DEMONOID: MESSENGER OF DEATH

„You either cut off my hand, or I’ll kill you!“

Demonoid: Messenger Of Death (Macabra – Die Hand des Teufels) ~ MEX 1981
Directed By: Alfredo Zacarías

Nachde das Ehepaar Mark (Roy Benson) und Jennifer Baines (Samantha Eggar) all sein Sauerverdientes in den Erwerb einer mexikanischen Silbermine investiert hat, lässt der Ertrag auf sich warten, zumal die Arbeiter vor Ort allesamt Bammel haben, tiefer in den Stollen vorzustoßen. Bei einer eigenen Expedition in die Untiefen der Höhle stoßen die Baines‘ schließlich auf eine altertümliche Kultstätte mitsamt einem Grabmal. Mark bemächtigt sich darin einer silbernen Schatulle, die einer Hand nachempfunden ist. Im Hotel offenbart sich dann deren schreckliches Geheimnis: Der Staub aus dem Kästchen verwandelt sich eine knochige Hand, die von Mark Besitz ergreift. Dieser dreht daraufhin durch, jagt die Mine in die Luft und flieht. Jennifer kann später nurmehr seine verbrannte Leiche identifizieren, nachdem Mark in Las Vegas offenbar in Streit geraten ist. Sie wendet sich an Vater Cunningham (Stuart Whitman), der ihre Geschichte um die Teufelshand nicht glauben mag, sich schon bald jedoch eines Besseren belehrt findet…

Von übernatürlichen Mächten besessene Gliedmaßen, zumal Hände, bilden bereits seit Robert Wienes „Orlacs Hände“ und seiner bald erfolgenden Remakes einen unregelmäßig, aber stetig bemühten Nebenstrang im Horrorfilm nebst mancherlei oder weniger berühmten Ablegern. Auch „Demonoid: Messenger Of Death“ des mexikanischen Filmemachers Alfredo Zacarías, der um diese Zeit einen kurzfristigen Abstecher ins anglophone Genrekino mit den entsprechenden Darstellern wagte, zählt dazu. Sein Werk passt insofern ganz gut zu dem von den Cardonas, die ja ebenfalls in diesen Sphären umtriebig waren, oder entfernt auch zum italienischen Splatterfilm jener Tage. Dafür bürgt nicht zuletzt auch das Engagement Stuart Whitmans, der sich zu dieser Zeit zumindest im Kino für keinen noch so abstrusen, internationalen Heuler zu schade war, und mit seinem graumeliert gescheitelten Haupt so manches Gossenstück aufzuwerten wusste. Immerhin dürfte „Demonoid“, dem es sogar gelingt, ein bisschen den spirit des US-Horrorkinos der Früh- und Mittsiebziger zu präservieren, zu seinen etwas besseren Filmen der Ära gehören. Die böse Dämonenhand von anno dunnemals, die immer wieder neue Wirte findet und diese jeweils tot und energieentledigt (sprich: grau und verschrumpelt) hinterlässt, macht durch ihren beinahe episodsisch nachgezeichneten Werdegang jedenfalls allerlei Freude und hält den Zuschauer bei Laune bis hin zu ihrem unvermeidlichen Cliffhanger-Auftritt am Ende. Immer wieder hat es zwischendrin überdurchschnittliche Szenen wie etwa den beklemmenden Besuch der Baines in einem Mumienmuseum. Hinzu kommt noch das allenthalben eingespielte Ohrwurm-Titelthema von Richard Gillis und fertig ist die etwas absonderliche Laube.

6/10

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RIGET

Zitat entfällt.

