kämpft weiter und entwirft für seinen früheren Kommilitonen Peter Keating (Kent Smith) eine Wohnsiedlung, die jedoch mit diversen Fremdelementen angereichert wird. Als Roark, der seine persönliche Schöpfung abermals korrumpiert wähnt, des fast fertigen Projekts ansichtig wird, sprengt er es als dessen wahrer Urheber in die Luft und muss sich vor Gericht dafür verantworten.

Basierend auf dem von der exzentrischen Erzkapitalistin Ayn Rand verfassten, gleichnamigen Erfolgsroman, der zu Teilen dem Vorbild Frank Lloyd Wright gewidmet ist, musste „The Fountainhead“ wegen des Zweiten Weltkriegs von Warner Bros. für mehrere Jahre auf Eis gelegt werden, konnte dann jedoch, unter zahlreichen, teils unerfüllten Maßgaben Rands doch noch seine Realisierung erleben. Die Autorin bestand etwa auf King Vidor als Regisseur und sorgte dafür, dass Gary Cooper anstelle des designierten Humphrey Bogart die Hauptrolle erhielt. Bogarts für die Figur der Dominique Francon ausersehene Gattin Lauren Bacall stieg infolge dessen ebenfalls aus dem Projekt aus, zugunsten Patricia Neals, für die sich Warner – vergebens – einen gloriosen Karriere-Start-Up erhoffte. Der von Ayn Rand für die Toohey-Rolle bevorzugte Clifton Webb wurde zudem durch Robert Douglas ersetzt und ihre Insistierung, dass allein Wrights Baustil zur filmischen Visualisierung von Roarks Plänen herangezogen werden dürfe, verlief, nicht zuletzt aufgrund von des Meisters Absage einer Zusammenarbeit mit der Produktion, gemächlich im Sande.
Was King Vidors Inszenierung anbelangt, so lässt sich in Anbetracht dieser einmal mehr anmerken, dass der Regisseur es wie nur wenige seiner Berufsgenossen verstand, Camp, Kitsch und Kunst zu einer unverhohlen flamboyanten Einheit zusammenzuschweißen; signifikant vor allem die rückhaltlos wildromantischen Szenen, in der die auf ihrem Pferd umherreitende, zuvor als grenzfrigide porträtierte Patricia Neal  zunächst der bloßen, anonymen Physis des im Steinbruch malochenden und schwitzenden Roark mit Haut und Haaren verfällt und ihn um jeden Preis im Bett haben möchte, nur um dann später auch noch gewahr zu werden, dass ausgerechnet dieser mannesprächtige Kerl auch noch das von ihr bewunderte Architektengenie ist. Ganz so, wie die Neal in Coopers Arme sinkt, baut der gesamte Film ihm ein gewaltiges Pantheon: Cooper, der wie kein anderer zu jener Zeit amerikanische Ideale und Idealmänner verkörperte, wird zum Sinnbild schöpferischer Kraft und uneingeschränkter Brillanz überhöht; zu einem unaufhaltsamen Individuum, der wie ein strahlender Heros aus der dumpfen, grauen Masse hervorsticht, die er in seinem abschließenden, flammenden Selbstplädoyer vor Gericht (das ihm – natürlich – den Freispruch beschert) als „Parasiten“ bezeichnet. Diese grenzenlose, dem Individualismus zuscheffelnde Genieverehrung Roarks, die in der marmorierten Mimik Coopers ihre vollkommene Entsprechung findet, ist in ihrem kongenial zur McCarthy-Politik entworfenen, antikollektivistischen Duktus nicht immer leicht zu ertragen und gewinnt siebzig Jahre später nurmehr durch eine primär filmhistorische Perspektivierung. Um Coopers Ikonographie nachvollziehen zu können, ist „The Fountainhead“ somit ebenso unerlässlich, wie im Rahmen einer vidorschen Werksbetrachtung. Den Film gernzuhaben oder ihn gar aufrichtig zu lieben, erweist sich indes als nachgerade unmöglich.

6/10

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ERCOLE E LA REGINA DI LIDIA

Zitat entfällt.

