DON’T KNOCK TWICE

„She lied!“

Don’t Knock Twice ~ UK 2016
Directed By: Caradog W. James

Nachdem sie vor Jahren wegen ihrer Drogensucht ihre Tochter Chloe (Lucy Boynton) in staatliche Obhut geben musste, will Künstlerin Jess (Katee Sackhoff) das mittlerweile fast erwachsene Mädchen nun wieder zurück in ihre Obhut nehmen. Chloe jedoch will zunächst nichts von ihrer Mutter, die mit einem wohlhabenden neuen Mann (Richard Mylan) zusammenlebt, wissen. Das ändert sich rasch, als Chloe infolge einer dummen Mutprobe die Aufmerksamkeit eines weiblichen Dämons auf sich zieht. Sie flieht in Jess‘ großzügiges, rurales Anwesen, wo sie sich zunächst sicher glaubt, doch auch hierhin verfolgt sie das grauenhafte Wesen. Jess, die ihrer Tochter tapfer zur Seite steht, stellt derweil Recherchen an, um was es sich bei der übernatürlichen Kreatur wirklich handelt und wie man sie am Besten wieder loswird….

Den aus walisischer Produktion stammenden „Don’t Knock Twice“ hätte ich mir vor allem deutlich stringenter und kompakter gewünscht. Leider jedoch handelt es sich bei James‘ Film um einen jener diversen einfallslosen Geisterfilm-Vertreter, denen es am Ende bloß darum geht, das gruselige Parawesen (in diesem Falle niemand Geringere als die legendäre Baba Yaga) möglichst prominent in Szene zu setzen und eine hohe Frequenz an jump scares abzuliefern. Diese recht zahlreich bemühte Masche erweist sich in meiner Wahrnehmung als zunehmend kontraproduktiv, da eher kleine,  Genrebeiträge wie dieser ja wohl doch von einem eher „exklusiven“ und zwangsläufig erfahrenem Publikum gesehen werden, das aufgrund der immergleichen Bemusterung ebenjener Filme allerdings kaum mehr die gewünschte Affizierung wird vorweisen können. Durchschaubarkeit, Vorhersehbarkeit und Gewohnheitsmäßigkeit ersticken da zu großen Teilen die unablässige Lust am wohligen Grauen. Gewiss stammt dies ursprünglich aus gut gemeinter Initiation, aber man weiß ja hinreichend um das entsprechende Gegenteil desselben.  Zudem wirkt „Don’t Knock Twice“ zuweilen sehr einfältig in Bezug auf die umständliche Konstruktion seiners Plots. Nachdem die dysfunktionale Mutter-/Tochter-Beziehung etabliert wurde, geht es mit einer „Candyman“-artigen Geisterprämisse weiter („Klopfst du zweimal, kommt ‚Ginger‘ dich holen! Buh!“), die sich dann in den üblichen Geistererscheinungsfloskeln ergeht. Die Oberdämonin findet sich in diesem Zuge als spinnenartige Krabbelkreatur gestaltet, die eigentlich viel kann, aber natürlich doch nicht genug, um ihre sinistren Ziele vehementer, sprich: schneller umzusetzen. Beinahe dümmlich wird es dann, wenn durch Fehlverdachtsmomente und sinistre Intrigen aus dem Geisterreich versucht wird, dramaturgische Cleverness zu erzeugen. All das hätte es nicht gebraucht, hätte sich da nur etwas mehr der Mut zur Konzentration auf Wesentliches ausschlaggebender Kreativfaktor durchgesetzt. So jedoch bleibt lediglich unbefriedigendes Mittelmaß.