Riget (Kingdom – Hospital der Geister) ~ DK/SW/NW/NL/D/F/I 1994/97
Directed By: Lars von Trier/Morten Arnfred

Kopenhagens größtes Hospital, das Reichskrankenhaus, hat eine lange Geschichte. Einst erbaut auf Moorland, dass im Mittelalter Bleichern und Färbern als Arbeitsstätte diente, ist der altehrwürdige Gebäudekomplex vor allem ein Symbol des wissenschaftlichen Fortschritts, für den Übergang zur Neuzeit im Zeichen der Aufklärung.
In der neurochirurgischen Abteilung der Klinik geht es heuer drunter und drüber. Die alte Dauerpatientin Sigrid Drusse (Kirsten Rolffes), deren gemütlicher, bierliebender Sohn Bulder (Jens Okking) hier als Pfleger arbeitet, hat Kontakt zur Welt der Geister. Ein kleines, totes Mädchen namens Mary (Annevig Schelde Ebbe), bedeutet ihr aus dem Jenseits, die Umstände seines Todes zu ermitteln. Wie alles andere im Haus geht sie auch dem aus Schweden herversetzten Oberarzt Helmer (Ernst-Hugo Järegård) immens auf die Nerven, der vor Kurzem einen schweren Operationsfehler bei einem jungen Mädchen (Laura Christensen) verursacht hat und diesen mit allen Mitteln zu vertuschen sucht. Noch mehr fühlt sich Helmer demzufolge von Chefarzt Moesgaard (Holger Juul Hansen) bedrängt, einem hochgradigen Neurotiker, der in permanenter Angst vor der Krankenhausleitung und dem Gesundheitsamt die „Aktion Morgenluft“ entwickelt hat, welche einen betont freundschaftlichen Umgang sämtlicher Stationsmitarbeiter erzielen soll. Der drogenaffine Assistenzarzt Krogshøj (Søren Pilmark) ist derweil nicht nur damit befasst, allerlei Equipment verschwinden zu lassen, sondern zudem über sämtliche Umtriebe genauestens Bescheid zu wissen und sie bei Bedarf für seine persönlichen Zwecke zu verwenden. Seine Liebe zu der Kollegin Petersen (Birgitte Raaberg) wandelt sich bald in blanke Angst, als er erkennt, dass der Vater des Babys, welches sie erwartet, eine Reinkarnation des bösen Dämons Åge Krüger (Udo Kier) ist, vor vieleLn Jahren Krankenhauschef, unehelicher Vater und Mörder der kleinen Mary und nunmehr höllischer Bösewicht. Das alsbald geborene Kind (Udo Kier) entwickelt sich binnen kurzer Zeit zu einem grotesken Monster, widersteht jedoch tapfer dem Einfluss seines Vaters. Moesgaards nutzloser Sohn Mogge (Peter Mygind) steht indes kurz vor seiner Facharztprüfung, interessiert sich jedoch einzig und allein für die deutlich reifere Schlafforscherin Camilla (Solbjørg Højfeldt).Mogges Lehrer, der Pathologe Bondo (Baard Owe) derweil besessen von seinen Forschungen zum Bereich Leberkrebs, was ihn zu extremen Maßnahmen treibt.