Ercole E La Regina Di Lidia (Herkules und die Königin der Amazonen) ~ I/F/E 1959
Directed By: Pietro Francisi

Herkules (Steve Reeves), seine Angetraute Iole (Sylva Koscina) und sein junges Mündel Odysseus (Gabriele Antonini) kehren von Ithaka nach Theben zurück, wo die Freunde die Stadt unter einem Bruderzwist ächzend vorfinden: Der halbwahnsinnige Eteokles (Sergio Fantoni) enthält seinem Bruder Polyneikes (Mimmo Palmara) die Herrschaft über Theben vor. Herkules will vermitteln, fällt jedoch einem Zauber der atlantischen Königin Omphale (Sylvia Lopez) zum Opfer, verliert das Gedächtnis und wird von der Mannstollen zum willenlosen, tumben Liebhaber umfunktioniert, derweil die arme Iole von Eteokles als Faustpfand gefangengehalten wird. Glücklicherweise gelingt es Odysseus, seinen Vater (Andrea Fantasia) herbeizurufen und Herkules wieder zur Räson zu bringen. Währenddessen spitzt sich die Situation zwischen den verfeindeten thebanischen Brüdern weiter zu…

An Pietro Francisis recht schick arrangiertes Scope-Sequel zu seinem Herkules-Startschuss „La Fatiche Di Ercole“ wirkte, hier und da immer wieder gut sicht- und spürbar, auch Mario Bava als Co-Regisseur, dp und S-F/X-Designer mit. So ist etwa Omphales gespenstische Ménagerie ihrer einbalsamierten Verflossenen ganz zweifellos das visuelle Werk des Maestro. Ansonsten verlässt sich der Plot im Wesentlichen auf den wie üblich beeindruckenden Steve Reeves und wie er dicke Steine zur Seite rollt, allerlei Eisenstäbe verbiegt und Tigern im Duell das Genick bricht. Camp, und ein bisschen doof dazu? Geschenkt. Darstellerische Hauptattraktion ist in jedem Falle Sergio Fantoni, der bevorzugt unschuldige Tröpfe an seine drei gestreiften Großkatzen verfüttert oder Jungfrauen von der Stadtmauer stößt und sich dann jedesmal tierisch ob seiner diebischen Boshaftigkeit kaputtlacht. Seien wir mal ehrlich: Hemmungslos overactendes Personal wie Fantoni ist es doch eigentlich, warum man Pepla so sehr mag und weniger die sich recht problemlos substituieren lassenden Muskelmänner in der Vorderfront. Dennoch, ohne bleckende Albi-Prachtkerle wie Steve Reeves kein Herkules, Maciste oder Ursus – und somit kein lustvoll daherfabulierter Unfug wie dieser.

6/10

LA FIGLIA DI FRANKENSTEIN

„Here on Earth, man is God!“

La Figlia Di Frankenstein (Lady Frankenstein) ~ I 1971
Directed By: Mel Welles

Kurz bevor Baron Frankenstein (Joseph Cotten) und sein Helfer Dr. Marshall (Paul Muller) ihr glorreiches Experiment zur Erschaffung künstlichen Lebens aus rekomponierten Leichenteilen fertigstellen können, kehrt des Burgherrn schöne, frisch medizinexaminierte Tochter Tania (Rosalba Neri) nach Hause zurück, die insgeheim schon seit langem um die Bestrebungen ihres alten Herrn weiß und nun daran teilhaben möchte. Die bald darauf tatsächlich zum Leben erweckte Kreatur (Peter Whiteman) ist jedoch gar nicht mit ihrer unfreiwilligen Neugeburt einverstanden und geht sogleich auf Mordzug, dem Baron als erstes Opfer das Leben aus der Brust quetschend. Während der übereifrige Polizist Harris (Mickey Hargitay) dem Monster auf der Spur ist, gibt es für die langsam aus dem psychischen Ruder laufende Tania nur einen Weg, das Ungeheuer zu stoppen – eine zweite Kreatur muss her, mit dem Gehirn Marshalls im Körper des imbezilen Stallknechts Thomas (Joshua Sinclair)…

