SAFARI

„Memsahib be careful! Bwana no longer dumbhead!“

Safari (König der Safari) ~ UK/USA 1956
Directed By: Terence Young

Kenia, während der Mau-Mau-Aufstände: Der landeskundige Amerikaner Ken Duffield (Victor Mature) leitet trotz der Unruhen weiterhin Safaris für reiche Weiße. Während einer seiner Touren ins Landesinnere wird Duffields Farm überfallen. Sein Hausangestellter Jeroge (Earl Cameron) entpuppt sich als Mau-Mau-Offizier und ermordet kaltblütig Duffields kleinen Sohn Kenny (Christopher Warbey). Als Duffield davon erfährt, schwört er blutige Rache an Jeroge, wird jedoch von der Polizei in seinem aufgebrachten Tatendurst gebremst. Da kommt ihm der Zufall zuhilfe: Der reiche Engländer Sir Vincent Brampton (Roland Culver) will Duffield unbedingt als Führer für eine Löwenjagd, was diesem wiederum die Chance eröffnet, näher an den sich versteckenden Jeroge heranzukommen. Begleitet wird Brampton von seinem Faktotum Sinden (John Justin) und seiner Verlobten, dem Showgirl Linda (Janet Leigh), die bald ein Auge auf Duffield wirft…

66 Jahre nach seiner Entstehung lässt sich Terence Youngs „Safari“ nurmehr als einen Film „mit G’schmäckle“ konsumieren. Gewiss, er verfügt über all die Attribute, die man am klassischen Abenteuerkino so sehr schätzt: Zwei liebenswerte Hollywood-Stars in Hochform, ausladende, bunte CinemaScope-Bilder, schickes on-location-shooting nebst allerlei exotischem Wildgetier, wilde Romantik, sorglosen Umgang mit Alkohol und einen stark angefilzten Humor. Gleich die Anfangssequenz weist jedoch die ideologische Richtung des Films: Ein prächtiger Elefantenbulle wird per Kopfschuss erlegt. Kolonialistische Arroganz und Sorglosigkeit setzen sich dann stetig fort, sei es im Transport der stereotypen Rollenbilder oder im nicht minder latenten Rassismus. Janet Leigh verfällt als dralles, amerikanisches Blondchen natürlich umgehend dem kernigen Testosteroncharme Victor Matures (in den Fünfzigern mehrfach unter Young im Einsatz), der wiederum als Amerikaner vor Ort eine heroisch-imperialistische Exklusivposition einnimmt. Die beiden beteiligten Briten sind ein dekadenter, eitler Fatzke (Culver), der der Ortsfremdheit insgeheim mit unmäßigem Pillenkonsum beizukommen versucht und sein unterfuchtelter, duckmäuseriger Adlatus (Justin), dem es zum Glück mit Duffields Hilfe gelingt, sich mehr und mehr zu emanzipieren. Dem stets gern gesehenen John Justin ist es dann auch vergönnt, den interessantesten Charakter des Films darzubieten. Die Eingeborenen derweil sind wahlweise, im sympathischen Falle, lustige, laute, herzensgute Gesellen, die gern singen, Musik machen, ihre Unbildung zur Schau stellen und den Weißen den Arsch nachtragen, oder, in der Rolle als antiimperialistische Rebellen, blutrünstige Kindermörder und Fanatiker, die berechtigterweise in hoher Quantität als Kanonenfutter enden dürfen. Dazu gibt es als comic relief den debil lachenden, sansibarischen Knaben Odongo (Juma), der am Ende immerhin den Tag retten darf. Käme noch ein schlecht als Gorilla kostümierter Statist vor, könnte man „Safari“ als Exploiter insgesamt weniger ernst nehmen, so jedoch muss er sich als formal patent gestaltete, gelackte A-Produktion die gewiss nicht allein revisionistisch zu formulierende Kritik gefallen lassen, ein unangenehm tradiertes Weltbild zu transportieren.
Dennoch muss ichletzten Endes zugeben, mich aufgrund eingangs genannter Attribute trotz aller Unbill nett unterhalten zu haben. Gut, dass man das Ding heuer wohlwollend als gesinnungsbezogen unseriöses Zeitdokument ablegen kann.