„Riget“ besteht aus zwei, im Abstand von drei Jahren entstandenen, vierteiligen Staffeln, die chronolgisch nahtlos aneinander anknüpfen und sich mit Ausnahme winziger Details (Vorspann) auch in der Wahl ihrer eigenwilligen Form durchweg gleichen. Obschon Lars von Trier dafür teilweise auf seine „Dogma 95“-Statuten zurückgreift – vor allem die verschmierte, rostbraune Kamera nebst der haltlos verwackelten Einstellungen und jump cuts hinterlässt ihre notorischen Spuren – hält er deren maßgebliche Strenge nicht vollends durch. So gibt es etwa eine Musikstonpur und auch die diversen, phantastischen Inhalte pflegen eine eindeutige Genreanbindung. Ein Trisomie-21-Pärchen (Vita Jensen, Morten Rotne Leffers), im Krankenhaus als Spülkräfte beschäftigt, fungieren als allwissende Kommentatoren im Stil der griechischen Tragödie nach Sophokles, die zwei- bis dreimal pro Episode kryptische Hinweise liefern. Zudem tritt am Ende jeder Folge von Trier höchstpersönlich neben den laufenden Abspann und resümiert das soeben Gesehene als Gastgeber des Publikums. Allerdings entsprechen die Avancen in Richtung der Gattung Horror, sofern man von dieser überhaupt sprechen mag, eher Ausflüge in den Bereich der grotesken Komik. Im Gedächtnis bleibt unweigerlich vor allem Udo Kier als monströs mutierter Dämonenhalbling „Brüderchen“ mit immens verbauten Gliedmaßen und eben dem Kopf von Kier, der bald nurmehr in einem Spezialgestell hängen kann, um durch sein gewaltiges Eigengewicht nicht in sich zusammenzufallen. Brüderchens Auftritte erinnern teils an Lynchs „Elephant Man“, sind andererseits jedoch von genüsslicher Widerwärtigkeit. Sehr viel nachhaltiger als das Trara um paranormale Erscheinungen im und ums Reichskrankenhaus ist vielmehr der brillante Ansatz, die Parodie einer x-beliebigen Krankenhaussoap zuwege zu bringen. Die zahlreichen Charaktere bieten hinreichend Projektionsfläche für eine fasziniernde Sammlung unterschiedlichster Kauzigkeiten. Inhaltliche Wendungen und Enthüllungen, wie sie zum üblichen Konzept einer jeden soap opera gehören, erweisen sich als betont absurd. Obgleich es nicht eben leichtfällt, sich eine Lieblingsfigur auszusuchen, kann man eigentlich gar nicht anders, als den unglaublichen Stig Helmer dazu zu küren. Helmer ist ein Fiesling und Misanthrop, wie er vollendeter gar nicht sein könnte, ein selbsträsonistisches Arschloch, nationalistisch, eitel und dazu noch beruflich inkompetent. Järegård spielt diesen Hundsfott mit solch genüsslicher Leidenschaft, dass man wirklich jeden einzelnen Aufzug mit ihm förmlich aufsaugt. Wie er sich im späteren Verlauf um eine Voodoo-Medizin bemüht, um den verhassten, ihn erpressenden  Krogshøj gefügig zu machen (was natürlich gründlich danebengeht), das nimmt sich wahrlich sagenhaft aus. Dicht gefolgt findet sich Helmer von Chefarzt Moesgaard, der mehr oder weniger unwillkürlich an den vertrottelten Commandant Lassard (George Gaynes) aus den „Police Academy“-Filmen erinnert, dessen professionelle Schwachbrüstigkeit jedoch wundervoll ausformuliert. Moesgaard nimmt jeden noch so hanebüchenen Rat an, um seiner Neurosen Herr zu werden und gerät an den verrückten Therapeuten Ole (Erik Wedersøe) und dessen widersinnige Behandlungsmethoden. Gleichauf mit Moesgaard: Der Pathologe Palle Bondo, der völlig davon besessen ist, das Lebersarkom eines sterbenden Patienten zu konservieren und dafür soweit geht, sich das nekrotische Organ zwischenzeitlich selbst einpflanzen zu lassen, um es nur ja nicht zu verlieren.
Zu den Höhepunkten dieses grandiosen Narrenzirkus‘ gehören auch die Sequenzen um die Sitzungen der Geheimloge der betagteren Mediziner des „Riget“: Was eigentlich eine einflussreiche Gruppe in der Tradition der Freimaurer sein sollte, erweist sich als eine abstruse Ansammlung sich eindeutig viel zu wichtig nehmender, alter Kindsköpfe, von denen man keinen einzigen ernst nehmen kann.
„Riget“, ein vitaler Quell scharfen bis abseitigen Humors, ist ungebrochen großartig und ein Musterexempel dafür, was Fernsehen zu leisten im Stande ist, wenn man es nur lässt.

