ANYTHING FOR JACKSON

„A mother’s a mother…“

Anything For Jackson ~ USA 2020
Directed By: Justin G. Dyck

Um seinen bei einem Autounfall zu Tode gekommenen, kleinen Enkelsohn Jackson (Daxton William Lund) zurück ins Leben zu holen, sucht das ansonsten durchaus liebenswerte, ältere Ehepaar Audrey (Sheila McCarthy) und Henry Walsh (Julian Richings) in seiner Verzweiflung Hilfe in satanischen Praktiken. Henry ist zudem Gynäkologe und betreut als Patientin die partnerlose, werdende Mutter Shannon Becker (Konstantina Mantelos), deren Leibesfrucht das ideale Gefäß für Jacksons Wiederkehr bietet. Also entwickeln die Walshs einen großangelegten Plan für ein passendes Beschwörungsritual, kidnappen Shannon und fesseln sie in einem schallisolierten Raum ihres Hauses ans Bett. Doch die hernach eingeleitete Prozedur entpuppt sich als Rechnung ohne Wirt: Mit Jacksons Geist und dem behelfsweise angerufenen Dämon bahnen sich nämlich noch einige andere Wesen aus dem Zwischenreich ihren Weg ins Haus der Walshs, die nicht allerbester Laune sind. Zudem duldet der Dämon keinerlei Störungen durch Außenstehende. Da alles nicht so ganz wie versprochen läuft, suchen die Walshs Hilfe bei dem Nachwuchssatanisten Ian (Josh Cruddas) – ihr letzter Fehler.

Ein Blick in das bisherige Œuvre von Regisseurs Justin G. Dyck ernüchtert dann doch etwas: Der Mann hat mit Ausnahme des vorliegenden Horrorjuwels ausschließlich und wie am Fließband Familienspäße und Adaptionen von RomCom-Geschichten des Groschenroman-Publishers „Harlequin“ inszeniert, darunter eine ganze Reihe (mutmaßlich ziemlich) kitschiger (augenscheinlich jedoch recht beliebter) Weihnachtsfilme fürs kanadische Kabelfernsehen.
Dass ausgerechnet aus dem zementgleichen Schaffen eines solchen Herrn eine schwarze Blume wie „Anything For Jackson“ hervorsprießt, verwundert da nicht wenig. Dyck und sein Autor Keith Cooper haben sich da offenbar lustvoll von ihrer (teilweise gemeinsamen) üblichen Profession freigeschärlt, um etwas ihrer „regulären“ Arbeit gänzlich Diametrales entgegenzusetzen – mit verdientem Erfolg. „Anything For Jackson“ erzählt sein winterliches Teufelsmärchen geradezu unaufgeregt und mit immer wieder aufblitzendem, sanftem Humor, der ebenso schwarz wie subtil um die Ecken lugt. Dass der Stoff im Prinzip knallharte Genrekost bietet, lässt der visuell vergleichsweise zurückhaltende Film dabei allerdings nie außer Acht und geht seinen Weg unbarmherzig bis zum bösen Ende. Erfrischend fand ich dabei die Observierung kleinstädtischer satanistischer Subkultur, der „Anything For Jackson“ eine Mini-Milieustudie spendiert: Die Walshs sind, natürlich einzig wegen ihrer persönlichen Agenda, Mitglieder in einer lokalen „Church Of Satan“, die ihre Messen im Hinterzimmer der hiesigen Bibliothek abhalten und die ansonsten aus eher gelangweilt scheinenden Außenseitern zu bestehen scheint – mit Ausnahme des später bemüßigten Ian, eines verschrobenen, Black Metal hörenden Muttersöhnchens, das den vermeintlichen Mummenschanz im Gegensatz zu den anderen jedoch ziemlich ernst nimmt.
Wo üblicherweise unbedarfte Teenager mit Ouija-Brettern hantieren, beschwört in „Anything For Jackson“ nun ein gesetztes, gesellschaftlich sehr respektables Ehepaar eine höllische Heerschar herauf. Der Endeffekt ist allerdings ähnlich und wohl nicht erst seit Goethe stets derselbe. Wie die eigentlich doch wohlmeinenden Walshs dann von Geistern und vor allem einem sich in letzter Instanz manifestierenden, unförmigem Dämon heimgesucht werden, das erzählen Dyck und Cooper absolut gekonnt, ideenreich und einwandfrei – und drehen lahmarschigen, aber sehr viel teureren 08/15-Studio-Produktionen wie etwa dem jünsten „Conjuring“-Sequel zugleich eine lange Nase.