5/10

BLAIR WITCH

„Don’t turn around.“

Blair Witch ~ USA 2016
Directed By: Adam Wingard

Ganze fünfzehn Jahre nach dem Verschwinden seiner Schwester Heather, die dokumentarisch einem Mythos um die Blair-Hexe in den Wäldern von Maryland nachgehen wollte, erhält James (James Allen McCune) ein mögliches Lebenszeichen von ihr: Auf einem online gestellten Video aus einer Ruine ist kurz ihr Spiegelbild zu sehen. Gemeinsam mit drei Freunden (Callie Hernandez, Corbin Reid, Brandon Scott) und den zwei Findern von Heathers Filmkamera (Wes Robinson, Valerie Curry) macht sich James in den bewussten Wald auf, um dort seine Schwester zu finden…

Das unter einigem Internet-Hype flankierte Sequel zu „The Blair Witch Project“ ist seiner Kreativköpfe Adam Wingard und Simon Barrett eigentlich nicht würdig. Nach allem, was die beiden bis dato vorgelegt haben, wäre ein vielversprechenderes Projekt von ihnen zu erwarten gewesen als diese tasächlich recht einfallslose Fortsetzung, die das effektive Original weitgehend kopiert und später vulgarisiert. Andererseits muss man feststellen, dass die Woge der sturen Ablehnung, die „Blair Witch“ im Nachhinein entgegenschlug, in dieser Vehemenz auch nicht gerechtfertigt ist, es handelt sich bei Licht und nüchtern betrachtet nämlich noch immer um einen unterhaltsamen Genrebeitrag mit einigen ungemütlichen Momenten, dem man sich am Besten möglichst vorurteilsfrei aussetzt.
Der basale Plot um die Suche nach einer seit fünfzehn Jahren vermissten (und nach rationalen Maßstäben längst verwesten) Person, die lediglich auf einer Sekundenaufnahme fußt, ist schonmal harter Tobak, den man kommentarlos zu schlucken gezwungen ist. Warum man nicht einfach eine Expedition auf die Suche nach der Expedition schickte, erscheint mir schleierhaft. Vermutlich hätte das Ganze dann noch mehr nach Remake gerochen als es das ohnehin schon tut. Weiter geht es mit der Hexe und ihren boshaften Ritualen, die jetzt zu einer weitaus präsenteren und konkreteren Gefahr werden als vermittels der noch recht diffusen Zeichen, die sie im Original hinterließ: Barrett und Wingard machen heuer bereits nach dem ersten Drittel des Films keinen Hehl mehr daraus, dass wir es hier mit einer mächtigen, dämonischen Entität zu tun haben, die Raum, Zeit und Wahrnehmung nach ihrem Gutdünken beeinflussen kann. Ironischerweise enthebt gerade diese Neuerung die Hexe eines Großteils ihrer vormaligen Bedrohlichkeit: Wenn das Ungetüm ohnehin sämtliche äußeren Bedingungen kontrollieren kann, die naiven Kids sozusagen nurmehr Gefangene in ihrem „Reich“ sind und zu reinen Spielbällen verkommen, dann verliert die optionale Frage nach ihrer Flucht komplett an Relevanz und damit einhergehend auch weithin sämtliche Spannung an Bedeutung. Nurmehr das „Wie“ bleibt bestehen; die Hexe selbst wird zur absoluten Herrin ihres parallelweltlichen Terrains, so wie Jason am Crystal Lake, wie Freddy im Traumreich oder Pinhead in der Sadohölle. Horror und Fantasy tauschen die Plätze. Myrick und Sánchez enthielten sich ehedem wohlweislich solcher genreevidenten Katalogisierungen und wählten stattdessen das unbekannte, unbehagliche Mysterium, was ihrem kleinen Film damals seine vordringlichste Stärke verlieh.
Bei Wingard nun kann man das Monster gegen Ende sogar zweimal ganz kurz im Bild erhaschen, bezeichnenderweise die gruseligsten Augenblicke des Films.