9/10

DON’T KNOCK TWICE

„She lied!“

Don’t Knock Twice ~ UK 2016
Directed By: Caradog W. James

Nachdem sie vor Jahren wegen ihrer Drogensucht ihre Tochter Chloe (Lucy Boynton) in staatliche Obhut geben musste, will Künstlerin Jess (Katee Sackhoff) das mittlerweile fast erwachsene Mädchen nun wieder zurück in ihre Obhut nehmen. Chloe jedoch will zunächst nichts von ihrer Mutter, die mit einem wohlhabenden neuen Mann (Richard Mylan) zusammenlebt, wissen. Das ändert sich rasch, als Chloe infolge einer dummen Mutprobe die Aufmerksamkeit eines weiblichen Dämons auf sich zieht. Sie flieht in Jess‘ großzügiges, rurales Anwesen, wo sie sich zunächst sicher glaubt, doch auch hierhin verfolgt sie das grauenhafte Wesen. Jess, die ihrer Tochter tapfer zur Seite steht, stellt derweil Recherchen an, um was es sich bei der übernatürlichen Kreatur wirklich handelt und wie man sie am Besten wieder loswird….

Den aus walisischer Produktion stammenden „Don’t Knock Twice“ hätte ich mir vor allem deutlich stringenter und kompakter gewünscht. Leider jedoch handelt es sich bei James‘ Film um einen jener diversen einfallslosen Geisterfilm-Vertreter, denen es am Ende bloß darum geht, das gruselige Parawesen (in diesem Falle niemand Geringere als die legendäre Baba Yaga) möglichst prominent in Szene zu setzen und eine hohe Frequenz an jump scares abzuliefern. Diese recht zahlreich bemühte Masche erweist sich in meiner Wahrnehmung als zunehmend kontraproduktiv, da eher kleine,  Genrebeiträge wie dieser ja wohl doch von einem eher „exklusiven“ und zwangsläufig erfahrenem Publikum gesehen werden, das aufgrund der immergleichen Bemusterung ebenjener Filme allerdings kaum mehr die gewünschte Affizierung wird vorweisen können. Durchschaubarkeit, Vorhersehbarkeit und Gewohnheitsmäßigkeit ersticken da zu großen Teilen die unablässige Lust am wohligen Grauen. Gewiss stammt dies ursprünglich aus gut gemeinter Initiation, aber man weiß ja hinreichend um das entsprechende Gegenteil desselben.  Zudem wirkt „Don’t Knock Twice“ zuweilen sehr einfältig in Bezug auf die umständliche Konstruktion seiners Plots. Nachdem die dysfunktionale Mutter-/Tochter-Beziehung etabliert wurde, geht es mit einer „Candyman“-artigen Geisterprämisse weiter („Klopfst du zweimal, kommt ‚Ginger‘ dich holen! Buh!“), die sich dann in den üblichen Geistererscheinungsfloskeln ergeht. Die Oberdämonin findet sich in diesem Zuge als spinnenartige Krabbelkreatur gestaltet, die eigentlich viel kann, aber natürlich doch nicht genug, um ihre sinistren Ziele vehementer, sprich: schneller umzusetzen. Beinahe dümmlich wird es dann, wenn durch Fehlverdachtsmomente und sinistre Intrigen aus dem Geisterreich versucht wird, dramaturgische Cleverness zu erzeugen. All das hätte es nicht gebraucht, hätte sich da nur etwas mehr der Mut zur Konzentration auf Wesentliches ausschlaggebender Kreativfaktor durchgesetzt. So jedoch bleibt lediglich unbefriedigendes Mittelmaß.