8/10

THE CONJURING: THE DEVIL MADE ME DO IT

„I don’t want to go down there.“

The Conjuring: The Devil Made Me Do It (Conjuring 3 – Im Bann des Teufels) ~ USA/UK 2021
Directed By: Michael Chaves

Im Jahre 1981 untersucht das Okkultisten-Paar Lorraine (Vera Farmiga) und Ed Warren (Patrick Wilson) den Fall des besessenen, elfjährigen David Glatzel (Julian Hilliard). Im Zuge des später anberaumten Exorzismus bietet sich Arne Johnson (Ruairi O’Connor), der Freund von Davids älterer Schwester Debbie (Sarah Catherine Hook), dem Dämon als Ersatzwirt an. Ed erleidet während der Ereignisse einen beinahe tödlichen Herzinfarkt. Zwar ist der kleine David hernach kuriert und auch sonst scheint zunächst alles in Ordnung, bis Arne einige Wochen später im Zuge scheinbarer geistiger Umnachtung seinen Vermieter Bruno Sauls (Ronnie Gene Blevins) ersticht. Nachdem Arne sich widerstandslos verhaften lässt und wegen Mordes angeklagt wird, findet Lorraine heraus, dass der Dämon noch immer latent mit Arne in Verbindung steht. Die Warrens entdecken einen satanistischen Fetisch unter dem Haus der Glatzels, der sie auf die Spur einer im Hintergrund agierenden, mächtigen Drahtzieherin (Eugenie Bondurant) setzt. Jene hatte den sinistren Dämon einst heraufbeschworen und trachtet nun wiederum mit dessen Hilfe Arnes Leben ein Ende zu setzen.

Im dritten Teil der mittlerweile ja recht fruchtbar unterverzweigten „Conjuring“-Reihe ermitteln die Warrens nach ihrem Abstecher nach London wieder in heimischen, neuenglischen Gestaden. James Wan, der ja mittlerweile wohl vornehmlich Projekte größeren Stils dirigiert, fungiert nurmehr als Produzent und Co-Autor, derweil „Llorona“-Regisseur Michael Chaves hier seine zweite Langfilm-Arbeit inszeniert. Die Story-Prämisse bildete diesmal der in den USA recht bekannte „Devil Made Me Do It“-Gerichtsprozess, in dessen Zuge Arne Cheyenne Johnson unter Berufung auf die Warrens beteuerte, während des ihm zur Last gelegten Gewaltaktes Opfer dämonischen Einflusses gewesen zu sein. Dass er der infolge eines Totschlags-Urteils der drohenden Todesstrafe entging und trotz einer wesentlich höheren Freiheitsstrafe bereits nach fünf Jahren wieder aus dem Gefängnis entlassen wurde, suggeriert der Film während des Abspanns noch als indirekten Effekt der warrenschen Insistierung, obschon dieser während des eigentlichen Prozesses keinerlei Evidenz zukam.
Man kann sich als Filmfreund glücklich schätzen, dass die echten Warrens mit Vera Farmiga und Patrick Wilson zwei recht sympathische filmische Stellvertreter erhalten haben, zeugen selbst oberflächichste Rechecherche nebst anhängenden Archivaufnahmen des Ehepaars doch von ausgesprochen wenig Vertrauen erweckenden Spinnern und/oder Scharlatanen, deren authentisches „Wirken“ im besten Falle tatsächlich ausschließlich als halbgare Kintopp-Inspiration dienen mag; von der immer wiederkehrenden Effektivität rein christlich basierter Gegenmaßnahmen im Zuge ihrer Aktionen einmal gar nicht zu reden.
Was Chaves‘ eigentlichen Film anbelangt, so bescheidet sich dieser mit einem biederen, überraschungsfreien und mit wenigen Ausnahmen annähernd spannungslosen Aufzug. Schöne, atmosphärisch angelegte Figuren wie der Valak oder der Crooked Man, die der letzte Teil noch aufzubieten wusste, fehlen faktisch gänzlich. Ein fetter, nackter Geist (Jay Peterson) und die strippenziehende Satanistin Isla (Bondurant) bieten da nur vergleichsweise schmalen Ersatz. Stattdessen gibt es gnadenlos kitschige Rückblicke auf die jugendliche Kennenlernzeit der Warrens, deren romantisches Band sich dann am Ende auch als funktionalste Waffe wider die Mächte des Bösen ausgestellt findet. Formal wie darstellerisch medioker scheint sich somit auch dieses Franchise allmählich der Ermüdung feilzubieten, wobei es noch einige Geschichten um die Warrens gibt, die erzählt werden könnten. Ob sie dies auch wirklich sollten, wird die Zukunft zu zeigen haben.

5/10

UNDER THE SHADOW

ZItat entfällt.

Under The Shadow ~ UK/JO/QA 2016
Directed By: Babak Anvari

Teheran, in den achtiger Jahren. Während der Erste Golfkrieg tobt, ist es der jungen Ehefrau und Mutter Shideh (Narges Rashidi) unmöglich, ihr Medizinstudium wieder aufzunehmen. Im Zuge der Kulturrevolution war sie als Linksaktivistin umtriebig, was der auch sonst durchweg progressiven Shideh unter dem Chomeini-Regime als Subversion ausgelegt wird. Frustriert nimmt sie darüber hinaus zur Kenntnis, dass sich ihr Mann Iraj (Bobby Naderi), ein ausgebildeter Arzt, für den lebensgefährlichen Fronteinsatz meldet. Shideh bleibt mit ihrer kleinen Tochter Dorsa (Avin Manshadi) allein in der Mehrfamilienhauswohnung zurück. Als Bagdad die Bombadierung Teherans beginnt, schlägt eine Rakete ins Dach des Hauses, ein Stockwerk über Shidehs Appartment, ein ohne zu explodieren. Dorsa steht derweil heimlich im Kontakt mit dem Flüchtlingsjungen Mehdi (Karam Rasjayda), der beide Eltern verloren hat. Das Mädchen berichtet Shideh, Mehdi habe sie vor einem Djinn gewarnt, der angeblich das Haus heimsuchen soll. Tatsächlich verschwinden urplötzlich Mutter und Tochter wichtige Dinge – eine Puppe, ein geerbtes Medizinlexikon. Während sämtliche anderen Hausbewohner aus Sorge vor den immer frequentierteren Bombardierungen das Gebäude verlassen, weigert sich Shideh, die selbst zunehmend in den Konflikt zwischen Raison und Aberglauben gerät, weiterhin standhaft, zu den Schwiegereltern zu ziehen…