6/10

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HIGH SCHOOL CONFIDENTIAL!

„Tomorrow is a king-sized drag.“

High School Confidential! (Mit Siebzehn am Abgrund) ~ USA 1958
Directed By: Jack Arnold

Tony Baker (Russ Tamblyn) ist der Neue an der städtischen High School und er macht sogleich keinen Hehl daraus, was für ein Zahn er ist: Der Obermotz will er werden, der heißeste Typ der Schule und vor allem neuer Chef der hiesigen Gang „Wheelers & Dealers“, die mit allerlei krummen Aktionen wie etwa Drogenhandel ihr Taschengeld aufbessert. Tony kennt sich aus in der Szene. Wenn von „Gesundheitstee“, „Mary Jane“, einer „Fahrt ins Grüne“ oder „Erfischungsstäbchen“ die Rede ist, dann weiß er als Insider genau, wovon er spricht. Tatsächlich gelingt es Tony, der bei seiner ebenso üppig ausgestatteten wie nymphomanen Cousine Gwen (Mamie Van Doren) eingezogen ist, bald, Fuß in der Szene zu fassen. Er macht sich bei den Lehrern der Schule unmöglich und gewinnt damit den Respekt der anderen Kids, arrangiert sich mit seinem „Vorgänger“ J.I. (John Drew Barrymore), bendelt mit der marihuanasüchtigen Joan (Diane Jergens) an und knüpft bald Kontakt zum heimlichen Oberdealer Mr. A (Jackie Coogan) und dessen florierendem Heroingeschäft. Dass Tony in Wahrheit der Undercover-Cop Mike Wilson ist, ahnt zu diesem Zeitpunkt noch niemand…

Beware the Reckless Youth! Noch vor seinem letzten phantastischen Universal-Film „Monster On The Campus“ inszenierte Akkordfilmer Jack Arnold dieses weniger bekannte Kleinod für Albert Zugsmith und die MGM. Darin greift er mit Unterstützung einer exemplarischen Besetzung den in jenen Tagen vor allem dem B-Film vorbehaltenen Themenkomplex der lotterlebigen juvenile delinquents auf, der zuvor vor allem von den notorischen Klassikern des Subgenres wie „Rebel Without A Cause“ oder „The Blackboard Jungle“ aus der Kinotaufe gehoben und bravourös kultiviert worden war. Jenes Filmsegment, zu dem entsprechend seiner Topoi unweigerlich auch der Schau- bzw. Kampfplatz „High School“ obligatorisch zählte, bot sich an, um einerseits die Kids in den Drive-In-Kinos jubeln und knutschen zu lassen und andererseits die Elterngeneration darüber aufzuklären, wie weit es mit ihren suf das Furchtbarste gefährdeten Sprösslingen bereits gekommen war. Dieser Zielpublikums-Maxime entsprechend bedient „High Schoolm Confidential!“ jeden einzelnen erforderlichen Stereotypen mit laut kolportierender Grandezza. Wir erleben sie alle: das noch nicht zur Gänze verlorene, Marihuana-Zigaretten rauchende Mädchen (Sterling) aus bourgeoisem Hause nebst ihrem verblendeten, gleichgültigen Vater (James Todd), den greisen, überforderten Schulrektor, die erziehungsberechtigte Sexbombe ohne Übersicht (Van Doren), den Schuldealer (Barrymore), den Möchtegern-Mitläufer (Michael Landon), den diffusen Boss (Coogan) und sogar die Vertreter der existenzialistischen Gegenkultur (u.a. Philippa Fallon), die moralisch entrückten Vorboten von sozialer Zersetzung und Gammlertum! Jerry Lee Lewis kommt persönlich mitsamt Piano vorbei, um das Titelstück zu schmettern und Russ Tamblyn überrascht im weiteren Verlauf als unvermuteter verdeckter Ermittler, der das ganze Wespennest von innen aushebt.
Es muss kaum extra erwähnt werden, dass ein schmissiges Camp-Spektakel das wohlschmeckende Resultat aus all dieser biederen Kleingeistigkeit ist, die die porträtierten Rauschmittel kaum besser denn vom Hörensagen kennt und in all den Klischees badet, denen man sechzig Jahre später nurmehr mit herzhaftem Gelächter zu begegnen angetan ist. Unbedingt hörenswert auch die (authentische) deutsche Kino-Synchronisation, die mit den Starsprechern der damaligen Zeit aufwartet und verkrampft versucht, alles Mögliche zu teutonisieren, um das Dargestellte mit bundesdeutschen Verhältnissen zu analogisieren. Da wird aus Tony Baker ein „Tony Becker“ und aus „Mr. A“ – natürlich – ein „Herr X“. Wirklich formidabelst, das alles.