Prächtiger Camp aus den letzten Tagen des golden age of gothic horror, als Schnellschuss finanziert und von Regisseur Welles doch höchst ambitioniert hergestellt. Der Gute machte das Beste aus den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, hatte schöne Kulissen (ein umbrisches Schloss nebst Interieur, ein schickesa Monsterlabor mit allerlei eingelegten Leichenteilen und brodelnden, rot lumineszierenden Reagenzien) zur Verfügung und ein knackiges Ensemble, wie es für jene Ära und diese Art Produktion nebst Standort geradezu repräsentativ ist. Vor allem Rosalba Neri glänzt in der Titelrolle als selbstbestimmte Frau: In einer patriarchalisch dominierten Zeit besitzt sie die Chuzpe, nicht nur einen akademischen Abschluss vorweisen zu können, sondern dazu noch völlige sexuelle Autarkie. Weil das an sich gut gewachsene Faktotum Thomas ihr einserseits zu flachgeistig ist, der sie begehrende Dr. Marshall andererseits aber zu hässlich und altersschwasch, kommt sie kurzerhand auf die blitzgescheite Idee, ihres Vaters Errungenschaften für eine Kombination des Besten beider Welten zu missbrauchen – ein schönes Gehirn in einem leistungsstarken Körper, das wär’s doch überhaupt! Dass Tania F. nebenbei ziemlich paraphile Gelüste ihr Eigen nennt, wird in der Szene deutlich, als sie lustvoll orgasmierend den erstickenden Thomas buchstäblich ins Jenseits reitet. Dem wasserköpfigen Monster mit Triefauge wird leider etwas wenig screentime zugedacht, wie auch schade ist, dass Joseph Cotten bereits nach knapp der Hälfte aus der Geschichte scheidet. Aber sei’s drum, „La Figlia Di Frankenstein“ ist alles in allem ein schöner Film und eine Zierde seiner Gattung sowieso.
Was die Herrschaften von Buio Omega für ihre just erschienene Liebhaberedition des Films, ein absolutes Referenzobjekt für Liebhaber und Sammler psychotronischer, apokrypher Kinofrüchte, auf die Beine gestellt haben, ist nebenbei die absolute Obersahne: Der Film erstrahlt komplett restauriert und wieder vervollständigt in leuchtenden Farben und knackscharf, von den witzigen Extras einmal ganz abgesehen. So, und eigentlich nur so sollte optimalerweise das Heimstudium von schillernden Werken wie diesem erfolgen.

7/10

THE ADVENTURERS

„For Corteguay!“

The Adventurers (Playboys und Abenteurer) ~ USA 1970
Directed By: Lewis Gilbert

Schon von Kind an lernt der aus dem lateinamerikanischen Kleinstaat Corteguay stammende Dax Xenos (Bekim Fehmiu) um die Schlechtigkeit der Menschen. In einem Land wie dem seinen bedeutet Revolution zugleich stets bloß die Machtübernahme durch einen neuen Diktator; kleine rote Bücher, sozialistisches Gedankengut und hehre Ideale werden in schöner Regelmäßigkeit achtkantig über Bord geworfen, sobald erst der schmucke Regierungspalast eingenommen und neu besetzt ist. Auch Präsident Rojo (Alan Badel), der, einst glühender Rebell, dem kleinen Dax ehedem half, das Maschinengewehr zu halten, um Mutter, Schwester und Hund zu rächen, bildet da keine Ausnahme. Während der in Europa zu einem Universal-Bonvivant geschulte Dax sich vor allem für Luxus, Champagner und schöne Frauen begeistert, lässt Rojo mit zunehmendem Alter die Axt kreisen. Als Höhepunkt seiner Schuftereien lässt er Dax‘ Vater (Fernando Rey) ermorden, wovon der junge Mann zunächst gar nichts mitbekommt. Erst spät gelangt Dax zu der Einsicht, dass sein Herz schon immer nur für Corteguay schlug und macht sich daran, dem Land endlich Frieden zu schenken…