Als leiser, an Polanskis Mietshaus-Trilogie angelehnter Horrorfilm ist „Under The Shadow“ weniger interessant. Die „Auftritte“ des Djinn, also eines im islamischen Glauben verankerten Dämons, finden sich mit standesgemäßen, leidlich überzeugenden Mitteln wie jump scares aufbereitet und bieten somit kaum Innovation. Als deutlich involvierender gestaltet sich indes der Diskurs hinsichtlich der äußeren historischen und sozialpolitischen Implikationen des Mittachtziger-Iran und deren Reziprozität mit dem intradiegetischen Geschehen: Shideh lebt und leidet als selbstbewusste Frau in einem Albtraum systemischer Repression. Für die geringsten Regelübertretungen drohen drakonische Strafen, der unbeirrbare Glaube bildet die oberste, existenzielle Maßgabe. Ohne Hijab und schwarzes Gewand ist kein Schritt in der Öffentlichkeit möglich, ein verbotenes Jane-Fonda-Aerobic-Video, Shidehs kleines, tägliches Fenster zur Selbstbestimmtheit, wird gehütet wie ein Kleinod. Selbst dafür, dass sie Auto fährt, sieht man Shideh allerorten schief an. Dass sie infolge der eigenen, biographischen Erfahrungen, die sich bis in die Gegenwart hinein aus Unterdrückung und Unfreiheit speist, im Grunde längst überzeugte Atheistin ist, muss unter allen Umständen ein Geheimnis bleiben. Das Höchste der Gefühle besteht darin, ihrer affirmativen Nachbarin (Aram Ghasemy) entnervt zu bedeuten, dass sie den Glauben an Djinn und ähnliche Höllenwesen für Unsinn halte. Jene Überzeugung sieht sich alsbald allerdings einer harten Prüfung unterworfen, indem sich die unerklärlichen Phänomene häufen, zumindest in der Wahrnehmung Shideh und ihrer Tochter Dorsa, deren Beziehung infolge dessen ebenfalls auf eine schwere Probe gestellt wird.
Zwar lässt Anvari offen, ob Mutter und Kind tatsächlich zu Opfern einer übernatürlichen Entität werden oder sich lediglich ihre Wahrnehmung infolge ihrer immens belastenden Lebensumstände verschiebt (letzteres wäre in diesem speziellen Fall wünschenswert) – an einer Tatsache jedoch kann kein Zweifel bestehen: Wenn das Böse einen Fuß in die Tür zwischen seiner eigenen, mystischen und unserer realen Welt bekommt, dann liegt das stets daran, dass wir jene Pforte zuvor geöffnet haben, sei es durch religiösen Fanatismus, diktatorisches Gebahren, Unterdrückung oder Krieg. Die Hölle ist stets da, wo Menschen sind.

7/10

HIS HOUSE

„It has followed us here.“

His House ~ UK 2020
Directed By: Remi Weekes

Das aus dem Südsudan stammende Ehepaar Rial (Wunmi Mosaku) und Bol (Sope Dirisu) lebt nach seiner Ankunft in England in einer Flüchtlingsunterkunft. Nyagak (Malaika Wakoli-Abigaba), die Tochter der beiden, ist zuvor während der Schiffspassage ertrunken. Ihr Verlust hat tiefe Risse bei Bol und Rial hinterlassen. Schließlich wird dem Paar unter strikten Aufenthaltsauflagen ein verwahrlostes Reihenhaus in einer anonymen Vorstadtsiedlung zugewiesen. Es dauert nicht lange, bis Bol, dem der Verbleib in der neuen Heimat über alles geht, Geister zu sehen beginnt. Vor allem Nayagaks unruhige Seele scheint voller Wut auf ihn und treibt Bol mit ihren ebenso aggressiven wie anklagenden Erscheinungen an die Grenzen des Wahnsinns. Auch Rial nimmt die Gespenster wahr. Für sie handelt es sich um einen Apeth, einen Dämon, der mit Schuld beladene Opfer bis aufs letzte Haar verschlingt, bevor er wieder Ruhe gibt. Während Bols und Rials Betreuer (Matt Smith) sich Sorgen zu machen beginnt, gilt es für die beiden, den Apeth irgendwie wieder los zu werden…