5/10

BLAIR WITCH

„Don’t turn around.“

Blair Witch ~ USA 2016
Directed By: Adam Wingard

Ganze fünfzehn Jahre nach dem Verschwinden seiner Schwester Heather, die dokumentarisch einem Mythos um die Blair-Hexe in den Wäldern von Maryland nachgehen wollte, erhält James (James Allen McCune) ein mögliches Lebenszeichen von ihr: Auf einem online gestellten Video aus einer Ruine ist kurz ihr Spiegelbild zu sehen. Gemeinsam mit drei Freunden (Callie Hernandez, Corbin Reid, Brandon Scott) und den zwei Findern von Heathers Filmkamera (Wes Robinson, Valerie Curry) macht sich James in den bewussten Wald auf, um dort seine Schwester zu finden…

Das unter einigem Internet-Hype flankierte Sequel zu „The Blair Witch Project“ ist seiner Kreativköpfe Adam Wingard und Simon Barrett eigentlich nicht würdig. Nach allem, was die beiden bis dato vorgelegt haben, wäre ein vielversprechenderes Projekt von ihnen zu erwarten gewesen als diese tasächlich recht einfallslose Fortsetzung, die das effektive Original weitgehend kopiert und später vulgarisiert. Andererseits muss man feststellen, dass die Woge der sturen Ablehnung, die „Blair Witch“ im Nachhinein entgegenschlug, in dieser Vehemenz auch nicht gerechtfertigt ist, es handelt sich bei Licht und nüchtern betrachtet nämlich noch immer um einen unterhaltsamen Genrebeitrag mit einigen ungemütlichen Momenten, dem man sich am Besten möglichst vorurteilsfrei aussetzt.
Der basale Plot um die Suche nach einer seit fünfzehn Jahren vermissten (und nach rationalen Maßstäben längst verwesten) Person, die lediglich auf einer Sekundenaufnahme fußt, ist schonmal harter Tobak, den man kommentarlos zu schlucken gezwungen ist. Warum man nicht einfach eine Expedition auf die Suche nach der Expedition schickte, erscheint mir schleierhaft. Vermutlich hätte das Ganze dann noch mehr nach Remake gerochen als es das ohnehin schon tut. Weiter geht es mit der Hexe und ihren boshaften Ritualen, die jetzt zu einer weitaus präsenteren und konkreteren Gefahr werden als vermittels der noch recht diffusen Zeichen, die sie im Original hinterließ: Barrett und Wingard machen heuer bereits nach dem ersten Drittel des Films keinen Hehl mehr daraus, dass wir es hier mit einer mächtigen, dämonischen Entität zu tun haben, die Raum, Zeit und Wahrnehmung nach ihrem Gutdünken beeinflussen kann. Ironischerweise enthebt gerade diese Neuerung die Hexe eines Großteils ihrer vormaligen Bedrohlichkeit: Wenn das Ungetüm ohnehin sämtliche äußeren Bedingungen kontrollieren kann, die naiven Kids sozusagen nurmehr Gefangene in ihrem „Reich“ sind und zu reinen Spielbällen verkommen, dann verliert die optionale Frage nach ihrer Flucht komplett an Relevanz und damit einhergehend auch weithin sämtliche Spannung an Bedeutung. Nurmehr das „Wie“ bleibt bestehen; die Hexe selbst wird zur absoluten Herrin ihres parallelweltlichen Terrains, so wie Jason am Crystal Lake, wie Freddy im Traumreich oder Pinhead in der Sadohölle. Horror und Fantasy tauschen die Plätze. Myrick und Sánchez enthielten sich ehedem wohlweislich solcher genreevidenten Katalogisierungen und wählten stattdessen das unbekannte, unbehagliche Mysterium, was ihrem kleinen Film damals seine vordringlichste Stärke verlieh.
Bei Wingard nun kann man das Monster gegen Ende sogar zweimal ganz kurz im Bild erhaschen, bezeichnenderweise die gruseligsten Augenblicke des Films.