5/10

SUICIDE SQUAD

„Seriously, what the hell is wrong with you people?“

Suicide Squad ~ USA 2016
Directed By: David Ayer

Die knallharte Regierungsangestellte Amanda Waller (Viola Davis) stellt ein Team aus Superverbrechern zusammen, um nach Supermans augenscheinlichem Ableben auch künftig möglichen Meta-Bedrohungen begegnen zu können. Um die ebenso gestörten wie asozialen Kriminellen zur Kooperation zu „bewegen“, bekommen sie kleine Bömbchen implantiert, die im Illoyalitätsfalle umgehend zur Explosion gebracht werden können. Geleitet wird das Team von Top-Agent Rick Flag (Joel Kinnaman), den mit einem seiner Schäfchen, nämlich der von der dämonischen Enchantress besessenen June Moone (Cara Delevingne), eine Romanze verbindet. Ausgerechnet sie ist es dann auch, die den ersten Einsatz der „Task Force X“, die sich selbst „Suicide Squad“ nennt, erfordert. Die Enchantress erweckt nämlich in Midway City ihren schlummernden Bruder zum Leben und sorgt dort für ein infernalisches Präludium zum Ende der Welt…

Es gibt Schlimmeres. Dennoch ist DCs „Suicide Squad“, nach „Guardias Of The Galaxy“ und „Deadpool“ bei der Konkurrenz, der nächste Versuch, die klassischen Superhelden-Universen auf der Leinwand wieder etwas zu entdüstern und ein wenig von ihrem früheren, bunten Übermut zurückzuerbitten, hohl, egal und weitgehend uninteressant geraten. Dabei müht sich David Ayer nach Kräften, dem durchaus traditionsreichen Format einen denkwürdigen Kinoauftritt zu spendieren und kann zumindest ein paar Kastanien aus dem Feuer holen. Eine knorke Songauswahl und ein ziemlich schickes Produktionsdesign vermögen jedoch nicht davon abzulenken, dass „Suicide Squad“ im Grunde überhaupt keine Geschichte vorweisen kann, diese aber in der erweiterten Fassung dennoch auf 136 Minuten ausdehnt und am Ende wenig mehr an Effektivität aufbietet, als sie auch ein Rundgang durch den nächsten Comicladen abwirft. Tatsächlich besteht das Maximum an Innovation darin, eine Reihe bunter, böser Figuren ins Feld zu werfen, die ausschließlich mittels mäßig prägnanten Sprüchen und Witzchen kommunizieren und in wechselnde Interaktionssituationen gepfercht werden, um so kontestartig ihre jeweilige, individuelle Exzentrik exponieren zu können. Zwischendurch kämpft die Truppe gegen lehmige, gesichtslose Zombies, die von den dämonischen Geschwistern auf sie losgelassen werden und hervorragend dazu dienen, das allein durch die schurkischen Metagauner implizierte Gewaltszenario auf ein absolut jugendfreies, anonymes Maß herunterzubrechen. Später bewegt sich der Film dann mehr und mehr Richtung „Ghostbusters“, wobei vor allem der Showdown in einem kräftigen Aderlass des Vorbilds kulminiert. Immerhin: die Szene, in der die Suicide Squad sich in einer verlassenen Bar auf ihre Tugenden und moralischen Pflichten besinnt, hat mir sehr gut gefallen; Jared Leto als Joker fand ich keinesfalls so enttäuschend wie vielerorts geunkt wurde und insgesamt war es nett, ein paar sympathische Comicgestalten aus der zweiten Reihe, die noch vor zwanzig Jahren nicht die geringste Chance gehabt hätten, ein derart hoch budgetiertes Blockbuster-Projekt mit ihrer Aufwartung zu beehren, zum Leben erweckt zu finden. Wie eingangs erwähnt, es gibt Schlimmeres. Besseres aber ebenso und nicht zu knapp.

5/10

SOUTHBOUND

„Quit being so fucking mysterious!“

Southbound ~ USA 2015
Directed By: Radio Silence/Roxanne Benjamin/David Bruckner/Patrick Horvath