Dass der jüngere Horrorfilm sich, wie es den Wurzeln des Genres ja ohnehin seit eh und je entspricht, einer der kulturell bedeutsamsten Indikatoren für diverse gesamtgesellschaftlich geführte Diskurse zeigt, sollte keinem halbwegs aufmerksamen Genrebetrachter entgangen sein. Remi Weekes‘ „His House“ nun ist wohl einer der ersten Beiträge der Gattung zur Flüchtlingsthematik, und ein gleichermaßen sensibler wie berückender dazu. Ohne den Haunted-House-Topos seiner fest eingeschriebenen Ingredienzien zu berauben oder diese gar formal zu innovieren, erzählt Weekes wie beiläufig, was es heißt, eine krisengeschüttelte Heimat um Leibes und Lebens Willen hinter sich lassen und all die weiteren Entbehrungen auf sich nehmen zu müssen, die damit einhergehen, in das so sicher scheinende Mittel- bzw. Westeuropa zu migrieren. Denn die diversen, psychobiographisch versiegelten Traumata, die Albträume und möglicherweise auch auf sich geladene Schuldkomplexe bleiben – auch wenn der neu betretene Grund und Boden nicht von sichtbarem Blut getränkt sein mag. Der Apeth, die symbolische Manifestation all des Zurückgelassenen, ist längst nicht die einzige unnehmbar scheinende Hürde zur Sorgenfreiheit. Da sind auch noch die fremde Sprache, die andersartige Kultur, die hässliche, graue Zubetoniertheit der westlichen Urbanität, die Despektierlichkeit der hiesigen, weißen Ureinwohner mit all ihren kleinen und großen alltagsrassistischen Ressentiments, die aus ihrem Widerwillen und ihrem Unverständnis größenteils erst gar keinen Hehl machen. Ein schmuckloses, verkommenes Haus ohne Leben mit Müll, Dreck und Ungeziefer, Nachbarn ohne zwischenmenschliche Regungen, ein paar Pfund zum (Über-)Leben, dumme Bemerkungen, Verbote und Einschränkungen allerorten. Rial und Bol kommt das gepriesene, sichere England vor wie eine Teildiktatur mit ihnen selbst als humanem Bodensatz. Als ob all das nicht ausreichte, sind da noch die Schreie der Ertrunkenen, Ermordeten, Zurückgebliebenen, die in jeder ruhigen Minute ihr unablässiges Echo platzieren. Welcher Weg der richtige ist, müssen Rial und Bol erst herausfinden, wo „His House“ ihn stellvertretend für sie bereits gepflastert hat und nun mit ihnen beschreitet. Die einzige Option muss (und kann nur) lauten: weitermachen, kämpfen, niemals aufgeben.

8/10

AMULET

„What is happening to me?“

Amulet ~ UK/AE 2020
Directed By: Romola Garai

Der Veteran Tomaz (Alec Secareanu) hat seinen Kriegsdienst einst als Grenzposten auf irgendeinem osteuropäischen Konfliktschauplatz verrichtet. Nun lebt er als Flüchtling und Tagelöhner in London. Als das Heim, in dem er schläft, abbrennt, nimmt sich die Nonne Schwester Claire (Imelda Staunton) seiner an. Tomaz soll der in einem halbverfallenen Haus mit ihrer gebrechlichen Mutter lebenden, Magda (Carla Juri) helfen, notdürftig das Gebäude instand zu halten. Dafür bekommt er Kost und Logis. Die eigenbrötlerische Magda fasziniert den immer wieder von traumatischen Flashbacks heimgesuchten Ex-Soldaten und obwohl er ahnt, dass die kaum menschlich erscheinende Gestalt auf dem Dachboden, die Magdas Mutter sein soll, ein schreckliches Geheimnis umgibt, verliebt er sich in die junge Frau. Zwischenzeitliche Entschlüsse, dem Haus und den Frauen den Rücken zuzukehren, revidiert Tomaz immer wieder, bis er schließlich die grauenhafte Wahrheit erkennen muss und auch, dass seine Rolle in einem schicksalhaften, übernatürlichen Gefüge schon lange determiniert ist.

Das grandiose Regiedebüt der bislang ausschließlich als Darstellerin in Erscheinung getretenen Romola Garai reiht sich thematisch in die Garde des feministisch geprägten, jungen Horrorkinos ein und bereichert dieses um einen weiteren, ebenso hochinteressanten wie sehenswerten Beitrag. Garai, die auch als eine der vielen Anklägerinnen im Weinstein-Prozess fungierte (und somit nochmal eine zutiefst persönliche Agenda in diese Arbeit einfließen ließ), erweist sich als erstaunlich stilsichere Filmemacherin, die sich nicht davor scheut, ein extrem gemächliches Erzähltempo vorzulegen, in stark artifizialisierte Bereiche vorzudringen, Ellipsen einzusetzen oder mit kräftigen Formalia wie ausgeprägtem Chiaroscuro, von denen andere DebütantInnen eher wohlweislich die Finger ließen, zu arbeiten. Das komplexe Resultat ist ein mutiges, fabulierfreudiges, wenngleich sich betont sperrig und unzugänglich gebendes Genrestück, das das Unverständnis, mit dem ihm ein Großteil des unterhaltungsbedürftigen Publikums begegnen dürfte, nicht nur bereitwillig in Kauf nimmt, sondern a priori tapfer einkalkuliert. Dabei lohnt es sich immens, sich auf „Amulet“ einzulassen, da seine Mehrdimsionalität, seine labyrinthische Struktur und vor allem die fabulierfreudigen Bilderwelten sich erst im letzten Drittel zur Gänze erschließen. Dass unter den gleichermaßen geschmackvollen wie entgleisten Schichten ferner ein dezidiert antipatriarchalischer Thesenfilm lauert, der Motive um paganistische Entitäten mit feministischer Kraft auflädt, wird manch männlichem Zuschauer nachhaltig befremden. Gut so!