5/10

SUICIDE SQUAD

„Seriously, what the hell is wrong with you people?“

Suicide Squad ~ USA 2016
Directed By: David Ayer

Die knallharte Regierungsangestellte Amanda Waller (Viola Davis) stellt ein Team aus Superverbrechern zusammen, um nach Supermans augenscheinlichem Ableben auch künftig möglichen Meta-Bedrohungen begegnen zu können. Um die ebenso gestörten wie asozialen Kriminellen zur Kooperation zu „bewegen“, bekommen sie kleine Bömbchen implantiert, die im Illoyalitätsfalle umgehend zur Explosion gebracht werden können. Geleitet wird das Team von Top-Agent Rick Flag (Joel Kinnaman), den mit einem seiner Schäfchen, nämlich der von der dämonischen Enchantress besessenen June Moone (Cara Delevingne), eine Romanze verbindet. Ausgerechnet sie ist es dann auch, die den ersten Einsatz der „Task Force X“, die sich selbst „Suicide Squad“ nennt, erfordert. Die Enchantress erweckt nämlich in Midway City ihren schlummernden Bruder zum Leben und sorgt dort für ein infernalisches Präludium zum Ende der Welt…

Es gibt Schlimmeres. Dennoch ist DCs „Suicide Squad“, nach „Guardias Of The Galaxy“ und „Deadpool“ bei der Konkurrenz, der nächste Versuch, die klassischen Superhelden-Universen auf der Leinwand wieder etwas zu entdüstern und ein wenig von ihrem früheren, bunten Übermut zurückzuerbitten, hohl, egal und weitgehend uninteressant geraten. Dabei müht sich David Ayer nach Kräften, dem durchaus traditionsreichen Format einen denkwürdigen Kinoauftritt zu spendieren und kann zumindest ein paar Kastanien aus dem Feuer holen. Eine knorke Songauswahl und ein ziemlich schickes Produktionsdesign vermögen jedoch nicht davon abzulenken, dass „Suicide Squad“ im Grunde überhaupt keine Geschichte vorweisen kann, diese aber in der erweiterten Fassung dennoch auf 136 Minuten ausdehnt und am Ende wenig mehr an Effektivität aufbietet, als sie auch ein Rundgang durch den nächsten Comicladen abwirft. Tatsächlich besteht das Maximum an Innovation darin, eine Reihe bunter, böser Figuren ins Feld zu werfen, die ausschließlich mittels mäßig prägnanten Sprüchen und Witzchen kommunizieren und in wechselnde Interaktionssituationen gepfercht werden, um so kontestartig ihre jeweilige, individuelle Exzentrik exponieren zu können. Zwischendurch kämpft die Truppe gegen lehmige, gesichtslose Zombies, die von den dämonischen Geschwistern auf sie losgelassen werden und hervorragend dazu dienen, das allein durch die schurkischen Metagauner implizierte Gewaltszenario auf ein absolut jugendfreies, anonymes Maß herunterzubrechen. Später bewegt sich der Film dann mehr und mehr Richtung „Ghostbusters“, wobei vor allem der Showdown in einem kräftigen Aderlass des Vorbilds kulminiert. Immerhin: die Szene, in der die Suicide Squad sich in einer verlassenen Bar auf ihre Tugenden und moralischen Pflichten besinnt, hat mir sehr gut gefallen; Jared Leto als Joker fand ich keinesfalls so enttäuschend wie vielerorts geunkt wurde und insgesamt war es nett, ein paar sympathische Comicgestalten aus der zweiten Reihe, die noch vor zwanzig Jahren nicht die geringste Chance gehabt hätten, ein derart hoch budgetiertes Blockbuster-Projekt mit ihrer Aufwartung zu beehren, zum Leben erweckt zu finden. Wie eingangs erwähnt, es gibt Schlimmeres. Besseres aber ebenso und nicht zu knapp.