7/10

VIVRE POUR SURVIVRE

Zitat entfällt.

Vivre Pour Survivre (White Fire – Der Todesdiamant) ~ F/TR/UK 1984
Directed By: Jean-Marie Pallardy

Nachdem Bo (Robert Ginty) und Ingrid Donnelly (Belinda Mayne) als kleine Kinder den gewaltsamen Tod ihrer Eltern mit ansehen müssen, nimmt sie der Partisan Sam (Jess Hahn) unter seine wohlmeinenden Fittiche. Zwanzig Jahre später arbeiten sie noch immer für ihren liebevollen Ersatzvater und stehlen in der Gegend um Istanbul vornehmlich Diamanten aus der Mine des skrupellosen Olaf (Gordon Mitchell), mit dem im Entdeckungsfalle wenig gut Kirschen essen ist und der ein schmieriges Auge auf Ingrid geworfen hat. Doch auch das italienische Ganovenpaar Sophia (Mirella Banti) und Barbossa (Benito Stefanelli) interessiert sich übermäßig für die Klunkern und wird daher zu erbitterten Rivalen der Geschwister. Einer von Olafs Arbeitern findet derweil in einer freigelegten Höhle den legendären „White Fire“, einen riesigen, lumineszierenden Diamanten, von dem allerdings auch eine tödliche Strahlung ausgeht und hinter dem urplötzlich alle her sind.
Als Ingrid von den Italienern im Zuge einer Racheaktion umgebracht wird, ist Bo am Boden zerstört. Bei der Ex-Prostituierten (?) Olga (Diana Goodman) findet er dann vorübergehenden Trost. Dem alten Sam fällt prompt die verblüffende Ähnlichkeit Olgas mit Ingrid auf und er entwickelt die grandiose Idee, Olga von einer mysteriösen, lesbischen (?) Chirurgin (n.n.) endgültig in Ingrids Ebenbild verwandeln zu lassen, wozu Olga denn auch prompt bereit ist, denn sie hat sich längst unsterblich in Bo verliebt. Dummerweise ist ihr zugleich ihr früherer Arbeitgeber Noah Barclay (Fred Williamson) mit seinen Vasallen auf den Fersen und bildet eine vierte Interessenspartei. Olga nimmt derweil Ingrids Identität (Belinda Mayne) an und verwirrt alle, die glaubten, sie sei tot. Im Abbaugebiet von Olaf kommt es schließlich zur finalen Schlacht um den White Fire und auch um Olga/Ingrid II.