8/10

GHOST SHIP

„I smell bullshit.“

Ghost Ship ~ USA 2002
Directed By: Steve Beck

Als Captain Sean Murphy (Gabriel Murphy) und sein fünfköpfiges Bergungscrew-Team – Maureen Epps (Julianna Margulies), Greer (Isaiah Washington), Munder (Karl Urban), Dodge (Ron Eldard) und Santos (Alex Dimitriades) – von dem jungen Fremden Ferriman (Desmond Harrington) das Angebot erhalten, ein offenbar mutterloses Schiff in der Beringsee zu kapern, ist man sogleich Feuer und Flamme, gehört nach internationalem Seerecht doch freitreibende Fracht ihrem Finder. Bald darauf finden Murphy, seine Mannschaft und der sie begleitende Ferriman tatsächlich den mysteriösen Dampfer, bei dem es sich um den mittlerweile legendären italienischen, vor 40 Jahren spurlos verschwundenen Luxuskreuzer „SS Antonia Graza“ handelt. Bereits die ersten Begehung des Geisterschiffs entpuppen sich vor allem für Epps, der ein kleines Mädchen (Emily Browning) begegnet, als alles andere denn mit rechten Dingen zugehend. Und tatsächlich stimmt etwas nicht mit der Antonia Graza, ein Umstand, der sich mit dem Fund mehrerer Kisten mit Goldbarren zur Todesfalle für die Seeleute entwickelt.

„Ghost Ship“ zählt noch zur ersten Welle des von Robert Zemeckis, Joel Silver und Gilbert Adler 1999 gegründeten Produktionslabels „Dark Castle“, das sich ursprünglich besonders traditionsverbundenem Horrorkino verpflichtet sah und dessen Bezeichnung sich als Hommage an den findigen Gimmickfilmer William Castle versteht. Mit seinem dritten Projekt nach den beiden nominellen Castle-Remakes „House On Haunted Hill“ sowie dem ebenfalls von Steve Beck inszenierten „Thirteen Ghosts“ zeigten sich denn auch spätestens gewisse Analogien und Parallelen innerhalb der Arbeitsweise des Substudios – binnen kurzer Laufzeit Geschichten, die in ihrer comichaften, stets etwas überdrehten Bebilderung an das klassische B- und Drive-In-Cinema oder an die alten EC-Comics erinnerten: luftiger Tongue-In-Cheek-Humor, mehr oder weniger gelungene Grand-Guignol-Momente und nicht immer gelungene CGI-Effektarbeit kennzeichneten jene ersten, bis 2007 entstandenen Filme, als Dark Castle sein Portfolio dann mit Guy Ritchies „RocknRolla“ sukzessive zu erweitern begann.
Becks „Ghost Ship“ bildet nun eine motivisch recht klassisch umrahmte haunted house story, nur dass es eben um ein Geisterschiff anstelle eines Geisterhauses geht. Mehrere aus dem etwas losen Scripthut hervorgezauberte Wendungen lassen das Geschehen bald zusehends übernatürlich werden; zunächst riecht das Ganze noch nach einem relativ ordinären, ruchlosen Verbrechen, dessen ungesühnte Opfer als Geister die Antonia Graza heimsuchen und mündet schließlich in die etwas alberne Mär um einen Dämon, der als persönlicher Adlatus des Gehörnten selbst fungiert und jenem Seelen zu kredenzen hat. Das Gold entpuppt sich als Lockmittel, das die unersättliche Gier der Menschen beflügeln und ihre Boshaftigkeit evozieren soll. Logisch – der Name „Ferriman“ (hätte ebensogut auch Schörgen-Toni heißen können) für jenen agent du diable wurde nicht ganz zufällig gewählt. Nach dem Slasher-Prinzip verfahrend muss die Trawler-Crew dann nach und nach das Zeitliche segnen, ein paar typische Verstörungsingredienzien wie ein mit Blut gefüllter Swimming-Pool, ein verführerischer Todesengel (Francesca Rettondini) oder eine Dose Bohnen, deren Inhalt sich während des genüsslichen Verzehrs in Maden verwandelt, inbegriffen. Dass der zuverlässige Gabriel Byrne dabei ist, ist schön, doch nimmt sein Part eher den eines Gaststars ein – die eigentliche Heroine ist die sensible Epps, die mithilfe ihrer geisterhaften kleinen Freundin Katie schließlich dafür sorgt, dass die Antonia Graza endlich ihrem kalten Grab entgegen sinken und sämtliche von Ferriman bereits verbucht geglaubten Seelen doch noch dem Himmel entgegenfahren dürfen. Das Finale scheut dann auch nicht, mit ziemlich widerlicher, aufgesetzt-kitschiger Christen-Mythologie zu kokettieren, was „Ghost Ship“ dann auch nochmal ein, zwei Sympathiepünktchen kostet.
Insgesamt wahrscheinlich nicht gänzlich misslungen aber wohl doch weit hinter dem zurückbleibend, was er hätte sein können.