Dass der just verstorbene, vor allem für seine drei spektakulären Bond-Filme bekannte Brite Lewis Gilbert noch ganz andere Meriten aus seiner immerhin 55 Jahre währenden Schaffensära vorzuweisen hat, wird gemeinhin gern übersehen. Ganze 37 Filme durfte er im Zuge dieser Zeitspanne inszenieren, wobei „The Adventurers“ vielleicht als eine der vielleicht schönsten, in jedem Falle aber exotischsten Blüten daraus Bestand haben sollte und hat.
Der Film erweist sich als ein wundertätiges Kleinod und Exempel aus jener Phase, in der die Hollywood-Studios mittels gewaltiger, in jeder rationalen Hinsicht zum Scheitern verurteilter Klimmzüge probierten, gegen die merkwürdigen, für sie unfassbaren Neuströme anzuschwimmen, die sich durch ein paar gediente und vor allem ganz viele junge Filmemacher entfesselt fanden und rückblickend gemeinhin als „New Hollywood“ bezeichnet werden. Nachdem die Paramount und Produzent Joseph E. Levine sich bereits mehrfach an Adaptionen bzw. Spin-Off-Stoffen des damals ungeheuer erfolgreichen Trivialschreibers Harold Robbins abgearbeitet hatten, setzten sie abermals auf jenes vermeintlich zugsichere Vorlagenpferd und butterten ein spürbar großzügiges Budget in „The Adventurers“, der eine wie gewohnt schillernde, biographische Story um einen ebenso aufregenden wie rissigen Helden erzählte und die auf drei Kontinenten an allerlei luxuriösen, internationalen Schauplätzen spielt. Knapp drei Stunden Erzählzeit nimmt das ausufernde Resultat in Anspruch, ganz klassisch flankiert noch von musikalischer Ouvertüre und Intermission. Allerdings blätterte ein wenig des versprochenen Glamour gleich im Vorhinein von der Fassade: Statt Edward Dmytryk inszenierte Gilbert, statt George Hamilton und Alain Delon kam der weitaus unbekanntere  Jugoslawe Bekim Fehmiu, statt Mia Farrow oder Ali MacGraw kam Candice Bergen. Alles andere als mäßige Substitute, aber im Einzelnen und vor allem in der Summe eben um einiges weniger publikumsmagnetisch und durch die bekannt gewordenen Absagen der Wahlstars eher ungünstig in der Entwicklung.
„The Adventurers“ holt dennoch alles aus seinen Schläuchen und erweist sich als ein ungebremstes Kraftwerk vitalen Filmemachens, das noch den schwingenden Spirit der Spätsechziger atmet und für sein Enstehungsjahr beinahe schon leicht obsolet daherkommt. Psychedelia und Camp, Bond-Elemente und überzogene Gewalt; Soap, Sex und Kriegsaction, testosterongeschwängerte Schmachtereien und Charles Aznavour mit neonbeleuchtetem Folterverlies. Richtig schön prall und drall dargeboten, ohne Rücksicht auf Verluste und gerade deswegen als Kind seiner Zeit zu schrillem Verpuffen und Scheitern verdammt.
Eine allzeit obskure bis skurrile Kinopreziose, an der man sich gar nicht ausufernd genug laben kann!

9/10

THE LOST EMPIRE

„I hate robot spiders!“

The Lost Empire (Drei Engel auf der Todesinsel) ~ USA 1984
Directed By: Jim Wynorski

Eher durch Zufall wird die knallharte Polizistin Angel Wolfe (Melanie Vincz) auf einen bizarren Kult um einen rotglühenden Diamanten aufmerksam, dem zuvor ihr jüngerer Bruder (Bill Thornbury) im Zuge eines Einsatzes zum Opfer gefallen ist. Offenbar hat ein gewisser Lee Chuck einen Pakt mit Satan persönlich geschlossen und kann dessen Einforderung seiner Seele nur dadurch verhindern, dass er jenen magischen Edelstein mit seinem Gegenstück vereint und dadurch unendliche Macht erlangt. Um Selbiges zu verhindern, folgt Angel mit ihren zwei oberweitenbegüterten Freundinnen Whitestar (Raven De La Croix) und Heather McClure (Angela Aames) einer heißen Spur zur Insel „Golgatha“, auf der der geheimnisvolle Dr. Sin Do (Angus Scrimm) martialische Turniere mit leichtgeschürzten Damen veranstaltet…