„Vivre Pour Survivre“ ist ein schier unglaubliches, unikales, apokryphes Stück Film aus den seligen Achtzigern, dessen Wiederentdeckung (und, was noch schöner wäre, qualitativ adäquate Digitalisierung) einer Menge geneigter Cinephiler ganz gewiss große Freude bereitete. Bei der Betrachtung dieses völlig wahnwitzigen Stücks exaltierter Loslösung von allem Räsonablen musste ich mich jedenfalls permanent der sicheren Bodenhaftung versichern, so gänzlich abgefuckt ist diese Preziose. Bereits die oben abgerissene Synopse sollte einen kleinen Eindruck dessen vermitteln, was der vormalige Pornofilmer und Ex-Dressman Jean-Marie Pallardy, mutmaßlich entweder komplett vom wilden Affen gebissen oder ein heimliches Genie, da in geistiger Alleinarbeit vom Stapel gelassen hat. Mit offenbar vornehmlich türkischer Finanzierung drehte Pallardy seinen enzigartigen Exploiter am und um den Bosporus, wofür die ständige, penible Abfilmung der Hagia Sophia ebenso garantiert wie die Besetzung ausnahmslos sämtlicher bit parts mit schnauzbärtigen Repräsentanten der lokalen Laiendarstellergewerkschaft. Dazwischen tummeln sich der ebenso unablässig wie meist unpassend eingespielte „Titelsong“, Robert Ginty, der sich zu jener Zeit ja immer mal wieder Gast im internationalen Filmgeschäft blicken ließ, (der wie immer bestens aufgelegte) Fred „The Hammer“ Williamson, bis heute ebenfalls cineastischer Kosmopolit, der bereits über sechzigjährige Gordon Mitchell und die wohlgeformte, den schattigeren Seiten des Kinos ebenfalls stets zugeneigte Londonerin Belinda Mayne.
Nicht nur dieser illustren Besetzung wegen ist „Vivre Pour Survivre“ allerdings eine Schau; es gibt wohltemperierte, splattrige Gewaltspitzen, so unter anderem eine bereits legendäre Szene gleich im ersten Viertel, in der die wehrhaften Geschwister ihren Widersachern mit Kettensäge und Enterhaken zu Leibe rücken, Belinda Mayne bekam eine ausgiebige Nacktszene am Swimming-Pool und Olaf (Mitchell) nebst seinen henchmen erhielten ihre lustig ausschauenden Kostüme fraglos allesamt aus dem Verbleibsfundus deine der diversen italienischen „Star-Wars“-Rip-Offs.
Doch markiert all das noch nichteinmal der Gipfel der bereitwillig-ostentativ ausgestellten Absurdität; Pallardy entblödet sich nicht, eine unverhohlene Inzestromanze als emotionalen Hauptmotivator für den Aktionismus seines Protagonisten zu installieren. Daraus, dass Bo Donnelly seine Schwester weit über die familiäre Verbindung hinaus „werschätzt“, stellen sich spätestens angesichts o.a. Pool-Sequenz (Zitat Bos angesichts der von ihm geifernd bewunderten, entkleideten Figur Ingrids: „Warum musst du bloß meine Schwester sein?“) keinerlei Zweifel mehr ein und auch die bei „Vertigo“ entlehnte, morbide Ummodelung der später kennengelernten Olga, die sich willfährig in Ingrids Ebenbild verwandeln lässt und die darüberhinaus keinerlei Besorgnis hegt angesichts der Tatsache, dass Bo sie hernach noch viel geiler findet als vorher (was Pallardy wiederum ganz unumwunden darstellt) trägt dieser wenig subtil veräußerten Form der Paraphilie mehr denn hinreichend Rechnung. Die Einpflegung von Williamsons Figur in den ohnehin wirren Plot ist derweil ganz offensichtlich der bloßen Tatsache geschuldet, dass der Akteur eben just zur Verfügung stand und unter Vertrag genommen werden konnte.
Ein abschließendes Wort noch zur deutschen Veröffentlichungsphilologie: Das originär veröffentliche Videotape (Constantin) mit Münchener Synchronisation ist um satte 14 Minuten gekürzt. Zwei Jahre später erschien in der Schweiz (bzw. in Österreich, je nach Quelleninformation) eine ungekürzte Cassette mit Hamburger Synchronisation. Dieser Fassung ist ganz ohne Frage der Vorzug zu geben, denn jedes zusätzliche Frame Wahnsinn dieses Ausnahmewerks macht es umso kostbarer.