Eine öde Region im wüsten Südwesten der USA: Hier sind zwei Männer, Mitch (Chad Villella) und Jack  (Matt Bettinelli-Opin) auf der Flucht vor merkwürdigen, fliegenden Kreaturen; hat der Van der dreiköpfigen Girl-Band „The White Tights“, bestehend aus Sadie (Fabianne Therese), Ava (Hannah Marks) und Kim (Nathalie Love), einen Platten, woraufhin sich das Trio von einem merkwürdigen Paar (Susan Burke, Davey Johnson) mitnehmen und zu einem bizarren Dinner einladen lässt; wird die später flüchtende Sadie auf der nächtlichen Straße von dem Wagen des aufgeschreckten Lucas (Mather Zickel) überrollt, der sie daraufhin in ein seltsames Krankenhaus bringt; sucht der aufgebrachte Danny (David Yow) nach seiner seit Jahren vermissten Schwester Jesse (Tipper Newton), die jedoch überhaupt nicht von ihm gesucht werden will; wollen sich drei Maskierte, Shane (Damion Stephens) sowie die bereits bekannten Mitch und Jack, sich einen schuldbehafteten Familienvater (Gerald Downey) vorknöpfen, gehen mit ihrer Rache jedoch zuweit. Nach dem Massaker werden sie von geflügelten Wesen verfolgt…

Anthologie-Horrorfilme, so unter anderem die „V/H/S“-Trilogie und die beiden „The ABCs Of Death“-Stücke, feiern in den letzten Jahren ein fröhliches, geballtes Wiedergehen, nachdem diese kleine Unterart der Grauenskunst über einen langen Zeitraum zwar regelmäßig, aber insgesamt betrachtet doch eher selten ihre Freunde heimsuchte. „Southbound“ gibt sich betont mysteriöser und weniger trivial als das Gros des Subgenres, geht dabei allerdings leider auch etwas mittelbarer und somit distanzierter zu Werke und hält sich am Ende für cleverer als er wirklich ist. Die insgesamt vier Segmente halten von viel vom „old-fashioned creepydom“, wenngleich sie doch nicht ganz darauf verzichten mögen, s. etwa die zweite Episode um den vermutlich kannibalisch umgetriebenen Satanskult. Auch die „Reeker“-Filme scheinen mir ausgiebig zitiert, denn ebenso wie dort geht es hier um verirrte Menschheits-Repräsentanten in einem paradimensionalem Areal oder einer Art Vorhölle, in der allerlei nicht-greifbare und/oder dämonische Entitäten ihr Unwesen treiben und sie auf die eine oder Art heimsuchen, mit Schuld, Sühne und Verfehlungen konfrontieren. Das Ganze wird mittels betont elliptischer Narration serviert, die sich jedoch bereits nach kurzer Spielzeit insofern als Fehlgriff erweist, als dass sie zumindest den uninformierten Zuschauer von Anfang an auf eine Sinnsuche schickt, die sich auf eher unbefriedigende Weise entwickelt. Im Grunde verrät das gelungene, eingmatische Poster zum Film bereits alles, was man über ihn wissen muss bzw. kann: Darauf ist eine Straßenaufnahme in Form eines gigantischjen umgedrehten Pentagramms zu sehen. Ausweglosigkeit und ewiges Gefängnis lauten die beiden große Stichworte, die „Southbound“, dessen Titel natürlich doppeldeutig zu lesen ist, bestimmen. Über die Mittelpracht des Gesamtresultats mögen sie nicht hinwegtäuschen.

5/10

LIGHTS OUT

„Ghosts don’t exist.“

Lights Out ~ USA 2016
Directed By: David F. Sandberg

Für den kleinen Martin (Gabriel Bateman) gehören Horror und Schlaflosigkeit zum Tagesgeschäft: Außer ihm und seiner Mutter Sophie (Maria Bello) lebt nämlich in dem beschaulichen Vorstadthaus noch eine weitere Frau namens Diana (Alicia Vela-Bailey). Bei dieser handelt es sich mitnichten um ein irdisches Wesen, sondern um eine dämonische Entität, die ausschließlich in Dunkelheit und Schatten lebt, sich darin fortbewegt und ihre finstere Macht daraus bezieht. Sobald eine Lichtquelle scheint, ist Diana weder sichtbar noch kann sie etwas bewirken. Als Martins ältere Stiefschwester Rebecca (Teresa Palmer), die sich vor Jahren von Sophie abgewandt hat und in vollen Zügen das Leben einer bindungsscheuen Libertinen genießt, von Martins seltsamem Verhalten über die Schulschwester (Andi Osho) Wind bekommt, will sie dem Jungen unbedingt helfen. Denn auch sie hat dereinst als Kind (Amiah Miller) bereits ihre Erfahrungen mit der bösen Diana gemacht, die von dem plötzlich wachsenden Interesse um ihre ektoplasmische „Person“ alles andere als begeistert ist…