Jim Wynorski ist zusammen mit seinem Kumpel Fred Olen Ray über die letzten 35 Jahre hinweg zu einer Art Synonym für lustvoll aufbereitete, amerikanische Exploitation- und Sleaze-Filmerei geworden. Über Umwege aus dem kreativen Dunstkreis Roger Cormans stammend, an dessen Produktion „Forbidden World“ er als Scriptautor mitwerkelte, legte Wynorski mit „The Lost Empire“ 1984 seine erste eigene Regiearbeit vor. Diese zeigt sich, lange vor Tarantino und dessen häufig ermüdenden Epigonen, als schwungvoll-kunterbuntes, ironisches Zitatekino voller augenzwinkernder Reminiszenzen, das seine Wurzeln allerdings nie denunziert, sondern sich dem umfangreichen Vorbildfundus nahtlos anschließt. Ob Russ Meyer, Don Coscarelli, Andy Sidaris, Cop- und Cannons Ninja-Filme, indonesischer Nägelzieher, Bruce Lee oder phantastischer B- und C-Film – „The Lost Empire“ lässt von nichts die Finger, zeigt unentwegt, dass die inspirativen Hausaufgaben mit Fleißsternchen gemacht wurden und explodiert stets aufs Neue in einer Vielzahl bald infantiler, bald verblüffender Einfälle: In stolzem Scope zur Musik von Alan Howarth präsentiert, gibt es grandiose Dekors und matte paintings zu bestaunen, die sich die Klinke reichen mit Schlammcatchereien und ordentlichem Geballere, zwischen denen die Superladys allenthalben ihre massiven Dekolletés vor die Linse halten und einen unglaublichen Fundus halbgarer Sprüche zum Besten geben müssen. Interessanterweise sind die Geschlechterrollen bei allem gebotenen Tittenfetischismus durchweg vertauscht; in einer etwas „handelsüblicher“ dargebotenen Story solcher Provenienz sollte man davon ausgehen, dass die Frauenparts für Männer geschrieben sind und vice versa.
Vermutlich stellt „The Lost Empire“ trotz seines Debütstatus‘ bis heute Wynorskis dedizierteste Arbeit dar – bei bislang knapp 100 weiterer Regie-Credits (die just vielsagende Titel wie „Monster Cruise“, „Piranhaconda“, „CobraGator“ oder „Shark Babes“ vorweisen) eigentlich ein kleines Wunder. Damit zu tun haben wird auch die Tatsache, dass das hier noch vitales Kino war, das seinem Schöpfer fraglos dazu diente, ein Hochmaß an aufgestauten Kreativideen zu realisieren.
Bombe.

7/10

CHEERLEADER CAMP

„Okay, your friend’s dead. Now get the fuck back to the camp or I’ll shoot y’all, will ya?“

Cheerleader Camp (Bloody Pompoms) ~ USA/J 1988
Directed By: John Quinn

Cheerleader-Königin werden – das ist ihr größter Traum und zugleich ihre größte Bürde. Dennoch stellt sich die psychisch labile Alison Wentworth (Betsy Russell), Vortänzerin des Cheerleader-Teams der Lincoln High, gemeinsam mit ihren MitstreiterInnen tapfer der Herausforderung, den regionalen Wettkampf im einschlägigen Trainingscamp „Hurrah“ zu gewinnen. Kaum vor Ort angekommen, erliegt das erste Opfer, ein Mädchen (Krista Pflanzer) von der „Konkurrenz“, sogleich einem scheinbaren Selbstmord. Doch weder die die dramatischen Ereignisse vertuschende Chefin (Vickie Benson) des Camps noch die anderen Kids interessiert jener Zwischenfall sonderlich und man geht dem Tagesgeschäft unbeeindruckt weiter nach. Als der nächste Todesfall auftritt, beginnt Alison, mehr und mehr an ihrem Verstand zu zweifeln – könnte sie unbewusst eine Mörderin sein…?

Ähnlich wie der im Vorjahr entstandene „Return To Horror High“ müht sich der unter japanischer Co-Produktionsägide entstandene „Cheerleader Camp“, dem Slasher-Genre einen parodistischen Ansatz zu entlocken, ohne die Wurzeln der Gattung gleich vollends zu denunzieren, oder gar in totalen Slapstick Marke „Pandemonium“ auszuarten, mit dem er ansonsten erstaunlich viele Parallelen teilt. Diesmal steht der sich uns Europäern verständlichermaßen absurd ausnehmende Teenagerwunsch, nationale Prominenz als Super-Cheerleader zu erlangen, einerseits im Storyzentrum und ist andererseits motivationale Antriebsfeder für das derangierte Mörderhirn, wie der mithin wenig überraschende Schluss-Twist offenbart. Dazwischen gibt es eine Menge hochgeistiger Titten- und Seniorenwitze nebst einer deftigen Portion Korpulentenkomik, für die sich der massige Darsteller Travis McKenna selbst nicht entblödet, gleich zu Beginn seinen gewaltigen, nackten Hintern durch ein Autofenster zu quetschen. So bringt sich der zu Zeiten der unleugbaren Slasher-Abenddämmerung entstandene „Cheerleader Camp“ über seine mäßig humorigen Runden, die trotz ihrer satirischen Ansätze weitgehend ohne den ubiquitären Charme früherer, nicht umsonst renommierterer genealogischer Vorläufer auszukommen hat.
Was für zwischendurch und gut is‘.