5/10

SOUTHBOUND

„Quit being so fucking mysterious!“

Southbound ~ USA 2015
Directed By: Radio Silence/Roxanne Benjamin/David Bruckner/Patrick Horvath

Eine öde Region im wüsten Südwesten der USA: Hier sind zwei Männer, Mitch (Chad Villella) und Jack  (Matt Bettinelli-Opin) auf der Flucht vor merkwürdigen, fliegenden Kreaturen; hat der Van der dreiköpfigen Girl-Band „The White Tights“, bestehend aus Sadie (Fabianne Therese), Ava (Hannah Marks) und Kim (Nathalie Love), einen Platten, woraufhin sich das Trio von einem merkwürdigen Paar (Susan Burke, Davey Johnson) mitnehmen und zu einem bizarren Dinner einladen lässt; wird die später flüchtende Sadie auf der nächtlichen Straße von dem Wagen des aufgeschreckten Lucas (Mather Zickel) überrollt, der sie daraufhin in ein seltsames Krankenhaus bringt; sucht der aufgebrachte Danny (David Yow) nach seiner seit Jahren vermissten Schwester Jesse (Tipper Newton), die jedoch überhaupt nicht von ihm gesucht werden will; wollen sich drei Maskierte, Shane (Damion Stephens) sowie die bereits bekannten Mitch und Jack, sich einen schuldbehafteten Familienvater (Gerald Downey) vorknöpfen, gehen mit ihrer Rache jedoch zuweit. Nach dem Massaker werden sie von geflügelten Wesen verfolgt…

Anthologie-Horrorfilme, so unter anderem die „V/H/S“-Trilogie und die beiden „The ABCs Of Death“-Stücke, feiern in den letzten Jahren ein fröhliches, geballtes Wiedergehen, nachdem diese kleine Unterart der Grauenskunst über einen langen Zeitraum zwar regelmäßig, aber insgesamt betrachtet doch eher selten ihre Freunde heimsuchte. „Southbound“ gibt sich betont mysteriöser und weniger trivial als das Gros des Subgenres, geht dabei allerdings leider auch etwas mittelbarer und somit distanzierter zu Werke und hält sich am Ende für cleverer als er wirklich ist. Die insgesamt vier Segmente halten von viel vom „old-fashioned creepydom“, wenngleich sie doch nicht ganz darauf verzichten mögen, s. etwa die zweite Episode um den vermutlich kannibalisch umgetriebenen Satanskult. Auch die „Reeker“-Filme scheinen mir ausgiebig zitiert, denn ebenso wie dort geht es hier um verirrte Menschheits-Repräsentanten in einem paradimensionalem Areal oder einer Art Vorhölle, in der allerlei nicht-greifbare und/oder dämonische Entitäten ihr Unwesen treiben und sie auf die eine oder Art heimsuchen, mit Schuld, Sühne und Verfehlungen konfrontieren. Das Ganze wird mittels betont elliptischer Narration serviert, die sich jedoch bereits nach kurzer Spielzeit insofern als Fehlgriff erweist, als dass sie zumindest den uninformierten Zuschauer von Anfang an auf eine Sinnsuche schickt, die sich auf eher unbefriedigende Weise entwickelt. Im Grunde verrät das gelungene, eingmatische Poster zum Film bereits alles, was man über ihn wissen muss bzw. kann: Darauf ist eine Straßenaufnahme in Form eines gigantischjen umgedrehten Pentagramms zu sehen. Ausweglosigkeit und ewiges Gefängnis lauten die beiden große Stichworte, die „Southbound“, dessen Titel natürlich doppeldeutig zu lesen ist, bestimmen. Über die Mittelpracht des Gesamtresultats mögen sie nicht hinwegtäuschen.