6/10

UNTAMED

„Why not Australia or America? Why South Africa?“

Untamed (Die Unzähmbaren) ~ USA 1955
Directed By: Henry King

Kapstadt, 1847: Im Zuge der großen Hungersnot in Irland migriert die Jungfamilie Kildare, Katie (Susan Hayward), Shawn (John Justin) und Söhnchen Terence, nach Südafrika, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen. Dabei hat Katie eine geheime, zusätzliche Motivation für die Einreise: Sie hofft, den Afrikaaner Paul Van Riebeck (Tyrone Power) wiederzusehen, mit dem sie einst bei dessen Besuch in Irland ein heftiges Techtelmechtel hatte. Die Kildares schließen sich einem Siedlertreck ins Landesinnere an und geraten mitten in einen Zulu-Aufstand. Shawn wird dabei getötet, während Paul und seine Rebellenmiliz den Eingeschlossenen zur Hilfe eilen. Die Liebe zwischen Katie und Paul entflammt aufs Neue, ganz zum Leidwesen des Treckvorreiters Kurt Hout (Richard Egan), eines Freundes von Paul, der selbst ein Auge auf Katie geworfen hat. Ein Peitschenduell entscheidet Paul für sich und gründet mit Katie eine Farm, nur um sie, in Unkenntnis ihrer zweiten Schwangerschaft, einige Wochen später wieder zu verlassen und zu seiner Truppe zurückzukehren. Auf die enttäuschte Katie warten Jahre der Entbehrung und des Glücksritterinnentums, das sie kurzweilig sogar zu einer reichen Frau werden lässt. Schließlich doch wieder verarmt, trifft Katie ein letztes Mal auf den nach wie vor gekränkten Kurt, der mittlerweile zum kriminellen Despoten geworden ist und wird von dem herbeieilenden Paul gerettet. Diesmal bleibt er bei seiner Familie.

Neben Gregory Peck war Tyrone Power der bevorzugte leading man des über 47 Jahre in Hollywood tätigen Regieprofis Henry King. Diverse Abenteuerfilme und Dramen realisierte das Duo zusammen, einer davon der eher auf dem Abstellgleis des cineastischen Kollektivgedächtnisses befindliche „Untamed“. Dieser bildete nach der Hemingway-Adaption „The Snows Of Kilimanjaro“ einen weiteren inszenatorischen Ausflug Kings auf den Schwarzen Kontinent und nach „King Of The Khyber Rifles“ seine zweite Arbeit im von seinem Hausstudio Fox frisch lancierten CinemaScope-Format. Entsprechend ausladend gestalten sich die Bildkompositionen, denen die jüngste Restauration nochmals sichtbar Ehre macht. Doch hat „Untamed“, abgesehen von seiner geringfügig betagt wirkenden Romantikerzählung, deren ausladende und überaus wendungsreiche Gestaltung ein wenig an die ebenfalls von historischen Schicksalsschlägen heimgesuchte On/Off-Beziehung von Scarlett O’Hara und Rhett Butler erinnert, seine kleinen Schwächen. Sei es der zwar aufwändig, aber wenig glaubhaft oder gar packend choreographierte Kampf gegen die Zulu (King war, das veranschaulicht er hier nur zu deutlich, alles, bloß kein Actionregisseur), sei es das zickige Kleinmädchengehabe von Haywards (an diverse Maureen O’Hara-Rollen erinnernde) Figur, die sich eine Menge Unbill durch einen kühleren Kopf ersparen könnte und daher nicht eben sympathisch anmutet oder einflach bloß das große Hauptproblem des gesamten Films: Der Schauplatz Südafrika trägt darin lediglich der Romanvorlage Rechnung, ansonsten ist „Untamed“ ein luprenreiner frontier western, der in etlichen kleinen und großen Details an diverse Beiträge zu jenem Genre gemahnt. Man könnte die meisten Einstellungen, ja, ganze Sequenzen, in denen nicht gerade typisch afrikanische Klischeerequisiten oder afrikanische Ureinwohner zu sehen sind, unverändert aus dem Kontext ziehen und sie als Fragmente eines x-beliebigen Siedlerwestern veräußern. Damit zählt „Untamed“ wohl zu den „unafrikanischsten“ Filmen aller Filme über Afrika, die ich kenne. Als etwas überteuertes, vergessenes Camp-Kleinod indes, etwas, was man mit diesem Regisseur a priori keinesfalls zu assoziieren geneigt wäre, lässt sich „Untamed“ aber noch recht unkompliziert goutieren.