5/10

THE CARPETBAGGERS

„I like men. Maybe I hate them. I’m not always sure.“

The Carpetbaggers (Die Unersättlichen) ~ USA 1964
Directed By: Edward Dmytryk

Nachdem sein Vater (Leif Erickson), ein Sprengstoffhersteller, gestorben ist, schwingt sich Jonas Cord Jr. (George Peppard) während den zwanziger Jahren beinahe ungerührt zu einem Supermulti auf, der bald in nahezu jedem florierenden Wirtschaftszweig von der Fluggesellschaft bis zum Hollywood-Studio seine kühl kalkulierenden Finger hat. Ungeachtet seines gigantischen finanziellen Erfolges entwickelt sich Cord, der ein schweres Kindheitstrauma nie recht verarbeiten konnte, in den kommenden Jahren privat zu einem selbsträsonistischen Misanthropen, der Partner, Freunde und Frauen fallen lässt, wie es ihm gerade beliebt.

Dmytryks Harold-Robbins-Adaption ist allerbester Camp, ein für das damalige Studiokino vor Schlüpfrigkeiten berstendes, überlanges Spektakel um Intrigen, wohlbehütete Familiengeheimnisse und Egomanie, der sich mithin als vielleicht wichtigste Blaupause für die in den achtziger Jahren Erfolge feiernden Familiensoaps wie „Dallas“ und „Dynasty“ betrachten lässt. Die von Robbins in seinem aufgrund seiner beschreibungsfreudigen Erotikpassagen von den Konservativen nervös beäugten Roman gezeichneten Charaktere speisen sich dabei fast durchweg aus authentischen Vorbildern; Pate für Cord Jr. war unschwer erkennbar Howard Hughes (obgleich Robbins diese Analogie tapfer bestritt), die von Carroll Baker interpretierte Schauspielerin Rina Marlowe basierte auf der Skandalaktrice Jean Harlow, während der väterliche Freund und Berater Cords Nevada Smith (Alan Ladd) eine Mischung aus Tom Mix und William Boyd repräsentierte.
Während „The Carpetbaggers“ ungeachtet seiner exaltierten Wuchtigkeiten für Dmytryks Verhältnisse eher ein künstlerisch beiläufiges Werk darstellt, lässt George Peppard, um den herum der gesamte Film wie ein einziges, großes Geschenk aufgebaut ist, sich bei seiner wohl formidabelsten Leistung bewundern. Episodisch zieht sich das Geschehen über mehrere Dekaden hinweg, wobei der besondere Kniff der Narration darin liegt, ein extrem ambivalentes Verhältnis zwischen Zuschauer und Protagonist herauszuarbeiten; Jonas Cords für die Mär vom Amerikanischen Traum exemplarisch zu betrachtende, unbeirrbare Zielstrebigkeit gibt einigen Anlass zur Bewunderung, während sein Mangel an Empathie und sein rücksichtsloser Umgang mit Menschen ihn wiederum extrem hassenswert erscheinen lassen. Man jubiliert still, als es einem von Cord unter Druck gesetzten Filmmogul (Martin Balsam) gelingt, ihm zumindest einmal eine kleine Schlappe zuzufügen, was den großen Geldpatriarchen sogleich in eine emotionale Krise stürzt. Andererseits fühlt und hofft man mit Cord, als er schlussendlich erkennt, dass kein Mensch ohne Liebe leben kann und er reumütig zu Frau (Elizabeth Ashley) und Kind (Victoria Jean) zurückkehrt und um Verzeihung bittet. Auch dieser bewusst widersprüchlich arrangierte Gefühlszirkus erweckt Assoziationen zu den genannten TV-Formaten, denen „The Carpetbaggers“ jedoch ein entscheidendes Element voraushat: Er ist Kino, und in seiner vielleicht pursten, reinsten und schönsten Form.

9/10