Wie der – um es gleich vorweg zu nehmen, ebenfalls bei Cronenbergs Manifestations-Schrecken wurzelnde, weitaus gelungenere – „The Babadook“ präsentiert sich „Lights Out“ als ein psychologisch geprägter Horrorfilm, dessen übersinnliche(r) ProtagonistIn seine/ihre gesamte Macht und Existenzgrundlage aus der seelischen Disposition einer nachhaltig gestörten Frau bezieht. Hier ist Maria Bello die instabile Person, eine depressive, lebensabgewandte und einsame, zweifache Mutter Ende 40, die aus einer lange zurückliegenden, stationären Therapie einen bitteren Schuldkomplex mitgebracht hat, der sich in der übersinnlichen Gestalt Dianas inkarniert und sie seither quasi auf Schritt und Tritt begleitet. Was sich für Sophie als längst gewohntes, wenngleich unangenehmes Alltagsgeschick darstellt, versetzt ihre beiden Kinder von unterschiedlichen Vätern seit eh und je in hilflos-lähmendes Grauen. Weder ist es ihnen möglich, Dianas Macht über Sophie zu brechen, noch ihrer Mutter sonstwie zu helfen. Die eigentliche Schrecknis liegt also weniger in den bösartigen Aktionen Dianas (als Monster der Dunkelheit genrekonventionell zerzaust, bewährt mit langen Krallen und sich blitzschnell fortbewegendes Gespenst dargestellt), denn in der Verdammung zur Unfähigkeit, ein geliebtes Familienmitglied aus seiner desolaten Situation herausholen zu können. In der Suchtpsychologie bezeichnet man derartiges als Co-Abhängigkeit. Durch die verzweifelten Versuche, dem betroffenen, geliebten Menschen auf alle möglichen Arten zu helfen, leistet man dessen Krankheit nur noch größeren Vorschub. Das lässt sich über Umwege auch auf das klassische Krankheitsbild der Depression übertragen: Wirkliche Abhilfe für sein Leiden kann der/die betroffene PatientIn sich letzten Endes nur durch Einsicht und aus eigener Kraft verschaffen. So endet denn „Lights Out“ auch mit recht bedrückender, tatsächlich jedoch einzig folgerichtigen Konsequenz. Dass dazwischen ein Geister (bzw-. Geistes-)Wesen sein handlungsübliches Trara veranstaltet, gehört nun mal eben zwangsläufig zum Wesen dieses Films, der dadurch allerdings nicht eben interessanter wird. Man muss ergänzend dazu in Betracht ziehen, dass das gesamte Projekt „Lights Out“ letztlich auf einem gleichnamigen, bereits 2013 von Sandberg inszenierten Kurzfilm fußt, der den spektakulären Haupteffekt um das  bereits größtmöglich destilliert und hinlänglich pointiert präsentierte. Ich bin mir nicht sicher, ob der zwingende Ballast eines/dieses ganzen Lang-Features jene grundlegende Idee entscheidend aufwertet, geschweige denn, ob er genügend Futter für ein weiteres Franchise aufbieten kann…