6/10

THE FOUNTAINHEAD

„I do not care to work or live on any others. My terms are a man’s right to exist for his own sake.“

The Fountainhead (Ein Mann wie Sprengstoff) ~ USA 1949
Directed By: King Vidor

Der Architekt Howard Roark (Gary Cooper) eckt mit seinen kühnen Plänen für streng funktionalistische, schnörkellose Gebäude schon während der Studienzeit überall an. Sein erster Arbeitgeber Henry Cameron (Henry Hull), der sich wie Roark dem Internationalismus verbunden fühlt, zerbricht schließlich an den immergleichen Maßgaben seiner Auftraggeber und stirbt an gebrochenem Herzen. Roark jedoch weigert sich weiterhin beständig, seine Visionen aufzugeben und klassizistische Elemente in seine Entwürfe einfließen zu lassen. Nachdem er sich aufgrund eine Zeitlang als Steinbrucharbeiter durchschlägt, gelingt es ihm endlich, sich in der Branche ganz allmählich einen Namen als Innovator zu machen. Während der für das meinungsstiftende Boulevardblatt „The Banner“ arbeitende Architekturkritiker Ellsworth Toohey (Robert Douglas) mit Segnung seines Verlegers Gail Wynand (Raymond Massey) alles daran setzt, den genialischen Roark in der Szene unmöglich zu machen, verliebt sich die kühle Bauherrentochter Dominique Francon (Patricia Neal) unsterblich in Roark, heiratet an seiner Statt jedoch Wynand, weil sie Howards prädestinierten, tiefen Fall infolge der gegen ihn gerichteten Schmutzkampagne jedoch nicht ertragen mag. Roark jedoch kämpft weiter und entwirft für seinen früheren Kommilitonen Peter Keating (Kent Smith) eine Wohnsiedlung, die jedoch mit diversen Fremdelementen angereichert wird. Als Roark, der seine persönliche Schöpfung abermals korrumpiert wähnt, des fast fertigen Projekts ansichtig wird, sprengt er es als dessen wahrer Urheber in die Luft und muss sich vor Gericht dafür verantworten.

Basierend auf dem von der exzentrischen Erzkapitalistin Ayn Rand verfassten, gleichnamigen Erfolgsroman, der zu Teilen dem Vorbild Frank Lloyd Wright gewidmet ist, musste „The Fountainhead“ wegen des Zweiten Weltkriegs von Warner Bros. für mehrere Jahre auf Eis gelegt werden, konnte dann jedoch, unter zahlreichen, teils unerfüllten Maßgaben Rands doch noch seine Realisierung erleben. Die Autorin bestand etwa auf King Vidor als Regisseur und sorgte dafür, dass Gary Cooper anstelle des designierten Humphrey Bogart die Hauptrolle erhielt. Bogarts für die Figur der Dominique Francon ausersehene Gattin Lauren Bacall stieg infolge dessen ebenfalls aus dem Projekt aus, zugunsten Patricia Neals, für die sich Warner – vergebens – einen gloriosen Karriere-Start-Up erhoffte. Der von Ayn Rand für die Toohey-Rolle bevorzugte Clifton Webb wurde zudem durch Robert Douglas ersetzt und ihre Insistierung, dass allein Wrights Baustil zur filmischen Visualisierung von Roarks Plänen herangezogen werden dürfe, verlief, nicht zuletzt aufgrund von des Meisters Absage einer Zusammenarbeit mit der Produktion, gemächlich im Sande.
Was King Vidors Inszenierung anbelangt, so lässt sich in Anbetracht dieser einmal mehr anmerken, dass der Regisseur es wie nur wenige seiner Berufsgenossen verstand, Camp, Kitsch und Kunst zu einer unverhohlen flamboyanten Einheit zusammenzuschweißen; signifikant vor allem die rückhaltlos wildromantischen Szenen, in der die auf ihrem Pferd umherreitende, zuvor als grenzfrigide porträtierte Patricia Neal  zunächst der bloßen, anonymen Physis des im Steinbruch malochenden und schwitzenden Roark mit Haut und Haaren verfällt und ihn um jeden Preis im Bett haben möchte, nur um dann später auch noch gewahr zu werden, dass ausgerechnet dieser mannesprächtige Kerl auch noch das von ihr bewunderte Architektengenie ist. Ganz so, wie die Neal in Coopers Arme sinkt, baut der gesamte Film ihm ein gewaltiges Pantheon: Cooper, der wie kein anderer zu jener Zeit amerikanische Ideale und Idealmänner verkörperte, wird zum Sinnbild schöpferischer Kraft und uneingeschränkter Brillanz überhöht; zu einem unaufhaltsamen Individuum, der wie ein strahlender Heros aus der dumpfen, grauen Masse hervorsticht, die er in seinem abschließenden, flammenden Selbstplädoyer vor Gericht (das ihm – natürlich – den Freispruch beschert) als „Parasiten“ bezeichnet. Diese grenzenlose, dem Individualismus zuscheffelnde Genieverehrung Roarks, die in der marmorierten Mimik Coopers ihre vollkommene Entsprechung findet, ist in ihrem kongenial zur McCarthy-Politik entworfenen, antikollektivistischen Duktus nicht immer leicht zu ertragen und gewinnt siebzig Jahre später nurmehr durch eine primär filmhistorische Perspektivierung. Um Coopers Ikonographie nachvollziehen zu können, ist „The Fountainhead“ somit ebenso unerlässlich, wie im Rahmen einer vidorschen Werksbetrachtung. Den Film gernzuhaben oder ihn gar aufrichtig zu lieben, erweist sich indes als nachgerade unmöglich.