4/10

DISCIPLE OF DEATH

„Whatever you do – don’t go near the old hall!“

Disciple Of Death (Das Monster mit der Teufelsklaue) ~ UK 1972
Directed By: Tom Parkinson

Cornwall, im 18. Jahrhundert: Ausgerechnet die mit einem Blutstropfen besiegelte, heimliche Verlobung des Bauern Ralph (Stephen Bradley) mit der Junkerstochter Julia (Marguerite Hardiman) sorgt dafür, dass der satanistische Selbstmörder Asher (Mike Raven) zu untotem neuen Leben erwacht. Sein diabolisches Ziel: sieben jungfräuliche Herzen zu extrahieren, um dann in die Ewigkeit eingehen zu können. Die bereits von ihm behexte Julia soll sein letztes Opfer sein. Gemeinsam mit dem Geistlichen Parson (Ronald Lacey) und mit der Hilfe eines mysteriösen Kabbalisten (Nicholas Amer) gelingt es Ralph, der bereits seine Schwester (Virginia Wetherell) an Asher verloren hat, dem Unhold und seinem aus der Hölle herbeigerufenen Zwergenadlatus (Rusty Goffe) den Garaus zu machen.

Nicht alles im britischen Horrorfach der Frühsiebziger stammte automatisch aus den qualitätsstandardisierten Produktionsschmieden der diesbezüglich spezialisierten Studios wie Hammer, Amicus oder Tigon. Es gab da auch die eine oder andere räudige Kleinstschindel, so etwa den vorliegenden „The Disciple Of Death“, der sich an die kurze Welle aus vornehmlich historisch gewandeten Folk- und Okkulthorrorfilmen hängte. Im Zentrum dieser einzigen Regiearbeit Tom Parkinsons, die als einzig vorhandene Musik Bachs „Toccata und Fuge“ in Dauerschleife verwendet, steht der schillernde Mike Raven alias Austin Churton Fairman, der in seinen knapp 73 Lebensjahren allerlei versuchte – und nur das Wenigste davon wirklich konstant oder gar längerfristig erfolgreich. Zu seinen selbsterkorenen Berufungen zählten neben der Filmerei, die ihn in eine Kurzkarriere von ganzen vier Projekten binnen zwei Jahren (die zwei davon, die ich noch nicht kenne, werde und muss ich – Erinnerungsnotiz – umgehend nachholen) führte, auch das Theaterspiel, der Ballettanz, ein paar Engagements als Flamenco-Gitarrist, die Radiomoderation, einige Jahre als Blues-DJ, die Arbeit als Autor und Skulpteur sowie die Schafzüchterei in Cornwall, im Zuge derer er auch als Co-Produzent für „The Disciple Of Death“ auftrat.
Jener hübsch einfältige, möglicherweise unter dem Einfluss des einen oder anderen bewusstseinserweiternden Derivats entstandene Leinwand-Plumpudding kombiniert seinen geradezu märchenhaften, infantil-naiven Plot mit einigen deftigen Make-up-Effekten, die die Zensoren trotz ihrer Durchschaubarkeit erwartungsgemäß auch hierzulande erzürnten. Mike Raven himself sorgte dafür, dass er besonders „effektvoll“ in Szene gesetzt wurde, was vor allem seine augenrollenden Beschwörungs- und Opferriten zu einer jeweils unnnachahmlichen Schau macht. Speziell die zweite Filmhäfte, beginnend mit dem Besuch in der Alchemistenstube des lustigen Kabbalisten (in der deutschen Synchronfassung freilich bloß ein weniger verfänglicher „Okkultist“), gerät zu einer delirierenden Karussellfahrt. Meine Lieblingsszene und überhaupt eine für die Ewigkeit ist die, in der Ronald Lacey mitsamt seiner unmöglichen Perücke von dem Zwerg praktisch widerstandsfrei zu Boden gerungen und ihm dann von selbigem die Kehle zernagt wird. Das sollte, dass muss man gesehen haben!
Die deutsche Synchronfassung mit einem zur Höchstform auflaufenden Christian Marschall sollte nicht unerwähnt bleiben – erweist sie doch dem freidrehenden, sich dabei völlig Ernst nehmenden Überschwall des Films nochmals ihre zusätzliche Ehre.
Un-ge-laublich.