6/10

THE CONJURING 2

„This is my house!“

The Conjuring 2 ~ USA/CA 2016
Directed By: James Wan

Nachdem das Parapsychologen-Ehepaar Warren dem berüchtigten Lutz-Haus in Amityville einen Besuch abgestattet hat, im Zuge dessen Gattin Lorraine (Vera Farmiga) in Kontakt mit einer besonders diabolischen Präsenz getreten ist, soll eigentlich Schluss sein mit der gespenstischen Berufung. Doch es wartet schon der nächste Einsatz: Im Londoner Stadtteil Enfield sehen sich die alleinerziehende Mutter Peggy Hodgson (Frances O’Connor) und ihre vier Kinder mit einem üblen Geist konfrontiert, der es vornehmlich auf die jüngere Tochter Janet (Madison Wolfe) abgesehen hat. Im Auftrag der Kirche sollen die Warrens feststellen, ob der bereits globales Medienecho evozierende Fall tatsächlich übernatürliche Ursachen hat oder lediglich von den Hodgsons inszeniert wird. Vor Ort stellt das Paar bald fest, dass ein vormaliger, verstorbener Bewohner des Hauses, ein knittriger alter Herr namens Bill Wilkins (Bob Adrian), sich weigert, die Schwelle zum Jenseits zu überschreiten, sich noch immer im Haus daheim wähnt und daher die Familie terrorisiert. Doch immer wieder gibt es Hinweise darauf, dass Peggy und Janet möglicherweise zumindest teilweise Narretei betreiben. Es ist fast schon zu spät, als Lorraine doch noch erkennt, dass der Geist Bill Wilkins‘ bloß eine Marionette für jenen weitaus schlimmeren Dämon darstellt, dem sie bereits im Amityville begegnet ist und der es auf ihren Mann Ed (Patrick Wilson) abgesehen hat: den höllischen Valak (Bonnie Aarons)…

Nun geht auch das auf authentischen Vorbildern basierende Ehepaar Warren in die zweite Runde bei James Wan – und das in recht ausuferndem Maße, zumindest in Anbetracht der exorbitanten Spielzeit von gut 130 Minuten. Nach dem sechs Jahre zuvor spielenden Erstling sowie einem Spin-Off um die darin vorkommende Puppe Annabelle verschlägt es die bereits zusehends unter ihren Konfrontationen mit dem Bösen leidenden Warrens nach Europa, wo sie einer sozial benachteiligten Familie zur Hilfe eilen. Mehr noch als im Vorgänger ergeht sich die Geschichte sehr detailliert darin,  Lorraine und Ed als Seelsorger auch in Privatangelegenheiten zu charakterisieren. Die arme Peggy wurde mitsamt ihren vier Kids vom Ehemann sitzengelassen und muss sich nun allein durch die thatcherisierte Prekariatsgesellschaft plagen. Dass den Kindern der Vater fehlt, bemerkt Ed nur allzu schnell und stimmt mit einer alten Klampfe schnulzige Elvis-Songs an, ganz zum Verzücken von Mutter und Gattin. „The Conjuring 2“ nimmt sich ungewöhnlich viel Zeit für derlei figurale Ausarbeitungen und mildert somit den unregelmäßig aufflackernden Terror durch die insgesamt drei (!) vorkommenden Spukgestalten stark ab. Man könnte diese Hergehensweise gehässigermaßen als viewer fishing bezeichnen – hier wird die Angel nach Zuschauerschaften ausgeworfen, denen konsequentere Genrekost zu involvierend ist und die vielleicht zwischendurch gern was fürs Herz haben; sprich: der nach jump scares und blutigen Fratzen lechzende Genre-Aficionado kann mehr oder weniger beruhigt auch seine Freundin und deren kleine Schwester mit ins Kino bringen.
Ich finde das etwas schade, denn ein Verzicht auf diverse, aufweichende Faktoren zugunsten einer Straffung um die durchaus angenehm gruseligen Kernelemente hätte aus „The Conjuring 2“ einen wirklich guten Film destillieren können. Leider jedoch fehlt ihm der Mut zur Zuspitzung und Konsequenz. Dabei hat es so schöne Ideen – der zum Leben erwachte, animierte „crooked man “ aus dem Zoetrop der Kinder etwa ist eine Art naher Verwandter des „Babadook“ und als solcher durchaus überzeugend, der sich als höllische Nonne ausstaffierende Valak (um den jetzt wohl auch schon wieder ein eigener Film herumkonstruiert wird) schaut zwar ein wenig aus wie Marilyn Manson, kann aber trotzdem als sehr fiese Höllenentität überzeugen. James Wan ist nun ganz bestimmt kein Innovator, aber das, was er zusammenzimmert, bleibt zumindest stehen und kippt nicht gleich wieder um. Ob da nun Schmu und Schmäh um Freundschaft, Verständnis, Zuneigung und all solchen Kram wirklich am korrekten Platze sind, sei dahingestellt. Vierzig Minuten Entschlackung und ein demzufolge infernalischeres Spectaculum hätten mir jedenfalls mehr gegeben.