6/10

ERCOLE E LA REGINA DI LIDIA

Zitat entfällt.

Ercole E La Regina Di Lidia (Herkules und die Königin der Amazonen) ~ I/F/E 1959
Directed By: Pietro Francisi

Herkules (Steve Reeves), seine Angetraute Iole (Sylva Koscina) und sein junges Mündel Odysseus (Gabriele Antonini) kehren von Ithaka nach Theben zurück, wo die Freunde die Stadt unter einem Bruderzwist ächzend vorfinden: Der halbwahnsinnige Eteokles (Sergio Fantoni) enthält seinem Bruder Polyneikes (Mimmo Palmara) die Herrschaft über Theben vor. Herkules will vermitteln, fällt jedoch einem Zauber der atlantischen Königin Omphale (Sylvia Lopez) zum Opfer, verliert das Gedächtnis und wird von der Mannstollen zum willenlosen, tumben Liebhaber umfunktioniert, derweil die arme Iole von Eteokles als Faustpfand gefangengehalten wird. Glücklicherweise gelingt es Odysseus, seinen Vater (Andrea Fantasia) herbeizurufen und Herkules wieder zur Räson zu bringen. Währenddessen spitzt sich die Situation zwischen den verfeindeten thebanischen Brüdern weiter zu…

An Pietro Francisis recht schick arrangiertes Scope-Sequel zu seinem Herkules-Startschuss „La Fatiche Di Ercole“ wirkte, hier und da immer wieder gut sicht- und spürbar, auch Mario Bava als Co-Regisseur, dp und S-F/X-Designer mit. So ist etwa Omphales gespenstische Ménagerie ihrer einbalsamierten Verflossenen ganz zweifellos das visuelle Werk des Maestro. Ansonsten verlässt sich der Plot im Wesentlichen auf den wie üblich beeindruckenden Steve Reeves und wie er dicke Steine zur Seite rollt, allerlei Eisenstäbe verbiegt und Tigern im Duell das Genick bricht. Camp, und ein bisschen doof dazu? Geschenkt. Darstellerische Hauptattraktion ist in jedem Falle Sergio Fantoni, der bevorzugt unschuldige Tröpfe an seine drei gestreiften Großkatzen verfüttert oder Jungfrauen von der Stadtmauer stößt und sich dann jedesmal tierisch ob seiner diebischen Boshaftigkeit kaputtlacht. Seien wir mal ehrlich: Hemmungslos overactendes Personal wie Fantoni ist es doch eigentlich, warum man Pepla so sehr mag und weniger die sich recht problemlos substituieren lassenden Muskelmänner in der Vorderfront. Dennoch, ohne bleckende Albi-Prachtkerle wie Steve Reeves kein Herkules, Maciste oder Ursus – und somit kein lustvoll daherfabulierter Unfug wie dieser.