5/10

SCALPS

„Now, he’s acting funny.“

Scalps (Der Fluch des blutigen Schatzes) ~ USA 1983
Directed By: Fred Olen Ray

Der Archäologe Professor Machen (Kirk Alyn) ist hinter indianischen Fundstücken her. In der kalifornischen Wüste befindet sich weitab vom Schuss ein diesbezüglich vielversprechendes Ausgrabungsgebiet, das jedoch auf geschütztem Stammesterritorium liegt. Die Artefakte dürften also nicht von dort entfernt werden. Dennoch schickt Machen eine sechsköpfige Gruppe junger Studierender voraus, die nach Relikten suchen, diese sammeln und katalogisieren soll. Die auf dem Weg vernommene Warnung eines alten Ureinwohners (George Randall) in den Wind schlagend, campen die jungen Leute in der Nähe eines unheiligen Areals, auf dem ehedem der abtrünnige Indianer Black Claw (Richard Hench) sein schwarzmagisches Unwesen trieb. Und tatsächlich fährt dessen noch höchst aktiver Geist in einen der Nachwuchsarchäologen (Richard Hench). Der Beginn eines blutigen Wochenendes…

Der immens arbeitsame Filmemacher und -liebhaber Fred Olen Ray ist nicht eben das, was man als einen filigranen Künstler bezeichnen würde. Vielmehr gilt er – gemeinsam mit seinem Kollegen und Kumpel Jim Wynorski – als illegitimer Nachfolger Roger Cormans, der auch vor allerbilligsten Produktionsbedingungen nicht zurückschreckt und dem in jedweder Beziehung Quantität stets weit über Qualität ging. Das Resultat dieser nicht locker lassenden Umtriebigkeit sind allein über 150 Regiearbeiten, die sich relativ proportional in Kino-, DTV- und Fernsehfilme dritteln lassen und jedes Genre abdecken, aus dem sich in irgendeiner Form sorglose Exploitation destillieren lässt. „Scalps“ bildete seine vierte Feature-Inszenierung und mit ganzen 15.000 Dollar Herstellungskosten gleichermaßen die letzte ultralow budgetierte und auf 16 mm gedrehte, bevor dann ab 1985 sein Œuvre mit „Biohazard“ zumindest an der auf 35 mm Panavision erweiterten Oberfläche wesentlich „kinotauglicher“ aussah und ein entsprechend größeres Publikum erreichen konnte.
„Scalps“ wohnt noch der unbedarfte, wenngleich euphorische Habitus des aufstrebenden Amateurfilmers inne, der nach höherem strebt, sich jedoch mit seinen schmalen Gegebenheiten zufrieden gibt und das Beste aus dem ihm zur Verfügung Stehenden macht. Ungeschlacht und teilweise ohne Regisseurssegen nachträglich montiert (Roger Ebert, der den Film wundersamerweise besprach, meinte Ray zufolge, „“Scalps“ wirke wie mit dem Tomahawk geschnitten“, was nicht von der Hand zu weisen ist), schafft der kleine, manchmal sogar deftige Slasher es dennoch, niemals langweilig zu werden und seine obschon dünne Atmosphäre über die gesamte Spielzeit aufrecht zu erhalten. Auch Rays stetes Gusto, immer mindestens einen prominenten Besetzungsnamen vorweisen zu können, griff schon damals. Der erste Kino-Superman Kirk Alyn stand ihm für einen Kurzaufritt ebenso zur Seite wie das kurzerhand reaktivierte Vampir-Starlet Carroll Borland und der berühmte Sammler von Phantastik-Memorabilia Forrest Ackerman. All diese Facetten sorgen dafür, dass „Scalps“ nie ganz in Vergessenheit geriet und, entsprechende Abstriche vorausgesetzt, noch immer als liebenswerter, kleiner Strauchfilm goutiert werden kann.

5/10

MARY

„You cannot escape her!“

Mary (The Ship – Das Böse lauert unter der Oberfläche) ~ USA 2019
Directed By: Michael Goi

Nicht nur, dass das Ding den Namen seiner jüngeren Tochter trägt, zieht es ihn auch buchstäblich magisch an: Mit dem Erwerb der schwer bauffälligen, alten Segelyacht „Mary“ erfüllt sich der Touristen-Skipper David (Gary Oldman) einen lang gehegten Wunsch – endlich Steuermann eines eigenen Schiffs zu sein und nur sich selbst verantwortlich. Selbst Davids Frau Sarah (Emily Mortimer), die vor Kurzem nach einer Ehekrise wieder zu ihm gefunden hat, arrangiert sich nach anfänglichem Hadern mit der Hals-über-Kopf-Aktion ihres Gatten. Die Jungfernfahrt gleich nach der aufwändigen Restauration des Schiffes soll sie dann einmal quer durch die Karibik führen. Begleitet werden David und Mary von ihren beiden Töchtern Lindsey (Stefanie Scott) und Mary (Chloe Perrin) sowie von Lindseys Freund Tommy (Owen Teague) und Davids altem Kumpel Mike (Manuel Garcia-Rulfo). Als das Sextett sich erst auf hoher See befindet, zeigt die „Mary“ ihr wahres Gesicht – der eigentliche Captain ist nämlich keinesfalls David, sondern der dämonische Geist einer auf See hingerichteten Hexe, die mittels des Schiffs seit Ewigkeiten „ihre“ Kinder wieder zu sich holt…