7/10

CANDYMAN: DAY OF THE DEAD

„Believe in me!“

Candyman: Day Of The Dead (Candyman 3 – Der Tag der Toten) ~ USA 1999
Directed By: Turi Meyer

Caroline McKeever (Donna D’Errico), die Tochter der vor Jahren in New Orleans vom Candyman (Tony Todd) heimgesuchten Annie Tarrant (Elizabeth Hayes), ist mittlerweile erwachsen und lebt in Los Angeles. Als Ur-Urenkelin Daniel Robitailles fürchtet auch sie permanent, mit dem Fluch des Candyman konfrontiert zu werden – und tatsächlich: Als Carolines Bekannter Miguel (Mark Adair-Rios) pünktlich zum ‚Día de los Muertos‘ eine Ausstellung mit Gemälden Robitailles eröffnet und Caroline dazu bringt, vor versammeltem Publikum das berüchtigte Spiegelritual durchzuführen, erscheint der Candyman kurz darauf und metzelt sich durch Carolines Bekanntenkreis – stets mit dem Ansinnen, die Angebetete möchte sich ihm im Tode hingeben. Doch Caroline lässt sich nicht ohne Weiteres für solch sinistre Vorhaben einspannen…

Der letzte Teil der „Candyman“-Trilogie ist erwartungsgemäß der schwächste, wenngleich nicht ganz so arg daneben, wie ihn seine vordringlichsten Kritiker ihn gern dastehen lassen.
Man muss zunächst bereit sein, sich auf die verquere Filmlogik einzulassen: Aus der in der Schlusssequenz des Vorgängers noch als Kleinkind aufgetretenen Caroline McKeever ist binnen vier Jahren eine dralle Mittzwanzigerin geworden, gespielt von einer wohl rein nach Äußerlichkeiten besetzten, vormaligen „Baywatch“-Actrice. Ihre zuletzt noch als siegreich und stabil verkaufte Mutter hat sich, wie wir aus Rückblenden erfahren, unterdessen der vom Candyman oktroyierten Besessenheit hingegeben und ist doch noch zu einem seiner Opfer geworden. Wir lernen außerdem, dass der Geist Robitailles erst ruhen wird, wenn er auch seine letzten Nachkommen zu sich ins Schattenreich geholt hat und somit trotz eines diesmal fehlenden Cliffhangers die Wahrscheinlichkeit für ein weiteres Sequel (das dann doch nie kam) recht groß war. Das größte seiner wenigen Pros bezieht Meyers Film aus Todds nochmaliger Mitwirkung, die ihm faktisch seine einzige Daseinsberechtigung verleiht. Als bestimmt wunschgemäß ernstzunehmendes Horror- oder gar Splatter-Movie leidet die sichtbar günstige DTV-Produktion neben der diesmal kompletten Absenz Clive Barkers derweil unter ihrem allzu billigen, noch unausgereiftem Digitallook, der ihr das Meiste von ihrer filmischen Qualität raubt, sowie zwei ziemlich notflüchtigen Subplots, wovon einer um einen rassistischen Bullen (Wade Williams) und der andere um eine beschränkte Sekte von Gothic-Jüngern des Candyman kreist. Jener haben offenbar die einzige Funktion, die im Prinzip längst auserzählte Geschichte um den Hakenmann ein weiteres Mal auf Spielfilmlänge zu dehnen. Eine schöne Idee wiederum war es, als ethnisches Szenario das Hispanic-Milieu von East-L.A., respektive den dort gefeierten Tag der Toten zu benutzen. Das haut durchaus hin und rettet „Candyman: Day Of The Dead“ schlussendlich ganz knapp vor der völligen Bedeutungslosigkeit.

4/10