6/10

LA FIGLIA DI FRANKENSTEIN

„Here on Earth, man is God!“

La Figlia Di Frankenstein (Lady Frankenstein) ~ I 1971
Directed By: Mel Welles

Kurz bevor Baron Frankenstein (Joseph Cotten) und sein Helfer Dr. Marshall (Paul Muller) ihr glorreiches Experiment zur Erschaffung künstlichen Lebens aus rekomponierten Leichenteilen fertigstellen können, kehrt des Burgherrn schöne, frisch medizinexaminierte Tochter Tania (Rosalba Neri) nach Hause zurück, die insgeheim schon seit langem um die Bestrebungen ihres alten Herrn weiß und nun daran teilhaben möchte. Die bald darauf tatsächlich zum Leben erweckte Kreatur (Peter Whiteman) ist jedoch gar nicht mit ihrer unfreiwilligen Neugeburt einverstanden und geht sogleich auf Mordzug, dem Baron als erstes Opfer das Leben aus der Brust quetschend. Während der übereifrige Polizist Harris (Mickey Hargitay) dem Monster auf der Spur ist, gibt es für die langsam aus dem psychischen Ruder laufende Tania nur einen Weg, das Ungeheuer zu stoppen – eine zweite Kreatur muss her, mit dem Gehirn Marshalls im Körper des imbezilen Stallknechts Thomas (Joshua Sinclair)…

Prächtiger Camp aus den letzten Tagen des golden age of gothic horror, als Schnellschuss finanziert und von Regisseur Welles doch höchst ambitioniert hergestellt. Der Gute machte das Beste aus den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, hatte schöne Kulissen (ein umbrisches Schloss nebst Interieur, ein schickesa Monsterlabor mit allerlei eingelegten Leichenteilen und brodelnden, rot lumineszierenden Reagenzien) zur Verfügung und ein knackiges Ensemble, wie es für jene Ära und diese Art Produktion nebst Standort geradezu repräsentativ ist. Vor allem Rosalba Neri glänzt in der Titelrolle als selbstbestimmte Frau: In einer patriarchalisch dominierten Zeit besitzt sie die Chuzpe, nicht nur einen akademischen Abschluss vorweisen zu können, sondern dazu noch völlige sexuelle Autarkie. Weil das an sich gut gewachsene Faktotum Thomas ihr einserseits zu flachgeistig ist, der sie begehrende Dr. Marshall andererseits aber zu hässlich und altersschwasch, kommt sie kurzerhand auf die blitzgescheite Idee, ihres Vaters Errungenschaften für eine Kombination des Besten beider Welten zu missbrauchen – ein schönes Gehirn in einem leistungsstarken Körper, das wär’s doch überhaupt! Dass Tania F. nebenbei ziemlich paraphile Gelüste ihr Eigen nennt, wird in der Szene deutlich, als sie lustvoll orgasmierend den erstickenden Thomas buchstäblich ins Jenseits reitet. Dem wasserköpfigen Monster mit Triefauge wird leider etwas wenig screentime zugedacht, wie auch schade ist, dass Joseph Cotten bereits nach knapp der Hälfte aus der Geschichte scheidet. Aber sei’s drum, „La Figlia Di Frankenstein“ ist alles in allem ein schöner Film und eine Zierde seiner Gattung sowieso.
Was die Herrschaften von Buio Omega für ihre just erschienene Liebhaberedition des Films, ein absolutes Referenzobjekt für Liebhaber und Sammler psychotronischer, apokrypher Kinofrüchte, auf die Beine gestellt haben, ist nebenbei die absolute Obersahne: Der Film erstrahlt komplett restauriert und wieder vervollständigt in leuchtenden Farben und knackscharf, von den witzigen Extras einmal ganz abgesehen. So, und eigentlich nur so sollte optimalerweise das Heimstudium von schillernden Werken wie diesem erfolgen.

7/10