5/10

LIGHTS OUT

„Ghosts don’t exist.“

Lights Out ~ USA 2016
Directed By: David F. Sandberg

Für den kleinen Martin (Gabriel Bateman) gehören Horror und Schlaflosigkeit zum Tagesgeschäft: Außer ihm und seiner Mutter Sophie (Maria Bello) lebt nämlich in dem beschaulichen Vorstadthaus noch eine weitere Frau namens Diana (Alicia Vela-Bailey). Bei dieser handelt es sich mitnichten um ein irdisches Wesen, sondern um eine dämonische Entität, die ausschließlich in Dunkelheit und Schatten lebt, sich darin fortbewegt und ihre finstere Macht daraus bezieht. Sobald eine Lichtquelle scheint, ist Diana weder sichtbar noch kann sie etwas bewirken. Als Martins ältere Stiefschwester Rebecca (Teresa Palmer), die sich vor Jahren von Sophie abgewandt hat und in vollen Zügen das Leben einer bindungsscheuen Libertinen genießt, von Martins seltsamem Verhalten über die Schulschwester (Andi Osho) Wind bekommt, will sie dem Jungen unbedingt helfen. Denn auch sie hat dereinst als Kind (Amiah Miller) bereits ihre Erfahrungen mit der bösen Diana gemacht, die von dem plötzlich wachsenden Interesse um ihre ektoplasmische „Person“ alles andere als begeistert ist…

Wie der – um es gleich vorweg zu nehmen, ebenfalls bei Cronenbergs Manifestations-Schrecken wurzelnde, weitaus gelungenere – „The Babadook“ präsentiert sich „Lights Out“ als ein psychologisch geprägter Horrorfilm, dessen übersinnliche(r) ProtagonistIn seine/ihre gesamte Macht und Existenzgrundlage aus der seelischen Disposition einer nachhaltig gestörten Frau bezieht. Hier ist Maria Bello die instabile Person, eine depressive, lebensabgewandte und einsame, zweifache Mutter Ende 40, die aus einer lange zurückliegenden, stationären Therapie einen bitteren Schuldkomplex mitgebracht hat, der sich in der übersinnlichen Gestalt Dianas inkarniert und sie seither quasi auf Schritt und Tritt begleitet. Was sich für Sophie als längst gewohntes, wenngleich unangenehmes Alltagsgeschick darstellt, versetzt ihre beiden Kinder von unterschiedlichen Vätern seit eh und je in hilflos-lähmendes Grauen. Weder ist es ihnen möglich, Dianas Macht über Sophie zu brechen, noch ihrer Mutter sonstwie zu helfen. Die eigentliche Schrecknis liegt also weniger in den bösartigen Aktionen Dianas (als Monster der Dunkelheit genrekonventionell zerzaust, bewährt mit langen Krallen und sich blitzschnell fortbewegendes Gespenst dargestellt), denn in der Verdammung zur Unfähigkeit, ein geliebtes Familienmitglied aus seiner desolaten Situation herausholen zu können. In der Suchtpsychologie bezeichnet man derartiges als Co-Abhängigkeit. Durch die verzweifelten Versuche, dem betroffenen, geliebten Menschen auf alle möglichen Arten zu helfen, leistet man dessen Krankheit nur noch größeren Vorschub. Das lässt sich über Umwege auch auf das klassische Krankheitsbild der Depression übertragen: Wirkliche Abhilfe für sein Leiden kann der/die betroffene PatientIn sich letzten Endes nur durch Einsicht und aus eigener Kraft verschaffen. So endet denn „Lights Out“ auch mit recht bedrückender, tatsächlich jedoch einzig folgerichtigen Konsequenz. Dass dazwischen ein Geister (bzw-. Geistes-)Wesen sein handlungsübliches Trara veranstaltet, gehört nun mal eben zwangsläufig zum Wesen dieses Films, der dadurch allerdings nicht eben interessanter wird. Man muss ergänzend dazu in Betracht ziehen, dass das gesamte Projekt „Lights Out“ letztlich auf einem gleichnamigen, bereits 2013 von Sandberg inszenierten Kurzfilm fußt, der den spektakulären Haupteffekt um das  bereits größtmöglich destilliert und hinlänglich pointiert präsentierte. Ich bin mir nicht sicher, ob der zwingende Ballast eines/dieses ganzen Lang-Features jene grundlegende Idee entscheidend aufwertet, geschweige denn, ob er genügend Futter für ein weiteres Franchise aufbieten kann…

6/10