Gruselgeschichten um „besessene“ Schiffe oder zumindest solche, auf denen es aus unerfindlichen Gründen nicht mit rechten Dingen zugeht, bilden seit jeher ein festes Subgenre in Literatur, Film oder Comic. Dessen jüngster Erguss, eine Regiearbeit des vornehmlich auf dem Seriensektor tätigen Michael Goi, setzt dem Topos gewiss keinen funkelnden neuen Zacken in die Krone, markiert jedoch ein solides, kleines Stück Kino, das seine Nutznießer eben vornehmlich im Bereich des Maritimhorrors sucht und finden wird. Erzählt wird die Geschichte in Form eines als Rückblick gestalteten Polizeiverhörs Nur Sarah und die beiden Mädchen haben Zerstörung und Untergang der „Mary“ überlebt, wobei erstere, die Detective Clarkson (Jennifer Esposito) unentwegt etwas von bösen Mächten vorphantasiert, mehr und mehr unter Mordverdacht gerät. Ist ihrem Bericht, so, wie er sich für den Zuschauer visualisiert, allerdings Glauben zu schenken, muss sich tatsächlich gar Höllisches auf See zugetragen haben: Immer aggressiver, analog zum mysteriösen „Zielpunkt“ der unseligen Kreuzfahrt, macht sich der Fluch jener Seehexe bemerkbar, die sich freilich bald auch als bissiges Geisterwesen selbst zeigt und sich nach und nach beinahe sämtliche Passagiere zueigen macht.
In kurzen, runden achtzig Minuten entfaltet sich um diese sicherlich kaum originelle Prämisse eine pulpige Schauergeschichte, wie sie etwas kürzer in allen möglichen Horror-Anthologien der Welt vorkommen könnte. Keinen Innovationspreis könnte Goi sich damit erwirtschaften, soviel ist sicher, aber das bedeutet umgekehrt ebensowenig, dass man als Genreliebhaber nicht allemal einen Blick riskieren sollte. Viel an kostbarer Zeit büßt man wie oben erwähnt ohnehin nicht ein, sondern genießt, wie ich selbst, möglicherweise sogar das kleine Glück, ein sympathisches Betthupferl mit in die Traumwelt zu nehmen.

6/10

FUNNY MAN

„Sorted.“

Funny Man ~ UK 1994
Directed By: Simon Sprackling

Der Plattenproduzent Max Taylor (Benny Young) gewinnt beim Pokern von dem geheinisvollen Callum Chance (Chtristopher Lee) ein altehrwürdiges englisches Anwesen, dem er sogleich mitsamt seiner Gattin (Ingrid Lacey) und den zwei Kindern (Jamie Heard, Harry Heard) einen schicksalsträchtigen Besuch abstattet. Das Haus erweist sich nämlich als infernalischer Spielplatz eines teuflischen Harlekins, des Funny Man (Tim James), der in einem bitterbösen Reigen nicht nur umgehend die Taylors zur Hölle schickt, sondern auch Johnny (Matthew Devitt), Max‘ verspätet anreisenden Hippie-Bruder und einige von ihm mitgenommene Anhalter.

Simon Spracklings kleine, billig, aber visuell einfallsreich hergestellte Splatter-Comedy bewegt sich nur subliminal über dem Niveau von Amateurkunst und erweist sich vor allem als ein Film von Fans für Fans. Im Geiste der frechen Horrorhelden der Spätachtziger und Frühneunziger, die zu diesem Zeitpunkt längst die Grenzen zur Groteske überschritten hatten, zu den eigentlichen Helden ihres dedizierten Publikums avanciert waren und ihre Erfolge mit Kombinationen aus besonders illustren Mordvarianten und mehr oder weniger subversivem Humor feierten, geriert sich auch der Funny Man, ein realitätsbeugender Dämonenharlekin, dessen äußerlich opulentes Domizil eine reine Spielwiese für seine sadistischen Spielereien darstellt und der sein nach Blut lechzende Zuschauerschaft mittels permanenter Durchbrüche der vierten Wand und Direktansprachen bei Laune hält. Die diversen Drogenreferenzen und -Witzchen, die das Bild mehr oder weniger begleitend mitbestimmen, bildeten dabei offenbar keine rein plotinterne Extravaganz – auch Stab und Besetzung delektierten sich dem Vernehmen nach relativ konstant an BTM-Räuschen. Dies sorgte unter anderem dafür, dass im Zuge zuvor different geplanter, sehr viel ernster konnotierten Szenenabläufe mehrfach improvisiert wurde und der zirzensische Mummenschanz, den „Funny Man“ in seiner nunmehr endgültigen Form abgibt, überhauot erst entstehen konnte. Nicht jeder Gag erweist sich da als echter Volltreffer und ich möchte meinen, dass es auch der gezielt vorbereiteten Kognition des Rezipienten eher zuträglich sein sollte, während der Betrachtung selbst auf bleierne Nüchternheit zu verzichten. Dennoch trägt sich Spracklings Kifferkomik lediglich bis zu einem gewissen Maße, bevor dann doch wieder die offenkundigen Limitationen des Unterfangens zu Tage treten. Charmant ist und bleibt der Film in seiner zur Travestie überspannten Art, die nicht selten an den frühen Peter Jackson erinnert, gewiss. Ein Genrewerk für jedermann dürfte er indes nicht sein.

6/10